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Stockholm: ein Sommermärchen

Schlafen gehen? Das wird später nachgeholt. Im Sommer sind die Stockholmer draußen. Und feiern.

Um 3.30 Uhr tanzen die ersten Sonnenstrahlen auf den Dächern der Gamla Stan, lassen die Fassaden der Altstadt auf der Insel leuchten. Noch sind die engen Gassen still vor dem Ansturm der Touristen. Doch am Järntorget duftet es bereits verführerisch nach frischem Backwerk: Ein Morgenkaffee in Sundbergs Konditori ist Tradition.

König Gustav III. soll deren Mehlspeisen so geliebt haben, dass er einen unterirdischen Gang zur Traditionsbäckerei (1785) vom Kungliga Slottet buddeln ließ. Königin Silvia war der Prunkbau von 1697 mit seinen 600 Zimmern zu groß, die Altstadt zu laut – sie zog nach Drottningholm, zu dem Strömma-Schiffe schippern. Doch Carl XVI.Gustav hat bis heute hier sein Büro.

Punkt 12.15 Uhr wird seine Leibgarde abgelöst – ein farbenfrohes Spektakel mit Musik, das auch die Stockholmer lieben. Zum Lunch zieht es sie in die lauschigste Oase der Altstadt. Im Gartencafé der Tyska kyrkan gibt es leckere Kuchen zu Klängen vom Glockenspiel. Oder sie holen sich am Mälartorget ein Fischbrötchen, laufen den Montliusvägen hinauf und genießen die Aussicht auf Altstadt, Mälaren und das Meer. 

Noch berühmter ist der Stockholm-Blick von den Mosebacke Terrassen, den Strindberg in seinem Roman „Das rote Zimmer“ verewigte. Dort sind Sie bereits mitten im Szeneshopping. SoFo (South of Folkungatan) ist Stockholms SoHo: ein Viertel voller Vintage-Läden. Noch mehr trendige Boutiquen säumen Södermalms Götgatan. In Östermalm ist Mood die In-Adresse für Edelshopping.

In den Hötorgshallen von Norrmalm stapeln sich Köstlichkeiten aus dem ganzen Land. Mit ihnen kreiert Magnus Ek im Oaxen eine „nordic cuisine“, die Skandinaviens Aromen als exotische Sinnesreise inszeniert: mit Seespinne in Blasentang, Kabeljaubäckchen mit Eichenmoos, in Birkenrinde geröstetem Rinderfilet oder Lammsattel auf Lauch.

Traditioneller ist die schwedische Hausmannskost der Künstlerkneipe Tennstopet, in der Jazzkönigin Monica Zeterlund Stammgast war. Mit Jazz, Blues und Soul unterhalten die Live-Band an Bord von MS Blidösund, die abends zu Steak und Wein durch die Schären schippert.

Die Alternative: „parkteatern“.  Von Juni bis August locken kostenlose Freilichtaufführungen in fast allen Parks. Die schwedische Hauptstadt hat die höchste Theaterdichte der Welt… Danach zieht es die Stockholmer in Sommerclubs wie Trädgården, wo sie bis morgens früh unter freiem Himmel abhotten.

Am Sonntag locken die Schären mit Inseln wie Finhamn, einem Idyll mit Badestrand und Biohof. Oder  man greift zum Paddeln und entdeckt die zehn Inseln der City vom Kanu oder Kajak. Wie Schweden früher war, zeigt Skansen (skansen.se) mit uralten Bauernhöfen, lebendigen Werkstätten, Tieren und Tanz. Drei Tage lang feiert das älteste Freilichtmuseum der Welt „Midsommar“. Pure Magie!

Übernachten

Im Stallmästaregården trifft Design auf Nostalgie. Joggingtipp: der Haga Park vor der Haustür (stallmastaregarden.se, Norrtull, DZ ab ca. 185 €). Auf der Jacht Mälardrottningen schläft man in kuscheligen Kojen (malar-drottningen.se, Riddarholmen, DZ ab ca. 150 €).

Den Sommer feiern!

Smaka på stockholm

Stockholms Köche zeigen, was sie können – beim Kochtheater, Kochduell und an Schlemmerständen

Skansen Allsång 

Stars von heute singen Hits und Volkslieder auf der Bühne des Freilichtmuseums – stimmgewaltig singt das Publikum mit, das Gesangsheft in der Hand

Stockholm Music & Arts

Pop und Jazz vom Feinsten

Stockholm PridE

riesige schwul-lesbisches Festival mit Parade am ersten Augustwochenende

Stockholms kulturfestival

Kunst, Tanz und Theater in der ganzen Stadt

Dieser Beitrag ist im Lonely Planet Traveler Juli/August 2014 erschienen.

Stockholm im Winter habe ich hier vorgestellt.

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