Wo Nostalgie & Trend flirten: Fremantle

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Australien, Western Australia

Die westaustralische Hafenstadt Fremantle ist für Lonely Planet ein „Must-See“-Reiseziel. Als einzige australische Stadt schaffte es der Hafen-Vorort von Perth auf Platz 7 der Top 10 Cities-Liste in Lonely Planets Best in Travel 2016-Ranking. Grund genug, euch einmal vorzustellen.

1,3 Milliarden Dollar-Facelift

Lonely Planets Wahl fällt genau zur rechten Zeit auf Fremantle. 1,3 Milliarden teure Stadtentwicklungsprojekte  werden zurzeit umgesetzt. Allein 220 Mio. AUD lassen sich Staat und Stadt die Neugestaltung des Kings Square kosten. Neue Hotels, Restaurants, kleine Bars und Ladenflächen, die im Rahmen dieser Projekte entstehen, werden Fremantle als Reiseziel für internationale Touristen in Zukunft noch attraktiver machen. Denn Freo, wie die Perther die einst selbstständige Hafenstadt an der Mündung des Swan River in den Indischen Ozean liebevoll nennen, hat etwas, was der Hauptstadt ein wenig fehlt: Vergangenheit und Flair.

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Für den America’s-Cup 1987 wurde der Hafen von Perth aufpoliert. Das koloniale Erbe von Fremantle wurde sorgfältig restauriert, die viktorianischen Fassaden saniert. Zwar holten sich die Amerikaner den Cup zurück, doch geblieben ist die Idylle, die besonders am Wochenende die Großstädter an den Cappuccino Strip, die Cafés der South Terrace, und die Fremantle Markets lockt. 150 Händler drängen sich unter den hohen Dächern der mehr als 100 Jahre alten Hallen und verkaufen ein buntes Sammelsurium zwischen Tand und Trend, Kulinarie und Kunst. In der Marktkneipe  tanzen munter die Steppkes zur Live-Musik, während die Eltern am Tresen ein Emu Bitter trinken.

Perlen der Kolonialzeit

Von den 1,3 Milliarden australischer Dollar, die seit einigen Jahre in die Stadtentwicklung und damit verbundene Gentrifizierung gesteckt werden, fließt viel Geld auch in die Erhaltung der historischen Architektur. Die historische Straßenzüge und Bauten aus der Kolonialzeit zu den besterhaltenen der Welt. Fremantles Blütezeit war der Goldrausch um 1890.

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Aus jenen Jahren sind prunkvolle viktorianische Villen und Geschäftshäuser erhalten, darunter das Lionel Samson Building von 1898, das Esplanade Hotel (1896), das Rathaus (1887) und die ehemalige Evan Davies-Bücherei (1899). Das Sail & Anchor-Hotel von 1854 ist ein beliebter Szenetreff – da es sein eigenes Bier braut: Dogbolter, Brassmonkey Stout und Fremantle Steamer.

Auch Westaustraliens ältestes öffentliches Gebäude steht in Fremantle: das kalt-feuchte Round House, ein achteckigen Sandsteinbau mit mächtigen Mauern, 1830/31 als Gefängnis errichtet. Heute genießen die Besucher weite Ausblicke auf Stadt und Strand.  Von 1842 – 1991 kamen die Häftlingen hinter einem imposanten Bau hinter Gitter, der seit 2010 zum UNESCO WelterbeAustralian Convict Sites“ gehört und von ihnen selbst erbaut wurde: das Fremantle Prison. 1964 wurde dort mit dem Serienmörder Eric Edgar Cooke der letzte Mensch gehängt. Häftlinge waren es, die  1864 das erste Irrenhaus der einstigen Kolonie errichteten, in dem heute das Fremantle Arts Centre Wechselausstellungen zeigt.

Vom Westerwald nach Westaustralien

Für das renommierte Western Australian Maritime Museum wurde 2002 ein spektakulärer Neubau am Victoria Quay nach Plänen von Cox Howlett und Bailey Woodland errichtet, dessen Architektur an einen Schiff erinnert, dass auf einer Sandbank gestrandet ist. Hauptattraktion des Meeres- und Schifffahrtsmuseums sind der Rumpf des holländischen Frachtseglers Batavia, der 1629 vor Geraldton gestrandet war. Aus dem Wrack geborgen wurde deutsches Kulturgut: Westerwälder Keramik!

Ganz andere Kunst zeigt das Kidogo Arthouse. „Ich will indigenen Künstlern ein Forum bieten“, sagt Joanna Robertson. Seit 1998 präsentiert sie in einem ehemaliges Warenlager für gefährliche Güter, das 1884 Harwood & Son am Rande des Bathers Beachvon Fremantle erbaute, Arbeiten von Aborigines wie Darren Stockwell, Wendy Hayden, Herbert Marshall, Sharyn Egan, Phillip Doughty, Dora Parfitt, John Buckley und Tim Winmar.

Neue Wege in alten Mauern beschreitet auch die Engländerin Kate Hulett (37 Jahre) von Kate & Abel, das neben Hüten für jedes Haupt auch trendige Accessoire für Haus und Garten verkauft. Als 2013 das Myers-Kaufhaus schloss, um Büros zu weichen, eröffnete sie im leerstehenden Betonbau noch im Oktober des gleichen Jahren ihren „space market“  MANY 6160 – als PopUp-Store mit rund 20 Händlern, Künstlern und Kunsthandwerkern der Region, Werkstattflächen im Obergeschoss sowie Freiluftkneipe und StreetArt-Fläche auf dem Dach. „new & cool“ ist ihre Maxime.

Von der Fabrik zum Food-Tempel

Neues Leben in alten Mauern, das gilt auch für die alte Fabrikhalle von Sunshine Harvester. Wo einst Erntemaschinen hergestellt wurden, lockt seit 2014 im neuen East End von Fremantle The Mantle mit kulinarischer Vielfalt. Hinter der Backsteinmauer – und auf einem schmalen Terrassenstreifen an der Straße mit Blick zum Hafen – vereint es unter seinen Dach eine Pizzeria, eine Tapas-Restaurant, eine Bar und zwei Pop-Up-Restaurants.

Freos neue Coffee Culture

Der berühmte Cappuccino Strip von „Freo“ ist legendär – doch ruht sich seit Jahren auf seinem Ruf aus. Seine Cafés begeistern heute fast nur noch Touristen. Die Einheimischen zieht es in die Seitenstraßen rund um die Notre Dame University of Australia. Und an die Henry Street, wo Bill Dalgety Moore ab 1868 als „general merchant“ alles verkaufte, was die Bevölkerung im täglichen Leben so brauchte. Sein stattliches Stadthaus hat Simon Naber in eine In-Location verwandelt, die man viel eher in den Lanes von Melbourne vermuten würde: moore & moore.

Unter braunem Gebälk zeigt die Moores Building Contemporary Art Gallery mit staatlicher finanzieller Unterstützung junge und vielversprechende Künstler, von denen einer alljährlich als artist in residence in einem Studio im Hinterhof wohnen kann – und sich zum Klönschnack ins 2008 eröffnete Café setzt, wo Bagels, Sandwiches, Suppen, kleine Gerichte und hausgemachte Kuchen zu Kaffee & Co. gereicht werden. „Aufgrund der strengen australischen Licensing-Gesetze dürfen wir leider keinen Alkohol ausschenken und abends noch als arty Weinbar öffnen“, erzählt Simon etwas enttäuscht. Umso begeistert engagiert er sich für sein Café in der Henry Street 46, wo er selbst sein bester Kunde ist.

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Fremantle: Noch mehr Reisetipps!

Hinkommen

Schöner als mit dem Vorortzug ist der Mini-Cruise auf dem Swan River, der in Perth am Anleger Barrack Street Jetty neben dem Bell Tower startet. 50 Minuten lang gleitet ihr vorbei an Prachtvillen, die mich neidisch werden lassen. In Fremantle gibt es zwei Anleger. Wählt am besten die B Shed Pier – sie liegt in  Laufnähe zur Innenstadt. Da gibt es übrigens auch gleich einen tollen Markt in der alten Bootshalle!

Shopping

Compendium Design Store

Etwas schwer zu finden ist dieses Kleinod im West End von Fremantle. Hier finden ihr Design-Objekte, Uhren, Schreibwaren, Bücher, Zeitschriften, Accessoires und Geschenke von lokalen und internationalen Anbietern sowie alles rund um Tim & Struppi.
• 49a High Street, Tel. 08 64 20 24 17, www.compendiumstore.com.au

FOUND at Fremantle Art Centre

Im Museumsshop findet ihr die nach eigenen Aussagen größte Auswahl von Designern und Kunsthandwerkern in Westaustralien.
• 1 Finnerty Street, Tel. 08 94 32 95 69, www.fac.org.au

South of the Border

Ungewöhnliches und Ausgefallenes von  In-Brands wie UTT AM London, elk, Jena Bedson und Michal Negrin.
• 101 South Terrace, Te. 08 94 33 22 25, www.southofthebordershop.com.au

Love in Tokyo

Handgemachtes aus Western Australia.
• 61-63 High Street, Tel. 08 94 33 21 10, www.loveintokyo.com.au
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Essen & Trinken

The Monk Brewery & Kitchen

Craft Biere & Weltküche.
• 33 South Terrace, Tel. 08 93 36 76 66, www.themonk.com.au

The Raw Kitchen

Nix Gekochtes, alles nur roh.
• 181a High Street, Tel. 08 94 33 46 47, www.therawkitchen.com.au

The Shipping Lane

Lässig und gut: das kleine Café am Strand.
• 4/1 Fremantle Loop, North Fremantle, Tel. 04 20 37 52 56, www.theshippinglane.com.au

Schlafen

Hougoumount

Die Hougoumont (Aussprache: Ugomon) war der letzte Segler, der Convicts nach Western Australia brachte. Die Zimmer erinnern an die Seefahrt: Sie wurden aus Frachtcontainern erbaut, sind aber im Innern äußerst komfortabel – die Matratze, hart oder weich, könnt ihr bei der Buchung aussuchen. Werktags gibt es um 17 Uhr für Gäste kostenlos Wein & Snacks, jeden Morgen eine Schale mit frischem Obst.
• 15 Bannister Street, Fremantle, WA 6160, Tel. 08 61 60 68 00, www.hougoumonthotel.com

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