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Ein Tag auf Rottnest Island

Wahrzeichen von Rottnest: die Quokkas

Fangt eure Reise mit der Fähre an, und nicht mit der Vorortbahn nach Fremantle. Leuchtend rot-weiß ist der Rottnest Express an Pier zwei der Barrack Street Jetty vertäut. Makellos blau spannt sich der Himmel über dem Swan River. Eine kurze Einweisung zur Sicherheit an

Bord, und schon gleiten wir am neu gestalteten Elizabeth Quay vorbei, blicken über die Waterfront auf die Hochhaustürme und Baukräne des Central Business District (CBD, Innenstadt), lassen die Klippen, auf denen der Kings Parks ruht, hinter uns, die umgenutzte Perth Brewery, Perth und den seeartig breiten Teil des Flusses und gleiten jetzt hinab nach Fremantle.

Anreise übers Meer: Rottnest Island lässt sich gut per Fähre oder eigenem Boot erreichen
Anreise übers Meer: Rottnest Island lässt sich gut per Fähre oder eigenem Boot erreichen

Eine Stunde lang passieren wir Villen, eine edler als die andere, Meere von Masten und Wimpeln in schmucken Marinas, idyllische Badebuchten und kleine Strände. Fremantle. Ein kurzer Stopp, noch mehr Ausflügler. Dann dreht der Kapitän die Maschine hoch, und der Katamaran zeigt, was in ihm steckt. Wie ein Pfeil schießt er durch die Wellenbergen des Indischen Ozeans.

Doch dann glätten sich die Wogen, spiegelglatt liegt die See da. Bojen in rot und gelb setzen Farbtupfern. Dann taucht Rottnest am Horizont auf, felsig, braunrot, umgeben von einem Kranz an Motorjachten und schnittigen Seglern. „Please remain seated“ quäkt es aus dem Lautsprecher. Doch die Ausflügler stehen auf undn zücken Kameras und Handys.

Settlement: der Hafen von Rottnest Island
Settlement: der Hafen von Rottnest Island

Rottnest Island: Rauf aufs Rad

11 Kilometer lang, 4,5 km breit, gesäumt von 20 Buchten mit 63 Stränden und glasklarem Wasser, ist Rottnest Island das ganze Jahr hindurch der wohl beliebteste Playground von Perth. Zumal die Insel nahezu autofrei ist. Hier wird geradelt, marschiert, den Inselbus oder das Segway genommen. Und das trotz der Gestalt der Insel.

Ist die erste Düne, der erste Hügel erklommen, vertreibt der Fahrtwind den Schweiß, präsentiert sich die nächste Erhebung, noch höher und schöner als die gerade passierte. Wir hätten mehr Wasser mitnehmen sollen.. denn außerhalb des touristischen Zentrums The Settlement, Hafen, Hotelstandort und fußgängerberuhigte Fressmeile, umgibt uns nur: Natur. Und nirgends ein Wasserspender oder Brunnen. Also zurück, erneut gestartet zur Inselrunde.

Rottnest ist autofrei. Warum nicht eine Erkundungstour per Segway?
Rottnest ist autofrei. Warum nicht eine Erkundungstour per Segway?

Kanonen & Korallen

Unser erstes Ziel: Kingstown Barracks –- Kasernen aus Backstein, erbaut zur Verteidigung des Hafen von Perth im Zweiten Weltkrieg. Geometrisch, gradlinig, kantig. Heute nächtigen hier Lehrer und Schüler, die das Klassenzimmer für einige Tage auf die Naturinsel verlegt haben. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich das Rottnest Island Hostel und die Selbstversorgerhütten des  Governor’s Circle.

Ebenfalls zur Küstenverteidigung im Zweiten Weltkrieg erbaut wurde die Oliver Hill Battery (1935-1939) mit einem Gewirr unterirdischer Gängen und Räumen und 9.2 Inch großen Kanonen, deren Kugeln Schiffe in bis zu 28 Kilometer Entfernung versenken konnte. Trotz der Wärme frösteln wir.

Die Kingstown Barracks von Rottnest Island
Die Kingstown Barracks von Rottnest Island

Nix wie hin zur Küste. Und trotz der Tagesbesucher – eine halbe Million sind es jedes Jahr–- finden wir einen Strand fast ganz für uns allein.Eine Treppe führt hinab. Weißer Strand, eine Handvoll skurril ausgewaschener Felsen, perfekt als Schattenspender, und glasklares Wasser. Umziehen, reinlaufen.  Brrr… war das kalt! 17 Grad… und das am Ende des Sommers.

Doch was hilft’s: Wir sind an einem Postkarten-Idyll, das müssen wir jetzt rein. Durchhalten, wie die Korallen, die so weit südlich nur dank des warmen Leeuwin-Stroms überleben. Nach dem ersten Bibbern gab es sogar einiges zu entdecken unter Wasser. Krabbeltier, Seegras und sogar ein Wrack.

Kein Wunder bei dem Unterwassergebirge, dass sich uns hinter der Tauchermaske auftut – ein Schnorchelset mit Flossen, Maske und Schnorchel lässt sich wie das Fahrrad gleich beim Ticketkauf mit Rottnest Express hinzubuchen. Ein Service, den auch die Konkurrenz bietet.

Hüpfende Minis

Viel zu schnell vergeht die Zeit. Ein Tagesausflug, das merken wir mit Schreck beim Blick auf die Uhr, reicht kaum, um die Insel zu erkunden. Man müsste bleiben – oder wiederkommen. Doch beim Zurückradeln zum Anleger müssen wir noch einmal halten: Quokkas! Gleich ein ganzes Dutzend, direkt vor uns am Rand der Straße.

„Rattennest“ hatte der holländische Entdecker Willem de Vlaminingh, der die Insel am 29. Dezember 1696, die Insel genannt. Doch Quokkas haben mit den Nagern nichts gemein. Es sind vielmehr putzige Miniausgabe von Kängurus, flauschig und flink. Als wir anhalten, kommen sie gleich angehüpft, schnuppern zutraulich an meinen Füßen und nutzen unser Abgelenktsein, um die hingestellten Taschen nach Essbarem zu inspizieren…

Rottnest Island (Wadjemup): meine Reisetipps

Hinkommen

Zwei Unternehmen bieten Fährverbindungen an: Rottnest Express (Tel.13 00 46 76 88) startet ab Fremantle and Perth City
Rottnest Fast Ferries (Tel.  +61 8 92 46 10 39( legt vom Hillary’s Ferry Terminal  ab.

Unterwegs

Wer nicht auf eigene Faust die Naturinsel erkunden will, kann sich der geführten Island Bike Tour von  Rottnest Express und Two Feet & 1 Heartbeat anschließen.

Schlafen

Rottnest Lodge

Die legendäre Rottnest Lodge wurde von der Karma Royal Group für 20 Mio. AUD in ein Luxus-Resort mit Day Spa, Kinderclub, Restaurant, 80 Ferienunterkünfte für 246 Gäste und Konferenzbereich verwandelt.

Rottnest Hotel

Direkt am Strand der Thomson Bay findet ihr die einstige Sommerfrische des Gouverneurs von Western Australia – ein Klassiker in Weiß mit geräumigen Komfortzimmern und großem Biergarten/Freiluftrestaurant, in dem man sich sonntags zum Frühschoppen trifft.

Kings Barracks/Rottnest Island Hostel

Das einstige Kasernengelände der australischen Armee bieten abseits der Menschenmassen drei Arten von Unterkünften: ein Gruppenunterkunft mit 17 Schlafsälen, die Caroline Thomson Cabins mit Kitchenettes für Selbstversorger und die deutlich größeren Hütten des Governors Circle.

Schlemmen

Wer nicht in den Restaurants von Hotel oder Lodge essen möchte, findet in der kleinen Fußgängerzone von The Settlement mehrere Imbisse und eine Bäckerei – oder picknickt an den dort aufgestellten Tischen oder am Strand! Aristos serviert Seafood zum Strandblick.

Dieser Beitrag ist 2016 in meinen Blog „Walkabout Australien“ erschienen. Der Blog wurde Ende 2017 in Reiseschreibe.de integriert.

 

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