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Rauf auf die Bretter! Die Ziele für Sonnenski

Jetzt beginnt die beste Zeit für Carving, Ski & Co. Wir verraten, wo Kurzentschlossene mit kleinem Portemonnaie schneesichere Hänge zum Schwingen finden. Trendy, schrill, sportlich oder gemütlich – hier sind die schönsten Sonnen-Skigebiete.

Les Gets/Frankreich: Brettern, bis die Beine brennen

Zwischen Mont Blanc und Genfer See versteckt sich Les Gets. Von Genf in knapp einer Stunde zu erreichen, ist das trendige Savoyer Skidorf in 1.172 Meter Höhe das Eingangstor zum größten Skizirkus der Welt – Les Portes du Soleil. Hinter den dunklen Holzhütten, heute Gäste-Chalets, Gourmet-Restaurants, Geschäfte, Bars und In-Boutiquen, warten 650 Kilometer Puder-Pisten bis 2.500 Meter Höhe, entdeckt zu werden – und das zu Preisen, im Vergleich zum gigantischen Angebot günstig sind. Im Hausgebiet von Les Gets – 65 Pisten mit 120 Kilometer Länge in 1.200 bis 2.000 Meter – zeigen Skilehrer die Trend-Technik Telemark. Der Trick mit dem Knick ist zwar vom Großvater abgeguckt, aber hip – und ein Heidenspaß.

Der Snowpark am Mont Chéry ist etwas für Stilisten. Vier bis fünf Kicks verschiedener Größen und Niveaus, Hips, ein richtiger Gap und – je nach Schneebeschaffenheit auch zwei Quarter Pipes – wurden hier für Riders reserviert. Auch Langläufer können hier hoch hinaus: 18 Kilometer Höhenloipe mit Fernsicht verführen, immer weiter durch die weiße Winterpracht zu ziehen. Die zahlreichen gefrorenen Kaskaden der Wasserfälle sind ein Eldorado für Eiskletterer. Richtig cool in dieser Saison ist Eistauchen. 50 Zentimeter dick ist die Eisschicht des Montrionds-Sees, nur zwei Grad warm das Wasser, das Einstiegsloch nur wenige Zentimeter breit. Wer die mysteriöse Welt des gefrorenen Bergsees erkunden und silbern schimmernde Sauerstoffblasen unter der Eisfläche wandern sehen möchte, sollte ein erfahrener Taucher – und abgehärtet sein.

Info:

https://meinfrankreich.com

www.lesgets.com

Les Contamines-Montjoie/Frankreich: Skwalen im Schnee

Das Schneeloch am Mont Blanc bietet Snowboardern eine neue Herausforderung: Skwal. Mit beiden Füßen hintereinander auf einem stark taillierten Board stehend, wird in extremer Schräglage durch den Tiefschnee gekurvt. Auf Wunsch begleiten Hochgebirgsführer sehr gute Snowboarder beim Surfen außerhalb der Pisten.

Vier Kabinenbahnen, neun Sessellifte und 14 Schlepplifte erschließen 120 Kilometer Piste zwischen 1200 und 2500 Meter Höhe. In der weiten Schüssel scheinen sich die Skiläufer zu verlieren. 44 Hänge mit zehn schwarzen und 17 roten Abfahrten locken. Anfänger tummeln sich an der flachen „Jonction“. Stellt sich die Buckelpiste als steiler heraus, als der Blick vom Lift aus vermuten ließ, führt stets eine leichtere Variante hinab – oder hinüber nach Hauteluce, dem Pistenpartner im Beauforttal. Der Pistenpass „Evasion Mont Blanc“ bindet Contamines an 455 Kilometer Piste und 111 Lifte zwischen Saint Gervais, St-Nicolas de Véroce, Combloux und Mégeve an; der Mont Blanc-Pass an weitere 700 Kilometer Piste in 14 Skiorten am „weißen Berg“.

Geführte Gletschertouren führen zum Glacier de Toule oder zum Pas de Chèvre; Mehrtagestouren bis nach Zermatt. Die mehr als 80 Schneekanonen sind einzig im Anfängerbereich und an den Talabfahrten installiert – im Skigebiet bedeckt Naturschnee meterhoch die Sommeralmen. Völlig unter weichem Weiß versteckt sich auch das Chalet de L’Étape von Didier Mollard 1993 Vize-Weltmeister im Skispringen. Sobald um 17 Uhr der Betrieb der Montjoie-Kabinenbahn eingestellt ist, sind die Gäste der Berghütte auf 1500 Meter Höhe völlig für sich. Draußen umgibt sie ein enormes Schneefeld, drinnen grüßt aus jedem der neun Zimmer der Mont Blanc herüber. Unten in der Gaststube prasselt das Feuer im Kamin.

Info: www.lescontamines.com

Latemar/Italien: Dolce Vita in den Dolomiten

Senkrecht steigen die Wände von Rosengarten und Latemar auf, leuchten tiefrot im Licht der untergehenden Sonne. Vor diesem Panorama erstreckt sich eine Pistenlandschaft, die in 1.000 bis 2.5000 Meter Höhe mit breiten, bestens präparierten Pisten einlädt, frei nach Lust und Laune zu schwingen und zu carven. 17 Lifte erschließen die 50 Pistenkilometer im Ski Center Latemar, 1987 durch den Zusammenschluss der Skigebiete von Pampeago und Predazzo im Trentiner Fleimslal mit Obereggen in Südtirol entstanden. 24 Prozent der Pisten tragen eine blaue Markierung, 70 Prozent sind rote Abfahrten, nur sechs Prozent schwarze Runs. Höchster und schönster Punkt des Skigebietes ist die Pala di Santa (2.500 Meter). Sportliche Fahrer finden ihr Terrain am Agnellolift und auf der Slalomvariante der Piste Cinque Naziones; Snowboarder zahlreiche Off-Road-Pisten und einen Funpark – schließlich kommen aus Obereggen fast alle italienischen Meister. Für alle, denen der Tag auf der Piste zu kurz ist, erhellt Flutlicht drei Abende die Woche die Oberholzpiste und den Dorflift von Deutschnofen. Für Schneesicherheit sorgt selbst bei schönstem Frühlingswetter eine Kompaktschneeanlage, die zu den besten im Alpenraum gehört. Sie garantiert noch eine perfekte Beschneiung des gesamten Skigebietes, wenn bereits Narzissen blühen. Zum Dolce Vita in den Dolomiten gehört der Einkehrschwung: Zehn Berghütten säumen die Pisten, Schirmbars jede Bergstation. Beim Fiemme Ski Jazz (11. – 19. März 2006) erklingen heiße Jazz-Rhythmen auf den Pisten, in den Berghütten und Pubs in den Dörfern rund um Obereggen.

Info: www.latemar.it

Alpenarena/Schweiz: Schnee total & strahlende Sonne

In Graubünden wartet das größte Skigebiet der Schweiz: die Alpenarena Flims – Laax – Falera. 70 Prozent der 220 Pistenkilometer liegen über der Waldgrenze. Der Vorab-Gletscher, das Gebiet La Siala und Nagens sind schneesichere Höhenlagen zwischen 1.900 und 3.018 Metern. Mehr als die Hälfte aller Abfahrten sind mittelschwer. Anfänger sind in der Alpenarena falsch – zwar gibt es 55 Kilometer leichtes Gelände, aber immer nur wenige Varianten. 60 Kilometer sind schwarz und schwer. Die Buckelpisten Uno und Madadera, die harte Piste von Fatschas oder die Tiefschneeabfahrt von Casson sind nur etwas für Cracks.

Typisch für die Sonnenterrasse hoch über der Rheinschlucht sind abwechslungsreiche, lange Runs. Der Weiße Schuss, zwölf Kilometer Ski nonstop, überwindet dabei 1.700 Höhenmeter. Besonders schön ist La Siala West: erst ein anspruchsvoller Starthang, dann Schwingen ohne Ende. Die Alternative für Hungrige heißt Ladir Ruschein. Die Abfahrt vom Crap Masegn endet in einem urigen Bündner Dorf mit gutem Gasthof. Eine Besonderheit ist das Angebot „Early Bird“: Frühaufsteher können morgens auf menschenleeren, frisch präparierten Pisten zu Tale gleiten.

Für Langläufer wurden 60 Kilometer meist doppelt gespurter Loipen für klassisch und Skating angelegt. Mit eigenem Boarder-Berg, drei Halfpipes, 40 Kilometern unpräparierter, markierter Routen und dem Riders Palace als passendem preiswerten HighTech-Designhotel wurde die Alpenarena zur angesagten Location für Snowboarder. Mit dem „Gletscherkuss Open“ feiert die Szene im April das verrückteste Rennen der Schweiz. Prämiert wird nicht die höchste Geschwindigkeit, sondern der schrillste schneetaugliche Untersatz.

Info: www.laax.com

Rauf auf die Bretter – und rein in die Hütte!

Warth/Österreich: Arlberg ohne Jet-Set

Das gemütliche Skidorf bietet alles, was dem Arlberg einzigartig macht: knackige Pisten, traumhaften Tiefschnee und Schneesicherheit. Nur die internationale High Society fehlt – sie tummelt sich auf der teuren Seite. Wer sportliches Skifahren schätzt, ist in dem bodenständigen Bergdorf hingegen richtig. 60 Kilometer Piste, die Hälfte davon mittelschwer bis schwer, lassen abends die Muskeln brennen. Neun moderne Seilbahnen und fünf Schlepplifte erschließen das weitläufige Areal unterhalb von Warther- und Auenfelderhorn. Von Wartherhorn und Saloberkopf führen Pisten aller Schwierigkeitsgrade zurück ins Tal.

Anfänger gleiten in weiten Schleifen, Experten in direkter Linie über steile Buckelpisten hinab. Karhornbahn und Hochalplift führen hinauf in ein sanft gewelltes Almgelände. Sämtliche Pisten der Snowworld, an die auch das Nachbardorf Schröcken angebunden ist, sind perfekt präpariert und durch die Höhenlage der Nordosthänge bis weit in den April tadellos. Ein Highlight für Langläufer sind vier Rundkurse der fast fast 20 Kilometer langen Höhenloipen von Hochkrumbach. Eine ganz andere Entdeckung der Winterwelt von Warth ermöglicht das erste Vorarlberger Schneeschuhresort.

Info: www.warth-schroecken.at/de

Levi/Finnland: Pisten-Party am Polarkreis

Bis weit in den Mai ist in Levi Saison. Mit seinem Mix aus perfekten Pisten und Party rund um die Uhr avancierte das kleine Dorf in Lappland binnen weniger Jahre zum größten finnischen Wintersportort. Pulvertrockene Flocken bedecken die 45 Pisten von grün (sehr leicht) bis schwarz (schwer). 19 Lifte bieten schnelle Aufstiegshilfen. Wartezeiten sind unbekannt. Zum Gipfel saust Finnlands einzige Gondel. Zurück zur Talstation führt eine schwarze Piste, 2004 Austragungsort des Weltcup der Frauen. Die Weltcup-Piste am Westhang hat es in sich: 52 Gefälle sind selbst in den kanadischen Rockies nicht zu finden. Seichte, geschützte Familienabfahrten säumen den Südhang; lang gezogene Tempoabfahrten den Osthang. Die Pisten am Nordhang führen direkt zum Partytempel im Ortszentrum: In der Hullu Poro Arena heizen Live-Bands bis in den frühen Morgen ein.

Für Snowboarder wurde ein separates Terrain mit Rips, Jumps und vier Half Pipes gestaltet. Langläufer können ihre Ski am Hotel anschnallen. 230 Kilometer maschinell gespurter Loipen von 4,5 bis 35 Kilometer Länge überziehen das Levi-Fjäll und den Immeljärv-See, verlaufen über offene Ebenen, gefrorene Sümpfe, mäandrierende Flüsse, dichte Fichtenwälder. Durch die Anbindung an weitere Wintersportzentren wie Muonio, Äkäslompolo und Hetta wächst das Loipennetz auf mehr als 1.000 Kilometer. Alljährlich im Frühjahr startet in Levi das Kärcher King Race, das größte Motorschlittenrennen der Welt. Gäste können den Kick mit Guides genießen. Dick vermummt in Thermoanzügen, geschützt mit Helm und Handschuhen, geht es durch den Schnee. Mittags wird gepicknickt. Im Kessel köchelt heiße Suppe mit geräuchertem Rentierfleisch, in Holztaschen mit Grifflöchern für zwei Finger dampft Kaffee.

Info: www.levi.fi

Die Beitrag ist im bundesweiten Hochschulmagazin UNICUM  erschienen. 

FIN/Lappland/Levi: Levi-Fjäll, Dämmerung

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