Nykøbing Falster: Eine Stadt erfindet sich neu

Am Wasser zu leben ist schick – das haben längst nicht nur die Metropolen der Welt erkannt, sondern auch dänische Hafenstädte. Falsters Inselhauptstadt Nykøbing schenkt sich „Slotsbryggen“, ein maritimes Quartier zum Wohnen und Arbeiten, Ausgehen und Erholen.

Das neue In-Viertel entsteht an einem historischen Standort: Auf der Landzunge am Guldborgsund stand im Mittelalter eine Burg, in der sich der König und sein Gefolge häufig aufhielten, später als Schloss zum Witwensitz der dänischen Königinnen wurde und 1763 zusammen mit dem Krongut Falster verkauft wurde, um die leere Staatskasse aufzufüllen. Vier Jahre später folgte der Abriss – erhalten ist heute nur noch die Ruine des Fars Hut (Vaters Hut)-Turmes. Er markiert heute den Zutritt zu Falsters Stadtvision des 21. Jahrhunderts.

2004 wurde mit Baggern und Beton westlich der Slotsgade ein neuer Kanalhafen angelegt und unter dem Engboulevarden wieder die Verbindung zur Tingsted Å geöffnet, 2005 lud der Bauträger DB Partner A/S aus Haderslev zum ersten Spatenstich: Ein Dutzend zwei- und dreigeschossiger Häuser, ein Drittel mit Wohnungen für Senioren, und 24 Eigenheime wurden seitdem für 200 Millionen dänischer Kronen entlang beider Kais geschaffen – Licht durchflutete, offene Bauten mit bodentiefen Fenstern und Balkonen nach den Entwürfen des Kopenhagener Planungsbüro Holscher Arkitekter im nordischen Stil, geprägt von Glas, Holz und Stahl.

Mit den Bauten weiterer Investoren entstehen bis 2012 insgesamt 180 Wohnungen. Sie umgibt eine amphibische Landschaft aus blauen Fluten, grünen Parks und goldgelbem Strand, in der Skulpturen künstlerische Akzente setzen. Blickfang und Bindeglied zwischen dem Nordufer mit Strandpark am Sund und dem Hafenpark im Süden, in dem die ersten Jachten dümpeln, ist eine Klappbrücke für Fußgänger, die an holländische Grachtenbrücke erinnert.

Auch für Unterhaltung ist bereits gesorgt. Am Strandboulevarden eröffnete im Jahr 2000 das neue Kino Scala Bio mit 504 Plätzen in vier Sälen. Seine 5.000 Vorstellungen pro Jahr begeistern seitdem jährlich mehr als 150.000 Besucher. Für Open-Air-Unterhaltung wurde am Sund eine kleine Bühne in die See gebaut – als Winkel aus Granitstufen mit weitem Blick auf das Meer.

Doch Slotsbryggen ist nicht das einzige Projekt von Bürgermeister Poul-Henrik Pedersen. Zentral zwischen den Metropolregionen Hamburg und Øresund gelegen, rechnet er sich große Wachstumschancen für das Zentrum der dänischen Zuckerindustrie aus – und lässt einen zweites neuen Stadtteil für die erwarteten Neubürger bauen: Nordbyen, die „Nordstadt“ mit 170 Eigenheimen und 160 Wohnungen mitten im Grünen.

Auch das mittelalterliche Stadtzentrum hat inzwischen mehrere Facelifts hinter sich. Im Hollands Gård (Holländer-Hof) wurde das Wahrzeichen Nykøbings saniert: der 43 m hohe Vandtårnet (Wasserturm), von 1908, der unter seinem Dach einen weiten Rundblick auf Stadt und Umland eröffnet. Im Innern des Turmes präsentieren Dioramen die vielfältige Natur Falsters.

Am 15. Juli 1716 besuchte Peter der Große mit seiner Flotte Nykøbing. Statt im dafür hergerichteten Schloss speiste der Zar in einem Fachwerkhaus mitten in der Altstadt – es heißt seitdem „Czarens Hus“ und serviert bis heute landestypische Küche. Neben dem Gasthof ist das lokalhistorische Guldborgsundmuseum untergebracht. Die Sammlung veranschaulicht die Geschichte der Gegend von der Steinzeit bis heute. Ein kleines Feuerwehrmuseum mit einer liebevoll restaurierten Triangel-Spritze lässt ein Stück Stadtgeschichte wiederaufleben.

Ein altes Spirituosen- und Pfeifengeschäft in der Langgade von Nykøbing Falster
Traditionsgeschäft in der Langgade

Auf der anderen Straßenseite lädt der „Gamle Købmandshandel“ zum Shopping wie zu Großmutters Zeiten: Bürsten und Löffel stapeln sich in Körben, es riecht es nach frisch gemahlenem Kaffee, und eine Dame mit Schürze und Haube verkauft bunte Bonbons – einzeln. Weiter die Langgade hinab, öffnet sich die Einkaufsstraße zum Kirkepladsen, den eine Jahrhunderte alte Kastanie mit imposanter Krone schmückt.

Dahinter erhebt sich die gotische Klosterkirche, schlicht aus Backstein erbaut, im Treppengiebel geschmückt, bekrönt von einem Turm mit 26 Glocken im Geläut. Größter Schatz im Innern ist neben einem Gemälde von Lucas Cranach die 33 m große Mecklenburgische Ahnentafel, die Königin Sophia (1557 – 1631) der Pfarrkirche zusammen mit einem Altarbild geschenkt hatte. Die gute Akustik macht die Kirche zu einem gefragten Konzertsaal für Klassik, bei der auch die F. H. Ramus-Orgel von 1858 zu hören ist.

Die Klosterkirche von Nykøbing Falster
Sonnengelb: Die Häuser neben der Klosterkirche von Nykøbing

Mit Begeisterung pilgern Klassikfans auch zum Herrensitz Fuglsand bei Toreby auf Ostlolland – das Renaissanceschloss inmitten einer traumhaften Parkanlage am Guldborgsund ist heute ein Zentrum für Kunst und Kultur, in dem neben dem Storstrøm Kammerorchester auch dänische Stars wie die Pianistin Amalie Malling oder das Bläsertrio Divertimento auftreten. Jazz erklingt im Sommer jeden Freitag auf dem Torget (Marktplatz), rhythmische Beats lassen das Studentenhaus und die Kulturfabrik vibrieren. Das Theater der Stadt ist für sein Sommerkabarett bekannt, und im alten Spritzenhaus unterhalten Laienschauspieler mit professionell inszeniertem Volkstheater.

Im ganzen Königreich berühmt ist die Nykøbing F. Revyen, für die Revuedirektor Flemming Krøll jeden Sommer von Juni bis August Schauspieler zusammentrommelt, die mit Comedy, Satire und Musik das Publikum zum Lachen bringen. Hauptereignis im Sommer ist seit der 700-Jahrfeier der Stadt im Jahr 1989 die Nykøbing Festuge (Festwoche) Anfang August mit großem Umzug, Straßenkunst, Musik und Tanz. Highlight im Herbst ist die Kulturnacht am Freitag vor den dänischen Herbstferien im Oktober, voll gepackt mit Konzerten, Ausstellungen, Mitmachevents und Late-Night-Shopping. Und voller Frühlingsgefühle wird am „St. Bededagsferien“, dem vierten Freitag nach Ostern, der Døllefjeldemarkedet gefeiert – ein riesiges Volksfest mit Rummel und Markt.

Touristisches Zugpferd ist jedoch eine Attraktion, die landesweit einzigartig ist: das Middelaltercentret in Sundby auf Lolland. 1991 entstand hier direkt am Sund eine authentische mittelalterliche Stadt mit Wohnhäusern und Werkstätten, Marktplatz, Werft und Hafen. Im Sommer messen sich die Ritter beim Turnier und von riesigen Kriegsmaschinen werden Bleikugeln in die See geschleudert. Im Bankettsaal „Zum goldenen Schwan“ wird das kulinarische Erbe bei Kerzenlicht serviert: Lachs im Teigmantel, Rippchen mit Safrantorte und Beeren-Dikmelk mit Rosenwasser. Holzlöffel und Messer dienen als Besteck, Gewürzbier oder Erdbeersaft löschen den Durst.

Auch Übernachtungsgäste, die für mehrere Tage einmal ins Mittelalter eintauchen wollen, sind im Dorf willkommen. Doch spätestens, wenn man in der dunkeln, verrauchten Stube sitzt oder stinkige Eimer in die Gosse gekippt werden, merkt man, das die „gute alte Zeit“ vielleicht nicht nur schöne Seiten hatte – und träumt von „Slotsbryggen“ auf der anderen Seite des Sunds.

Schuhgeschäft im Mittelalterzentrum von Sundby auf Lolland
Schuhgeschäft im Mittelalterzentrum von Sundby auf Lolland

Nykøbing Falster: Info

Ansehen

Den Gamle Købmandshandel

Langgade 9

Guldborgsundmuseum

Langgade 2, Tel. +45 54 85 26 71, www.aabne-samlinger/gulbdborgsund

Middelaldercentret

Ved Hamborgskoven 2 – 4, Sundby L., DK – 4800 Nykøbing Falster, Tel. +45 54 86 19 34, Fax +45 54 86 18 34, www.middelaldercentret.dk

Erleben

Kulturnatten + Nykøbing Festuge

www.visitguldborgsund.com

Nykøbing Revyen

www.nyk-revy.dk

Konzerte auf Gut Fuglsang

www.fuglsang-musik.dk

Schlemmen

Restaurant Czarens Hus

Langgade 2, DK – 4800 Nykøbing F., Tel. +45 54 85 28 29

Schlafen

Sam Hotels

Vibehaven 500, DK – 4800 Nykøbing F., Tel. +45 54 88 27 00, Fax +45 54 88 27 01, info@samhotels.dk, www.samhotels.dk

Viersternehaus mit Wellnesscenter, das auch Shiatsu, Thai-Massagen und Hilot anbietet

Hotel Falster

Skovalleen, DK – 4800 Nykøbing F., Tel. +45 54 85 93 93, Fax +45 54 82 21 99, www.hotel-falster.dk

Aktuelle Projekte

www.slotsbryggen.dk

www.nordbyen.com

Auskunft

Nykøbing F. Tourist Information

Østergågade 7, DK – 4800 Nykøbing F., Tel. +45 54 85 13 03, Fax +45 54 85 10 05, tinf@tinf.dk, www.visitguldborgsund.com

Dieser Beitrag war eine Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark und wurde im Mai 2007 an die deutschsprachigen Medien versandt.

Das neue Slotsbryggen-Viertel von Nykøbing Falster
Wohnen am Wasser in Nykøbing Falster: Slotsbryggen

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