2010DänemarkEuropa

Lolland & Falster: Inseln der Kunst

LandArt und Cobrakunst, Grafikkurse und virtuelle Kunstrouten: Auf Lolland und Falster ist die Kunstszene so vielfältig wie die Menschen, die die beiden ostdänischen Inseln als Inspirationsquelle für ihre Schaffen nutzen.

Hanne Heimburger hat sie alle: Karel Appel, Eugene Brands, Corneille, Jacques Doucet, Bille, Mogens Balle, Stephen Gilbert, Egill Jacobsen und Asger Jorn – bei der 70-Jährigen drängeln sich die Werke berühmter Cobra-Künstler an den Wänden.

Ihr Domizil ist die alte Dorfschule von Sønder Alslev auf Falster, die sie 1987 in die Galleri Syd verwandelte und zum Mekka für Kunstfreunde machte. Jeden Sommer von Juni bis Mitte September präsentiert die Lebenskünstlerin eine Auswahl dänischer Künstler bei ihrer großen Sommerausstellung, von Frühjahr bis Herbsts wechselnde Ausstellungen moderner Kunst aus dem In- und Ausland.

Die „Annunziata“ des Kopenhagener Künstlers Jesper Neergard. Foto: Hilke Maunder

Längst hat die Kunst nicht nur das Schulhaus, in Anlehnung an den Pariser Ausstellungssalon für moderne Kunst von Heimburger humorvoll „Grand Palais“ genannt, erobert, sondern auch den Garten. Strahlend weiß schwebt die Marmorskulptur „Annunziata“ des Kopenhagener Künstlers Jesper Neergard über dem Gras, in dem es sich eine Familie gemütlich gemacht hat und bei einem Glas Wein die Werke ringsum genießt.

Hanne Heimburger setzt sich kurz dazu, plaudert ein wenig, huscht dann in den Pavillon, berät einen Kunden beim Kauf dänischer Plakatkunst und verpackt, noch Kaffeetasse und Handy in der Hand, den wertvollen Druck. Und gibt zum Abschied den Tipp: „Besucher Sie auch noch das Museet for Sydhavsmalerne in Nykøbing.“

Nur wenige Schritte vom Rathausgarten entfernt, erinnert die kleine Sammlung an die Künstlergruppe der Südseemaler (1930 – 1980), deren bekannteste Vertreter Otto Larsen, Mogens Lohmann, H. O. Andersen und Nils Nilson waren. Angeschlossen an die private Sammlung ist ein Geschäft für Künstlerbedarf.

Ein Gesamtkunstwerk: die Galleri Syd. Foto: Hilke Maunder

Hier deckt sich auch Heike Arndt (44) mit Pinseln, Farben und Leinwänden ein. Die Deutschdänin hat auf Lolland die früheren Bäckerei von Kettinge bei Nysted in eine kleines Zentrum für moderne Malerei verwandelt: Das Erdgeschoss teilen sich die Keramik- und Skulpturwerkstatt mit dem Kunstmalerstudio, im Obergeschoss zeigt ihre Galerie Gemälde, Glaskunst, Lithografien und Bronzen.

Jeden Donnerstag und Freitag Vormittag können kunstbegeisterte Besucher sich selbst einmal in der Herstellung einer Grafik versuchen – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, einzige Voraussetzung ist, so Arndt, „die Lust am Probieren“.

Edler und etablierter gibt sich die Galerie Horn in Westlolland. Auch hier wurde eine alte Schule zum Domizil für moderne Kunst – die hier jedoch nicht als charmant-chaotisches Ensemble wie bei Heimburger, sondern in stilvoller Strenge präsentiert wird.

Die figurativen Gemälde von Denis Virlogeux hängen an stahlblauen Wänden, Tina Horns Aquarell-Akte flirten mit schwarz-weiß karierten Bodenfliesen, Leif Madsens Blumenbilder entfalten ihre Leuchtkraft auf ochsenblutrotem Putz. Lüsterleuchter und Ledersofa, Klavier und Kerzenlicht unterstreichen das gediegene Ambiente.

Kunst drinnen und draußen: Galleri Syd. Foto: Hilke Maunder

Bunt und vielfältig wie ihre Mitglieder – 17 Maler, zwei Bildhauer, acht Keramik- und Glaskünstler, fünf weitere Kunsthandwerker – ist die Künstlervereinigung RAVNEN, die ihre Werke im Vereinsheim „Vejerboden“ in Horsminde, bei Kunsthandwerkermärkten wie in Nakskov/Lolland, Themenausstellung im Vindeby Præstegård – und im Internet präsentiert: Wer der „Kunstrute“ ihrer Website folgt, kann die virtuellen Ateliers aller Mitglieder per Mausklick entdecken – ein lauter Rabengekrächze eröffnet jedes Portrait.

Jeden Sommer gibt es auf Lolland und Falster Kunst nicht nur in Galerien zu sehen, sondern auch auf Feldern, Wiesen und Weiden: ein ganzes Festival mit Land Art, seit 2005 jährlich inszeniert von elf Künstlern. Der Gedanke dahinter.

Kunst und Landschaft treten in Beziehung zueinander, befruchten sich gegenseitig. Die Kunstwerke sind so nicht länger Objekte, die Landschaft nicht länger Kulisse, sondern beides verschmilzt – und schaffen so eine neue Landschaft, sich Besucher bei Wind und Wetter unter dem hohen Himmel von Falster und Lolland bei Wind und Wetter mit allen Sinnen erleben kann.

Dieser Beitrag wurde für die Reportagedienst von Visit Denmark erstellt, am 1. April 2010 versandt und von zahlreichen deutschsprachigen Medien veröffentlicht. 

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