2006DänemarkEuropa

„Øresund Rundt“: Entdeckertour am Øresund

Öresund Rundt heißt das Ticket, mit dem sich zwei Tage lang die dänisch-schwedische Öresundregion entdecken lässt – beim Shopping in den Metropolen Kopenhagen und Malmö, Badefreuden am Bellevue-Strand oder in Båstad, Kulturgenuss in Louisiana oder Lund, Spaziergängen auf den Spuren von Kommissar Wallander in Ystad oder der Hirsche im Dyrehaven von Klampenborg.

Von Hamlets Schloss in Helsingør im Norden bis zu den Zwillingsstädtchen Skanör und Falsterbo erstreckt sich das blaue Band des Øresund, eine der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt. Hier sind sich Dänemark und Schweden ganz nah, wurde Jahrhunderte lang gemeinsame Geschichte geschrieben.

Malmö: Blick vom Västrahamn auf die Öresundbrücke. Foto: Hilke Maunder

Heute erschließt ein Bahnbillet dem Urlauber die Ferienlandschaft von Seeland und Schonen: das Öresund rundt Around the Sound. Das 48-Stunden-Ticket gewährt nicht nur freie Fahrt auf den Zügen der Dänischen Staatsbahnen (DSB), den Öresundstågen, Pågatågen, Kustpilen und den Fähren von Scandlines und Sundsbussarna, sondern auch zahlreiche Vergünstigungen bei Attraktionen und Übernachtungen.

Die einzige Bedingung: Der Öresund muss bei einer Fahrt über die Öresundbrücke, bei der anderen Fahrt auf der Fähre Helsingborg – Helsingör überquert werden – die Richtung bestimmt jeder selbst.

Schloss Fredensborg in Hillerød. Foto: Visit Denmark

Abfahrt in Kopenhagen Richtung Norden. In Hellerup fällt die erste Entscheidung: durch’s Hinterland nach Hillerød, wo die dänischen Könige 200 Jahre lang auf Schloss Frederiksborg residierten, sich in der Schlosskirche salben ließen und heute die Nationale Dänische Portraitgalerie für Durchblick in der dänischen Dynastie sorgt – oder doch lieber gleich schnurgerade nach Norden, wo die Gleise der Küste folgen und jede Station an der 45 km-Strecke einen Stopp lohnt?

In Klampenborg bringen Pferdekutschen Ausflügler in den Dyrehaven. Im einstigen königlichen Jagdgebiet leben nicht nur mehrere hundert Rehe, Kron- und Sikawild, sondern versteckt sich auch der älteste Vergnügungspark der Welt: Bakken. Seit 1932 sorgt hier eine 30 Meter hohe, hölzerne Achterbahn für Adrenalinkicks – bei der die rasante Fahrt nicht vollautomatisch, sondern noch von Hand gebremst wird…

Rundstedlund – hier schrieb Tania Brixen ihre Erfolgsromane. Foto: Hilke Maunder

Hunderte Schiffsmasten tanzen bei Rungsted im Blau des Himmels – mit 776 Liegeplätzen gehört Rungsted Havn zu den größten Jachthäfen Dänemarks. Auf Rungstedlund verfasste die Baronin Karen Christence Blixen Finecken ihren Erfolgsroman „Afrikas dunkle lockende Welt“, der als „Jenseits von Afrika“ verfilmt und weltberühmt wurde. Ihr Hof ist heute ein Museum, in dem die Autorin allgegenwärtig scheint – nichts wurde seit ihrem Tod verändert.

Hier war Tania Blixen daheim. Foto: Hilke Maunder

In Humlebæk säumen weiß gekalkte Fischerkaten die schmale Strandstraße. In den Vorgärten blüht Rittersporn, am Strand lassen Kinder flache Kiesel über die spiegelglatte Wasserfläche des Sunds springen. Hoch über der Steilküste, in einem Park mit Blick nach Schweden, verschmelzen Gegenwartskunst, Natur und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk. Zwischen alten Bäumen und Büschen, in Wandelgängen und Wintergärten, weiß geschlemmten Pavillons und einer alten Sommervilla, zeigt das Louisiana Museum for Moderne Kunst Giacometti, Moore, Calder und Co.

Blick über den Skulpturenpark von Louisiana auf den Öresund. Foto: Hilke Maunder

Nach 40 Minuten erreicht der Nahverkehrszug Helsingør, eine königliche Kleinstadt an der schmalen Stelle des Sunds. Die strategische Lage brachte Erik von Pommern 1429 auf eine einträgliche Idee: Er führte den Öresundzoll ein – und sorgte so für Jahrhunderte langen Wohlstand. 400 Jahre lang kontrollierten das Hamlet-Schloss Kronborg und die Festung Kärnan im schwedischen Helsingborg die Einfahrt in den Öresund und die Ostsee. Kein Schiff konnte passieren, ohne Zoll an den Dänenkönig zu zahlen.

Helsingør: Schloss Kronburg. Foto: Hilke Maunder

Für die Bahn ist in Helsingør Endstation. Weiter geht es mit per Schiff, schnell zu erreichen über eine Rolltreppe: Direkt über den Gleisen liegt der Zugang zum Fährterminal. 125 Schiffe pendeln von hier täglich rund um die Uhr in 20 Minuten hinüber nach Helsingborg, wo ebenfalls Fähre, Bus und Bahn zentral in einem Terminal zusammen treffen.

Umsteigen ist kinderleicht, Kofferschleppen dank Rolltreppen und Fahrstühlen kein Problem, allerorten informieren LCD-Tafeln und Aushänge über die nächsten Abfahrten.Kompetent beantworten Mitarbeiter im Reisecenter auf Englisch alle Fragen; kostenlos gibt es kleine Taschenfahrpläne für die wichtigsten Verbindungen.

Die Kirkgatan von Båstad. Foto: Hilke Maunder

Nördlichstes Ziel beim „Öresund rundt“ ist Båstad, ein lang gezogener Badeort auf der Bjäre-Halbinsel mit 20 km langem Sandstrand. In der Toffelfabrik werden die berühmten Clogs gefertigt, zwischen Kirche und Strand alljährlich ATP-Turniere ausgetragen – neben dem Court erinnert eine Hall of Fame an die schwedischen Tennisstars seit 1880.

Gen Osten lockt Klippan, Namensgeber des meistverkauften IKEA-Sofas und Ferienort an der Hügelkette Söderåsen, die seit 2001 Schwedens 27. Nationalpark bildet – er schützt den größten zusammenhängenden Laubwald Europas.

Louise Billengren verkauft am Markt von Båstad Backwaren. Foto: Hilke Maunder

Doch zurück nach Helsingborg. Die alte Hafenstadt gilt es konservative Hochburg Schwedens und lebt seit Jahrhunderten vom florierenden Handel, geführt von alt eingesessenen Familien wie Sommelius, Bank, Trapp – und Dunker. Die Dunker-Stiftung gab nicht nur Skandinaviens größten Kulturbau bei Kim Utzon, einem Sohn des Architekten der Sydneyer Oper, in Auftrag, sondern finanziert auch das abwechslungsreiche Programm des Dunkers Kulturhuset, das sich als weißer Quader mit hoher Welle auf dem Dach in den Fluten des Sunds spiegelt.

Dunkers Kulturhus in Helsingborg. Foto: Hilke Maunder

Das Öresund-Ticket ist auch auf dem Stadtbus gültig, der zum Freilichtmuseum Frederiksdal fährt, einer weitläufigen Parkanlage mit einem Herrenhaus von 1787 im Herzen, zu der auch eine historische Hofstelle, die wie einst ohne modernen Gerätschaften bewirtschaftet wird, und einige Altstadthäusern aus Schonen gehören.

Ochsenblutrot: die Festung von Landskrona. Foto: Hilke Maunder

Wie die leuchtend rote Festung von Landskrona mit ihren vier runden Wehrtürmen und dem komplett erhaltenen Wassergraben wurden sie im damals noch dänischen Skåne gegen die Schweden erbaut.

Im Hafen schippert im Sommer die Fähre in 30 Minuten nach Ven hinüber. Auf der kleinen Insel mitten im Meer baute der dänische Astronom Tycho Brahe für sein unterirdisches Observatorium ein ganzes Schloss: Uranienborg, heute die größte Attraktion der Granitinsel im Sund.

Die Hökeriet von Lund. Foto: Hilke Maunder

In Lund füllt sich der Zug. Mehr als 430.000 Studenten sind an der größten Universität des Landes immatrikuliert, viele pendeln aus dem Umland in die Unistadt und sorgen für Leben in den mittelalterlichen Gassen rund um den romanischen Dom aus dem Jahr 1080.

Ganz modern kommt Schonens größtes Museum daher: Kulturen – eine Unterführung verbindet die kulturhistorischen Sammlungen im Haupthaus mit dem zweitältestes Freilichtmuseum der Welt (1892)-

Mit 43 Bauten hält es die Wohnkultur in Stadt und Land seit dem Mittelalter lebendig. Zum Ensemble gehört auch die Hökeriet an der Ecke St. Annegatan/Tomegapsgatan, ein nostalgischer Kramladen, bis unter die Balken gefüllt mit Haushaltswaren, Leckereien, Kitsch und Kunst aus der guten, alten Zeit.

Weihnachtsschmuck aus Schonen, entdeckt im „Kulturen“-Museum von Lund, Foto: Hilke Maunder

Zurück in die in die Steinzeit führt die Fahrt nach Höör, wo Besucher im Stenålderbsbyn hautnah erleben können, wie ihre Vorfahren vor 7.000 Jahren lebten: beim Bogen schießen, Brot backen, Bänder flechten – und einer authentischen Übernachtung in einer Höhle. Im nahen Skånes Djurpark leben mehr als 800 Tiere aus 90 nordischen Arten: Elch, Wolf, Bär, aber auch Biber, Hirsch, Luchs und Fuchs.

Im Nordosten endet der Geltungsbereich des Öresund-Rundtickets in Hässleholm. Im 17. Jahrhundert führten hier dänische Freischärler – „Snapphanar“ genannt – in den dunklen Wäldern Krieg gegen Schweden. Wo einst dafür gekämpft wurde, dass Skåne dänisch bliebt, beginnt heute der Skåneleden, ein viertägiger Wanderweg zurück nach Malmö. Schneller geht es mit der Bahn: Bereits nach 50 Minuten erreicht sie Schwedens drittgrößte Stadt.

Malmö: am Lilla Torg. Foto: Hilke Maunder

Da bleibt Zeit genug, die autofreie Shoppingmeile vom Stortorget bis zum Triangeln entlang zu bummeln, mit einem Ausflugsboot durch die Kanäle der Altstadt zu schippern, zeitgenössische nordische Kunst in der Konsthall, im Rooseum oder den 45 Galerien der Stadt zu entdecken oder den Fernblick vom „Turning Torso“ zu genießen, dem futuristischen Wahrzeichen des In-Stadtteils Västra Hamnen.

Mit der Rückfahrt über die Öresund-Brücke könnte hier die Rundfahrt enden – gäbe es nicht noch die Stichstrecke durch den Südosten Schonens, der Landschaft der Literaten und Künstler. Bestseller-Autor Henning Mankell machte mit seinem Kommissar Wallander das mittelalterliche Städtchen Ystad mit seinen 40 km langen Sandstränden berühmt. In Simrishamn zeigen die örtlichen Kunstschaffenden während der Konstveckan nach Ostern ihre Werke.

Und wer noch einen sportlichen Ausgleich sucht, kann ab Tomelilla auf einer antiquierten, aber gut geölten Draisine 19 km weit ins Fyledalen fahren und nach Herzenslust durch das autofreie Tal mit urwüchsigen Wiesen und Wäldern wandern.

Dieser Beitrag wurde  als Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst, am 17. März 2006 versandt und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt.

Mälmö: der Turning Torso von Västrahamn. Foto: Hilke Maunder

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