2005EuropaÖsterreich

Schladming: Carven bei den Skistars

Michael Tritscher, Petra Kronberger, Hans Knauss und Hermann Maier machten Schladming als Kaderschmiede der österreichischen Skistars weltbekannt – doch auch Anfänger und Familien fühlen sich auf den Pisten des größten steirischen Skigebietes zwischen Dachstein und Tauern wohl.

In Rohrmoos begrüßt Pinguin Bobo den Nachwuchs, der im Skikindergarten und an den sanften Hängen des Hochplateaus die ersten Schwünge lernt. Die Eltern sausen währenddessen über einen Skiweg zum Hochwurzenlift, dem ungewöhnlichen Einstieg zur Vier-Berge-Skischaukel. Nicht einzeln, sondern im Fünferpack, schweben die Gondeln zur Bergstation (1.850 Meter), wo auch die längste Flutlichtrodelbahn Österreichs beginnt – eine sieben Kilometer lange Schlittenpartie zurück zur Talstation.

Skifahrer und Snowboarder stehen vor der Qual der Wahl: Fahren sie auf der spritzigen Sepp-Walcher-Abfahrt zurück zur Skiwiese oder geht’s Richtung Pichl weiter zur Reiteralm (1.860 Meter), wo die österreichische Nationalmannschaft alljährlich ab Oktober auf einem weißen Teppich trainiert, den Sepp Mitterwallner mit seinen Schneekanonen auf die herbstlichen Hänge zaubert. In der Saison tummeln sich auf der Reiteralm vorwiegend Familien mit älteren Kindern. Mama und Papa schwingen die Gasselhöhe hinab, die Steppkes carven über die Kinderskiroute zu den Tieren vom Fagerwald, brettern über das Wellenbad oder durchfahren den Boardercross.

Der Skikindergarten von Ramsau-Ort.

Sportliche Familien zeiht es eher zum Hauser-Kaibling (2.015 Meter), dem Hausberg von Haus im Ennstal. Hier, wo Weltcup-Sieger Helmut Höflehner höchstpersönlich die Pisten präpariert und alljährlich Anfang Februar der Startschuss zur Ö3 Mountain Mania fällt, der größten Open-air-Party Österreichs, wollen die meisten nur eine Anfahrt meistern: die legendäre Krummholz-Piste, die als längste FIS-Abfahrt Europas 4,3 Kilometer schwarz und steil ins Tal führt. Doch so manch flotter Schwung weicht schnell einem vorsichtigen Stemmbogen.

Trendberg der Szene ist der 1.894 Meter hohe Planai. An der Mittelstation surft sie gratis an einem Fotoautomaten mit Internetstation und schickt einen Fotogruß per E-Mail ab, ehe sie sich auf die Königsstrecke der Cracks wagen: die steile Weltcupabfahrt ins neue Olympiastadion, auf der alljährlich im Januar beim Nachtslalom der Herren „The Nightrace“ Weltklassefahrer wie Bode Miller und Hermann Maier Weltcup-Punkte sammeln.

Einzigartig in Österreich ist das Skiline-Angebot der Planaibahnen: Nach Eingabe der Skipassnummer erstellt ein Terminal an der Talstation blitzschnell ein Profil des Skitages: bewältige Höhenmeter, benutzte Lifte und gefahrene Abfahrtskilometer. Im Internet lassen sich die Skiline-Diagramme auch rückwirkend für die gesamte Saison berechnen.

Neben der Schladminger Vier-Berge-Skischaukel, deren 115 Pistenkilometer zu fast 100 Prozent beschneit werden können, lassen die kleineren Skiberge Rittisberg, Fageralm, Galsterbergalm, Stoderzinken, Riesneralm und Planneralm sowie das Ganzjahresskigebiet Dachsteingletscher den Skispaß in der Dachstein-Tauern-Region auf 224 Pistenkilometer anwachsen.

Auf dem Hochplateau der Ramsau verdrängen grellbunte Kids mit Skatingski zunehmen die meist älteren Herrschaften, die in klassisch gespurten Loipen auf dem Sonnenbalkon über dem Ennstal ihre Spuren durch den glitzernden Schnee ziehen. „Skating ist trendy, sportlich und sexy“, sagt Alois Stadler (41), Langlaufweltmeister von 1999 und Nordischer Sportkoordinator im Leistungszentrum von Ramsau, wo Urlauber im WM-Stadion die Grundschritte der Grätschtechnik lernen.

Ramsau: die Langlaufloipe auf dem Hochplateau.

Ohne Schuppen und Steigwachs geht es nach ersten Trockenübungen gleich auf die Loipe. 200 Kilometer Strecke fordern auf dem Plateau (1.100 – 1.300 Meter) und den Almwiesen (1.700-1.900 Meter) merklich die Kondition – nur gut, das die klassisch gespurten Rundkurse und kupierten Skatingstrecken an urigen Jausenstation wie den Gruberstuben vorbei führen. Bei steirischem Wurzelfleisch oder Gehackertem, Brot mit Hack, kehrt die Kraft schnell zurück – für einen sportlichen Abend auf der 2,5 Kilometer langen Flutlichtloipe oder der längsten Gletscherloipe der Welt: der 18 Kilometer langen Dachsteinstrecke in 2.700 Meter Höhe, auf der Nationalteams aus aller Welt ihre Runden ziehen.

Am Pistenrand zieht Walter Walcher (47) mit geübten Bewegungen schwarze Felle auf seine Ski, stellt die Steighilfe auf Position eins und gibt seinen Schützlingen, die sich erstmals ans Tourengehen wagen, Tipps und Ratschläge. Mit seiner kleinen Gruppe will der Bergführer heute nicht die „österreichische Nationalroute“, die 25 Kilometer lange Dachstein-Gletscherquerung nach Obertraun, bewältigen, sondern auf der Edelgrießabfahrt am Südhang des Dachsteinmassiv bis Ramsau-Ort 18 Kilometer lang genussvoll durch den Tiefschnee stoben. Für Snowboarder zählt die markierte und kontrollierte Skiroute zu den schönsten Freestyle-Strecken der Alpen.

Seit mehr als 20 Jahren gehören die Surfer im Schnee fest zu Schladming, das sich heute der größten Snowboardschule weltweit rühmt. Viel Wert wird auf ergänzende Angebote zum Wintersportprogramm gelegt. Tandemflüge im Gleitschirm, Fahrten im Heißluftballon oder Schlittschuhspaß auf den zugefrorenen Seen von Aich und Pichl gehören ebenso dazu wie gemütliche Runden in der Pferdekutsche – Ramsau gilt mit mehr als 80 Gespannen als pferdereichste Gemeinde der Steiermark.

Schweißtreibend: Schneeschuh-Wandern in Schladming

Schladming: Info

In Deutschland erteilt Auskünfte über Schladming: Urlaubsservice der Österreich Werbung, Tel. 01802/10 18 18 (Ortstarif), Fax 01802/10 18 19, E-Mail: urlaub@austria.info, Internet: www.austria.info/de. Weitere Informationen gibt es beim Regionalverband Dachstein-Tauern, Ramsauer Straße 756, A – 8970 Schladming, Tel. 0043/3687/2 33 10, E-Mail: info@dachstein-tauern.at, Internet: www.dachstein-tauern.at, www.sportregion.cc

Dieser Beitrag wurde am 4. November 2005 vom gms-Themendienst der dpa verbreitet und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt. Am 3./4. Dezember 2005 erschien er in der Eßlinger Zeitung.

A/Steiermark/Dachstein-Tauern/Rohrmoos: Blick zum Dachstein-Massiv mit dem Hochplateau der Ramsau.

 

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