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Costa Brava: wilde Schönheit mit Herz

Cadaqués an der Costa Brava

Von Portbou bis Barcelona: Bucht an Bucht ein Blau, das süchtig macht. Einsam still im Norden, schillernd schrill im Süden. Die Costa Brava: eine Küste der Kontraste – wildes Leben in vielen Facetten.

Hundert Jahre ist es her, da gab ein Künstler der Küste ihren Namen: Ferran Agullo. In pathetischen Worten schwärmte der katalanische Dichter von seiner Costa Brava – der „wilden“ Küste. Wie recht er hatte, sehen wir vom Castell Sant Salvador hoch über Port de la Selva. Die Schneespitzen der Pyrenäen glitzern in der Sommersonne. Steile Bergpfade kriechen die Hügel hinauf.

Verstreut einige Weinstöcke, Gemüsefelder. In der Ferne Halbmondbuchten: goldgelbe Sicheln am tiefen Blau, eingerahmt von bizarre Felsen. Dort, wo sich das Blau des Meeres mit dem Horizont vereint, hängen weiße Häuser wie Nester an der Nordküste: Cadaqués.

Künstler wie Pablo Picasso, Henri Matisse oder Salvador Dalí machten den kleinen, weißen Ort weltberühmt. Ihre Werke hängen im Museu Perrot Moore, mit die bedeutendste private Kunstsammlung Europas. Viel verrückter, wilder: das Teatro-Muséo in Figueres, dem Geburtsort des Malers mit dem Zwirbelbart. Cremeweiße Eier thronen auf dem Dach, goldene Noppen zieren die feuerrote Fassade. Surrealismus nannte Dalí seinen Stil, seinen Sinnesrausch. Skurril, bizarr, besonders.

Stilllife aus Cadaqués
In Cadaqués am Hafen

Wilde Fantasien. Das liegt am Tramontana, meinen die Katalanen. Im Frühjahr und Herbst peitsche ihr Küstenwind nicht nur das Meer auf, sondern auch die Menschen. Stolz sind sie, fühlen sich nicht als Spanier – und halten doch das Erbe ihrer Ureinwohner wach: in Ullastret, einer 2.500 Jahre alten Siedlung der Iberer. Römer zerstörten die Stadt – und blieben 600 Jahre im Land. Ihr Zeugnis: Empúries (Ampurias) – Antike als spannendes Abenteuer. Doch statt Galeeren liegen heute elegante Jachten, schnittige Segler, 2.500 Superschiffe im Hafen: Empúriabrava ist Europas größte Ferienanlage für Freizeitkapitäne.

Westgoten, Araber, Franken, Franzosen, Franco: 2.000 Jahre fremde Herrscher. Seit 1979 ist Katalonien autonom, weht die gelb-rote gestreifte Flagge wieder im Wind. Auf dem Markt von Escala fassen sich wildfremde Menschen an den Händen, bilden einen großen Kreis. Taschen, Tüten, Jacken werden achtlos auf einen Haufen geworfen, leise erklingt eine Flöte. Und dann tanzen sie. Keinen feurigen Flamenco, sondern schreitend, still, fast andächtig: Sardana.

Intakte Natur. Wild und ursprünglich. Wie die Unterwasserwelt der Inselgruppe Illes Medes. Täglich fährt das Glasbodenboot von L‘Estartit zur unbewohnten Inselgruppe hinüber, hält über Riffs und Höhlen. Und wer Glück hat, sieht Katzenhai, Meeraal und Rochen durch die Bodenfenster.

Fischerboote an der Costa Brava
Fischerboote an der Costa Brava

Mehr als 40 Vulkane schlafen zwischen Banyoles und Olot. Mitten im Kraterland von La Garrotxa entführt Santa Pau in eine Zeitreise. Mittelalter pur: schmale Gassen, in denen selbst Minis Probleme bekommen. Dicke Steinmauern, hölzerne Balkone, Bogengänge, ein wuchtiges Schloss. Das Herzen des Dörfchens: die Praça Merced, Markplatz, Festplatz, von Arkaden gesäumt. Im Café „Carlos“ trinken wir „Horchata“, eiskalte Mandelmilch. Der Kellner kommt zurück, stellt eine ovale Schale als „tapa“ hin: Butifarra, Blutwurst mit Zimt und Zucker. Ziemlich wild und eigenwillig…

Im Montseny-Gebirge tragen Wanderer manchmal Steine in der Hand: zum Verscheuhen von Wildkatzen und Wildschweinen. Korkeichen und quirlige Bäche mit Schmelzwasser säumen ihren Weg. Im Parc Naturel dels Aiguamolls de l’Empordà sind Ferngläser unsere Begleiter: Zu Tausenden brüten Flamingos, Reiher und andere Wasservögel in Spaniens größtem Sumpfgebiet.

Natur und Kultur im Norden, historisches Mittelalter im Herzen. Und im Süden? Sun & Fun. Wildes Leben, genannt Urlaub. Sangria-Schenken, Burger-Buden, Bettenburgen. Party People, rastlose Action, rund um die Uhr. Stereotype, die das Bild der hässlichen Costa Brava prägten. Sicher, es gab Sünden. Doch was die einen für scheußlich halten, lockt andere: Manhattan am Mittelmeer.

Besonders junge Urlauber genießen das ungezügelte Leben hier, lieben Lloret de Mar – die Stadt mit der höchsten Diskotheken-Dichte der Welt. Grenzenlos international, voller sportlicher Superlative. Ihre Stierkampf-Arena ist gigantisch, ihr Marinepark mit Wildwasser, Wellenbad, Rutschen und riesigen Schwimmbecken einfach ein Paradies. Eintauchen, abtauchen, wohlfühlen. Erholen. Und für jedes Feriengefühl etwas finden: Das macht glücklich – und süchtig nach der Costa Brava, der wilden Küste. Wild wie das Leben.

Dieser Beitrag ist in veränderter Form im Februar 2005 in tv spielfilm erschienen. 

Sonnenaufgang an der Costa Brava
Sonnenaufgang an der Costa Brava

 

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