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Ascot im Outback: das Eureka Creek Rodeo

Eureka Creek Rodeo: Auch die Mode der Besucher wird prämiert

Racing Day
14 Kilometer hinter Dimbulah auf dem Weg nach Chillagoe durchfährt der Highway eine Senke. Caravans, die hier das Free Camping nutzen, drängen sich unter Melaleuca-Bäumen auf dem staubig-sandigen Rastplatz in der Kurve. Hinter ihnen verläuft ein fast ausgetrockneter Bachlauf, der der Viehfarm von Robbie und Robin White ihren Namen gab: Eureka Creek Station.

Eureka Creek Rodeo: Vorbereitungstraining

Alljährlich Ende Juli veranstalten sie dort in Zusammenarbeit mit Nugget of the North’ Campdraft Inc. und der Australian Bushman’s Campdraft Rodeo Association (ABCRA) ein viertägiges Spektakel, bei dem sich Jillaroos und Jackeroos in 28 Wettbewerben messen – vom Campdraft, bei dem Kälber um diverse Parcours getrieben werden müssen, bis zum Barrel Racing, Bull Riding und Steer Wrestling. 350 männliche und weibliche australische Cowboys vom Kind bis zum Senior hatten sich für die Wettbewerbe registriert, bei denen ein Preisgeld von 12.000 AUD lockt.

Eureka Creek Rodeo: Bereit zum Camp Draft

Vom Morgengrauen bis spät nachts

Ein kleines Plakat, in Mareeba ins Schaufensters eine Sport- und Modegeschäft gehängt, machte mich auf dieses Event neugierig, das „für uns der Höhepunkt im Jahr ist“, erzählt mir Amber Hatfield, die sonst in alten T-Shirts und staubigen Jeans auf ihrer Station bei Tully Rinder für die großen Fleischfabriken Queenslands züchtet.

 

Eureka Creek Rodeo: ein Hauch von Ascot„Alles wird da verwertet – nicht nur das Fleisch, sondern auch das Horn der Hufe. Das wandert zermahlen ins Tierfutter. Und in unser Brot…“, erzählt sie und nimmt einen Schluck aus der Flasche. Smirnoff Ice. eine Wodka-Mix mit Zitrone. Bier trinken Männer. Aus der Stubbie. Und spülen sich schon früh so den Staub aus der Kehle.

Eureka Creek Rodeo: Busch-BarTagsüber liegt das Dröhnen der Diesel-Generatoren in der Luft. Morgens früh, wenn das erste Licht sich am Horizont zeigt, beendet Robbie mit seinen Weckruf die kurze Nacht der Cowboys. „Wake up, boys, get ready for another great day of great contests!“

Eureka Creek Rodeo: der SanitärblockSchlaftrunken wanken Gestalten zwischen den kleinen Koppeln der Rösser, mit Elektrozaun neben den Tiertransportern, Zelten und Caravans eingezäunt, zum Wellblech-Badeschuppen. In einem Blechfass blubbert heißes Wasser über dem Lagerfeuer. Heiß, kraftvoll und herrlich wie sonst wohl kaum eine Dusche ist die Brause des donkey.

Eureka Creek Rodeo: der Sanitärblock40 Sekunden entscheiden

Über Stunden ziehen sich die Wettbewerbe des Campdraft hin. In einem Pferch muss ein Kalb von der Herde isoliert und dann durch die Arena getrieben werden – mal direkt so schnell es geht, dann einige Stangen herum. Bewertet werden Fehlerfreiheit, Zeit, reiterisches Können und Verhalten des Tieres.

Eureka Creek Rodeo: Wie geschnell kann der Stockman das Kalb einfangen?Zwei Versuche hat jeder Kandidat, 40 Sekunden müssen reichen für den Parcours, danach ertönt das Horn. Nach wenigen Minuten ist die Morgenfeuchte im Boden verflogen, Tier und Reiter verschwinden im Wirbel der Staubwolken.

Unablässig besprengen Lastwagen die Zufahrtswegen und Trainingsflächen mit Wasser. Doch der Staub kriecht bis in die letzen Winkel, setzt sich fest auf Körper und Kleidung. Für jeden Wettbewerb zieht sich Amber um: ein frisches Hemd mit Blütenmuster von Bullzye, dem In-Label der jungen Leute auf den Stations, eine kunstvoll bestickte Wrangler-Jeans, Gürtel mit kunstvoller Schnalle, frisch polierte Stiefel samt Sporen, Sonnenbrille, Perlenohrring und Hut. Und rauf aufs Ross!

Eureka Creek Rodeo: Zuschauer mit Teetasse

Bush Beauties an der Rennbahn

Erst am dritten Tag – Sonnabend – mischen sich Besucher unter die einheimischen Stockmen und ihre Familien. Und Amber verschwindet – mit Mann und Kindern – stundenlang im Caravan. Das gesamte Rodeo-Gelände, sonst belebt, ist auffällig verwaist. Dann öffnet sich die Tür, und Amber tritt heraus.

Eureka Creek Rodeo: Amber Hatfield und Familie - schön gemacht für den Racing Day„Today are the races – die Buschrennen der Arbeitspferde sind der gesellschaftliche Höhepunkt des Rodeos!“ sagt sieund stolziert auf High Heels durch den Staub zur Rennbahn, wo über Nacht Tische aufgestellt wurden und jetzt kleine Stände Schmuck, Mode, Souvenirs, Zuckerwatte und farbiges Schabe-Eis verkaufen. Auf der Hüpfburg purzeln die Allerkleinsten durcheinander, auf einer Holzplattform wecken zwei Männer mit Mikro die Wettlust.

Eureka Creek Rodeo: Auch für den Nachwuchs gibt es Wettbewerbe„Man kauft zusammen ein Pferd für das jeweilige Rennen und teilt sich dann den Gewinn“, erklärt Amber. Acht Rennen über jeweils 200 Meter stehen auf dem Programm.

Eureka Creek Rodeo: Racing Day

Mit dabei: ein Rescue Race, bei dem auf der Hälfte der Strecke ein zweiter Reiter aufgenommen werden muss. Eine Reiterin nimmt beim Aufsteigen zu viel Schwung und rutscht über das Hinterteil des Pferdes zurück in den Sand…

Eureka Creek Rodeo: Auszeichnung für das bestangezogene KindZwischen den Rennen lockt Fashion on the Fields: eine Modenschau auf der Rennbahn. Die bestangezogenen Kinder, Teenager, Frauen, Paare und Familien werden mit Schachteln voller Süßigkeiten ausgezeichnet.

Spät, sehr spät, endet der Renntag. Bis weit nach Mitternacht heizt ein DJ und eine örtliche Band den Tanzenden ein, die längst in dicke Polarfleeces, Jeans und Stiefel geschlüpft sind. Und pünktlich um sechs Uhr früh erschallt es am Sonntag morgen aus dem Lautsprecher: „Wake up, boys, get ready for another great day of great contests!“

Eureka Creek Rodeo: Peitschen-Training

Eureka Creek Rodeo: Stillleben

Eureka Creek Rodeo: Pause zwischen den Wettbewerben

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