2015AustralienQueensland

Brisbane: Smart City mit großen Visionen

Das Ziel ist hoch gesteckt: Brisbane, drittgrößte Stadt des fünften Kontinents, will Australien zeigen, wie man nachhaltig wächst: als beste „smart city“ der Antipoden. Mit grüner Energie, emissionsfreier Mobilität und schnellem Internet für alle will die Hauptstadt von Queensland Melbourne den Ruf als eine der lebenswertesten Metropole der Welt streitig machen. Die Natur verwöhnt „Brissie“ schon heute mit 300 Sonnenstunden.

„Keep left“, „Walk here“, Prepare to stop“ informieren Schilder, auf den Fußweg sind eindeutig die Laufrichtungen markiert: Fußgänger und Radfahrer werden in Brisbane genauso in die Verkehrsführung einbezogen wie bislang nur Fahrzeuge.

Ob an den Auf- und Abgängen zur Goodwill Bridge oder Kurilpa Bridge, die beide nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassen ist, oder der Uferstrecke, die am Nordufer des Brisbane River als Highway für Radler und Fußgänger unterhalb der Verkehrsarterie für Autos angelegt wurde: Stets geben zig Schilder und Bodenmarkierungen deutlich Anweisungen, wie man sich zu verhalten hat. In den Lampenschirmen der LED-Leuchten, die nachts viel Licht für wenig Geld spenden, überwachen 360°-Videokameras die Einhaltung der Verkehrsregeln.

Für Unfälle oder andere gefährliche Situationen wurden in dichtem Abstand Emergency Stations angelegt, Notrufpunkte. „Brisbane wächst so rasch, da muss man die Menschenmassen steuern“, meint Chris, der in Brisbane an der Universität von Queensland Stadt- und Raumplanung studiert, und die omnipräsente Überwachung im Stadtgebiet als notwendig ansieht. „Wir haben so viele Immigranten aus so vielen Ländern – da muss man doch zeigen, wie es hier läuft. Und dafür sorgen, dass sich alle sicher fühlen.“

Von der Sonnenschein-Kapitale zur ’smart city‘

Seinen rasanten Aufschwung verdankt Brisbane in erster Linie der Landwirtschaft. Bis heute ist Queenslands wichtigster Finanzplatz noch immer der Handels- und Umschlagplatz für Agrarprodukte, die im Hinterland gedeihen und im größten Hafen des Bundesstaates verschifft werden – Zucker, Kohle und längst auch viele Container.

Der Bauboom im „Bush Capital“, wie Brisbane noch in den 1960er-Jahren genannt wurde, begann 1987, als Brisbane Gastgeber der Commonwealth Games. Die Weltausstellung im Folgejahr lockte 14 Millionen Besucher aus aller Welt auf das Expogelände am Südufer des Brisbane River, das heute die South Banks Parklands bildet.

Neue Medien, Bergbau und Biotech lassen im eng gedrängten Central Business District (CBD) immer neue Bürotürme aus Glas und Stahl in den Himmel wachsen, neben denen die wenigen historischen Gebäude winzig wirken. Seit der Millenniumswende auf mehr als 1,4 Millionen Einwohner angewachsen, ist heute „Sustainability“, Nachhaltigkeit, Vision und Wachstumsmotor zugleich.

Energie-Diät für Klimaanlagen

Zu den Leuchtturmprojekten gehört das 20 Millionen AUD schwere EzyGreen-Programm zwischen der Stadt Brisbane, dem Bundesstaat Queensland und Partnern aus Industrie und den Medien. Bis 2026 will die öffentlich-private Patenschaft Brisbane zum Energiesparprimus des Kontinents machen. 61.000 Haushalte in Brisbane machen bereits mit – und sind von Kohlestrom auf grüne Alternativen umgestiegen und heizen ihr Wasser mit Solarenergie auf.

Zu den Mammutaufgaben gehört dabei, die hohen Energiekosten für die Klimatisierung der Büros, Geschäfte und Werkstätten im CBD zu senken. Cofely Australia und Thiess Services haben dazu ein neues CBD District Cooling System entwickelt.

Es funktioniert ähnlich wie Fernwärme – nur eben mit Kälte. Als zentrales Kühlsystem ersetzt es bislang die bisherigen Kühlanlagen, die jeweils in den einzelnen Hochhaustürmen installiert sind und versorgt sie stattdessen durch unterirdische Röhren mit eiskalten Wasser zur Kühlung. Kombiniert mit einem thermischen Energiespeicher wird zu den kühlen Abend- und Nachtstunden das Wasser gekühlt, das dann tagsüber die Gebäude kühlen soll.

Das 230-Millionen-Dollar-Projekt soll den Kohlendioxid-Ausstoß jährlich um bis zu 24.000 Tonnen senken und insgesamt Energieeinsparungen von zehn bis 30 Prozent bringen. 2014 wurde das Projekt ausgeschrieben, schon Ende 2015 soll die Umsetzung beginnen.

Eagle Street Pier, Brisbane, Queensland, Australia

Die Bevölkerung soll mitmachen

Um Energiesparen in der Bevölkerung attraktiv zu machen, legte Brisbane u. a. das Low Income Energy Efficiency Program auf, das sich besonders an einkommensschwache Erwachsene richtet. Sie lernen auf der digitalen Plattform mit dem Titel „Reduce Your Juice“ mit drei Online-Games und anderen Instrumenten des Social Marketings einen anderen, sparsameren Umgang mit Energie.

Mit „Watt Savers“ fordert Brisbane seine klein- und mittelständischen Unternehmen zum Umdenken auf. Bevor man jedoch etwas über die „schlechten Gewohnheiten der Mitarbeiter“ oder die richtige Wahl der Beleuchtung erfährt, muss man sich registrieren mit sämtlichen Unternehmensdaten – eine Hürde, die bislang ein kleiner Hemmschuh für eine erfolgreiche Arbeit der Watt Savers.

Grüne Mobilität

Zweiter großer Baustein ist eine grüne, emissionsfreie Mobilität. Im King George Square Car Park gingen mittlerweile mit Unterstützung von General Electric (GE) die ersten beiden Ladestationen, an denen Elektroautos Ökostrom von ERM Power tanken können. Tesla will bis 2016 an der Arterie der Ostküste – dem Highway von Brisbane via Sydney nach Melbourne – zudem ein Supercharger Network mit 16 Stationen errichten.

Konkurrent Tritium aus Brisbane konzentriert sich auf einen 430 km langen Korridor im Südosten von Queensland. Von Noosa an der Sunshine Coast bis Byron Bay in New South West sowie landein bis nach Toowoomba sollen für insgesamt 450.000 AUD zwölf Schnellladestationen entstehen und den Verkehr auf dem Bruce und Pacific Highway entlang der Küste wie dem Warrego Highway gen Westen abdecken – und damit 95 Prozent der Bevölkerung in der Region den Zugang zur E-Mobilität ermöglichen. Wo sich bereits Ladestationen befinden, verrät das Portal www.chargepoint.com.au.

Ausbau des Radverkehrs

Das Angebot an Radfahrer, das beständig ausgebaut wird, gehört schon heute zum Besten des Kontinents. Auf der Website der Stadtverwaltung lassen sich für das gesamte Stadtgebiet Radfahrkarten kostenlos herunterladen; für sichere Aufbewahrung sorgen mehr als 200 Bike Racks, vier videoüberwachte Bike Shelter sowie neun Cycle Pods für jeweils bis zu acht Fahrräder an den Fähranlegern der CityCats und Bushaltestellen.

In direkter Nachbarschaft zum Fernbahnhof wurde mit dem King George Square Cycle Centre zudem Australiens erstes öffentliche Servicestation für Radfahrer und Fußgänger, die an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist, eröffnet. Zum Angebot gehören nicht nur 420 überwachte Stellplätze, sondern auch 35 Duschen, Schließfächer sowie Wäsche- und Reinigungsdienstleister. An den sehr stark frequentierten Radwegen entlang des Brisbane wurden zudem mehrere Reparaturstationen mit einer Werkzeugauswahl und Luftpumpe angelegt. Wer kein eigenes Gefährt besitzt, kann zudem den Stadtrad-Service CityCycle nutzen.

Total vernetzt

Dritter Baustein auf dem Weg zur Smart City ist neben der emissionsfreien Mobilität und grünen Energieversorgung die enge Vernetzung von realer und virtueller Welt. So bietet die Stadtverwaltung seit Juli 2012 in 22 öffentlichen Parks und Einrichtungen von acht Uhr früh bis acht Uhr abends einen kostenlosen Internetzugang an – im botanischen Garten mitten im Stadtzentrum ebenso wie im Hidden World Park im Vorort Fitzgibbon.

Ebenfalls kostenlos sind die WLAN-Angebote der staatlichen Museen und der Queensland State Library, die das stärkste und schnellste Netz der Stadt besitzt. Seit vielen Jahren bereits Standard ist der kostenlose Internetzugang in den Bibliotheken der Stadt. Und natürlich gibt es auch zig Brisbane-Apps für iPhone und Android, um die Stadt nicht nur digital, sondern ganz real zu entdecken.

Die Anstrengungen von Brisbane werden inzwischen auch international anerkannt. Ende 2014 wurde die Metropole von der „Smart City Council“, die alljährlich ein Ranking herausgibt, neben Los Angeles und Montreal als „emerging smart city“ eingestuft – und damit gleich nach den Pionieren Barcelona, Kopenhagen, Helsinki, Singapur, Vancouver und Wien.

Dieser Beitrag ist im Online-Reisemagazin schwarzaufweiss.de sowie im Ländermagazin 360 Grad Australien erschienen.

Mein Australien zum Lesen und Hören

Einen ganzen Kontinent in ein Buch zu packen, war ein Kraftakt. Heraus kam ein Schwergewicht: mein Baedeker Australien*. Viele Seiten Hintergrund zu Geschichte, Alltag, Natur und Kultur,  typische Gerichte und Reisehinweise machen euch fit für das Land. Sieben Touren führen euch ins Land der Kängurus und Koalas, hin zu roten Felsen, Trendmetropolen und Koralleninseln. Alle Sehenswürdigkeiten gibt es von A-Z.

Infografiken stellen euch Beuteltiere, Wüsten, und Wellen vor. 3D- Darstellungen geben Einblick in die Sydney Harbour Brigde und Great Barrier Reef. Auch der längsten Golfplatz der Welt fehlt nicht als Tipp. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Baedeker smart Australien

Kompakt und doch ausführlich, konkrete Tipps und Tagespläne, aber auch Atmo, Hintergrund und Infos, die nur im Baedeker smart zu finden sind: mein Baedeker smart Australien*, den ich mit vier weiteren Autoren verfasste, ist so handlich, dass er in jedes Gepäck passt.

Für jeden Bundesstaat findet ihr einen Reisevorschlag. Restaurant- und Hoteltipps, Must-See-Sehenswertes und Geheimtipps ergänzen jedes Kapitel. Richtig eingestimmt auf den Aussie Lifestyle werden ihr mit dem Magazin, der als Auftakt zum Band euch die vielen Facetten des fünften Kontinents vorstellt. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Baedeker Australien OstenDamit der Urlaub nicht zum Wettlauf gegen die Zeit wird, nehmt meinen Baedeker Australien Osten*. Reist entlang der Pazifikküste mit weißen Sandstränden und zerklüfteten Steilküsten zu den schönsten Nationalparks. Entdeckt das  einsame Outback auf dem Weg zum Uluru (Ayers Rock), Gold, besucht die beiden ewigen Konkurrenten Sydney und Melbourne und taucht auf den Goldfields in die Geschichte ein.

Orte, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet, beschreibe ich im Kapitel Sehenswürdigkeiten von A -Z . Infografiken und 3D-Darstellungen geben lebendigen Einblicke; die magazinigen Introseiten wecken die Vorfreude. Und dann heißt es bald: G’d day in Australien Osten! Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

DMBA Australien OstenWie oft habe ich ihn schon bereist, den Osten Australiens? Auch meine Pässe helfen nicht weiter, so häufig wurden australische Einreise- und Ausreisestempel überstempelt. Monate in Queensland, mit und ohne Tochter, Arbeiten in New South Wales, Wandern in den Snowy Mountains, Weine lesen im ACT. Auf Busse warten, Wagen aus dem Schlamm ziehen, Offroad durch das Outback.

Längst habe ich eigene Songlines geschrieben, Orte und Landschaften durch Erinnerungen und Erlebnisse geprägt. Drei Bundesstaaten stellt mein Bildatlas Australien Osten* vor – und macht einen großen Sprung ins Outback des Red Centre. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Australien Westaustralien 50 Highlights abseitsAuf unbekannten Wegen bin ich immer wieder gerne in Australien unterwegs, und in letzter Zeit besonders in Westaustralien. Dort habe ich vor Ort zwei Jahre lang Ziele off the beaten track recherchiert: 50 einzigartige Highlights für alle, die den größten australischen Bundesstaat abseits des Mainstreams entdecken möchten.

Entdeckt Westaustralien mit eigenen Augen. Lasst euch überraschen, in Ecken entführen, die in keinem Reiseführer stehen, von meinen Tipps, Infos und Impressionen inspirieren.Viel Spaß beim Walkabout! Wer mag, kann den Band hier direkt bestellen.

Kunth: die schönsten Reiseziele Australien / NeuseelandModerne Metropolen wie Sydney und Melbourne, Wildnis und Weite wie das legendäre Outback, Naturwunder wie Uluru und Great Barrier Reef, das größte lebende Korallenriff der Erde: Die Vielfalt der faszinierenden Reisemöglichkeiten zeigt mein Bildlexikon Die schönsten Reiseziele Australien / Neuseeland / Ozeanien* aus dem Kunth-Verlag.

In geografischer Reihenfolge stellt es ausführlich die wichtigsten Reisegebiete vor. Mehr als 1.000 Farbfotos und doppelseitigen Panoramen präsentieren die Höhepunkte des fünften Kontinents. Stadtportraits mit Cityplänen, Nationalpark-Karten, ein 40-seitiger Atlas und  Internetadressen geben dem Leser zusätzliche Orientierung und helfen bei der Vorbereitung und Planung der Urlaubsreise. Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Unterwegs in Australien„Unterwegs in“ nennt der Kunth-Verlag seine Reihe, deren Werke Bildband, Reiseführer und Atlas vereinen. Australien ist mein Werk. Es eine opulente Reiseenzyklopädie, die umfassende Orientierung und kompaktes Wissen bietet.

Der bilderreiche und informative Hauptteil ist nach Regionen bzw. nach Reiserouten gegliedert und beschreibt die schönsten Plätze, die ihr gesehen haben müsst. Von mir stammt der Band Unterwegs in Australien*. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 

Im Hamburger Silberfuchs-Verlag erschien meine klingende Zeitreise durch die Kulturgeschichte Australiens. Beim Zuhören folgt ihr den Legenden der Ureinwohner und den Spuren der weißen Siedler. Ihr entdeckt unter den Felsen von Kakadu eine Freiluftgalerie der Vorzeit, erlebt in Port Arthur als Strafgefangene die Hölle auf Erden, grabt in Victoria nach Gold und begegnet in den australischen Alpen dem Wegelagerer und Volkshelden Ned Kelly.

Andreas Fröhlich  von den Drei ??? erzählt die Kulturgeschichte Australiens spannend wie einen Krimi. 2010 wurde er als  „Bester Interpret“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

Wer mag, kann die Australien hören hier* direkt bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und ReiseSchreibe.de werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Verwandte Artikel:

Ein Gedanke zu „Brisbane: Smart City mit großen Visionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.