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Dry Tortugas: das Mega-Fort im Meer

Anflug auf Garden Key, die Hauptinsel der Dry Tortugas.

100 Kilometer westlich von Key West, am äußersten Zipfel der Florida Keys, liegen die Dry Tortugas. Ihre sieben Sandbänke, beherrscht von der massiven Festung des Fort Jefferson, bilden seit 25. Oktober 1992 einen Nationalpark, der einmalig ist – unter wie über Wasser. Ponce de Leon entdeckte dieses Idyll 1513. Die damals noch unzähligen Seeschildkröten, spanisch “tortugas”, lieferten frisches Fleisch als Proviant auf seinen Schiffen.

Der Zusatz “dry” kam hinzu – als Hinweis, dass es hier bis heute kein frisches Wasser gibt. Im frühen 19. Jahrhundert erkannten US Militärs die strategische Bedeutung der Dry Tortugas. Mitten im Meer errichteten sie eines der größten Forts Amerikas. Seine wechselvolle Geschichte zwischen Krieg und Knast lässt sich auf eigene Faust entdecken. Schild-Soldaten aus dem Bürgerkrieg weisen dabei den Weg.

Der kleine Anleger von Garden Key.

Die Militärs gingen, die Mode brachte neue Männer: Eierdiebe. Vorsichtig schlichen sie sich an die brütenden Vögel heran und rissen ihnen die Federn heraus. Besonders die Federn der Reiher waren sehr begehrt. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts kostete eine Unze Reiherfedern 30 Dollar – und war damit doppelt so viel wert wie Gold.

Um die nistenden Vögel zu schützen, wurden die Dry Tortugas 1908 als Wildlife Refuge unter Schutz gestellt. Fast 30 Jahre später wurde der Schutz auf das kulturelle Erbe ausgeweitet: 1935 erklärte der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt Fort Jefferson und seine Gewässer zum National Monument.

Dry Tortugas: Sieben Inseln & viel Meer

Dazu gehören neben den touristisch genutzten Gebieten Garden Key und Loggerhead Key die Naturparadiese Bird Key, Hospital Key, Long Key und East Key. Middle Key, ein 50 Meter langer, schmaler Sandhaufen, liegt im Sommer unter der Wasseroberfläche. Der heutige Nationalpark schützt auch das unberührteste Korallenriff der Florida Keys.

Hohe Strafen für Schnorchler und Taucher sollen dafür sorgen, dass die einzigartige Unterwasserwelt auch künftig erhalten bleibt. Das Entfernen eines spiny lobsters, des heimischen Languste, wird mit Hunderten Dollar, das Mitnehmen einer queen conch mit noch höheren Strafen geahndet.

Gibraltar des Nordens: Fort Jefferson.

Größtes Fort im Meer

Hauptinsel der Dry Tortugas ist Garden Key. Das 6,4 Hektar große Eiland wird dominiert vom Gibraltar des Golfes: Fort Jefferson. Benannt nach dem dritten US-Präsidenten, begann der Bau des massiven Festung 1846, um die Schifffahrtsrouten im Golf von Mexiko zu schützen und kontrollieren. Trotz 30-jähriger Bauzeit, immer wieder unterbrochen von Gelbfieber-Epidemien und Hungersnöten, wurde das Fort niemals vollendet.

Schuld waren Konstruktionsprobleme: Die Festung war im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut. Setzrisse waren die Folge. So war es glückliche Fügung, dass es hier nie zu ernsthaften Kampfhandlungen kam. Das Ende des Bürgerkriegs und die Erfindung des neuen Gewehrtyps rifled cannon machten den Bau überflüssig. Er wurde Kerker.

Bis zu 800 Häftlinge hausten hier – darunter auch vier Männer, die angeblich ein Attentat auf Präsident Abraham Lincoln geplant hatten: Michael O‘Loughlin, Samuel Arnold, Edward Spangler und Dr. Samuel Mudd. Bei Hitze und Hunger mussten sie den damals härtesten Knast der USA ausbauen. Ihre Wärter waren gefürchtet wegen ihrer Grausamkeit.

Ein Wassergraben und imposante Mauern schützen Fort Jefferson.

Warum ein Wassergraben das Fort umgibt, scheint – mitten im Meer – auf den ersten Blick verwunderlich. Auf den zweiten Blick verrät er, wie geschickt die Erbauer des Forts die Natur imitiert haben. So, wie ein Riff die Wellen vor der Küste bricht, schützt die Seemauer die Fassade der Festung. Zudem konnten Angreifer schlechter Enterhaken werfen, um das Gebäude zu stürmen. Heute bietet der ein Kilometer lange Weg zwischen Wassergraben und Meer die Möglichkeit, das Fort von allen Seiten zu erkunden.

Sogar unter Wasser: Die Strecke entlang der Festungsmauer lohnt sich für Schnorchler. Direkt an der Festung liegt die Swim Beach. Hell glitzert der feine Sandstrand im Sonnenlicht. Unter den Kiefern wird gegrillt. Kinder plantschen im Wasser. Überall ragen Schnorchel aus den Fluten. Gibt es eine schönere Einladung zum Entspannen?

Azurblau und glasklar:  das Meer am Strand von Garden Key, Sandstrand mit Fort

Seeschwalben & Seeschildkröten

Das kleine Bush Key, von der Pier auf Garden Key gut zu erkennen, ist Nistplatz riesiger Seeschwalben-Kolonien. Die Vögel kommen teilweise aus Westafrika hierher, um hier im April/Mai ihre Eier zu legen und sie auszubrüten. Vier Kilometer westlich von Garden Key liegt Loggerhead Key. Auf dem größten Key der Tortugas warnt seit 1858 ein Leuchtturm die Seeleute vor der felsigen Küste.

Taucher und Schnorchler finden faszinierende Unterwasserwelten vor. Zu den beliebtesten Plätzen zählt ein Riffabschnitt mit dem Namen Little Africa. Drei Vertäubojen ermöglichen das Festmachen von Booten, ohne das Riff durch Anker beschädigen. Nicht weit davon entfernt liegt das Tauchgebiet Windjammer Site. Am 21. Januar 1907 war hier der norwegische  Großsegler  SS Avanti mit Holz an Bord unterwegs von Pensacola im Norden Floridas nach Montevideo/ Uruguay auf Grund gelaufen. Drei Bojen markieren die Umrisse des Wracks.

Mit dem Wasserflugzeug ist der Anflug am schönsten, finde ich.

Dieser Beitrag ist im Jahr 2000 im Online-Magazin Schwarzaufweiss erschienen. Mehr über die Inseln findet ihr in meinem Band „Florida Keys“, bei Erscheinen im Jahr 2000 der einzige Reiseführer zu den Florida Keys (heute vergriffen).

 

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