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Hainan Dao: Soloradeln auf der Sonder-Insel

Riesige Bauruinen ducken sich unter dem tiefschwarz verhangenen Wolkenhimmel von Haikou. Rotbrauner Staub bedeckt das Land, erstickt das Grün der Palmen und Reisfelder von Hainan Dao. Feuchtschwül die Luft noch am Abend, schwanger mit dem Gestank der Straße und den Exkrementen der Stadt. Zweifel steigen in mir auf.

Was hat mich bloß daran gereizt, hier zu radeln? Und weiß die Antwort doch genau: Es ist der Reiz einer Insel im Umbruch. 1989 wurde die 35.000 Quadratkilometer runde Insel mit seinen mehr als zehn Millionen Einwohnern aus der Provinz Guandong herausgelöst und zur fünften und größten Wirtschaftssonderzone Chinas erklärt.

Haikou 1990: eine Straßeverkäuferin. Foto: Hilke Maunder

Seitdem wird auf dem „Hawaii von morgen“, wie der kleine Inselprospekt bereits stolz das Tropen-Eiland im Südchinesischen Meer rühmt, gebaut und gebuddelt.

Am schlimmsten tobt der Bauboom in Haikou, mit fast 300.000 Einwohnern größte Stadt auf Hainan. Das höchste – auch an Scheußlichkeit und Preistreiberei – ist das Haikou International Centre. Vom 21. Stock des Gebäudes, 1988 als Hotel, Business Centre und Einkaufsparadies erbaut, zeigen sich am deutlichsten die Narben, die der „Aufbau“ in den letzten Jahren reißen konnte.

Die alten Arkaden von Haikou. Foto: Hilke Maunder

Immer mehr weicht die Altstadt mit ihren typischen Arkadengängen vor den postmodernen Protzbauten im internationalen Einheitslook zurück. Während hier das Leben sich hinter verdunkelten Fensterscheiben im Balanceakt zwischen Yuan und Dollar abspielt, wird in der Altstadt der Alltag zum Abenteuer.

Stundenlang bestaune ich auf dem ausgedehnten Straßenmarkt all die Merkwürdigkeiten, die noch heute gängige Klischees Europas für das Reich der Mitte sind: die jungen Hunde, die von den Hausfrauen für das Mittagessen ausgesucht werden, die Schlangen, Schildkröten, Regenwürmer und sonstigen Tiere, die in Drahtkäfigen und Binsenkörben auf Käufer warten; die toten Ratten, die ein junger Verkäufer zum Beweis der Wirksamkeit seines Rattengiftes ordentlich vor sich aufgereiht hat.

Für 300 Yuan (100 Mark), dem Monatslohn eines Arbeiters, kaufe ich das Fahrrad, auf dem alle Chinesen durch das Land radeln: eine Lizenzausgabe des britischen Raleigh-Rades. Schwarz, stabil, solide. Die beiden Satteltaschen hatte ich bereits in Deutschland erstanden, Tränengas und Pfeffer für die Hunde inklusive.

Der Fahrrad„laden“, den mir der Busfahrer empfohlen hatte, entpuppt sich als ein klappriger Holzverschlag mit einer großen Stange, an der die Fahrräder wie Fleischstücke hängen. Vor dem Videogerät, das waghalsig an einem Haken baumelt, übt sich der Händle im Karaoke-Singen.  „You want bike, longwan?” – “Brauchst du ein Fahrrad, Langnase?”

Eine Kreuzung in Haikou 1990. Foto: Hilke Maunder

Der Händler pflückt eines der Räder von der Stange. Für 300 Yuan – rund 100 Mark, der Monatslohn eines Arbeiters –  gehört es mir. 3.500 Kilometer Solo-Radeln liegen vor mir. Aufstehen um 6.30 Uhr, wenig Pausen, stetiges Tempo. Ich bestimme allein, wann die Tagesetappe beendet ist.

Am nächsten Morgen breche ich früh auf. Im „Überseechinesischen Hotel“ von Haikou erhalte ich zum Abschied die einzige Landkarte mit englischen Ortsnamen. Eine überflüssige Anschaffung, wie ich bald erfahre – nirgendwo entdecke ich Straßenschilder. Für eine Handvoll Yuan – und ein Polaroid von der seltsamen, blonden Frau – leitet mich ein Rikshawfahrer zur Ausfahrtstraße, die entlang der Ostküste nach Sanya im Süden führt.

1990 zur rush hour in Haikou. Foto: Hilke Maunder

Bananenfelder säumen die gut ausgebaute Asphaltstraße, daneben ducken sich die Wellblechhütten der Landarbeiter. Flach und weit ist das Land. Nur selten unterbricht ein klappriger Überlandbus die Stille und Einsamkeit der Straße – aus dem Innern dröhnt Popmusik.

Hainan Dao 1990: Unterwegs über Land. Foto: Hilke Maunder

Während der Bus mich beim Überholen fast umfährt, der Fahrer mir wütend die Faust zeigt, blicke ich die Passagiere an. Gebannt starren sie auf den Bordfernseher, der an einer dünnen Leine in der Busmitte baumelt. Das Video zeigt Action made in Hongkong – Kung Fu, Sex und noch mal Sex.

In einem Dorf der Li-Minorität irgendwo auf dem Weg gen Süden… Foto: Hilke Maunder

Später, nach der ersten Reifenpanne und den ersten Hunden, die mir beim Radfahren gegen die Beine springen, ändert sich das Landschaftsbild. Wasserbüffel ziehen schwere Holzpflüge durch die leuchtend grünen Reisfelder, die rechts und links die Straße säumen. Weite Flusstäler wechseln sich ab mit ausgedehnten Wäldern von tiefgrünen Gummibäumen.

Rückzugsgebiet der Bergstämme

Am Horizont erscheint die markante Silhouette des Wuzhi Shan, des 1.867 Meter hohen Fünf-Finger-Berges. In die unwegsame Bergregion, von dichten Urwäldern bedeckt, haben sich die Minoritäten der Li- und Miao-Bergstämme zurückgezogen. Als Ausgangspunkt für Touren zu ihren Dörfern bietet sich Tongza an.

Unterwegs über Land bei Sanya. Foto: Hilke Maunder

In engen Serpentinen geht es steil hinauf zur Passhöhe des Baishui Mount. Vom strahlend blauen Himmel sticht die Sonne herab. Meine Lungen brennen, das Blut pocht gegen das Hirn. Nur der Gedanke an das Bad im Meer, das in 30 Kilometer eine erfrischen Abkühlung verspricht, läßt mich durchhalten und wie in Trance treten, treten, treten.

Kurz vor Linshui erreiche ich die Küstenstraße. Das Meer bietet einen seltsamen Anblick: Kleine Mauern stecken riesige „Felder“ ab, dünne Holzpfähle ragen knapp über die Wasserlinie. Seit 1986 züchtet hier auf 10.000 Hektar das sino-japainsche joint-venture „Nantua“ Perlen für den Export. 3000 Stück werden jährlich geerntet. Mit der „Perlenkönigin“, 15 Gramm schwer bei einem Durchmesser von 30 Millimeter, gelangt „Nantua“ der bisher ungeschlagene Landesrekord.

Überall in den Dörfer wird Brennholz verkauft. Foto: Hilke Maunder

Weiter gen Süden vertreiben Schlaglöcher jegliche Schläfrigkeit. Der Staub der Straße, inzwischen ein ausgefahrener Landweg, legt sich auf Körper und Kleidung. Die Wasserflaschen sind längst leer. Endlich sehe ich einen Papayabaum. Der süße Saft löscht den Durst nur wenig. Ausgepowert trete ich in die Pedale, registriere kaum noch die neugierigen Jungen, die einige Meter neben mir her radeln, mich zum Wettrennen auffordern und dann enttäuscht in ihr Heimatdorf zurückkehren.

Am späten Nachmittag erreiche ich Nanwan, das „Monkey Island“. Hinter den kühlen Marmormauern, von emaillierten Ziegeldächern, die in der Sonne leuchten, bekrönt, verbirgt sich die Hauptattraktion Hainans für frischvermählte Paare. Hunderte von Affen, zumeist Gibbons, sausen über künstliche Felsen, verstecken sich hinter den wenigen Büschen, springen und tollen mit den Besuchern, die sich meist vergeblich bemühen, den frechen Gesellen beim Gruppenfoto mit aufs Bild zu bannen. Da hilft auch kein Füttern mit Hülsenfrüchten oder Nüssen…

Mein „Hotel“ am Strand. Foto: Hilke Maunder

Durch den Abstecher nach Nanwan treffe ich erst im Dunkeln in Dadonghai ein. Sternklar ist die Nacht, nur die helle Lichterkette der Fischerboote beleuchtet die weit geschwungene Bucht. Von einigen Lampen, in die Palmen am Strand gehängt, fällt ein matter Schein auf Bambushütten. „One night two yuan“ informiert ein verwittertes Pappschild. Und: „no drinks“.

Um das Fahrrad kümmert sich eine alte Frau. Wie überall in China, verdient sie sich so ein Zubrot zur kargen Staatsrente. Heute hat sich der Tag für sie gelohnt: 20 Fahrräder stehen hinter ihrem „Zaun“, einem Tau, das sie zum Geviert um die Palmen gespannt hat.

Beim ersten Morgengrauen zerreißt das laute Knattern von Außenbordmotoren die Stille. Schwerbeladen mit Tun- und Tintenfisch, Katzenhaien und Seegurken kehren die Genossenschaftsfischer heim, ihre handgeflochtenen Bambuskörbe voller Garnelen, Austern, Krabben und Hummern.

Marktzeit in einem Dorf unterwegs. Foto: Hilke Maunder

Dann wieder Stille. Erst nach zehn Uhr beginnt das Leben an der Beach. Aus den Bambushütten kriechen Engländer, Australier, Neuseeländer, auch zwei Zimmerleute aus Deutschland sind unter den Travellern, die sich für zwei Yuan ein Bleibe auf dem harten Holzbrett in den windigen Strandhütten erkauft hatten.

Insgesamt zehn oder zwölf, kaum einer über dreißig, sitzen sie nun auf ihren selbst gebauten Stühlen aus Eimern und Ziegeln. Geschichten werden erzählt: von Ratten, die nachts in die Hütten dringen und am Bettgestell nagen, von Touren durch Laos, Birma und dem nahen Vietnam. Kaffee macht die Runde.

1990 waren die Strände noch einsam und kaum erschlossen. Foto: Hilke Maunder

Traumstrand, unerschlossen

Erst viele Stunden später breche ich zu Fuß zur Yalong Bay auf, einer malerischen Bucht, die sich nördlich an den Dadonghai-Strand anschließt. Der sieben Kilometer lange Küstenstreifen, 1990 noch gänzlich unerschlossen, ähnelt einem weißen Band, das mit majestätischen Kokospalmen und vereinzelten, schwarz wirkenden Vorbergen aus Laterit, verziert ist. Als erster investierte Fok Ying Tung, Geschäftsmann aus Hongkong, mehrere Millionen US-Dollar in dieses Idyll, das inzwischen zu den Top-Destinationen des Tropen-Eilands gehört.

Fünf Yuan kostet die Rikshaw nach Sanya, zwei Yuan der Bus, per Fahrrad wäre es gratis… Meine Sparsamkeit besiegt die wunden Waden. Rund 50.000 Einwohner zählt die südlichste Stadt der Insel, gut die Hälfte lebt auf dem Wasser. Der bläulich schimmernde Flusslauf, auf dem malerisch die Hausboote dümpelten, mächtige Dschunken mit schwarzroten Segeln in der Ferne vor Anker lagen, erweist sich beim Näherkommen als stinkend- schwarze Brühe – und treibt mich schnell in die staubigen Straßen des angrenzenden Straßenmarktes zurück.

Markthändler bei Haitang. Foto: Hilke Maunder

Am Ende der Welt

Im Café mit Blick auf den Fischmarkt plane ich die Route für den nächsten Tag: eine Stippvisite zu Chinas berühmtestes Fleckchen Erde: Tianya Haijiao – das „Ende der Welt“. Wie bereits in Dadonghai, so ist auch hier Eintritt fällig: Zwei Yuan fordert die resolute Kassiererin als Tribut fürs Paradies. Zu Recht: Palmen säumen den goldgelben Sandstrand, sanft brandet das azurklare Wasser, gut 20 Grad warm, gegen die grauen Granitriesen, die vor Urzeiten hierher angeschwemmt wurden. Noch haben keine Tourismusstrategen den Strand entdeckt, wohl aber die einheimischen Marketenderinnen. „Real pearls“, rufen sie, „echte Perlen“ – beim Beißtest schmecken sie widerlich nach Plastik…

Kaum wurden die jungen Frauen mit eindeutigen Gesten, auf die sie wortgewaltig und ebenso eindeutig antworteten, abgewimmelt, kommen junge Burschen mit geschmückten Mauleseln daher, bieten Strandritte für wenige Yuan an. Tagestouren führen auf schmalen Sandwegen durch das nahe Küstengebirge, vorbei an Reisterrassen und ausgedehnten Tee-Plantagen.

Tianya Haijiao 1990. Foto: Hilke Maunder

Hohe ganzjährige Niederschläge und gute vulkanische Böden garantieren selbst in den kleinsten, kargsten Privatgärten überdurchschnittlich gute Ernten. Mango, Ananas und Bananen werden angebaut, Tee, Kaffee und Pfeffer.

Allein im Schwemmland rings um den Wenchang im Norden werden jährlich mehr als 60 Millionen Kokosnüsse gepflückt. Verarbeitet wird die reiche Ernte in der Haikouer Konservenfabrik: Ihre Kokosmarmelade, ihre neu entwickelten Kokos-Chips und ihre Kokosmilch sind echte Hainaner Spezialitäten und einmalig auf der Welt.0

Als ich die nächste Gruppe verkaufstüchtiger Frauen mit „echten“ Seidentüchern auf mich zueilen sehe, flüchte ich ins warme Wasser, lehne mich gegen die riesige Granitfelsen. Jetzt habe ich nur noch ein Ziel: abkühlen und ausspannen…

Tianya Haijiao 1990. Foto: Hilke Maunder

Stunden später schlucke ich wieder Staub und fluche auf den „Komfort“ der Asphaltstraße: Lastwagen, Taxis und Busse rasen mit rücksichtsloser Leidenschaft an mir vorbei. Die Männer drinnen grinsen, schlagen sich auf die Schenkel, spucken und pfeifen, als sie die Ausländerin sehen, die sich verschwitzt vorwärts kämpft. Gott sei Dank verstehe ich nicht, was sie mir zurufen.

So gut es geht, versuche ich sie zu ignorieren, konzentriere mich auf das Fahren. Wie heißt es doch: Der Weg ist das Ziel…Noch bis zur Biegung, bis zum nächsten Baum, bis zur Palme, und dann machst du Pause, motiviere ich mich selbst, und radle dann doch weiter, bis es Abend wird. Diesmal gönne ich mir das beste Haus am Platze, dusche ausgiebigst und gönne selbst dem Rad eine Rundumerholung. Blankgeputzt und frisch geölt bewacht es eine alte Frau im Hinterhof.

Am nächsten Tag folge ich stundenlang den Eisenbahnschienen, die zwischen Straße und Strand schnurgerade das Land durchschneiden. Die bisher einzige Gleisstrecke, 210 Kilometer lang, führt von Sanya gen Nordwesten nach Changjiang und weiter nach Shilu, dem Zentrum des Bergbaus auf Hainan. Später einmal soll sie weitere 188 Kilometer bis nach Haikou führen.

Nicht schwarz, sondern bunt in grün, gelb und rot gestrichen ist die Dampflok, die ihr Kommen schon von weitem durch ihr lautes Keuchen und ein langgezogenes Pfeifen ankündigt. Inmitten der offenen Güterwaggons einige Passagierwagen. Sie sind nur knapp besetzt: Auf Hainan sind die Güter auf der Schiene, der Mensch auf der Straße.

Sanya 1990. Foto: Hilke Maunder

Feiner Kohlenstaub bedeckt die Straßen in Chanjiang. 260 Millionen Tonnen Eisenerz mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 50 bis 70 Prozent, verbergen sich unter Straßen und Häusern der Stadt. Erst ein Bruchteil wurde abgebaut – obwohl der Nanhai-Tagebau bei Shilu zu den acht größten Bergwerken Asiens zählt. Eine Weiterverarbeitung vor Ort fehlt jedoch. So wird das Erz rund um die Uhr mit Lastern und Schiffen zum Schmelzen auf das Festland gebracht.

Allmählich beginnen sich die Tage zu ähneln, kenne ich meinen Rhythmus, meine körperliche Kondition. Das Fahren wird leichter, die Gedanken werden ruhiger. Das Fremde wird vertrauter, Angst und Anspannung weichen. Am Ende der Tour lege ich täglich mehr als 150 Kilometer zurück und fühle mich dennoch fit. Die Straße zurück nach Haikou führt durch das Gebirge.

Kurz hinter Dangxian eröffnet sich von der Kammstrecke ein wunderschöner Ausblick: Ein See, von Königspalmen gesäumt, inmitten von Nebel umwobenen Bergen, in dem sich die untergehenden Sonne spiegelt. Die natürliche Idylle entschwindet im letzten Abendlicht, grelle Glühbirnen erleuchten die Orte, die ich durchfahre, austauschbare Siedlungen, schmucklose Stereotypen im Stundentakt.

Wohnboote in Sanya 1990. Foto: Hilke Maunder

Immer bestimmt eine Stehle, bekrönt vom Emblem der Kommunistischen Partei Chinas, das „Herz“ des Dorfes. Dahinter liegen Polizei, eine Filiale der Agricultural Bank of China, die Dorfschule. Rund um den Busstop haben mobile Händler ihre Fahrradküchen aufgestellt.

In Windeseile fertigen sie hauchdünne Pfannkuchen, füllen sie mit Maisfladen, jungen Zwiebeln, manchmal auch einem Ei, bevor sie die feuerscharfe Chilisoße mit schwungvollen Bewegungen darübergießen. „One  Yuan, Longwan“ – Langnase…

Nebenan, in den riesigen Aluminiumkesseln, die wie ein Wunder auf unscheinbar kleinen Gaskochern ruhen, schwimmen hellgraue Teile, die Maultaschen ähneln. Mit etwas Geschick lassen sich die kleinen Hefebeutel, gefüllt mit Schweinefleisch oder Gemüse, sogar recht manierlich mit Stäbchen verzehren.

Einige Kilo leichter und längst in der Lage, die chinesische Bezeichnungen zu lesen, kehre ich schließlich nach gut drei Wochen nach Haikou zurück. Die Schatten des Ankunftstages sind längst verflogen. Diesmal präsentiert sich die Stadt von ihrer sonnigsten Seite. Die Hitze staut sich zwischen den Häuserwänden, träge dösen die Händler in ihren kleinen Buden, selbst die Radfahrer haben das Rasen aufgegeben.

Haikou: Markt in Wanning 1990. Foto: Hilke Maunder

Einzelne Eindrücke brennen sich in die Erinnerung ein. Der Handleser im Stadtpark, die Jungen am Billardtisch, die alte Frau in der Teestube. Beim Abflug haben sich Erlebnis und Erinnerung schon längst zu einem bunten Bilderteppich verwoben.

Umgeben vom grauen Plastik-Look des Fliegers, erscheinen die goldenen Sandstrände fast unwirklich in ihrer Schönheit, gewinnen die Nebelschwaden am Wuzhi Shan mystische Qualitäten, vermisse ich schon jetzt die lauten, quirligen Dörfer und Städte mit ihrem ganz eigenen, tropischen Duft.

Epilog: Mein Rad habe ich dem Händler in Haikou zurückgebracht. Am nächsten Tag hing es wieder an der Stange. Einzig eine Schramme am Rahmen verriet die Strapazen unserer gemeinsamen Tour.

Dieser Beitrag ist – gekürzt – in GeoSaison und in der NZZ erschienen.

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