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Kuala Lumpur: Eine Stadt strebt an die Spitze

Die Kante des Pools endet an der Fassade. Sieben Stockwerke tiefer leuchten hellblau die Kuppeln einer Moschee im KLCC Park. Den Blick nach links säumt ein Band aus Beton: die Skyline der Stadt. Rechts: filigran, silbrig, zwei Superlative – die höchsten Türme der Welt. Der Harfenklang im Hintergrund mischt sich mit dem Lärm der Straßen und Baustellen: Eindrücke aus Kuala Lumpur, Kaleidoskop der Kontraste.

Blick über die Staatsmoschee auf die Hochhaus-Skyline der City.

Die Hauptstadt Malaysias gleicht einem Moloch, pendelt zwischen Mittelalter und Moderne, Militär und Markt, Gottesfurcht und Globalisierung. Mit 1,6 Millionen zählt die Metropole im Klang Valley zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsstandorten Asiens. Architektonischer Ausdruck von Anspruch und Ehrgeiz des „Fünften Tigers“ sind die Petronas Twin Towers, Firmensitz der geichnamigen Ölgesellschaft.

Das Kuala Lumpur Shopping Centre (KLCC) und diePetronas Towers

120 Meter tief sind die futuristischen Wolkenkratzer im Boden verankert, 452 Meter ragen 88 Etagen aus Edelstahl und getöntem Glas in den Himmel. Im 41. Stock verbindet eine zweigeschossige Brücke die Zwillingstürme – eine luftige Aussichtsloge in 175 Meter Höhe. Bis zum 60. Stock schaffte es der französische Extremkletterer Alain Robert – dann versperrten Sicherheitskräfte den weiteren Aufstieg.

Höher hinaus geht es nur noch auf dem Bukit Nanas, dem Ananashügel. Hier dreht sich seit 25 Jahren der vierthöchste Turm der Welt: der Menara Tower. Vom 421 Meter hohen TV-Turm reicht der Blick bis zu den Ausläufern des Titiwangsa-Gebirges mit den Genting Highlands, berühmt-berüchtigter Bettenburg um das einzige Kasino des Landes.

Superlative, Mammutprojekte und monumentale Prestigebauten künden vom staatlich verordneten Ziel einer machtvollen Zukunft. „Malaysia Boleh“ – Malayisa kann es – fordert die Propaganda im Vielvölkerstaat Malaysia. Spitzenleistungen prägen den nationalen Stolz und sind Ziel jedes Strebens.

Im hochmodernen Kuala Lumpur International Airport (KLIA), für mehr als sechs Milliarden US-Dollar als Drehkreuz Südostasiens vom japanischen Stararchitekten Kisho Kurokawa erbaut, verwöhnt Malaysia Airlines ihre Business- und First-Class-Gäste in der weltweit größten und modernsten Lounge: 4.000 Quadratmeter Luxus in Erdtönen, Glas und Marmor; samt Internet, Sauna, Gebetsraum.

Die Fahrt zur Stadt auf der zweispurigen Schnellstraße führt mitten durch den Multimedia Super Corridor (MSC): Malaysias „Tor zur Welt“ – 15 Kilometer breit, 50 Kilometer lang Subventionsparadies für internationale IT-Firmen.

Deutlich zeigen Stadt und Land Flagge am Merdeka Square. Auf dem rechteckigen Rasen weht seit 1957 in 95 Meter Höhe eine riesige malaiische Fahne vom welthöchsten Flaggenmast. Alljährlich im August feiern Staat und Stadt sich hier mit stattlichen Paraden.

Am Merdeka Square

Säuberlich trennt das schmucke Grün städtebaulich Vergangenheit und Gegenwart. Weithin sichtbar ragt der Kompleks Dayabumi in den Himmel: 34 Stockwerke urbane Monotonie, nachts vom gleißenden Flutlicht angestrahlt. Lang gestreckt, voller Wendeltreppen und maurisch verspieltem Prunk: die einstige Kolonialverwaltung mit ihrem 43 Meter hohen Uhrturm.

Auch dies: der Merdeka Square

Mit seinen strahlend weißen Minaretten, Säulen, Kuppeln und Bögen gilt die 1910 erbaute KL Station als schönster Bahnhof der Welt. Regelmäßig halten die Luxuszüge des Eastern & Oriental Express in diesem Traum aus 1001 Nacht.

Diese Atmosphäre aus vergangen Tagen lässt sich auch im Obergeschoss des Heritage Hotel genießen: hinauf zur Bar führt der wohl ältesten Aufzug des Landes. Am Zusammenfluss von Klang und Gombak erbauten die Briten für „ihre“ malaiischen Moslems die Jamek-Moschee – heute, auch das ist im Malaysia Book of Records nachzulesen, das meist fotografierte Gebäude der Stadt.

Die Jamek-Moschee

Manchmal nimmt die Rekordfreude merkwürdige Formen an. So lädt der weltgrößte Bierhumpen zum Besuch der königlichen Gießerei Royal Selangor, dem weltgrößten Hersteller von Zinngeräten. Ende Januar wird vor den Toren der Stadt in den drei hinduistischen Höhentempeln das „weltberühmte“, für westliche Zuschauer eher schrecklich schmerzhaft wirkende Taipusam-Festival gefeiert: Gläubige Hindus steigen die 272 Stufen zu den Batu Caves hinauf, stechen sich in Trance spitze Stahlspießchen zur Buße durch Zunge und Wange und tanzen.

Der Jalan Hang Kasturi

Sonntags konzentriert sich jegliches Streben auf Shopping. Nicht nur bei Asiaten gilt KL als Mekka für Markenbewusste. Unter den welthöchsten Türmen sind sie im siebten Himmel: Im Suria KLCC präsentieren Trend-Designer aus Asien und Amerika, auf mehreren Etagen Shop an Shop Lebensart und Luxus. Europas Elite residiert in der Starhill Gallery, auf fünf Etagen mit dem JW Marriott Hotel verbunden: Prada, Versace, Vuitton – nur wenige Schritte vom Zimmer.

Shopping, Fast Food und Formel 1: Werbeplakate am Bukit Bintang.

Zwei Dutzend Malls machen KL zum Einkaufsparadies. Exotik bringen die Märkte, morgens, mittags bis spät nachts. 300 Mark verlangt der Straßenhändler in Chinatown für eine „Rolex“-Uhr. An den Ständen der Petaling Street ist Feilschen Pflicht. Auf den wackligen Tischen stapeln sich Uhren, Taschen, T-Shirts, CDs und Software: Plagiate von perfekt bis schlecht. In den Gassen und Gängen ringsum Garküchen. Männer beugen sich über hohe Schalen, verzehren schnell und schweigend Hainanese Fried Rice, balancieren gefüllte Pau-Klößchen zwischen Plastikstäbchen, löffeln Suppe.

Chinesischer Tee-Shopin der Altstadt

In diesem Reich der Mitte scheint Malaysia meilenweit entfernt –  und dringt von allen Seiten doch hinein: Noch nachts wird im Licht riesiger Scheinwerfer der nächste Neubau hochgezogen. In nur drei Jahren entstand das „Golden Triangle“, in 30 Jahren die heutige Stadt.

Die Zukunft zieht es hinaus: Die Regierung erledigt seit einem Jahr ihre Geschäfte von der Retortenstadt Putraraja aus. Die Bürger zieht es hinaus zur Mid Valley Mega Mall. Mehr als 400 Geschäfte auf fünf Etagen machen sie zum derzeit beliebtesten Ausflugsziel, leicht zu erreichen mit Auto, Bus und Light-Rail-Transit (LRT)-Schnellbahn. Wer nicht einkauft, genießt seine Freizeit mit Superlativen: beim Training im Sweat Club, Südostasiens größtem Fitness und Wellness-Center, beim Bowling auf 39 Bahnen, oder im Kino – mit 18 Sälen das größte Asiens.

Fliegende Händler verkauft Soja-Getränke und Gerichte

Kuala Lumpur: die Infos

Als „weltbeste“ Bar mehrfach ausgezeichnet:„The Pub“, Shangri-La Hotel

Die schönsten „Schau“fenster:

  • Mandarin Oriental Hotel, Club-Lounge im 24. Stock: die Petronas Twin Towers – zum Greifen nah
  • Benachbart: die Alternative open-air: „The Ascott“: Bar mit Balkon, 22. Stock
  • Federal Hotel, sich drehendes Café im 18. Stock

Hinkommen

Malaysia Airlines (MAS) fliegt fünf Mal pro Woche ab Frankfurt (B 747-400) und München (B 777-200) nonstop nach Kuala Lumpur. Preis: ab 1.049 DM.

Unterkunft

Günstiger gibt es hier kein Bett: die Stopover-Angebote von Malaysia Airlines liegen deutlich unter den offiziellen Zimmerpreisen: 80 DM pro Person im Doppelzimmer – inkl. Frühstück und Transfer.

Mandarin Oriental Kuala Lumpur
Kuala Lumpur City Centre, 50088 Kuala Lumpur, Tel.: +60 / 3 / 3 80 88 88, Fax: +60 / 3 / 3 80 88 33, www.mandarin-oriental.com
Im Oktober 1998 eröffnete das jüngste Spitzenhotel der Stadt – 30 Stockwerke Luxus direkt neben den Petronas Twin Towers. 73 DM pro Person im Doppel-, 118 DM im Einzelzimmer inkl. American Breakfast und Airport-Transfer:

JW Marriott Kuala Lumpur
183 Jalan Bukit Bintang55100 Kuala Lumpur. Tel. +60 / 3/ 27 15 90 00, Fax: + 60 / 3 / 27 15 70 00, www.marriott.com. Fünfsternehotel an der quirrligen Einkaufsmeile Jalan Bukit Bintang

Auskunft

Malaysia Tourism Promotion Board
Weissfrauenstr. 12-16, 60311 Frankfurt am Main, Tel. 069/460 9234 20, Fax 069/460 9234 99, www.tourismmalaysia.de

Dieser Beitrag ist im Jahr 2000  im Handelsblatt und in kürzerer, veränderter Form auf Spiegel Online erschienen. 

Der Pool des Mandarin Oriental-Hotels

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