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Australiens Süden: Dorado für Genießer

Rebenreihen bis zum Horizont, Farmers’ Markets mit Gewürzen des Outbacks, Weltklasserestaurants und Pop-up-Lokale mit kreativer Note: Australiens Süden ist oberste Genussregion

Der beste Start für eine kulinarische Landpartie in Australiens Süden ist das National Wine Centre of Australia in Adelaide, Schaufenster der nationalen Weinindustrie und Pro­bierstube für 125 Tropfen – von Penfolds Grange bis hin zu unbekannten Perlen kleiner Produzenten.

Australiens Süden: der Reben-Streber

South Australia ist mit 43 Prozent der landesweiten Anbaufläche der Weinbauprimus in Down Under. Bereits im Jahr 1840 haben deutsche Einwanderer die ersten Reben im Barossa Valley gepflanzt, bis heute berühmt für schweren, weichen Shiraz. Frühmorgens im Heißluftballon über die Weingärten schweben und dann beim Winzer frühstücken – was für ein Auftakt zum Wine Tasting!

Flüssige Geschichte

Alljährlich am 20. Februar fällt das Tasting in Seppeltsfield ganz besonders aus: Seit 1878 wird an diesem Tag ein 500-Liter-Fass geöffnet, das 100 Jahre lang eingelagert war. Abgefüllt in Flaschen und Boxen ist jeder Schluck flüssige Geschichte. Interaktion herrscht im McLaren Vale. Dort werden Besucher zu Kellermeistern und komponieren beim Weingut d’Arenberg ihre Cuvée, samt eigenem Etikett

Im Helikopter in die Weinberge

Wie gut die lokale Küche dazu passt, das beweist der Vorort Adelaides beim viertägigen Sea and Vines Festival. „Sea to Vines“ nennt South Coast Helicopters auch seine Flüge. Diese bringen Gäste zum Lane Vineyard an den Hängen der Mount Lofty Ranges, zum Reben-Patchwork der Adelaide Hills und zu den farbigen Klippen von Port Willunga.

Himmlische Tropfen

Die Heimat des Rieslings heißt Clare Valley. Hier führt der Riesling Trail zu malerischen Dörfern, Galerien, Kellereien mit Direktverkauf und zum ein­zigen Weingut auf dem Fünften Kontinent, das Mönche betreiben: Sevenhill Cellars – himmlisch, ihre Tropfen! Wie der Southern Ocean die Weine würzt, lässt sich auf der Kangaroo Island Gourmet Safari entdecken: 20 Weingüter in einer Woche!

Seafood? Premium Seafood!

Wie gut, dass die Southern Ocean Lodge mit King-George-Weißfisch, Flusskrebs und Lamm für eine Grundlage sorgt. Unnötig zu erwähnen, dass auch anderswo an der Küste köstliches Seafood aufgetischt wird. Nirgends aber gelingt das so gut wie auf der Eyre Peninsula, Beiname „Aus­tralia’s Seafood Frontier“. Zu den Highlights zählen, nicht nur entlang des Seafood Trails, aber dort besonders, Felshummer und die mit einem Nachhaltigkeitssiegel zertifizierten grünen Garnelen. Kein Wunder, dass hier konsequent von Premium Seafood die Rede ist.

Känguru-Filet und Emu-Pastete

Ganz anders geht es beim Bush Tucker zu. Dazu zählt alles, was wild gedeiht, gejagt oder gesammelt werden kann. Da begleiten Quandongs Känguru-Filets, geben Mango-Chutneys Emu-Pasteten eine fruchtige Note und garnieren Illawarra-Pflaumen den Wallaby-Braten. Echtes Bush Tucker kann aber auch so sein wie im Pub des Outback-Dorfs Blinman. Dort lautet das „Sieben-Gänge-Menü“: Meat Pie & Six-Pack, Fleischpastete und sechs Dosen Bier.

Winzer-Hochburg

Das Yarra Valley hingegen ist für Wein bekannt – hier findet sich das Who’s who der besten australischen Winzer: Michelton, Fergusson, De Bortoli, Domaine Chandon – sie haben ihre Keller geöffnet und laden zur Weinprobe mit sam­tigem Chardonnay, kristallklarem Sauvignon Blanc, pfeffrigem Shiraz und prickelndem Pinot Noir.

Zu den Schmankerln radeln

In Great Western geht es für die Verkostung in den Untergrund. 1,7 Millionen Flaschen Sekt lagern dort in Gängen, die einst die Goldgräber in den Fels schlugen. Sie hatten gehofft, in den Stollen auf eine Goldader zu treffen. Fündiger wurden die Digger im High Country von Victoria, wo es heute „pedal to produce“ heißt: 250 Kilometer Radwege führen zu Genusszielen wie Milawa, der ältesten Gourmetregion Australiens. Sie ist vor allem für ihre Käse- und Senfspezialitäten berühmt. Käse gehört zu den Spezialitäten von Milawa

Hochgenüsse in Melbourne

Der Wine Food Farmgate Trail führt zu den Hofläden, Olivenhainen und Kellereien der Mornington Peninsula. Das Schlaraffenland liegt nur eine Autostunde südlich einer City, die Genuss zum Lifestyle erhoben hat: Melbourne. Im Gassengewirr der Innenstadt verstecken sich hinter unscheinbaren Klingelschildern, auf Parkhausdächern und inInnenhöfen Bars und Pop-up-Lokale. In den Food Truck Parks von Preston, Coburg und Collins Street genießen die Melburnians Street Food vom Feinsten, bei Cup of Truth, Pellegrini’s und Seven Seeds zelebrieren sie ihre Coffee Culture.

Australiens Gourmettempel

Abends sind die In-Lokale von St. Kilda, Fitzroy und Collingwood selbst unter der Woche bis auf den letzten Platz besetzt. An jedem Dienstag lädt Ben Shewry im Attica zum „Tuesday Night Chef’s Table“ und lässt die Gäste die Kreationen seines Gourmettempels, der es als bestes Lokal des Landes auf Platz 33 der „World’s 50 Best Restaurants“ schaffte, testen. Und der letzte Beweis, dass es die Stadt am Yarra nach ganz oben geschafft hat: Im April findet die offizielle Zeremonie der World’s 50 Best Restaurants eben in Melbourne statt – zum ersten Mal in Australien.

Dieser Beitrag ist im Januar 2017 in abenteuer und reisen erschienen.

 

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