2007DänemarkEuropa

Nykøbing Falster: Eine Stadt erfindet sich neu

Am Wasser zu leben ist schick – das haben längst nicht nur die Metropolen der Welt erkannt, sondern auch dänische Hafenstädte. Falsters Inselhauptstadt Nykøbing schenkt sich „Slotsbryggen“, ein maritimes Quartier zum Wohnen und Arbeiten, Ausgehen und Erholen.

Das neue In-Viertel entsteht an einem historischen Standort: Auf der Landzunge am Guldborgsund stand im Mittelalter eine Burg, in der sich der König und sein Gefolge häufig aufhielten, später als Schloss zum Witwensitz der dänischen Königinnen wurde und 1763 zusammen mit dem Krongut Falster verkauft wurde, um die leere Staatskasse aufzufüllen. Vier Jahre später folgte der Abriss – erhalten ist heute nur noch die Ruine des Fars Hut (Vaters Hut)-Turmes. Er markiert heute den Zutritt zu Falsters Stadtvision des 21. Jahrhunderts.

2004 wurde mit Baggern und Beton westlich der Slotsgade ein neuer Kanalhafen angelegt und unter dem Engboulevarden wieder die Verbindung zur Tingsted Å geöffnet, 2005 lud der Bauträger DB Partner A/S aus Haderslev zum ersten Spatenstich: Ein Dutzend zwei- und dreigeschossiger Häuser, ein Drittel mit Wohnungen für Senioren, und 24 Eigenheime wurden seitdem für 200 Millionen dänischer Kronen entlang beider Kais geschaffen – Licht durchflutete, offene Bauten mit bodentiefen Fenstern und Balkonen nach den Entwürfen des Kopenhagener Planungsbüro Holscher Arkitekter im nordischen Stil, geprägt von Glas, Holz und Stahl.

Mit den Bauten weiterer Investoren entstehen bis 2012 insgesamt 180 Wohnungen. Sie umgibt eine amphibische Landschaft aus blauen Fluten, grünen Parks und goldgelbem Strand, in der Skulpturen künstlerische Akzente setzen. Blickfang und Bindeglied zwischen dem Nordufer mit Strandpark am Sund und dem Hafenpark im Süden, in dem die ersten Jachten dümpeln, ist eine Klappbrücke für Fußgänger, die an holländische Grachtenbrücke erinnert.

Auch für Unterhaltung ist bereits gesorgt. Am Strandboulevarden eröffnete im Jahr 2000 das neue Kino Scala Bio mit 504 Plätzen in vier Sälen. Seine 5.000 Vorstellungen pro Jahr begeistern seitdem jährlich mehr als 150.000 Besucher. Für Open-Air-Unterhaltung wurde am Sund eine kleine Bühne in die See gebaut – als Winkel aus Granitstufen mit weitem Blick auf das Meer.

Doch Slotsbryggen ist nicht das einzige Projekt von Bürgermeister Poul-Henrik Pedersen. Zentral zwischen den Metropolregionen Hamburg und Øresund gelegen, rechnet er sich große Wachstumschancen für das Zentrum der dänischen Zuckerindustrie aus – und lässt einen zweites neuen Stadtteil für die erwarteten Neubürger bauen: Nordbyen, die „Nordstadt“ mit 170 Eigenheimen und 160 Wohnungen mitten im Grünen.

Auch das mittelalterliche Stadtzentrum hat inzwischen mehrere Facelifts hinter sich. Im Hollands Gård (Holländer-Hof) wurde das Wahrzeichen Nykøbings saniert: der 43 m hohe Vandtårnet (Wasserturm), von 1908, der unter seinem Dach einen weiten Rundblick auf Stadt und Umland eröffnet. Im Innern des Turmes präsentieren Dioramen die vielfältige Natur Falsters.

Am 15. Juli 1716 besuchte Peter der Große mit seiner Flotte Nykøbing. Statt im dafür hergerichteten Schloss speiste der Zar in einem Fachwerkhaus mitten in der Altstadt – es heißt seitdem „Czarens Hus“ und serviert bis heute landestypische Küche. Neben dem Gasthof ist das lokalhistorische Guldborgsundmuseum untergebracht. Die Sammlung veranschaulicht die Geschichte der Gegend von der Steinzeit bis heute. Ein kleines Feuerwehrmuseum mit einer liebevoll restaurierten Triangel-Spritze lässt ein Stück Stadtgeschichte wiederaufleben.

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