2014DeutschlandSchleswig-Holstein

OFL: Ostseebäder auf der Sonnenseite  

Gelber Raps, grüne Wiesen, blaues Meer, garniert mit Backsteinstädten und lebendigen Häfen: Zwischen Neustadt und Weissenhaus ist die Ostseeküste ein Ferienland für Familien und Trendsetter etnstanden, die erst in den letzten Jahren den Charme dieser Bilderbuchidylle entdeckten. Seitdem weht ein Hauch von Luxus und Lifestyle durch die Badeorte.

Als Trendrevier für neue Funsportarten hat sich das Ostseeferienland (OFL) mit den drei Seebädern Grömitz, Damp und Kellenhusen einen Namen gemacht. Wer an Land bleiben möchte, kann auf zweirädrigen Waveboards über den Asphalt streetsurfen oder sich zweirädrige Riesen-Skates unter die Schuhe schnallen und skiken.

Für flotte Fahrt sorgen Stöcke, mit denen man sich abstößt und die 50 Kilometer lange Skike-Strecke bewältigt. Große Sprünge sind an Land mit Power-Risern möglich, gefederten Hightech-Springschuhen, die den Geher fünf Meter hoch und zwei Meter weit katapultieren. Könner kommen dabei auf Spitzengeschwindigkeiten von 40 Kilometern pro Stunde. Anfänger kämpfen mit der Balance…

Die Ostsee im OFL inspiriert… Foto: Hilke Maunder

Absolut angesagt als Sommersport sind im „OFL“ auch die schnelle Federball-Variante Speedminton sowie Cross Golf, der südamerikanische Fitness-Tanz Zumba und Flashcups, der blitzschnelle Pyramidenbau aus Bechern. Für das angesagte Frisbeespiel Discgolf besitzt Kellenhusen die größte Anlage Deutschlands. Auf dem Wasser sorgt SUP, Stand-Up-Paddling, für mehr Kondition und Spaß beim Paddeln.

Wie Wellen beim Paddeln im Stehen gemeistert werden, verraten Kurse bei der Kellenhuser „Ostseeanimation“ oder der Surfschule Grömitz. Und während anderenorts noch Kiten als trendy gilt, ist im OFL längst eine südkoreanische Funsportart angesagt, die Elemente des Inlineskatens, Waveboardens und Wellenreitens verbindet: X-Lider.

Der Weissenhäuser Ostseestrand mit Seebrücke. Foto: Hilke Maunder

Fast nur aus Freizeiteinrichtungen besteht auch Weissenhäuser Strand. Errichtet wurde der Ferienpark als Konjunkturprogramm für eine Region, die in den ersten zwei Jahrzehnten nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter den Folgen eines massiven Strukturwandels in der Landwirtschaft litt.

Wo früher Hunderte Menschen auf den mehr als 1.000 Hektar großen Gutsbetrieben die Getreidefelder bestellt hatten, wurde nun nur noch eine Handvoll Arbeiter benötigt. Arbeitslosigkeit und Abwanderung lähmten die Region.

Den Aufschwung brachte erst ein Förderprogramm zur Entwicklung von Gebieten an der Grenze zur ehemaligen DDR: Anleger aus den alten Bundesländern investierten hier vor allem aus steuerlichen Gründen ihr Erspartes und ermöglichten damit den Bau des Ferienparks.

Die Seebrücke vom Weissenhäuser Strand. Foto: Hilke Maunder

Von der gräflichen Familie Platen-Hallermund, der auch das Gut Weißenhaus gehörte, erwarb die neu gegründete Ferienpark-Gesellschaft 1969 für sieben D-Mark pro Quadratmeter Grund und Boden – zunächst 220.000 Quadratmeter „saure Wiese“, die lediglich als Schafweide nutzbar war.

Von 1970 bis 1973 errichteten dort 1.100 Bauarbeiter für rund 110 Millionen D-Mark Bungalows und Apartmenthäuser, ein Strandhotel mit Kurmittelhaus, Geschäfte, Freizeit- und Gastronomie-Komplexe, alles maximal drei Stockwerke hoch. Saison war nur von Ostern bis Oktober – bis 1993 blieb Weissenhäuser Strand während der Wintermonate geschlossen.

Seit der Inbetriebnahme im Juni 1973 wurde der Freizeitpark kontinuierlich erweitert. Mehr als 50 Millionen Euro flossen seit der Jahrtausendwende in den Ausbau und die Sanierung, 30 Millionen Euro allein in den letzten Jahren. Dennoch wirkt die Anlage, mittlerweile von 220.000 auf 440.000 Quadratmeter gewachsen, etwas in die Jahre gekommen.

Das Strandhotel des Ferienparks Weissenhäuser Strand. Foto: Hilke Maunder

Daher hat Weissenhaus-Chef Töns Haltermann, der 2007 in die Fußstapfen seines Vaters als Geschäftsführer trat, nicht nur den Unterkünften das dringend notwendige Facelift verordnet, sondern auch öffentlichen Bereichen wie der überdachten Einkaufs- und Gastromeile. Nicht 0815-Angebote wie in anderen Urlaubsregionen, sondern einzigartige Themenwelten sollen den Gast begeistern.

Weissenhäuser Strand wird, so die Vision des smarten Managers, der erste Erlebnispark nach US-amerikanischem und kanadischem Vorbild an der Ostsee. Sein erster Streich: das Dschungelland, eine 6.000 qm große „Wildnis“ zur Magie und Schönheit des Dschungels.

Das Abenteuer-Dschungelland vom Weissenhäuser Strand. Foto: Hilke Maunder

Schildkröten, Schlangen und Skorpione, Pythons und Piranhas leben in naturnahen, zum Teil offenen Terrarien, die in eine riesige Felshöhle eingelassen wurden. In der sieben Meter hohen, begehbaren Voliere flattern australische Nymphensittiche um die Köpfe.

In einem Minifluss huschen Zwergotter umher. Grabkammer und Labyrinth des „Verbotenen Tempel“ findet jüngere Kinder oft zu unheimlich. Sie lockt das interaktive Piratenkino: rauf aufs Plastikross, die virtuelle Pistole gezogen und auf die Leinwand geballert…

Zum Gesamtkonzept gehört neben Spiel und Sport im Dschungellook auch die passende Gastronomie: das Dschungelrestaurant – das einzige seiner Art in Deutschland und eines von dreien in Europa. Nashörner und Giraffen schauen auf die Teller mit Steak oder Salat, Affen schaukeln über den Köpfen. Dann beginnt eine tierische Dschungelband zu spielen, zieht tosend ein Dschungelgewitter auf, und die Augen der Großen leuchten genauso wie die der Kinder.

In Abenteuer-Dschungelland vom Weissenhäuser Strand. Foto: Hilke Maunder

Wenige Kilometer eine völlig andere Welt, luxuriös und abgeschieden. Jan Henric Buettner, der den Internet-Dienstleister AOL Deutschland aufgebaut hatte und nach langem Gerichtsstreit von seinem Ex-Partner Bertelsmann dafür 160 Millionen Euro erhielt, investierte das Geld in ein Herzensprojekt: das Grand Village Weissenhaus.

Wo schon seine Eltern ein Ferienhaus hatten, kaufte der 49-Jährige 2005 ein Schloss (1895) samt 30 historischen Gebäuden, 75 Hektar Land und drei Kilometer Strand. Im Sommer 2014 soll Eröffnung sein vom Luxus-Feriendorf „Schloss Weissendorf“ mit 17 Zimmern und 70 m-Tunnel zum Spa-Haus sowie zum kalifornisch inspirierten „Bootshaus“ am Privatstrand, das schon jetzt allen offen steht.

Und natürlich einem Erdbeer-Café, wo Buettner als Kind einst auf Plastikstühlen wunderbar duftenden Obstkuchen genossen hatte. Doch nun wird er dort gemütlicher sitzen können.

Dass eine Urlaubslandschaft sich ständig neu erfinden muss, hat auch Fehmarn erkannt, mit 2.200 Sonnenstunden und zuverlässigem Wind ein bevorzugtes Ziel von Seglern und Surfern. Aus dem Blau der Küsten und dem Gelb der Rapsfelder im Inselinnern erhebt sich unübersehbar 75 m hoch der Turm von Klaustorf.

Auch im Hinterland des OFL ist viel los. Besonders beim Slawenfest. Immer mit dazu gehört der Kampf um Starigard. Foto: Hilke Maunder

Wo einst Bundeswehrsoldaten den Osten ablauschten, entstand mit der Ostsee-Erlebniswelt eine neue Attraktion, die die Geschichte des Binnenmeeres von der Urzeit bis zur Gegenwart lebendig inszeniert – mit Bernstein- und Küstenzimmer, Fischereiabteilung und Ostseeaquarium.

Der Horchturm erhebt sich ganz in der Nähe von Heiligenhafen, das seit einigen Jahren einen umfassenden Strukturwandel erlebt. Mittlerweile wurden alle Promenaden erneuert. Sit 2006 lockt ein Aktiv-Hus mit Sport, Spaß und Wellness. 2012 wurde die neue, 435 m lange Seebrücke eingeweiht – die einzige der Ostsee mit zwei Etagen und Zick-Zack-Pier ins Meer.

Direkt am Seebrückenvorplatz sind zwei stattliche Hotelkomplexe geplant, die völlig unterschiedliche Zielgruppen ansprechen: ein Viersternehaus mit 140 Betten und großem Wellnessbereich für gesundheitsbewusste Gäste sowie ein Lifestylehotel mit 110 Zimmern für junge Leute.

Kernprojekt der Zukunft ist das Marina Resort am neuen Jachthafen für 1000 Boote. Mit Reet gedeckt, sollen 69 Ferienhäuser in künstlichen Dünen als Hafendorf mitten in der Stadt errichtet werden – jedes Haus mit Wasserblick! Und auch am feinsandigen Südstrand der Insel zieht jetzt Luxus ein.

Den Grundstein für die touristische Entwicklung Fehmarns legten einst jedoch nicht seine natürlichen Vorzüge, sondern ein Infrastrukturprojekt, das 2013 sein 50-jähriges Bestehen feierte: die Vogelfluglinie. Bis zu 800 Arbeiter schufteten Ende der 1950er-Jahre auf der größten Baustelle Norddeutschlands, um Dänemark und Deutschland näher zu bringen. Fehmarn war dabei das entscheidende „Gelenk“ der Vogelfluglinie.

Mit der Fehmarnsundbrücke erhielt die Insel eine feste Landverbindung. Zeitgleich wurden die Fährhäfen in Rødbyhavn und Puttgarden fertig gestellt. Zur feierlichen Einweihung und Aufnahme des Fährverkehrs am 30. April 1963 erschienen 500 Ehrengäste – darunter auch der dänische König Frederik IX. und der deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke.

Granit und Miesmuscheln – das omnipräsente Duo an der Ostseeküste des OFL. Foto: Hilke Maunder

Schweinswale und Grasnadeln

Neben Dorsch, Lachs, Makrele und Scholle birgt die Unterwasserwelt der Ostsee so manche unbekannten Tiere und Überraschungen.

Schon beim Schnorcheln beginnt das Staunen: zart rosa, rot und lila leuchtende Krustentiere bedecken den Meeresboden: Muscheln, die ihre Schale halb geöffnet haben und aus den Fluten die Nährstoffe heraus filtern.

Zwischen den Stängeln der Seegrasbetten zucken ganz lang, ganz dünn und ganz grün Fische umher, die keinen besseren Namen haben könnten: Grasnadeln. Nur knapp einen Finger groß sind die Sandgrundeln, die im Grunde Einzelgänger sind: Jede Grundel hat ihr eigenes Revier, und eindringende Artgenossen werden energisch in die Flucht geschlagen.

Droht jedoch Gefahr, schlägt der Gemeinschaftssinn durch: Blitzschnell vereinen sich die Grundeln zu einem großen Schwarm, so groß und kompakt, das sie unter Wasser aus der Ferne wie ein einziger großer Fisch wirken.

Mit etwas Glück entdeckt man in den flachen Küstengewässern der Ostsee auch den kleinsten Wal der Welt: einen Schweinswal, nur selten länger als anderthalb Meter und schwerer als 60 Kilogramm. 18.500 dieser Säuger leben vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins.

Neugierig, noch mehr an der Ostsee Schleswig-Holsteins zu entdecken? Dann lest weiter im…

DMBA-Ostsee-Schleswig-HolsteinDuMont-Bildatlas Ostseeküste Schleswig-Hostein

Deutschland hat viele reizvolle Landschaften. Eine besonders schöne versteckt sich im hohen Norden. Wer Sonne und Meerluft genießen möchte, wer Gefallen findet an endlosen Stränden und hübschen Promenaden, und wem auch gelegentlich schlechtes Wetter nichts ausmacht, der hier an der Ostsee genau richtig aufgehoben.

An Regentagen kommt keine Langeweile auf, denn auch die Städte haben viel zu bieten: interessante Museen, schöne Lokale, Flair und historische Bauten – allein in Lübeck stehen mehr als 3000 Bürgerhäuser. Die Altstadt ist Weltkulturerbe.

Die Bilder der Fotografin Sabine Lubenow zeigen faszinierende Panoramen und ungewöhnliche Nahaufnahmen. Ich gebe in sechs Kapitel, gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten, einen Überblick über die maritime Region. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen, Aktivtipps und Specials, die aktuelle und interessante Themen aufgreifen. Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

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Ostseeferienland: die Blumenwiese am Deich. Foto: Hilke Maunder

 

 

 

 

 

 

 

 

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