2001AmerikaSiebter HimmelUSA

Florida Keys: Perlen im Paradies

Eine Stunde südlich von Miami liegen sie wie Perlen im Paradies: 800 strahlend weiße Inseln im azurblauen Meer – die Florida Keys. Kokospalmen und Korallenriffe, Sandstrände und Felsküste. Dazu: Sonne satt das ganze Jahr. Ein Urlaubstraum voller Abwechslung – für Ferientrubel oder stille Stunden im Sonnenstaat.

“Willkommen in der Conch Republic!” Hinter dem handgemalten Schild bei Homestead endet Amerika. Dahinter liegt das Paradies. Davon sind die Einheimischen überzeugt. Sie nennen sich ”Conchs”, haben nach Spannungen mit den US-Behörden symbolisch mit der ”Conch Republic” ihren eigenen Staat gegründet und das süße Nichtstun unter der Sonne zur Lebensform erkoren.

42 Brücken verbinden die Perlen im Paradies. Elf Kilometer misst die längste, die Seven Mile Bridge. Warm streicht der Fahrtwind durchs Haar, als ich im Cabrio über den Overseas Highway gen Kuba rausche – nur 90 Meilen trennen die Keys von der Karibik. Üppig blühende Bougainvillea von Pink bis Purple umhüllt weiße Villen in Tropenarchitektur.

Bahia Honda Key: Blick auf den Overseas Highway

Als Bed & Breakfast-Pensionen laden sie ein, abzuschalten und aufzutanken. Auf ihren Terrassen und Veranden drehen sich träge die Ventilatoren. Ein Longdrink, ein gutes Buch und eine Hängematte – welch eine traumhafte Szenerie zum Entspannen. Das Frühstück wird unter freiem Himmel serviert, inmitten eines subtropischen Dschungels mit Bananen und Orchideen.

Die Bud’n’Mary’s Marina von Islamorada

Zu jeder Brücke, zu jeder Insel gehört mindestens eine Marina mit Katamaranen, Kajaks oder Kapitäne zum Mieten. Der sehnige Sam Watson ist einer von ihnen. Morgens früh um sechs schippert der Skipper mit bis zu sechs Gästen zum Golfstrom, zur Autobahn der Großfische. Mit Merlin, Schwertfisch, Schnapper oder Zackenbarsch am Haken, kehrt er mit der hochmotorisierten ”Reef Cat” mittags zur Pier von Matecumbe Key zurück.

In den kleinen Kneipen am Quai wird der frische Fang zum Luxus-Lunch. Am Nachbartisch türmen sich Hummer, Shrimps, Krebse und Austern auf dem Teller: Frisches Seafood gehört zum Leben auf den Keys. Wie der Klassiker: Key Lime Pie – Limettenkuchen, kühl und cremig.

Key West: flotter Schlitten auf der Duval Street

Leben und leben lassen, lautet der Wahlspruch der Keys. Die Kleiderordnung ist außer Kraft gesetzt. Erlaubt ist, was gefällt. Jeder kommt hier auf seine Kosten, findet sein persönliches Paradies: in Key Largo, Islamorada, Marathon, Big Pine Key und Key West. Die Florida Keys sind eine Schatzkiste, unendlich reich und vielseitig an Entdeckungen und Erlebnissen.

Winzige Minihirsche, kaum größer als Hunde, kreuzen beim Wandern auf Big Pine Key unseren Weg. Der Jack Watson Trail führt hier durch den einzigen Kiefernwald der Inseln – und weiter zum ”Blue Hole” mit seinem Alligtorenpärchen. Massige Seekühe – ”Manateees” genannt – tauchen unter den Kajaks hin und her, als wir dem Kanutrail im Naturpark von Long Key folgen. Staksig ragen die hohen Luftwurzeln der Mangroven ins Wasser, ihr grüner Dschungel verwandelt die Lagune in ein verwirrendes Labyrinth. Am schmalen Naturstrand legen Seeschildkröten im Frühjahr je bis zu 120 Eier in den warmen Sand – das Ausbrüten übernimmt die Sonne.

Boot Key Harbor bei Marathon

Draußen auf dem Meer, rings um den ältesten Leuchtturm der Keys am Sombrero Reef, tanzen rot-weiße Wimpel auf den Wellen. Sie markieren Tauchplätze, weisen den Weg zu versunkenen Wracks aus drei Jahrhunderten: spanische Schatzschiffe, Frachter und Fischkutter. Im kristallklaren Wasser von Looe Key lässt sich die Schönheit der Unterwasserwelt schon beim Schnorcheln entdecken: Goldgelbe Salatkorallen, leuchtend grüne Sternkorallen, bis zu zwei Meter hohen Säulenkorallen und riesige Hirnkorallen bilden entlang der Inselkette auf 300 Kilometern das einzige noch lebende Korallenriff der USA.

Ein Paradies für Schnorchler: Garden Key

Um es zu erhalten, ist die gesamte Küstenregion ein maritimes Schutzgebiet. Viktoria- und Juwelenbarsche präsentieren ihr farbig schillerndes Gewand, still stehend beobachten silbrig schimmernde Barrakudas das Geschehen. In Key Largo heißt die Statue ”Jesus of the Deep” Brautpaare willkommen. Acht Meter unter Wasser werden hier Unterwasserhochzeiten geschlossen – ganz offiziell.

An Land bieten herrliche Lodges und intime Resorts Honeymoon-Specials: Flitterwochen mit Verwöhnfaktor. Die Cheeca Lodge von Islamorada liegt direkt am Traumstrand und bietet dafür fast alles. Golf und Gourmetküche, Tennis und Tagestouren auf hoher See, Kinderanimation und Krafttraining. Wesentlich trubeliger geht es auf der Holiday Isle von Windley Key zu. Party heißt die Parole, der Haus-Flyer garantiert Flirterfolg. Schon die Beach Boys wussten davon ein Lied zu singen – sie verewigten die Kokoma-Bar in einem Song.

Mangrovensumpf: der John Pennekamp State Park bei Key Largo

Urlaub wie im Film: Schon in den 1930er-Jahren machte Hollywood die Florida Keys zum Ferientraum. Humphrey Bogart und Katherine Hepburn kämpften hier gegen Mangroven und das Meer; Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone und James Bond sorgten später mit atemberaubender Action für Adrenalinkicks. Die Keys wurden zum Synonym für Spannung. Bis eine Film-Romanze zwischen Robert Redford und Michelle Pfeiffer die Zuschauer zum Träumen brachte. “Aus nächster Nähe” machte 1996 den “schönsten Strand der Staaten” in aller Welt bekannt: Bahia Honda.

Eine Doppelbucht, korallenweiß, mit Sand so fein und samtig weich, dass er zwischen den Händen zu Creme wird. Einsam und endlos am Atlantik, belebt und beliebt an der Golfseite. Schöner ist es nur noch auf Seabird Key. Eine Insel für mich allein, zehn Hektar groß, mit Holzvilla, Badesteg und “Boston Whaler”. Mit diesem Boot bin ich mobil – und, wenn ich möchte, binnen fünf Minuten wieder mitten im Geschehen. Doch heute werde ich die Einsamkeit der Insel genießen, später den Liegestuhl Richtung Sonne rücken, eine Margarita mixen und den abendlichen Kult der Keys ganz für mich erleben: das langsame Versinken der Sonne ein einem Meer aus Gold.

USA/Florida/Florida Keys/Key West: Sunset Pier, Sonnenuntergang

Florida Keys: die Infos

Flug & Bett

Flüge von Frankfurt, Hamburg oder München nach Key West gibt es bei America Airlines für 919 DM, bei Delta Airlines für 984 DM. British Airways startet für 869 DM. Erste Adresse sind die Cheeca Lodge und Little Palm Island, wo schon John F. Kennedy urlaubte. Ideal für Familien mit Kindern: Hawk’s Cay Resort mit Delfinarium und Kinderclub. Zum Abtauchen: Jules Undersea Lodge – mit zwei Zimmern in zehn Meter Tiefe.

Drei Extra-Tipps

  • Mit Delfinen schwimmen – in Key Largo, auf Grassy Key oder Duck Key. Ab USD 75. Hier habe ich es vorgestellt.
  • Tagestörn zu den Dry Tortugas: Das größte Fort Amerikas liegt mitten im Atlantik, umgeben von herrlichen Tauch- und Schnorchelrevieren. Per Wasserflugzeuge oder Katamaran ab Key West. Ab USD 90.
  • Souvenirs von schön bis schrill: Beim ”Shell-Man” gibt es Muscheln satt – selbst Toilettensitze und Telefone sind nicht tabu.
Auf Duck Key veranstaltet das Hawk’s Cay Resort eine Delfinshow

Reise-Infos

”The Florida Keys and Key West”, Monroe County Tourist Development Council, c/o Albert Jennings, Neumarkt 33, 50667 Köln, Telefon: 0221/2 33 64 51, Fax: 0221/2 33 64 50; Internet: www.fla-keys.com.

Hörtipp

”Banana Wind” von Jimmy Buffett: Beach-Blues und Balladen zum Träumen, präsentiert vom Kult-Musiker der Keys – live zu erleben in seiner Kneipe in Key West. www.amazon.de

Dieser Beitrag ist 2001 auf www.schwarzaufweiss.de erschienen. Mehr über die Inseln findet ihr in meinem Band „Florida Keys“, bei Erscheinen im Jahr 2000 der einzige Reiseführer zu den Florida Keys (heute vergriffen).

Allabendlich ein Wow-Ereignis: der Sonnenuntergang – hier bei Key Largo

 

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