2007AustralienNorthern Territory

Kakadu: Australiens Garten Eden

171 Kilometer südöstlich von Darwin liegt Australiens Garten Eden: Kakadu. Doch anders als Adam und Eva in der Bibel wurden die ersten Menschen hier nie vertrieben. Seit mehr als 40.000 Jahren leben sie im Schatten des mächtigen steilen Sandsteinkliffs, das sich quer durch die Heimat der Gagadju zieht, von den Weißen verballhornt zu „Kakadu“.

Dieses 20.000 Quadratkilometer große Gebiet, das fast den gesamten Einzugsbereich des South Alligator River umfasst, bildet Australiens größten und bedeutendsten Nationalpark. Seit 1984 gehört er zum UNESCO-Welterbe. Geschützt wird nicht nur seine einzigartige Natur, die alle Habitate des Top End umfasst, sondern auch die Jahrtausende alte Kultur der Region.

Der Nourlangie Rock im Kakadu-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder

Bis in die jüngste Zeit wohnten die Ureinwohner Australiens hier in Höhlen und Grotten, fanden ihre Nahrung im Busch und in den Billabongs und malten Menschen, Tiere und Geister mit gelbem und rotem Ocker, Kohle und Kreide auf geschützte Felswände. Gespenstisch leuchtet der Namarrkon, der Blitzmann, zwischen dem Blättergrün des Nourlangie Rock hervor, klapperdürr wie ein Skelett, doch unendlich kraftvoll. Nicht minder furchteinflössend ist Nabulwinjbulwinji.

Nabulwinjbulwinji ist ein ein böser und mächtiger Geist, der Frauen mit Jamswurzel n anlockt, um sie dann bei lebendigem Leib zu fressen. Foto: Hilke Maunder

Mit seinem magischen Blick hat er die ihn umgebenden Tiere durchbohrt: Fische, Kängurus, Warane und Schildkröten – abgebildet im so genannten Röntgenstil, für den Kakadu so berühmt ist. Durch Schuppen und Haut sind die inneren Organe zu sehen, Urzeit-Anatomie mitten im Busch.

Die Bilder, über Jahrtausende an Felswände, Höhlen und Überhänge gemalt, bilden eine einmalige Freiluftgalerie von der Vorzeit bis zur Gegenwart. Mehr als 7.000 Felszeichnungen wurden in Kakadu entdeckt; die ältesten sind bis zu 30.000 Jahre alt.

Deutlich auf den Felszeichnungen am Nourlangie Rock zu erkennen: das Känguru. Foto: Hilke Maunder

Geritzt oder gemalt, schildern sie Entstehungsgeschichten aus der Traumzeit, bilden den Alltag ab und dienten als Lehrstücke, mit denen ältere Stammesangehörige den Jungen Anweisungen zur Jagd gaben. Starb ein Maler, überdeckte sein Nachfolger die Werke mit eigenen Motiven.

Viele der Felszeichnungen im Nationalpark hat bis heute kein Fremder gesehen. Aus religiösen Gründen werden sie geheim gehalten und sprechen an verborgenen heiligen Stätten noch immer zu den traditionell hier ansässigen Bininj.

Der Ubirr Art Site im Kakadu-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder
Details des Ubirr Art Site. Foto: Hilke Maunder

Umso ausführlicher erklären Aborigines-Guides auf geführten Touren die berühmtesten Fels-Galerien im Park: Nourlangie, Nanguluwur und Ubirr, wo unter den Felsüberhängen der Main Gallery neben typischen Beutetieren wie Catfish, Waran und Wallaby auch ein Beispiel der „contact art“ zu sehen ist: ein Europäer in Stiefeln, die Hände in den Hosentaschen.

Rauchend steht ein zweiter Weißer daneben. Ein kleiner Pfad windet sich durch das Melaleuca-Buschland hinauf zu einem Aussichtspunkt: Über der amphibisch grünen Landschaft der Ebene erheben sich rot leuchtend die steilen Stufen des Arnhem Land-Plateaus.

Freiluftgalerie unter uraltem Fels: der Ubirr Art Site. Foto: Hilke Maunder

Wie eine Kette aus Kristallen funkelt ein Wasserfall; der würzige Duft der Eukalypten mischt sich mit dem süßen Aroma von Frangipani. 1.700 Pflanzenarten, 275 Vogelarten, 117 Reptiliengattungen, 53 verschiedene Fische, 25 unterschiedliche Frösche und nicht zu vergessen die 10.000, allgegenwärtigen Insektenarten haben in den ursprünglichen Landschaften von Kakadu ihre Heimat.

Jenseit des Pandanus: der Nourlangie Rock. Foto: Hilke Maunder

Riesige Papierrindenbaumwälder und Savannen mit mannshohen Gräsern bedecken rund 80 Prozent der Fläche. Die Wasserlöcher – billabongs – und Flutebenen von Kakadu verändern sich je nach Jahreszeit und bilden nach den gewaltigen Gewittern des Monsuns (November/Dezember) und der tropischen Sommerregen (Januar/Februar) ein Hunderte von Quadratkilometern großes Binnenmeer, von dem die Natur den gesamten Winter über zehren muss.

Dichtes Grün am South Alligator River im Kakadu-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder

Die großen Wasserfälle Jim Jim Falls und Twin Falls können während der trockenen Monate von Allradwagen erreicht werden. Im tropischen Sommer lassen sich die Wasserfälle nur aus der Luft bei Rundflügen, die in Jabiru und Cooinda starten, bewundern.

Seerosen auf dem Yellow Water. Foto: Hilke Maunder

Wenn die Wasserläufe in der Trockenzeit allmählich versiegen, ziehen sich viele Tiere auf den ganzjährig Wasser führenden Flusslauf „Yellow Waters“ zurück. Oft steht sein Wasser so still, dass sich die Umgebung darin perfekt spiegelt: Weißbauchseeadler, Kormorane, Brolga-Kraniche und Jabiru-Störche, grasende Wasserbüffel und dichte Teppiche aus Lotuslilien bilden besonders im Licht der auf- oder untergehenden Sonne eine spektakuläre, fast unwirkliche Kulisse.

Ein Reiher versteckt sich im Ufergrün. Foto: Hilke Maunder

Zwischen den Luftwurzeln der Mangroven, die wie umgedrehte Regenschirme die Ufer säumen, verstecken sich die berühmtesten Bewohner von Yellow Water: „Salties“, Salzwasserkrokodile. Während der Jagd verharren die eindrucksvollen Reptilien bis zu 90 Minuten lang 30 Zentimeter tief unter der Wasseroberfläche, das bereits nach fünf Zentimetern nur noch trüb und milchig wirkt.

Gut getarnt und unentdeckt, schnappen sie zu und ziehen ihr Opfer unter Wasser, bis es erstickt erst. Erst danach wird es an Land genüsslich verschlungen. Kakadu ist Krokodilland – weshalb 1986 der Kultfilm „Crocodile Dundee“ auch gerade hier gedreht wurde.

Leise gleitet das Salzwasserkrokodil durch den South Alligater River. Foto: Hilke Maunder
Und noch ein Salty!
Auch im Schlamm des East Alligator River versteckt es sich: das Salzwasserkrokodil. Foto: Hilke Maunder

Der Aborigines-Guide Greg hat keine Angst vor den Riesen-Reptilien. Mit bloßen Händen habe er, erzählt er bei einem Bootstörn auf dem East Alligator River, schon Krokodile gefangen. Er greift nach einigen Blättern, zerreibt sie, gießt ein wenig Wasser darüber – und die Naturseife beginnt zu schäumen. Vom Motoröl an den Händen ist nichts mehr zu sehen.

Den kleinen Hunger stillen fette Maden, die in verrotteten Baumstümpfen leben. Der Kopf wird abgezwackt und der Powerriegel voller Eiweiß mit einem breiten Grinsen über die erstaunten Gesichter der Gäste genossen.

Der East Alligator River im Kakadu-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder

Ihren Vitaminbedarf deckten die Ureinwohner mit grünen Ameisen; bei Entzündungen half Rindensaft. Aus dem Bast des Papierrindenbaums wurden „Dilly Bags“ geflochten, praktische Beutel und Taschen. Für die Jagd besaßen die Aborigines ein umfangreiches Waffenarsenal: Bumerangs und Speere unterschiedlichster Ausstattung.

Geradezu „faul“ verlief der Fischfang. Ein paar Früchte der Frischwassermangroven, die mit roten „Spinnenbeinblüten“ am Ufer blühen, aufgeschlitzt und ins Wasser geworfen – und schon schwammen die ersten Fische an der Oberfläche. Vergiftet vom Fruchtsaft.

Viele Touren im Kakadu-Nationalpark sind so angelegt, dass auch Kinder und ältere Menschen sie problemlos erleben können. Foto: Hilke Maunder

Langsam senkt sich die Nacht über das urzeitliche Land. Die letzten Strahlen der Tropensonne verwandeln Kakadu in eine erst golden, dann rot leuchtende Symphonie, aus der schwarz die Schatten der Papierrindenbäume aufragen. Langsam und leise gleitet das letzte Tourboot über den Yellow Water Billabong. Mit einem Crescendo quakender Frösche verabschiedet sich der Tag.

Dieser Beitrag ist 2007 in meinem Blog Walkabout Australien erschienen, der inzwischen in die ReiseSchreibe integriert wurde. 

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Andreas Fröhlich  von den Drei ??? erzählt die Kulturgeschichte Australiens spannend wie einen Krimi. 2010 wurde er als  „Bester Interpret“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

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