2001AustralienVictoria

Melbourne: Auf den Spuren der Ureinwohner

Melbourne ist eine multikulturelle Stadt. 140 Nationen prägen den Alltag in der australischen Metropole. Doch die Spuren der Ureinwohner waren lange nicht zu sehen. Das hat sich jetzt geändert. Erste Angebote laden ein, Kultur und Traditionen der Aborigines zu entdecken.

Nebel liegt auf dem Gras. Jason Tamiru (32) vom Stamm der Yorta Yorta beugt sich über eine kleine Feuerstelle, sprenkelt Wasser und Eukalyptussamen in eine Schale, gefüllt mit den Blüten australischer Büsche und Bäume: Wattle, Banksia und Ballart. Rauch steigt auf, „reinigt“ Besucher und Guide. „Wuman chaika“ – willkommen!

Vor der Führung wird die Luft gereinigt – mit Räuchern. Foto: Hilke Maunder

So nutzten die Ureinwohner die Natur

Mit der Rauchzeremonie, dem traditionelle Begrüßungsritual der Aborigines, beginnt der Aboriginal Heritage Walk im Botanischen Garten von Melbourne. 120 Minuten Zeit für 90.000 Jahre Geschichte. Der Rundgang, auch einzeln beim Botanischen Garten zu buchen, bildet den Auftakt zum bislang einzigen Ausflugsprogramm in Melbourne, das den Spuren der Aborigines folgt. Seit diesem Winter wird es erstmals von Best Tours angeboten.

Wegweiser ist die Natur des Parks: Viele der 52.000 Pflanzenarten waren für die Aborigines Teil ihres Alltags. Die zerstoßenen Blätter des Coranderk-Baumes linderten Muskelkater und andere Schmerzen. Aus dem Holz der Stringbark schnitzten sie Bumerangs, der Saft der Hoop Pine war ein natürlicher Klebstoff, und zur Verhütung kauten die Frauen die unreifen Früchte des Känguru-Apfelbaumes.

Beeren aus dem Busch: allerbestes Bush Tucker

Australiens Aborigines: ein Kaleisdoskop indigener Kulturen

Auf dem Rasen breitet Jason eine Karte aus. Australien erscheint als Kontinent der Kleinstaaterei. Jede Farbe symbolisiert eine der mehr als 300 Sprachen, die früher von den Ureinwohnern gesprochen worden – heute sich nur noch 20 von ihnen als Muttersprache erhalten.

Der botanische Garten liegt genau im Grenzgebiet des Bunurong- und Woiwurrong-Stammes. Als um 1835 die ersten Europäer an der Port Philipp Bay siedelten, war das Gebiet des heutigen Groß-Melbourne von fünf Aborigines-Gruppen bewohnt, die gemeinsam die Kulin-Nation bildeten.

„Es gibt nicht nur eine Aborigines-Kultur, sondern viele“, sagt Jason. „Aborigines haben nicht im roten Herzen Australien, sondern im ganzen Land gelebt.“

Die Bunjilaka-Galerie des Melbourne Museum

Auch Bunjilaka, die Aborigines-Abteilung im Melbourne Museum, will mit Klischees aufräumen. Erstmals haben nicht weiße Wissenschafter, sondern die Aborigines selbst die Ausstellung gestaltet. Das ändert den Blickwinkel – und bringt Aspekte ihrer Vergangenheit zum Ausdruck, die bislang in Australien verdrängt oder beschönigt wurden: die gewaltsame Trennung von Familien, die Zwangsadoptionen, das eingesperrte Leben auf den Missionen. Erst 1967 erhielten die Ureinwohner Bürgerrechte.

Die Wunden der Ureinwohner

Vom Überlebenskampf der Koorie erzählt „Wurreki“, ein 50 Meter langes Wandbild am Eingang der Ausstellung. 74 Paneele aus Zink ließ Aborigines-Künstlerin Judy Watson vom Leid und den Stärken des Stammes aus Südost-Australien „sprechen“, so die Übersetzung ihres Titels aus der Wamba-Wamba Sprache.

Die Wunden, die die Ureinwohner erlitten, symbolisiert auch die Installation „Scar: A stolen vision“. Während früher die Aborigines aus lebenden Eukalyptusbäumen ihre Boote und Speere schnitzten, schnitten Aborigines-Künstler anlässlich der Hundertjahrfeier der australischen Föderation 2001 am Enterprize Park in 30 alte Holzpoller ihre persönliche Form der Verletzungen – hier subjektives Seelenleid, dort kollektiver Schmerz. Linien und Punkte, Flächen und Farben der Erde als Ausdruck von Landschaft, Erinnerung, Empfindungen.

Scars – a stolen vision: Mit diesem Titel erinnert eine Installation in Melbourne an die den Aborgines zugefügte Wunden. Foto: Hilke Maunder

Die Kultur der Koorie

Für Fremde abstrakt, für die Aborigines leicht lesbare Landkarten ihres Lebens. Ihre Kunst zeigt auch der Koorie Heritage Trust. Bereits 1985 gründeten die Koorie ihr Kulturzentrum und luden ein, in der Dauerausstellung, Verkaufsgalerie, Bibliothek oder Research Centre sich näher mit ihrer Kultur zu beschäftigen.

Im Westerfolds Park von Templestowe residiert im Herrenhaus seit 1995 die Mia Mia Gallery, ein Kleinod für zeitgenössische Aboriginal-Kunst mit Künstlerwohnungen, Café und Kulturprogramm – vom Bumerangwerfen bis zum Bush Walk.

Melbourne: Blick vom Federation Square auf den CBD.

Die Kunst der Ureinwohner

„Die Zeremonie“, ein Werk des Wurundjeri-Malers William Barak von 1900, markiert den Eingang zu den vier Galerien mit Aboriginal Art im Ian Potter Centre: NGV Australia am Federation Square. „Wenn wir Yorta Yorta oder Tiwi sagen, sehen wir nicht nur regionale Unterschiede, sondern individuelle Kulturkreise mit eigener Sprache und Ausdrucksform,“ erläutert Kuratorin Judith Ryan.

Die Küche der Ureinwohner

Die Vielfalt der Kulturen lebt längst auch im Kochtopf auf – nur wenige Schritte weiter im Tjanabi-Restaurant am Federation Square. Seine Speisekarte orientiert sich an den sechs Jahreszeiten, die die Ureinwohner kennen und lädt zu einem Streifzug durch die Genüsse des Outback: Krokodil, Emu, Känguru und Wallaby, gewürzt mit exotischen Gewürzen aus dem Busch. Zum einzigartigen Geschmack der Gerichte passt ein ungewöhnlicher Aperitif: ein Pfeffer-Martini.

Dieser Beitrag ist am 13. Januar 2003 auf Spiegel Online erschienen. 

Mein Australien zum Lesen und Hören

Einen ganzen Kontinent in ein Buch zu packen, war ein Kraftakt. Heraus kam ein Schwergewicht: mein Baedeker Australien*. Viele Seiten Hintergrund zu Geschichte, Alltag, Natur und Kultur,  typische Gerichte und Reisehinweise machen euch fit für das Land. Sieben Touren führen euch ins Land der Kängurus und Koalas, hin zu roten Felsen, Trendmetropolen und Koralleninseln. Alle Sehenswürdigkeiten gibt es von A-Z.

Infografiken stellen euch Beuteltiere, Wüsten, und Wellen vor. 3D- Darstellungen geben Einblick in die Sydney Harbour Brigde und Great Barrier Reef. Auch der längsten Golfplatz der Welt fehlt nicht als Tipp. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Baedeker smart Australien

Kompakt und doch ausführlich, konkrete Tipps und Tagespläne, aber auch Atmo, Hintergrund und Infos, die nur im Baedeker smart zu finden sind: mein Baedeker smart Australien*, den ich mit vier weiteren Autoren verfasste, ist so handlich, dass er in jedes Gepäck passt.

Für jeden Bundesstaat findet ihr einen Reisevorschlag. Restaurant- und Hoteltipps, Must-See-Sehenswertes und Geheimtipps ergänzen jedes Kapitel. Richtig eingestimmt auf den Aussie Lifestyle werden ihr mit dem Magazin, der als Auftakt zum Band euch die vielen Facetten des fünften Kontinents vorstellt. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Baedeker Australien OstenDamit der Urlaub nicht zum Wettlauf gegen die Zeit wird, nehmt meinen Baedeker Australien Osten*. Reist entlang der Pazifikküste mit weißen Sandstränden und zerklüfteten Steilküsten zu den schönsten Nationalparks. Entdeckt das  einsame Outback auf dem Weg zum Uluru (Ayers Rock), Gold, besucht die beiden ewigen Konkurrenten Sydney und Melbourne und taucht auf den Goldfields in die Geschichte ein.

Orte, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet, beschreibe ich im Kapitel Sehenswürdigkeiten von A -Z . Infografiken und 3D-Darstellungen geben lebendigen Einblicke; die magazinigen Introseiten wecken die Vorfreude. Und dann heißt es bald: G’d day in Australien Osten! Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

DMBA Australien OstenWie oft habe ich ihn schon bereist, den Osten Australiens? Auch meine Pässe helfen nicht weiter, so häufig wurden australische Einreise- und Ausreisestempel überstempelt. Monate in Queensland, mit und ohne Tochter, Arbeiten in New South Wales, Wandern in den Snowy Mountains, Weine lesen im ACT. Auf Busse warten, Wagen aus dem Schlamm ziehen, Offroad durch das Outback.

Längst habe ich eigene Songlines geschrieben, Orte und Landschaften durch Erinnerungen und Erlebnisse geprägt. Drei Bundesstaaten stellt mein Bildatlas Australien Osten* vor – und macht einen großen Sprung ins Outback des Red Centre. Wer mag, kann den Band hier* direkt bestellen.

Australien Westaustralien 50 Highlights abseitsAuf unbekannten Wegen bin ich immer wieder gerne in Australien unterwegs, und in letzter Zeit besonders in Westaustralien. Dort habe ich vor Ort zwei Jahre lang Ziele off the beaten track recherchiert: 50 einzigartige Highlights für alle, die den größten australischen Bundesstaat abseits des Mainstreams entdecken möchten.

Entdeckt Westaustralien mit eigenen Augen. Lasst euch überraschen, in Ecken entführen, die in keinem Reiseführer stehen, von meinen Tipps, Infos und Impressionen inspirieren.Viel Spaß beim Walkabout! Wer mag, kann den Band hier direkt bestellen.

Kunth: die schönsten Reiseziele Australien / NeuseelandModerne Metropolen wie Sydney und Melbourne, Wildnis und Weite wie das legendäre Outback, Naturwunder wie Uluru und Great Barrier Reef, das größte lebende Korallenriff der Erde: Die Vielfalt der faszinierenden Reisemöglichkeiten zeigt mein Bildlexikon Die schönsten Reiseziele Australien / Neuseeland / Ozeanien* aus dem Kunth-Verlag.

In geografischer Reihenfolge stellt es ausführlich die wichtigsten Reisegebiete vor. Mehr als 1.000 Farbfotos und doppelseitigen Panoramen präsentieren die Höhepunkte des fünften Kontinents. Stadtportraits mit Cityplänen, Nationalpark-Karten, ein 40-seitiger Atlas und  Internetadressen geben dem Leser zusätzliche Orientierung und helfen bei der Vorbereitung und Planung der Urlaubsreise. Wer mag, kann den Band hier * direkt bestellen.

Unterwegs in Australien„Unterwegs in“ nennt der Kunth-Verlag seine Reihe, deren Werke Bildband, Reiseführer und Atlas vereinen. Australien ist mein Werk. Es eine opulente Reiseenzyklopädie, die umfassende Orientierung und kompaktes Wissen bietet.

Der bilderreiche und informative Hauptteil ist nach Regionen bzw. nach Reiserouten gegliedert und beschreibt die schönsten Plätze, die ihr gesehen haben müsst. Von mir stammt der Band Unterwegs in Australien*. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

 

Im Hamburger Silberfuchs-Verlag erschien meine klingende Zeitreise durch die Kulturgeschichte Australiens. Beim Zuhören folgt ihr den Legenden der Ureinwohner und den Spuren der weißen Siedler. Ihr entdeckt unter den Felsen von Kakadu eine Freiluftgalerie der Vorzeit, erlebt in Port Arthur als Strafgefangene die Hölle auf Erden, grabt in Victoria nach Gold und begegnet in den australischen Alpen dem Wegelagerer und Volkshelden Ned Kelly.

Andreas Fröhlich  von den Drei ??? erzählt die Kulturgeschichte Australiens spannend wie einen Krimi. 2010 wurde er als  „Bester Interpret“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

Wer mag, kann die Australien hören hier* direkt bestellen.

* Durch den Kauf über den Referral Link, den ein Sternchen markiert, kannst Du unabhängigen Journalismus  unterstützen und ReiseSchreibe.de werbefrei halten. Für Dich entstehen keine Mehrkosten. Ganz herzlichen Dank – merci!

Verwandte Artikel:

Ein Gedanke zu „Melbourne: Auf den Spuren der Ureinwohner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.