2010DänemarkEuropa

Rauf aufs Rad auf Lolland & Falster

Flach, geteert und gut beschildert sind die Fahrradrouten auf Dänemarks südlichsten Inseln – Lolland und Falster. Und das Beste: Der nächste Badestrand ist stets nicht weit.

Die Menschen auf Møn erzählen schmunzelnd, man brauche nur auf eine Bierkiste zu steigen, um Lolland zu überblicken. Und auch Falster bietet kaum Steigungen. Das macht die beiden ostdänischen Inseln zu idealen Zielen für einen Fahrradurlaub. Entsprechend vielfältig – und hervorragend ausgeschildert – ist das abwechslungsreiche Routennetz.

Auf Küstenwegen und ruhigen Landstraßen führt es zu lebendigen Handelsstädten und malerischen Fischerorten, zu verschwiegenen Badeseen und langen Traumstränden wie Marielyst. Auf Alleen und Waldwegen werden stattliche Herrensitze erreicht, die von weitläufigen Ländereien umgeben sind.

Seit Jahrhunderte sind diese Gutshäuser Zentren der Kultur und der Kunst, Schriftsteller wie Andersen ließen sich hier zu ihren Märchen inspirieren, berühmte Musiker konzertieren bis heute auf Gut Fuglsang, und auf Pederstrup zeigt die Gemäldesammlung des Reventlow Museet zeitgenössische dänische Kunst.

Zu Knuthenborg gehört ein Streichelzoo für Kinder mit handzahmen Ziegen. Foto: Hilke Maunder

Richtig exotisch wird es bei einer Fahrt durch den Safaripark Knuthenborg, für lustvolle Angstkitzel sorgt der Krokodilpark in Ekilstrup. In Sundby wird das Mittelalter lebendig, die Zukunft mit der Slotsbryggen von Nykøbing gestaltet. Und schmerzen die Muskeln, machen die Wellnesscenter der Schwimmbäder und Hotels wieder fit für die nächste Etappe.

Wandern per Rad: weit oder kurz?

Einzige länderübergreifende unter den mehr als 60 markierten Radrouten auf Lolland und Falster ist der internationale Radfernwanderweg Berlin-Kopenhagen. Er verbindet auf einer Länge von 630 km die beiden Hauptstädte und durchquert Falster auf einer Länge von 70 km von Gedser nach Stubbekøbing.

127 km misst das Teilstück des 800 km langen Ostseeradweges von Südostjütland nach Seeland, der bei Tårs die Insel Lolland erreicht und sich bei Stubbekøbing auf Falster verabschiedet.

Die Küste von Falster bei Corselitze

Landesweit einheitlich markiert mit weißem Fahrrad auf blauem Grund und weißer Nummer auf rotem Rechteck, überzieht seit 1993 das vorbildlich angelegte Netz von zehn nationalen Radrouten (nationale cykelrute) das Königreich.

Auf Lolland-Falster verlaufen die Nationalrouten 7 (Storstrømsbroen – Rødbyhavn), 8 (Kragenaes – Maribo – Storstrømsbroen) und 9 (Nykøbing F. – Gedser). Daneben gibt es noch eine Vielzahl regionaler Routen (amtscykelrute), bei denen die weiße Routennummer auf blauem Grund zu lesen ist, sowie eine Vielzahl lokaler Routen (lokale cykel rute).

Die schönsten Routen per Rad

Zu dieser schier in einem Urlaub nicht zu bewältigende Vielfalt an Touren und Fahrten, die sich untereinander häufig auch noch kombinieren lassen, haben sich mittlerweile noch zwei Rundrouten gesellt, die inzwischen zu den beliebtesten Strecken der beiden Inseln gehören.

Die Sundroute lädt zu einer 100 km langen, aussichtsreichen Tour rund um Guldborgsund von Gedser über Nykøbing Falster nach Guldborg, und von Guldborg über Nykøbing Falster nach Nysted. Wer mit Kindern unterwegs isst, kann die Strecke halbieren – und nur den nördlichen Teil der Sundrute abstrampeln.

Wohnen am Wasser in Nykøbing Falster: Slotsbryggen

Start ist dann am Jachthafen von Nykøbing Falster. Direkt am Sund entlang geht es vorbei an Kirschbäumen, Wäldern, kleine Dörfern, Feldern in vielen Farben und den Gütern Ny Kristinenberg, Pandebjerg und Vennerslund nach Guldborg, wo es über die Brücke hinüber nach Lolland geht.

Nach einer Eis- und Badepause geht es zum Vogelschutzgebiet bei Majbølle, durch den Wald Hamborgskoven zum Mittelalterzentrum und über eine Brücke wieder zurück nach Nykøbing Falster.

Gut für ein verlängertes Wochenende eignet sich die Strecke Falster rundt. Die 128 km lange Tour rund um die Küste von Falster startet in Gedser, Dänemarks südlichster Stadt, durchquert die Hasselø Plantage am Guldborgsund, erreicht die Inselhauptstadt Nykøbing und folgt dann weiter dem Sund, bis die Hügel von Nordfalster für Schweiß auf der Stirn sorgen.

Das Herrenhaus von Gut Corselitze auf Falster

Vorbei an der Nørre Alslev mit Schwimmbad und Europas größter Krokodilfarm geht es weiter nach Stubbekøbing, wo im Sommer eine Minifähre nach Bogø ablegt. Auf der Fahrt gen Süden säumen große Buchenwälder die Ostseeküste, in denen Gräber aus der Bronzezeit und der Herrenhof Corselitze mit seinem Schlosspark versteckt sind.

Nach einem Badestopp an den Traumstränden von Marielyst wird wieder Gedser erreicht – mit vielen unwiederbringlichen Eindrücken im Gepäck.

Ein ganz besonderes Erlebnis garantiert auch die Lolland Rundt, die alljährlich in Sakskøbing im Nordosten Lolland startet und endet. Bis zu 400 Pedalritter schwingen sich seit 1982 bei diesem Volksradrennen im Juli aufs Rad und strampeln drei Tage lang auf drei verschiedenen Routen von 160, 300 km oder 360 km Länge über die flache, fahrradfreundliche Insel.

Doch statt Tempo ist Muße das Motto: Bei der „Lolland Rundt“ geht es nicht darum, als erster durchs Ziel zu sausen, sondern mitzumachen – und die Strecke zu genießen. Das beginnt bereits am Morgen, wenn die Rennleitung auf den Rastplätzen, die alle 10 – 16 km angelegt werden, das Frühstück serviert…

Dieser Beitrag wurde 2010 als Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt.

Lolland: Herrenhaus bei Errintlev. Foto: Hilke Maunder

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