Ein Wochenende in Kolding

Vor dem bodentiefen Fenster watscheln Enten im Gras. Die wuchtige Burg Koldinghus leuchtet tiefrot im Morgenlicht, über dem Schloss-See umhüllt watteweich ein feiner Dunst Boote, Schilf und ferne Häuser. Ferienhausurlaub in Dänemark – ganz anders als gewohnt. Nicht Blockhaus und Sauna, sondern Designervilla und Stadtleben.

Kolding Byferie nennt sich die überraschend andere Ferienhaus-Anlage. Sie besteht aus 85 Stadtresidenzen, zentral zwischen Stadt und See, Schloss und Schwimmbad gelegen. Vier Sterne und das weltweit anerkannten Umweltzeichen „Grüner Schlüssel“ sorgen für Komfort im Einklang mit der Natur.

Zur Stadt hin verbergen sich die Ferienwohnungen hinter historischen Fassaden, zum See hin überrascht eine geometrische Vielfalt: Mal wählen die Architekten Troes Hasner und Ole Justesen Quadrat, Kreis, Stern, Rechteck, Dreieck oder Oktagon als Grundriss, dann wieder eine freie Form.

Dahinter verbergen sich dahinter moderne zwei bis dreigeschossige Stadtresidenzen für zwei, vier, sechs und acht Personen, im Erdgeschoss mit kleiner Frühstücksterrasse versehen, unter dem Dach als Penthouse gestaltet. Vier Wohnungen sind behindertengerecht, einige Appartments für Allergiker eingerichtet.

Hell, funktionell und modern in weiß-grau-schwarzen Farben gestaltet, eröffnen die Wohnungen aus allen Räumen immer wieder neue Aussichten auf Schloss oder See. Raffiniert: die Details. So sind die Jalousie des Wohnzimmers in das bodentiefe Panoramafenster integriert, sorgt die Fußbodenheizung im Bad für warme Füße nach der Dusche.

Und nirgendwo stört Verkehrslärm die Idylle: Die gesamte Anlage ist autofrei. Und wird das Vehikel einmal bewegt, sorgt auch das nicht für Probleme: Beim Einchecken gibt es gratis ein Parkticket für die gesamte Stadt Kolding hinzu. Doch die meisten Attraktionen liegen ohnehin nur wenige Minuten entfernt.

Koldinghus aus der Luft. Foto: Visit Denmark (Pressebild)
Koldinghus aus der Luft. Foto: Visit Denmark (Pressebild)

Koldinghus, die letzte Königsburg Jütlands, ist zum Greifen nah. Die 700 Jahre alte Festung an der einstigen Grenze zwischen dem Herzogtum Schleswig und dem Königreich Dänemark, 1808 durch Feuer stark beschädigt, wurde ab 1893 hundert Jahre lang restauriert – und gilt heute als ein herausragendes Beispiel der gelungenen Symbiose von alt und neu, von historischem Erbe und nordischem Design.

Zwischen alten Backsteinmauern und modernen Säulen aus laminiertem Holz sind eine Sammlung dänischer Möbel seit dem 15. Jahrhundert, dänische Silberwaren und wechselnde Ausstellungen zu bewundern.

Ebenfalls voller architektonischer Überraschungen steckt das Kunstmuseum Trapholt oberhalb des Koldingfjords. Die Kunstsammlung umfasst sowohl figurative als auch abstrakte Werke bekannter dänischer Künstler wie Anna Ancher, Ejler Bille, Egill Jacobsen, Per Kirkeby und Troels Wörsel. Richard Mortensens ist ein eigener Saal gewidmet: Hier hängt sein großer Bilderzyklus „Die Geschichte der Kuh“.

Das Kunsthandwerk ist mit Keramik und Textilkunst vertreten. Zum unterirdischen Möbelmuseum führt eine kreisförmige Rampe vorbei an den eigenwilligen Stuhlkreationen von Verner Panton. Einige Besucher jedoch eilen schnurstracks den Gang hinunter, ohne die Bilder eines Blickes zu würdigen: Sie zieht es ins Café Trapolt, einer gemütlichen kulinarischen Oase inmitten von Kunst.

Originalwerke von weniger bekannten dänischen Künstlern offerieren zahlreiche Galerien im Herzen der 60.000 Einwohner großen Uni- und Hafenstadt. Zahlreiche Straßen im Zentrum sind den Fußgängern vorbehalten. Auf dem Akseltorv verkaufen Marktfrauen dienstags und freitags frisches Obst, Gemüse und Produkte der Region; am Wochenende locken Tand und Trödel am Haderlevsvej.

Vor Koldings ältestem Haus in der Helligordsgade spielen Straßenmusiker. Vor der Sanct-Nikolai Kirke malen Kinder mit Kreide auf den Kopfsteinen. Gelassenheit schwebt über der Stadt. Hektik und Eile scheinen hier Fremdwörter; Kinder sind keine Störenfriede, sondern willkommen.

An der Rezeption der Kolding Byferie werden Boule-Kugeln und Krocket verliehen, in der Anlage lädt ein Spielplatz mit Rutsche und Kletterturm zum Toben, direkt am See lockt der Spielpark. Auf dem großen Spielplatz gibt es nichts, was dem Spaß im Wege stehen könnte – von der Rennbahn mit Mooncars, Ruderbooten, Sandkisten, Klettergerüsten und Wippen bis hin zur kostenlosen Betreuung der jungen Gäste.

Nicht nur etwas für Kleine ist das Spielzeugmuseum. Spielzeugautos, Teddybären, Puppen in allen Größen, Mühle, Halma und Mikado verraten, womit schon in vergangenen Zeiten gespielt wurde. 40 Kilometer außerhalb von Kolding zeigt Jütlands bekanntester Vergnügungspark, was sich aus 50 Millionen, kunterbunten Stecksteinen mit runden Noppen gestalten lässt.

Beliebter Ausflug für Gäste der Kolding Byferie: Legoland. Hilke Maunder
Tierischer Kinderspaß: Legoland. Foto: Hilke Maunder

Legoland – eine Reise zu den Sehenswürdigkeiten der Welt im Maßstab 1:20. Das zentrale Miniland ergänzen Themenparks. Legoredo Town heißt die Fans des Wilden Westens willkommen, im Adventure Land können sich die Besucher auf einer Abenteuerinsel austoben. Wahrlich märchenhaft in seiner Farbenpracht ist auch der Geografisk Have im Süden Koldings.

Ein Spaziergang im elf Hektar großen botanischer Garten gerät zu einer Reise durch die Flora der Welt: 2000 verschiedene Bäume, Sträucher und Kräuter säumen den Weg. In den Gewächshäusern blühen Kamelien und Rhododendren, im kleinen Zoo lassen sich Ziegen streicheln.

Zwei Kilometer vom Stadtzentrum beginnt der Wald Marielund. Sanft gewellt senkt sich das Land zur Ostsee. Am Strand von Rebaek tanzen Surfer auf den Wellen, in der weit geschwungene Bucht von Hejlsminde kreuzen Jachten. In Binderup ist das Baden kindersicher – nur langsam gewinnt das Wasser an Tiefe.

Nicht nur bei Regen lohnend ist ein Besuch im Slotsøbadet. Für Gäste von Kolding Bvyferie ist der Eintritt in den Fünfsterne-Badetempel, der an das Ferienzentrum angrenzt, eingeschlossen. Sieben Becken bieten Abwechslung für Wasserratten.

In zwei großen Trainingsbecken können Besucher gegen die Uhr Bahnen schwimmen oder von Türmen ins Wasser springen. Im Spielbecken für die Größeren klettern Jugendliche unter lautem Lachen auf eine riesige schwimmende Krake, spritzen mit Wasserkanonen, kraulen gegen den Strom, lassen sich von Jetdüsen durchkneten und sausen mit Schwung die lange, kurvenreiche Wasserrutsche hinab.

Eine Miniversion steht im 29 Grad warmen Babypool, einem knapp knietiefen Wasserspielplatz mit großen, schwimmenden Duplosteinen, Taucherbrillen und Schwimmhilfen in jeglicher Form und Farbe. Für erste Schwimmversuche eignet sich das 34 Grad warme Badebecken, eingerichtet für Kleinkinder, Ältere und Behinderte.

Das Schlossee-Schwimmbad – kostenlos für Gäste der Kolding Byferie. Foto: Hilke Maunder
Das Schlossee-Schwimmbad – kostenlos für Gäste der Kolding Byferie. Foto: Hilke Maunder

Wer etwas für seine Fitness tun möchte, kann im Kraftraum den Kalorien den Kampf ansagen – oder sich auf Body Bikes beim Spinning zu rhythmischer Musik auspowern. Sauna, Dampfbad und Solarium sorgen für sanfte Entspannung; Lichttherapien, Massagen und Beautybehandlungen auf andere Art für Wohlbefinden.

Langsam senkt sich der Abend über die Stadt. Während die Sonne über dem See Abschied nimmt, sind die Wohnzimmer in den Apartments hell erleuchtet. Hier wird ein weißes Tischtuch auf den Esstisch gelegt, dort lümmeln sich Kindern in den Ledersesseln und schauen fern.

Der Alltag im anderen Apartment – wie eine Sequenz aus Stillleben säumen die Fenster den Weg zurück zur eigenen Wohnung. Wer abends nicht daheim bleibt, findet reichlich Auswahl bei Unternehmungen. Beliebt ist besonders Bowling – in Kolding locken zwei große Center – und der Besuch im BioCenter.

Dahinter verbirgt sich keine Öko-Markt, sonder eines der modernsten Kinos Dänemarks. Es liegt im Kolding Storcenter, einem Mitte 2001 eröffneten Einkaufsparadies mit mehr als 100 Geschäften. Und schließlich grenzt Kolding Byferie an die Låsbygade, einer der Schlemmerstraßen der Stadt.

Bereits gegenüber der Rezeption beginnen die Gaumenfreuden: Im „Stella & Jerzy“ serviert Koch Caspar Rudnicki aus Kopenhagen feine Küche im modernen Styling. Nur wenige Schritte weiter locken asiatische Küche im China Wok House, Thai, Pizza & Pasta – und das Erlebnis der urigen dänischen „Lanternen“-Kneipe. Skål!

Kolding Byferie: die Infos

Reiseziel

Kolding liegt im Südosten Jütlands am gleichnamigen Fjord.

Anreise

Mit dem Wagen: Auf der A7 bis Flensburg, von dort auf der E 20, Ausfahrt 64 (Kolding S) in rund einer Stunde nach Kolding.

Bahnstation: Kolding.

Unterkunft

Kolding Byferie

Kedelsmedgangen 2, DK-6000 Kolding, Tel. +45 75 54 18 00, www.kolding-byferie.dk

Mindestaufenthalt drei Nächte, Preise: 525 – 725 DKK (2 Personen), 625-975 DKK (4), 700-1075 DKK (6), 1025-1225 DKK (8) je nach Saison. Endreinigung, Strom, Wasser, Heizung, Parkkarte, Schlossbad inklusive.

Schlemmertipps

Admiralen

Toldbodgade 14, Kolding, Tel. +45 75 52 04 21

Fischküche mit Blick über den Fjord

Bramdrupdam Kro

Veljevej 332, Bramdrupdam, Tel. +45 75 56 82 88

Dänische Küche

Stella & Jerzy

Låsbygade 16, Kolding, Tel. +45 75 54 00 40

Zeitgeist-Küche mit Dänemark-Flair

Reisezeit und Klima

Sprache: Dänisch, Englisch wird meist verstanden.

Währung: Dänische Kronen. 100 Euro = 720 Dänische Kronen (Oktober 2002)

Weitere Informationen

Dänisches Fremdenverkehrsamt

Glockengießerwall 2, 20095 Hamburg

Tel. 040/32 02 10

Kolding Turistbureau

Akseltorv 8, DK – 6000 Kolding, Tel. +45 76 33 21 00, www.visitkolding.dk

Dieser Beitrag war eine Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark und wurde im Herbst 2002 von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt. 

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