Cornwall: Die Küste der Kelten

Cornwall ist eine ganz besonderer Landstrich – rund ums Jahr. Das alte, mystische Königreich ist ein Land voller Legenden, übersät mit verwitterten Menhiren, keltischen Kreuzen und mehr als 300 heiligen Quellen.

Im äußersten Südwesten Englands gelegen, wirkt die Grafschaft bis heute der Bretagne in vielem viel näher als dem übrigen England. Die keltische Kultur, in Ortsnamen und Festen verewigt, ist hier noch lebendig. Die Angelsachsen scheuten die abgelegene Landschaft. Erst 875 starb mit Dumgarth der letzte cornische König.

In Cornwall ist die See nie weit. Über der Südküste schwebt ein Hauch von Mittelmeer. Palmen wiegen sich im lauen Wind, der Golfstrom sorgt für angenehme Badetemperaturen. Seebäder mit Flair wechseln sich ab mit einsamen Badebuchten und endlos langen, weiten Sandstränden.

Die Heimat von König Artus

Die Nordküste ist wilder und zerklüfteter. Hier rollen die Brecher des Atlantik rollen an goldgelbe Strände, schützen Burgen die Buchten. Manche sind sagenumwoben wie  Tintagel Castle, wo einst König Artus geboren wurde. Im legendären Slaughterbridge nahe der historischen Stadt Camelford soll König Arthur seine letzte Schlacht geschlagen haben.

Die unzugängliche Küste mit ihren Klippen diente jahrhundertelang auch Schmugglern als Versteck. Das winzige Dorf Cawsand und sein Nachbarort Kingsand beheimateten einst eine der größten Schmuggelflotten des West Country. Heute ankern Segeljachten in der Tamar-Mündung.

Heide und Hochmoore

Im Binnenland wechseln einsame Heideflächen und Hochmoore wie das karge Bodmin Moor, von dem sich Daphne du Maurier zu ihrem Erfolgsroman Jamaica Inn inspirieren ließ, mit fruchtbarem Ackerland. Auch für den Roman „Rebecca“ lieferte Cornwall die Kulisse. In Erinnerung an die Autorin feiern Fowey und St. Austell Bay alljährlich im Mai seit sechs Jahren ein „Daphne du Maurier Festival of Arts & Literature“. Seine gelungene Mischung aus Vorträgen, Wanderungen, Shows und großen Namen machte es inzwischen zu einem der populärsten britischen Festivals.

Auch Rosamunde Pilcher ist Cornwall ans Herz gewachsen. Die Landschaft und ihre Menschen inspirierten die Schriftstellerin zu Erfolgsromanen wie „Karussell des Lebens“ (The Carousel), „Stürmische Begegnung“ (The Day of the Storm) oder „Sommer am Meer“ (The Empty House). Die Drehorte sind zugleich einige der schönsten Destinationen der Grafschaft.

Gefilmt wurde bei Mount Edgcumbe, im Surferparadies Newquay, auf der Lizard Halbinsel mit ihren Buchten Kynance Cove und Church Cove Schluchten und in Rock, dem Ferienort der Prinzen William und Harry. Im Herrenhaus Prideaux Place bei Padstow wurden allein drei Pilcher-Filme gedreht.

Die Künstler-Küste

Nicht nur Schriftsteller, auch Maler zog es in das abgelegene Land. In St. Ives, der Künstlerkolonie an der Küste, fanden Ben Leach, Barbara Hepworth und andere ihr „Nizza des Nordens“. Kaum ein Fischerort ist jedoch so fotogen wie Polperro. Terrassenartig steigen die Häuser in Weiß und Pastell den Hang hinauf, überall schmücken Blumen Vorgärten und Fassaden. Eine Szenerie, fast wie in Italien. Der Maler Oskar Kokoschka, der hier als Emigrant lebte, hat sie auf seinen Bildern festgehalten.

Hier endet und beginnt Britannia

Beim Radfahren und Wandern lässt sich Cornwall am schönsten erfahren. Erfahrene Wanderer führt der 986 Kilometer lange South West Coast Path von Devon bis nach Land’s End, dem westlichsten Punkt des britischen Festlands. Während zu Land hier ein Amusement Park für Action sorgt, branden die Wellen hoch gegen die Klippenküste. Auf Cornisch heißt sie Pen-Von-Las – „Hier ist die Welt zu Ende“. Oder doch nicht ganz: Verborgen unter den Wellen sollen die letzten Überreste des Lost Land of Lyonnesse, des britischen Atlantis, ruhen…

Untergegangen ist auch der Zinn- und Kupferbergbau, noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Heute sind die Maschinenhäuser verfallen, die Schächte verschlossen. Im ehemaligen Zentrum der Minenindustrie Camborne halten eine „School of Mines“ und die Ausstellung „Cornish Mines & Engines“ die Erinnerung an die Anfänge des Industriezeitalters wach.

Zauberhafte Gärten und Landsitze

Romantische, reetgedeckte Cottages und kleine Häuser aus grauem Granit prägen die Dörfer. Hier und da erheben sich prachtvolle Herrenhäuser, umgeben von alten Gärten, die mittlerweile wieder entdeckt und restauriert wurden. Viele dieser Landsitze und Gärten werden von Organisationen wie National Trust oder English Heritage verwaltet und können besichtigt werden.

Zahlreiche größere Gärten besitzen charmanten Cafés oder Restaurant, in denen Cream Tea, Cornish Pasty oder andere kulinarische Klassiker serviert werden. Von März bis Mai ist der Besuch der Gärten ein besonderer Genuss: Das „Festival of Spring Gardens“ verwandelt sie in eine duftende Farbenpracht.

„Herr“ über dieses Land ist der Duke of Cornwall, Prinz Charles. Der Thronfolger bezieht keine vom Steuerzahler aufgebrachte Apanage, sondern lebt von den Pachten seines Grundbesitzes im Duchy of Cornwall. Ein zweites Standbein ist vor einigen Jahren hinzu gekommen: Fruchtsäfte und Haferkekse aus eigenem Öko-Landbau – sie sind ein wahrhaft königliches Souvenir aus Cornwall.

Dieser Beitrag wurde am 2. Oktober 2003 von Spiegel Online veröffentlicht.

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