2015AsienTürkei

Küstenträume der türkischen Westküste

Çeşme – Karibik der Ägäis

Am Wochenende saust Izmirs Jet-Set auf der neuen Autobahn 100 km weit gen Westen – hin zur hügeligen Halbinsel Çesme mit ihren Sonnenstränden im Schatten von Olivenhainen und Zypressen. Für Ambiente sorgen eine genuesische Burganlage, ein paar Bauwerke aus osmanischer Zeit – und 15 Brunnen: Sie gaben Çesme seinen Namen. Bei Ilıca sprudelt es sogar bis zu 60 Grad warm aus der Erde.

Die schwefelhaltigen Thermalquellen bringen seit der Antike den Stoffwechsel in Schwung und verschönern die Haut. Für Energiekicks sorgt auch der Sauerstoffgehalt der milden Luft, der hier so hoch ist wie nur an wenigen Orten der Welt. Angenehme Abkühlung in der Sommerhitze bringt der konstante Schönwetterwind „Meltemi“ – er macht Çesme von Mai bis Oktober zum Hotspot der Surfer. Ihr Treffpunkt: der Alaçatı-Strand.

Tagsüber wird über das Stehrevier mit flachem Wasser gebrettert, nachts unter Sternen im SeaSide gefeiert, der absoluten In-Disco von Çesme – im Sommer bei Konzerten türkischer und internationaler Stars (Piyade Kumluğu, Liman, Alaçatı, Tel. +90 232 716 98 99).

Zu den Top-Beach-Club gehören auch das Paparazzi und das Babylon am Aya Yorgi-Strand. House und Techno sorgen für Stimmung in den Open-Air-Clubs der Dalyan-Badebucht und am „goldenen Sand“ Altınkum. Ruhiger chillen lässt es sich in der Neptün Bar in der Setur-Marina, die erst nachts um zwei schließt (Tel. +90 23 27 23 14 34).

Abkühlung gefällig? Die Rumeli Pastanesi (Inkilap Caddesi 44, Tel. +90 232 712 67 59) stellt aus dem Harz der Pistazienbäume köstliches Mastix-Eis her! Richtig romantisch ist das Su’dan Palas Restaurant (Hacimemis Mahallesi, Mithatpasa Caddesi 22, Alacati), das persische Genüsse unter Zitronenbäumen serviert – die frischen Meeresfrüchte, das sahnige Zitronensorbet und die fruchtigen Wodka-Cocktails sind unvergleichlich!

Fürstlich wie die alten Osmanen logieren Sie in der Kanuni Kervansary, die Sultan Süleyman der Prächtige 1528 errichten ließ. Im La Capria Suite Hotel  sorgen der farbenfrohe Stilmix und spielerische Elemente für gute Laune. Von Mai bis Oktober schippert die hoteleigene „La Capria“-Jacht mit maximal acht Gästen an Bord durch die Inselwelt der Ägäis.

Zur griechischen Insel Chios, auf Türkisch Sakız Adası (=Kaugummi-Insel ;-)), tuckern Ertuk-Autofähren in 45 Minuten. Lieber Lust auf Abenteuer unter Wasser? Tauchführerin Benal Gül weiß, wo Mantas tanzen, Meeresschildkröten leben und die Wracks der osmanischen Flotte liegen, die 1770 von den Russen vernichtet wurde. 

Bodrum – das Saint-Tropez der Türkei

Weiße Häuser, geschmückt von lila leuchtende Bougainvillea, überragt von der mächtigen Kreuzritterkastell St. Peter: Bodrum. Als Halikarnassos in der Antike Hauptstadt des karischen Herrschers Mausolos, ist die Hafenstadt auf der gleichnamigen Halbinsel heute In-Treff der türkischen High Society.

Vor der 174 km langen Küstenlinie mit ihren 32 Inseln Halbinseln, Buchten und Kaps kreuzen schnittige Luxusjachten und schnelle Segler. Keine Lust, selber zu segeln? Dann chartern Sie einen Skipper für einen traumhaften Törn im „Gulet“, einem türkischen Zweimaster aus Holz!

An Bord eines hölzener Gulet-Seglers

„Erfunden“ wurden die Kreuzfahrten durch die Inselwelt von einem Intellektuellen, der 1925 zu Burgarrest in Bodrum verurteilt worden war: Cevat Sakir Kabaağaçli (1886-1973). Wieder frei, lud er 1957 Literaten, Künstler, Altphilologen und Historiker zu einer Kulturreise im eigenen Land ein. In den einfachen Booten der Schwammtaucher ohne Kajüte oder Komfort entdeckten sie die Buchten rund um Bodrum, nahmen als Verpflegung nur Wasser, Reis und Raki mit, fingen Fische, schliefen unter freiem Himmel und unterhielten sich aus Spaß auf Altgriechisch.

Als „Blaue Reisen“ gingen die Törns in die Literatur ein – und wurden 1993 mit Hannah Schygulla in der Hauptrolle vom deutschtürkischen Regisseur Erden Kiral unter dem Titel „Mavi Sürgün“ (Das Blaue Exil) verfilmt. Cevats Spuren folgen im Sommer heute mehr als 600 Jachtcharter; eine gute Auswahl an Booten mit sehr erfahrenen Crews hat ARYA Yachting & Tours.

Wahrzeichen Bodrums sind neben der Burg Windmühlen. Besonders viele stehen in Yalıkavak. Zusammen mit Tilkicik, Pascha und Ağaçbaşı zählt Yalıkavak zu den besten Badebuchten der Halbinsel. An ihrer Südspitze versteckt sich Akyarlar, ein malerischer Miniort mit Burg und Paradeblick über die Ägäis bis nach Kos.

Ebenfalls traumhaft: die Fischtavernen, die in Gümüşlük, dem antiken Hafen von König Mausolos, direkt am Meer liegen – etwas abseits, am rechten Ende des Strandes, hockt die schönste Meyhane (Türkisch für Taverne) über den Wellen: Gümüscafe.

Windsurfer zieht es nach Gümbet, Bitez, Güvercinlik und Ortakent, wo der Meltemi konstant bläst – wie der Ritt auf den Wellen perfekt gelingt, verrät die türkische Meisterin Lena Aylin Erdil und Sechste der PWA World Tour beim VIP Windsurf Center.

Zu den schönsten Hotels an Land gehört das Kempinski Barbados Bay mit Privatstrand, hoteleigener Jacht und dem Six Senses Spa, wo Olivenöl und Meersalz den Körper reinigen für eine türkische Seifen- oder klassische Thaimassage. Tiefe, zeitentrückte Ruhe prägt auch das Amanruya, wo 36 Cottages mit Privatpool und Kamin eine stille Bucht an der Nordküste säumen.

Schönstes Refugium in Göltürkbükü ist das Boutiquehotel Ada, das neben Hamam, Pool und Privatjacht auch einen beeindruckenden Weinkeller sein Eigen nett. Etwas mehr Trubel gefällig?  Wenn am endlos blauen Himmel der Abend anbricht und die Festung im letzten Licht leuchtet, beginnt an der palmengesäumten Hafenpromenade das Nachtleben.

Im Marina Yacht Club steuern Yachties in Designerjeans für jeden Drink eine andere Bar an. Schön für einen Sundowner ist auch das Kuba mit Blick auf Kastell und Karada Marina. Wer zum Essen bleibt, kann unter Maulbeerbäumen und Akazien mediterrane Küche und Meeresfrüchte genießen – und danach in den Morgen rocken.

Die Restaurantszene in Bodrum ist schnelllebig. Seit Jahrzehnten konstant gut – und herrlich romantisch – ist das Kocadon, wo im Innenhof Barbun, Palamut und Chupra – Rotbarbe, Makrele und Seebrasse – fangfrisch auf den Tisch kommen und auch osmanische Klassiker wie Hünkar Beğendi, ein Lammtopfeintopf mit Auberginenpüree und Béchamelsauce nicht auf der Karte fehlen.

Danach: ein Abstecher zur Cumhuriyet Caddesi, der Bar Street von Bodrum – zum Aufwärmen für eine lange Nacht auf dem Dancefloor. Vor Mitternacht läuft in den Megadiscos nichts. Doch danach schießt das Halikarnas Laserblitze in den Nachthimmel, dreht sich im „Fink“ ein riesiger Kronleuchter über tausend Tänzern, hämmern im Hadigari die Beats.

Heidi Klum und Hollywoodstars wie Tom Hanks zieht es nach Türkbükü, wo die Reichen unter sich bleiben und in noblen Clubs wie Maki 29 (www.makihotel.com.tr) oder Flavio Briatores Billionaire Club an der Palmali Marina zu coolen Klängen chillen. Nachts um halb eins legt der Club Catamaran, Europas größtes Partyschiff, zum Discotörn mit DJ Gielen ab – Zapfenstreich ist erst früh morgens um sechs.

Neue Energien bringt „Işkembe Çorbasi“ , Kuttelsuppe – für Türken das beste Mittel gegen Kater. Oder doch lieber ins Café del Mar, chillen und schlafen am Strand? Schließlich hat der Beachclub rund um die Uhr geöffnet… da könnte man schwimmen, schlemmen – und abends gleich weiterfeiern…

Der alte Hafen von Marmaris

Marmaris – Perle der lykischen Küste

Früher war Marmaris ein verschlafenes Fischerdorf. Früher war vor 20 Jahren. Seitdem hat das antike „Physios“, von dem aus Admiral Nelson den Angriff seiner Flotte auf die Franzosen bei Akubir starten, einen kometenhaften Aufstieg hingelegt.

Wucherte in der engen Bucht zwischen den zerklüfteten Bergen des Taurusgebirges anfangs der Wildwuchs in Beton, sorgt die Stadtverwaltung jetzt für nachhaltigeres Wachstum – und hat als erstes die Hafenpromenade einem Facelift unterzogen. Der Jachthafen ist der größte und modernste der gesamten Türkei und Mekka des Jachtcharters, die schroffe Küste ringsum ein unentdecktes Juwel mit einsamen Buchten, azurfarbenem Meer und Pinienwäldern

Marmaris heißt Trubel. Besonders in den engen, verwinkelten Altstadtgassen zu Füßen des Kastells und im überdachten Bazar, wo Feilschen einfach dazu gehört – um Leder, Schmuck, Teppiche und Trend-Labels. Garantiert echt und eine tolles Mitbringsel: der Thymianhonig (Çam balı). Doch jetzt: raus aufs Meer. Von der Hafenpromenade lauften Ausflugsboote die gesamte Küste von Knidos bis Kaunos an.

Tipp: die Kleopatra-Insel Sedir Adasi mit dem allerfeinsten Sand der Westküste. Der Legende nach soll Marc Antonius ihn extra vom Roten Meer für seine geliebte Kleopatra herbeigeschafft haben – tatsächlich handelt es sich bei den weißen Kügelchen um fein zermahlene Muschelschalen…. Bei der Jeep-Safari geht’s über staubige Pisten und viele Serpentinen zu idyllischen Badebuchten und Sandstränden wie Çiftlik oder Turunç.

Wenig Trubel herrscht auch weiter südlich in Kümbülük, wo ein weiter Kieselstrand die Bucht säumt – mit Traumblicken über das offene Meer bis nach Marmaris. Näher dran ist Içmeler, wo Laufstege wie an der Nordsee über den fein geharkten Sand zum Wasser führen. Bestes Haus am Platze: das MARTI Resort  – fünf Sterne-Ferien mit „ultra-all-inclusive“ am Strand: selbst Bargetränke und Snacks kosten nichts extra.

Im April letzten Jahres eröffnete auf einer Klippe der Datca-Halbinsel 45 m hoch über dem Meer das D Maris Bay Hotel  – vor der Verwandlung in ein stilles wie stilvolles Luxus-Refugium tobte dort das Leben im Robinsonclub. Geräumige Zimmer, Infinity-Pool, Frühstück im Patio und Sunsetblick auf die Bucht: Klein, fein und beste Adresse in Kümbülük ist das charmant-edle B&B „Serendip Select Hotel“ von Cihangir Özbek.

Appetit auf Meeresfrüchte? Im Antique-Restaurant am Jachthafen von Marmaris landen Seebrasse, Dorade im Salzmantel, Tun- und Tintenfisch topfrisch auf dem Teller (Netsel Marina, Tel. +90 25 24 13 29 55. Dede heißt Großvater – und mit ihrem Dede Restaurant huldigen die Enkel ihrem Großvater, der als Postschiffer Briefe und Pakete aus Rhodos nach Marmaris brachte. 104 Jahre alt wurde er!

Sein Geheimnis: eine gesunde Ernährung mit Fisch, Meeresfrüchten und frischen Salaten – und das steht heute auf der Karte. Bei Birgül, resolute wie charmante Köchin und Eigentümerin des Ney Restaurant, sollten Sie unbedingt einmal die manti böregi probieren, türkische Ravioli (Tel. +90 412 0217) Zum Sundowner treffen sich die Einheimischen in der Castle Cafe Bar oben auf dem Burghügel (Tepe Mah.  37. Sok. 59, Tel. +90 252 412 75 28).

Karaoke, Konzerte, Schaumparty und Lasershow sind Programm in der Bar Street, die eigentlich 39 Sokak heißt: Von sieben Uhr abends bis vier Uhr früh wird ausgelassen gefeiert. Und freizügiger als sonst in der Türkei. Älteste Disco, und immer noch „in“, ist das Greenhouse. Vor Mitternacht gibt’s Blues und Pop, später wird mit Funk und House eingeheizt.

Die Generation 30+ rockt bei Davy Jones oder open-air in der Crazy Daisy Bar. Größte Partyhöhle der Türkei ist das Areena, wo 4000 Tänzer bis um vier feiern. „Talk of the Town“ startet sein Nachtprogramm mit tollen Travestieshows – nach dem Cabarat wird im Cheers Club am Uzunyali Beach open-air in den Morgen gefeiert. Lust auf Romantik? Dann schippern Sie doch einmal bis weit nach Mitternacht im hölzernen Gület unter dem Sternenhimmel die Küste entlang – Moonlight Cruises starten allabendlich an der Marina.

Luxusresort an der Westküste: das Marti-Hotel

Belek der Sport-Spot der türkischen Riviera

Sorry, Tiger Woods. Es lag nicht an Belek, dass Sie beim World Golf Final den Einzug ins Finale verpassten und gegen Justin Rose unterlagen… Belek hat seine sportlichen Qualitäten längst bewiesen. Rund 700 Mannschaften aus ganz Europa und Teilen Asiens nutzen den Badeort an der türkischen Riviera für Trainingslager. Letzten Winter mit dabei: die Erstligisten aus Wolfsburg, Bremen, Stuttgart, Augsburg und Fürth.

Was die Teams nach Belek zieht: viele Toppplätze, kurze Wege, starke Testspielgegner – und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Henning Rießelmann muss es wissen. Der Manager der Hamburger Agentur TSP organisiert die Winterlager. Dass Tourismus in Belek heute möglich ist, dafür sorgten Pflanzungen von Olivenbäumen. Sie saugten die Region über viele, viele Jahre förmlich trocken. Zum Schutz der Landwirtschaft vor den Seewinden wurden Pinien- und Eukalyptuswälder hinter dem zwölf Kilometer langen Sandstrand gepflanzt – heute verstecken sich hier 34 Vier- und Fünf-Sterne-Strandhotels wie das Gloria XXX Resort.

Größte Lounge der Welt (10.000 qm), größte Bar der Welt (96 m), größtes Doppelzimmer der Welt (64 qm), das längste Schwimmbad der Welt (104 m) und ein extravaganter „Apple Garden“ mit fünf Millionen Minispiegeln als Foyer: Das Adam & Eve Hotel, seit 2007 jährlich als führendes Designhotel der Welt ausgezeichnet versteht sich als „Paradies auf Erden“ – Engel-Service inklusive.

Kids freuen sich auf den Wasserpark TroyAqua mit Wasserrutschen und zahmen Delfinen, der zum Rixos Premium Belek gehört – gespeist wird er mit Meerwasser. Lust auf Tennis? Richard Schönborn, Cheftrainer von Boris Becker und Steffi, zeigt in der größten Tennisanlage des gesamten Mittelmeeres, wie Sie den Tie Break schaffen – geübt wird auf 30 Quarzsandplätzen des Güral Premier Belek, beim Showdown auf dem Center Court dürfen Ihre Freunde klatschen.

Wenig Applaus gab’s für Sie, Tiger Wood, im Oktober auf dem Green des PGA Sultan Court, dem schwierigsten der mittlerweile 15 Golfplätze in und um Belek. Wasserhindernisse und tiefe Bunker machen den 2003 von David Jones entworfenen Platz zur Herausforderung – und zum Top-Terrain für Turniere.

Ansätze von Muskelkater vertreiben in den noblen Strandresorts riesige Spas, die neben Standards wie Hammam, Hydromassage, Sauna und Thalasso Überraschungen parat halten: Wie wär’s mit etwas Abkühlung im Schneeraum (www.rixos.de)? Oder einer vierhändigen Mandara-Massage im Spanitas Spa?

Entspannend ist auch ein Spaziergang durch das Naturschutzgebiet am Beşgöz-Flüsschen, der Heimat von 109 Vogelarten wie der Tyto Alba – die Schleiereule ist das das Symbol von Belek, das – anders als viele Ferienorte an der Riviera – von Anfang an die Bebauung des Ortes genau plante und die Anzahl der Hotels begrenzte. Und so kommt bis heute hier auch die Caretta-Caretta-Schildkröte an den Strand, um ihre Eier abzulegen. Schlemmen und Feiern ist in Belek meist all-inklusive; wer einen Tapetenwechsel will, surft von Resort zu Resort.

Zum Sonnenuntergang einen Schluck auf dem Badesteg des Sueno Hotels, Dinner mit Meerblick im Gloria Serendipity Resort, Karaoke an der Wurlitzer Bar, und danach an die Disco-Bar des Papillon Ayscha, die erst nachts um zwei schließt. Lieber Romantik zu zweit? Beim „First Date“ im Passion-Gourmet-Restaurant des Ela Quality Resort schlemmen Sie garantiert ungestört. Und ob Sie sich danach noch in eine coole Pier-Party stürzen… oder einen Tiger-Woods-Cocktail an der Bar nippen.

Dieser Beitrag erschien 2015 in „Food and Travel“.

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