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Montafon: Ski-Vielfalt mal sechs

Ernest Hemingway würde sein Feriengebiet heute wohl kaum noch wiedererkennen. Wo der Schriftsteller vor mehr als 70 Jahren sein einsamen Spuren durch den Schnee zog, lockt heute ein hochalpiner Skizirkus. 209 Pistenkilometer, 100 Kilometer Langlaufloipen, 192 Kilometer Winterwanderwege, Gletscher-Touren, Wellness und Après-Ski offeriert heute die „Alpenszene Montafon“.

Das Montafon, das sich von Bludenz über die Gletscher der Silvretta bis zum Piz Buin erstreckt, ist eine der weitläufigsten Skiregionen der Alpen. Und, dank der Lage, auch eine der beliebtesten. Ohne Passstraße direkt zu erreichen, stauen sich so Wochenende die Fahrzeuge der Wintersportler in der Talschaft. Während die Straßen verstopft sind, bewältigt das Skigebiet den Ansturm ohne große Wartezeiten.

65 Lifte erschließen sechs recht unterschiedliche Einzelgebiete, in denen Einsteiger wie Experten, Familien wie Freaks finden, was sie suchen – 209 Kilometer markierte Abfahrten unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade, unverspurte Tiefschneehänge und steile Buckelpisten, schmale Trassen durch tief verschneite Wälder und breite, baumfreie Rutschbahnen.

A/Vorarlberg/Montafon/Silvretta Nova, das grösste Skigebiet im Montafon. Rote Piste Nr. 1 am Spatla-Lift.

Mit 110 Pistenkilometern größtes Einzelgebiet der „Alpenszene Montafon“ ist Silvretta Nova. Es erstreckt sich über zwei parallel verlaufene, durch das Nova-Tal getrennte Bergrücken. Leichte bis mittelschwere Pisten überziehen das Schwarzköpfle (2.300 Meter). Hier beginnt auch die längste Strecke im Skigebiet – die 14 Kilometer lange Talabfahrt, die bis nach St. Gallenkirch 1.400 Höhenmeter überwindet.

Hinab ins Nova-Tal führen steile schwarze Pisten und zwei anspruchsvolle rote Skirouten. Die Pisten der Burg (2.200 Meter) erschließt eine Zubringerbahn aus Gaschurn. Tiefschnee-Cracks erreichen mit dem Burglift die Skiroute Zigjam, die in weitem Bogen zu einer Hütte mit Bayern-Flair führt: „Zur Brez’n“ serviert Weißwurst, Hax’n und König Ludwig-Bier.

Von Partenen aus bringen Vermuntbahn und Tunneltaxis die Wintersportler hinauf zur Bielerhöhe. Für Langläufer wurde in 2.032 Meter Höhe auf dem zugeforenen Silvretta-Stausee die höchste Loipe des Europas trassiert, für Alpinfahrer eine Ski-Safari ins tirolerische Paznaundorf Galtür angelegt.

A/Vorarlberg/Montafon/Gargellen/Skigebiet Schafberg: links Vierersessel Gargellen-Köpfe, daneben gleichnamige blaue Piste.

„Silvretta Nova ist Industrie, wir sind kleines, feines Handwerk“, grenzt Emil Isele, Geschäftsführer der Schafbergbahnen, stolz das Skigebiet von Gargellen vom großen Nachbarn ab. Im Winter wagt sich kaum ein Bus auf die schmale Stichstraße, die in vielen Kehren in den höchstgelegenen Ort des Montafons (1.433 Meter) führt. Stattdessen kommen Gäste, die sich das Kleinod leisten können. In der Hotellerie dominieren Viersternehäuser; der Alpenhof Heimspitze serviert Haubenküche.

Der Komfort macht selbst vor der Kabinenbahn nicht halt: An der Talstation gleiten Skifahrer auf einer Rolltreppe zur Achtergondel. In sechs Minuten schwebt sie hinauf zur Bergstation Schafberghüsli in 2..150 Meter Höhe, Ausgangspunkt für 33 Kilometer leicht bis mittelschwerer Pisten im Schatten von der Madrisa (2.770 Meter) und den Gargellner Köpfen (2.559 Meter), die beiden Gipfel an der Grenze zur Schweiz. Über die weiße Grenze führt die „Madrisa“-Rundtour ins benachbarte Klosters. Und so findet fast jeden Winter auch Klosters berühmtester Gast den Weg in den gemütliche Kesslhütte an der Talabfahrt nach Gargellen: Prinz Charles.

Ebenfalls keine schweren schwarzen Pisten gibt es im Skigebiet „Golm“ bei Tschaggungs. Die weiten sonnigen Hänge, auf denen früher Damen-Weltcup-Rennen ausgetragen wurden, locken heute besonders Familien und Genuss-Skifahrer. Oberhalb der Bergstation Grüneck auf 1.890 Meter Höhe rasten sie in kostenlos aufgestellten Liegestühlen und genießen das 360 Grad-Panorama von den Drei Türmen und der Zimba zum Hochjoch und der Silvretta-Gruppe am Horizont. Sportlichere zieht es zur permanenten Rennstrecke. Ausgeflaggt als Riesentorlauf, können Gäste gegen Gebühr ihre Bestzeit elektronisch messen lassen.

Skigebiet Hochjoch: Pistenhinweise am Sennigrat.

Als „Erlebnisberg“ des Montafons jedoch gilt das Hochjoch. Snowcycle, Snowblades, Snowfox, Fun Carver und andere angesagte Trendsportgeräte verleiht das New Technology Center an der Bergstation der Hochjochbahn. Direkt auf dem Dach des weltweit größten Sportzentrum in einem Skigebiet befindet sich das „Dreamland“ für den Nachwuchs: 5.800 Quadratmeter Spielfläche im Schnee, gestaltet mit sieben Förderbändern als Aufstiegshilfe, Tubingbahn, Blockhaus und Iglu-Disco, sowie 250 Quadratmetern in bunten Räumen zum Spielen, Tanzen, Toben – und Entspannen.

Ruhe tanken, den Winter ohne Trubel genießen, darauf setzt das Silbertal. Zwar schafft der Lift auf das Kapell für Skifahrer die Verbindung zum Skigebiet Hochjoch, doch die meisten Gäste stehen vor der Kristbergbahn. Die einen bepackt mit Schneeschuhen, Langlaufski oder Schlitten, die anderen eingemummelt in warme Wintermäntel und festes Schuhwerk, schweben sie hinauf zur Bergstation (1.442 Meter), Startpunkt der elf Kilometer langen Höhenloipe, 21 Kilometer markierter Schneeschuhrouten und 50 Kilometer Winterwanderwege.

Langlauf am Kristberg. Die Loipe auf rund 1.600 Meter Höhe misst insgesamt elf Kilometer.

Doch die guten Vorsätze sportlicher Natur scheitern häufig schon nach wenigen hundert Metern: Knappastoba und Kristberg-Gasthof locken mit üppigen hausgemachten Torten, windgeschützten Sonnenplätzen und einer Aussicht über das gesamte Montafon: von der Lobspitze im Osten vorbei an Hochjoch, Mittagsspitze und den Drei Türmen bis zur Zimba.

Montafon: Info

In Deutschland erteilt Auskünfte über das Montafon: Österreich Werbung München, Postfach 701580, 81315 München, Tel. 089/666 70-100, Fax: 089/666 70-200, E-Mail: info@oewmuc.de, Internet: www.austria.info. Weitere Informationen gibt es beim Montafon Tourismus, Montafoner Straße 21, A – 6780 Schruns, Tel. 0043/55 56/72 25 30, Fax: 0043/55 56/7 48 56, E-Mail info@montafon.at, Internet: http://www.montafon.at

Dieser Beitrag wurde im November 2003 vom gms-Themendienst der dpa verbreitet und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt, darunter die Osthüringer Zeitung  (29. November 2003) und der Donaukurier (2. März 2004)

Gehört zum Winterwandern am Kristberg einfach dazu: die Hüttenpause auf der Sonnenterrasse des Panoramagasthofs Kristberg.

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