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Wellenreiten mit Gugelhupf

Gotthard Bauer, der Gugelhupfbäcker von Yallingup

Die Küste von Yallingup in WestaustralienFrühmorgens in Yallingup. Als helle Punkte schmiegen sich die Villen des westaustralischen Surfer-Mekkas an die Küste des Leeuwin-Naturaliste Nationalparks. Hohe Wellen brechen sich am Riff, Gischt sprüht auf. Immer weiter erobert sich die aufgehende Sonne das Land, lässt erst den weiten Strand, dann den dichten Busch, aus dem rote Granitkolosse ragen, leuchten. Morgenstille.

Bis gegen acht Uhr früh ein mobiler Coffee Shop auf dem Parkplatz hält, und seine Klappe öffnet: Cappuccino, Latte und Flat White für die Surfer, die jetzt mit ihren Campingbussen und Jeeps eintreffen.

Die Gugellhupfbäckerei von YallingupAm Ende der Yallingup Beach Road schwingt eine Backform in der morgendlichen Brise. Aus einer karibisch bunten Holzhütte duftet es verführerisch. Drinnen steht ein schlanker, mittelalter Mann in grauem T-Shirt und Jeans an einem langen Holztisch, Hände und Platte bemehlt.

Der Gugelhupf – Mann

Er knetet einen kleinen Teilklumpen, zieht ihn aus, wirft Walnüsse, Speck und Oliven hinein, füllt den Teig in Backform, tönern und geschmückt wie im Elsass. „Ab in den Ofen“, lacht er. „Jetzt habe ich Zeit für euch!“ Es ist Julio, ein Peruaner – und verheiratet mit der Tochter eines Mannes, der 2002 Stuttgart gegen das Surferdorf in Westaustralien tauscht: Gotthard Bauer.

Sein Großvater Gotthard hatte 1937 im Schwäbischen mit dem Anbau von Demeter-Getreide begonnen und kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine Holzofenbäckerei eröffnet, die später Sohn und Enkelsohn weiterführten: die Eselsmühle, 15 km von Stuttgart entfernt.

Von Stuttgart in den Busch

Auch Gotthard Bauer, Jahrgang 1957, war dort einst tätig. Als er jedoch hörte, das in Australien ein 140 ha großes Ökodorf im westaustralischen Busch geplant war, zog es in auf die Antipoden. Die Pläne der Aussteiger scheiterten. Doch Gotthard blieb. Er kaufte für 100.000 australische Dollar der Projektgruppe zwei Acres Land ab und gründete 2002/3 „die australischen Outback-Filiale des deutschen Stammbetriebes“, erzählt Gotthard verschmitzt. Eine rote Flamme und das Wörtchen „Bread“ steht auf dem Holzschild, das Bauer auf verwitterten Granit genagelt hat. Mitten im Busch.

20 Sorten Brot hat die Eselsmühle in Deutschland im Angebot. In Australien sind nur vier Sorten im Sortiment von Woodfired Bread: ein Weizen-Brot (600g) und ein Weizen-Roggen-Mischbrot (700 g), beide mit Hefe angesetzt, ein Roggenbrot (800 g) aus Sauerteig sowie einen Fruit Loaf (800 g), ein typisch australisches Früchtebrot.

„Wir halten unser Angebot so einfach wie möglich – schließlich backen wir im Busch!“ Gotthard zeigt auf die riesigen schwarzen Öfen, die er aus Deutschlands importiert hat. „Ich heiße den Ofen mit Yarra-Holz auf 800-900 Grad hoch. Wenn sich die Hitze gesetzt hat, wird das Brot bei rund 400 Grad gebacken. Die Hitze fällt beim Backen. Nach rund 30 Minuten sind unsere Holzofenbrote fertig.“

Mit schöner Kruste und einem Innenleben, das nach richtigem Brot schmeckt. 2014 eröffnete Gotthard die Gugelhupf-Bäckerei. Und die allein wäre schon ein Grund, dorthin zu ziehen. Der süßen Gugelhupf, den Julio dort mit Vanille und Rosinen bäckt, ist lecker, seine salzige Variante jedoch ein geradezu süchtig machender Genuss. Yummy!

Gotthard Bauer, der Gugelhupfbäcker von Yallingup

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