2002AmerikaKanada

Banff/Lake Louise: Ski the Rockies

Unendliche Weiten in Weiß, gepudert mit pulvertrockenem Champagner-Schnee: Im kanadischen Skizirkus von Banff-Lake Louise fühlen sich Wintersportler wie im siebten Himmel.

100 Kilometer Piste und zig Seitentäler mit Tiefschnee machen Lake Louise (1662 bis 2672 Meter) mit insgesamt 1.620 Hektar zum größten einzelnen Skigebiet Kanadas. Hier, wo im November die Elite der Skidamen stets zum ersten Weltcup-Rennen der Saison startet, werden 113 Abfahrten an den Flanken von Mount Whitehorn (2.672m) und der Eagle Ridge (2.530m) allen Ansprüchen gerecht.

Anfänger freuen sich über breite, flache „Autobahnen“, auf denen sie die Ski einfach laufen lassen und die Aussicht genießen können: hier der vereiste See Lake Louise mit dem Victoria-Gletscher, dort der Temple Mountain und die Bergriesen der Rockies. Konditionsstarke Könner schwingen und springen zwischen mannshohen Buckeln hin und her.

Luxus am Lake Louise: das Fairmont-Hotel „Chateau Lake Louise“

Die „back bowls“ von Lake Louise

Auf Tiefschnee-Profis warten windgeschützte „back bowls“, Schneeschüsseln auf der baumlosen Rückseite der Berge, und Kanadas steilster Hang. Und wer dann doch plötzlich Schwierigkeiten hat, seine kühnen Wedelträume zu wagen, muss dennoch nicht die Ski abschnallen. Auch aus dem schwersten schwarzen Hang führt eine leichtere Alternative zurück ins Tal – so haben Anfänger, Könner und Experten gleichermaßen Zugang zum gesamten Gebiet.

Auf Snowboarder warten die Sprungschanzen und Halfpipes des „The Jungle“, der größten Anlage Nordamerikas, auf Langläufer das Loipennetz rund um den zugefrorenen Lake Louise. Müde Winterwanderer werden mit Pferdeschlitten zurück zum Chateau Lake Louise gebracht, dem feinsten Hotel der Rocky Mountains.

Ein Dutzend Raupen sorgen rund um die Uhr für perfekte Paradepisten: daunenweiche Routen mit feinstem „Champagne Snow“, pudertrockenem Pulverschnee mit einem Wassergehalt von nur sieben Prozent. Spiegelglatte Eisbahnen oder braune Stolperstellen sind so gut wie unbekannt, Schneemangel eine Seltenheit. 40 Prozent des Skigebietes können bei Bedarf künstlich beschneit werden.

Am Lake Louise – der See gab dem Skiort seinen Namen.

Für den richtigen Überblick sorgen die „Ski Friends“ – Pensionäre, Studenten und andere skibegeisterte Einheimische, die dreimal täglich ehrenamtlich die neuen Gästen durch das Terrain führen. Elf Lifte schaffen schnelle Verbindungen. Selbst in der Hauptsaison garantiert Lake Louise eine Wartezeit von weniger als zehn Minuten – dank der Liftkapazität von 15.000 Skiläufern pro Stunde. Das ist Rekord in den Rockies.

Banff: Abfahren im Nationalpark

Der Tri-Area-Liftpass von Lake Louise gilt auch in den Skigebieten des ebenso berühmten Nachbarortes: Banff. Nicht nur Europäer, sondern auch Australier und Japaner zieht es zunehmend in die Kleinstadt auf 1.645 Meter Höhe. Grandios wie die Wälder und Bergen des 1600 Hektar großen Banff National Park ist auch die Unterkunft, die sich mitten im ältesten Nationalpark des Landes erhebt: das mehr als 100 Jahre alte Bergschloss Banff Springs Hotel mit seinen 800 Zimmern, 14 Restaurants, 50 Geschäften und eigenen heißen Schwefelquellen in der Wellness-Oase.

Das Banff Springs Hotel im gleichnamigen Skiort

Der Skibus bringt die Gäste in weniger als zehn Minuten zu Hausberg Banffs. Bereits 1948 ging am Mount Norquay (1.636 bis 2.133 Meter) der erste Lift in Betrieb. Heute erschließen fünf Lifte den 65,5 Hektar großen Skihang. Bis in die 1990-er Jahre als „Knochenbrecher“ berüchtigt, weist Mount Norquay heute auch elf Prozent der 28 Abfahrten als „leicht“ aus. 89 Prozent sind mittelschwer bis schwer – so wie „The American“, die extrem steile Buckelpiste mit Panoramablick am oberen Einstieg.

Kanadas höchstgelegenes Skidorf

Nahezu senkrecht hinab geht es im Skigebiet Sunshine Village (1.658 bis 2.730 Meter). Kanadas höchstgelegener Skizirkus kann entgegen seines verheißungsvollen Namens zwar nicht Sonnen-schein, wohl aber Schneesicherheit von November bis Mai garantieren. Mehr als neun Meter Pulverschnee fallen pro Saison, die von November bis weit in den Mai andauert. 18 Jahre lang war hier die 800 Meter lange Abfahrt an der Nordflanke des Lookout Mountain (2.730 Meter) geschossen.

Erst seit 1999 dürfen Snowboarder und Skifahrer wieder den „Delirium Dive“ wagen – vorausgesetzt, sie sind mit Helm, Lawinensuchgerät und Rettungsschaufel ausgerüstet. Nur Teams können die Check-In-Gate passie-ren. Solo-Schwünge sind auf der steilsten Abfahrt der Rockies verboten. Ihr Gefälle: 39 bis 45 Prozent.

Doch Sunshine Village bietet nicht nur Adrenalin-Kicks für Extremfahrer. Nur fünf Prozent der Hänge im 1.267 Hektar großen Terrain zwischen Goat’s Eye Mountain, Lookout Mountain und Mount Standish zieren „double diamonds“, tiefschwarze Rauten, die nur einst bedeuten: unpräparierte „slopes“, schwindelerregend steil und bucklig. 55 Prozent der 93 Pisten sind dagegen „runs“, blau oder rot markierte Abfahrtgen für jedermann. Wo Anfänger erste Schwünge üben können, weisen grüne Schilder den Weg.

Eine rollstuhlgerechte Hochgeschwindigkeits-Gondel bringt Skifahrer vom Parkplatz in weniger als 13 Minuten hinauf zum Sunshine Village, der turbulenten Drehscheibe im Skizirkus auf 2.170 Meter Höhe. Umgeben mehreren Liften liegt hier mit dem Sunshine Inn das einzige „Ski In, Ski Out“-Hotel der Region – Bett und Abfahrt trennen wenige Meter.

Winter pur in den kanadischen Rockies – er beginnt gleich neben dem Icefields Parkway

Ski the Rockies: die Infos

Hinkommen

Mit Air Canada/Lufthansa in rund neun Stunden täglich von Frankfurt nonstop nach Calgary, von dort 90 Minuten Transfer nach Banff. Östlich von Jasper liegen Hiton Airport; (45 Minuten) und Edmonton Airport (3,5 Stunden).

Zeit

Alberta liegt in der Mountain Time Zone (MEZ minus 8 Stunden)

Online-Infos

Bundesstaat Alberta
www.travelalberta.com

Rocky Mountains
www.canadianrockiestourism.com

Lake Louise Ski Area
www.skilouise.com/

Skigebiet Banff
http://skibanff.com

Weitere Skiorte in Alberta

Jasper
www.skimarmot.com

Canmore
www.tourismcanmore.com

Nakiska
www.skinakiska.com

Fortress
www.skifortress.ca

Dieser Beitrag ist 2002 auf Spiegel Online, in aktualisierter Form 2008 im Handelsblatt erschienen.

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