Dolomiti Stars: die Sterne der Dolomiten

Sie sind die “Dolomiti Stars” der Dolomiten von Venetien: die vier Skiregionen Arabba, Padon/Marmolada, Civetta und Falcade/Trevalli. Wo die Pioniere des Alpinismus vor mehr als 100 Jahren mit Steigeisen und Fellen die Hänge erklommen, erschließen heute moderne Aufstiegsanlagen 250 Kilometer Pisten mit Panorama-Aussichten auf mächtige Dreitausender – die eisbedeckte Marmolada (3.342 Meter), den Monte Civetta (3.218 Meter), die Sellagruppe (3.151 Meter) und den Monte Pelmo (3.168 Meter).

Ein kostenloser Bus-Shuttle, der in 30 Minuten die Runde zwischen Alleghe und Falcade macht, vernetzt die fünf Dolomiti Stars. Mit 80 Pistenkilometern ist Ski Civetta nicht nur das größte Gebiet im Verbund, sondern von ganz Venetien. 28 Lifte – 20 Schlepplifte, sechs Sessellifte und zwei Kleingondelbahnen – verbinden die Pisten von Alleghe, Selva di Cadore, Palafera und Val di Zoldo zu einem Skikarussell in 1.500 bis 2.200 Meter Höhe. Betriebsames Eingangstor zum Skizirkus im Schatten des Monte Civetta ist Alleghe.

Die Tische der Straßencafés, die sich an der Durchfahrtsstraße drängen, sind bis auf den letzten Platz besetzt. Auf dem vereisten Stausee trainiert die örtliche Eishockeymannschaft. Alleghe, knapp 1.700 Einwohner groß, ist der kleinste Ort Europas mit einer Mannschaft in der obersten Spielklasse.

Dort, wo ein enges Tal das Ufer berührt, schwingt sich eine Kabinenbahn mit sechs Plätzen hinauf zu den Piani di Pezzè, dem zentralen Verteiler zu den anderen Pisten des Skigebietes. Ihre Kapazität – 33.000 Wintersportler pro Stunde – ist längst noch nicht ausgereizt. Im Gegensatz zum nur 30 Kilometer entfernten Cortina d’Ampezzo ist Civetta ein ruhiges, beschauliches, geradezu familiäres Skigebiet geblieben.

Die breiten Hänge bietet Freiraum für alle – Abfahrtsläufer, Tourenskigänger, Snowboarder oder Spaziergänger kommen gleichermaßen auf ihre Kosten. Das Terrain ist ideal zum Saisonstart: 90 Prozent aller Pisten sind einfach oder mittelschwer, nur sechs Kilometer Piste stellen den Skifahrer vor schwere Herausforderungen. Ist die Naturschneedecke noch zu dünn, können 90 Prozent der Piste mit 75 Schneekanonen künstlich beschneit werden.

Auf Langläufer warten 25 Kilometer gespurter Loipen. Hoteltürme im Hochgebirge oder mondäne Boutiquen fehlen, behäbig und rustikal präsentieren sich die wenigen Hotels, Pensionen und Geschäfte.

Sobald die Sonne hinter den Bergen versunken ist, verlängern die drei Fluchtlichtpisten von Zoldo von Dienstag bis Sonnabend den Skispaß bis weit in die Nacht – erst um 23 Uhr erlischt das gleißende Licht.

alcade: Skiläufer am Col Margerita
Skiläufer am Col Margerita

Neueste Attraktion von Falcade ist die Skitour dell’Amore, eine Rundtour zu Punkten mit den Schwerpunkten Liebe, Familie, Freundschaft. Die Tagestour beginnt mit der Pista degli Innamorati, der Piste für Verliebte – einer zwölf Kilometer langen, abgeschiedenen Abfahrt vom Col Margherita, mit 2.513 Metern höchster Punkt der Skizone, nach Falcade.

Vom Ortszentrum schwebt eine Sesselbahn hinauf zum San Pellegrino Pass, einem familienfreundlichen Terrain mit 60 Kilometer einfacher Pisten, Schneekinderland und Skischule. Moena und die Luisa-Alm stehen im Zeichen der Freundschaft: Animation und Après Ski in den zahlreichen Bars und Berghütten, Diskotheken und Pizzerien sollen hier helfen, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Sicher zurück geht es mit dem kostenlosen Skibus.

Die 30 Kilometer langen Langlaufloipen schlängeln sich über die Hochebene von Falcade und das nahe Val de Gares, vorbei an den noch mehr als 350 alten „tabiàs“, Heuschobern aus dunklem Holz. Hier und da hängen Maiskolben zum Trocknen im Gebälk, bedeckt von einer weißen Schneehaube. Motive wie diese faszinierten Augusto Murer, 1922 in Falcade geboren. In Kohle hielt er die Knoten der Baumstämme, das Profil einer Steilwand oder die glatten Steine eines Bergbachs auf Papier fest. Für seine Skulpturen wählte Murer Bronze. Sein Atelier im Ortsteil Molino ist heute Museum.

Civetta: Skiläufer am Col dei Baldi
I/Venetien/Civetta: Skiläufer am Col dei Baldi

Arabba am Fuße des Sella-Massivs ist idealer Ausgangspunkt für die Sellaronda, einer Skitour, die über die vier Pässe Campolongo, Sella, Gardena (Grödner Joch) und Pardoi führt. Neu ist die Skitour Marmolada. Von Arabba geht es mit der Kabinenbahn „Europa“ zunächst zur Porta Vescova, deren Form an eine Bischofsmütze erinnert, dann auf der schnellen Piste „Ornella“ hinab nach Pescoi. Über den Grat des Passo Pardon führt die Skiroute zum Fedaia-Pass und von dort in drei Etappen über mehr als 1.300 Höhenmeter hinauf zur Punta Rocca, wenige Meter unter dem Gipfel der Marmolada (3.342 Meter) gelegen.

Alternativ – und weniger anstrengend: Erst an der Porta Vescovo die Aussicht auf den Marmolada-Gletscher mit seinem ganzjährigen Skibetrieb genießen. dann Genuss-Schwingen auf den Pisten des Padongebietes, die vom Padon Pass in 2.400 Meter Höhe hinunter nach Malga Ciapela auf 1.500 Meter Höhe führen – und schließlich von dort mit der Seilbahn zur Bergstation schweben.

Wie eine Königin empfängt der höchste Gipfel der Dolomiten die Besucher auf seinem eis- und schneebedeckten Haupt. Nach Süden bricht senkrecht eine 800 Meter hohe Wand ab, gen Norden neigt sich der glitzernde Eispanzer zum Fedaiasee hinab, aus der Ferne grüßt Monte Pelmo. Hinab ins Tal führt eine Piste mit seltener Länge: 16 Kilometer Skifahren ohne Unterbrechungen.

Wären da nicht die Ausblicke… und die Verlockung, abseits der planierten Piste im puderweichen Neuschnee der Strecke zu folgen, auf der in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts das erste Abfahrtsrennen ausgetragen wurde. An der Mittelstation Serauto hält das  höchstgelegene Museum Europas die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg mit dem zweijährigen Stellungskrieg zwischen Österreich und Italien auf der berüchtigten „V-Scharte“ wach.

Die 100 Kilometer lange Mammut-Skitour Giro della Grande Guerra rund um den Col di Lana (2.462 Meter) verbindet alle Ortschaften, die Schauplatz von Kriegsschlachten waren. Schießscharten, Galerien, Bunker und Stollen säumen die ehemaligen Frontlinie, die zwei Mal die damals hart umkämpfte Grenze von Italien und Österreich überschreitet. Doch die historische Tour ist nicht nur eine Schau des Schreckens – sie präsentiert, ganz nebenbei, die schönsten Gipfel auf der Sonnenseite der Dolomiten.

Mit Rucksack, Seil, Pickel und Karabiner bepackt, stapft eine kleine Gruppe am Rand der Pisten hinab. Ihr Ziel: die tief eingeschnittene, rund zwei Kilometer lange Schlucht Serrai di Sottoguda. Vor einem vereisten Wasserfall machen sie Halt, vergleichen die Kletterkarte mit den klirrenden Kaskaden aus Eis. Dann beginnt der Erste, sich langsam an einer der Eissäulen empor zu ziehen.

Zum Dolce Vita im Schnee gehört bei den Dolomiti Stars der Einkehrschwung mit Hüttenzauber. Am Col di Baldi lagern Jugendliche und Junggebliebene vor der gut beschallte Skihütte im Schnee. Andere treffen sich zum Après-Ski an der Iglu-Bar am Parkplatz der Kabinenbahn von Pecol.

Grappa-Wirt Ivo Torre vom Ristoro Belvedere
Grappa-Wirt Ivo Torre

Am Ristoro Belvedere schenkt Ivo Torre an seiner Schneebar in 2.000 Meter Höhe hausgemachten Grappa aus – versetzt mit Heidelbeeren, Himbeeren, Mirabellen, Oliven oder Kräutern. Die grandiose Aussicht auf Marmolada, Sellagruppe und Monte Pelmo gibt es gratis dazu. In den Rifugios rund um Arabba beginnt das Leben nach Schließung der Lifte: Musica & Mangiare lautet das Abendprogramm. Live-Musik und italienische Küche lassen Stunde um Stunde verstreichen, und erst im Dunkel der Nacht gleiten die Gäste langsam mit Ski und Fackel zurück zum Hotel.

Der Beitrag wurde am 26. November 2002 vom gms-Themendienst der dpa verbreitet und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt. Spiegel Online veröffentlichte ihn als Skitour dell’Amore.

Grappa-Wirt Ivo Torre vom Ristoro Belvedere mit Gästen
Grappa-Wirt Ivo Torre vom Ristoro Belvedere mit Gästen

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