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Wellness auf Bali: Wohlbefinden mit Blüten

Die Füße ruhen in einem duftenden Meer. Bunte Blüten bedecken die Zehen: Hibiskus, Frangipani, Jasmin und Plumeria. Das Wasser in der Tonschale ist handwarm, weich. Ätherische Öle lösen Verspannungen. Ein Body-Scrub mit feinem Korallensand entfernt abgestorbene Haut und Schwielen. Mit einer Fußwaschung beginnt jede Massage auf Bali.

Auf der 5.800 Quadratkilometer großen Insel vor der Ostküste Javas boomen Beauty- und Spa-Angebote. Alljährlich zum Herbst locken balinesische Hotels mit neuen Verwöhnprogrammen für Körper, Geist und Seele. Doch bei den Inhalten vertrauen alle Wellness-Angebote den natürlichen Schätzen der “Insel der Götter”: der sinnlich-tropischen Atmosphäre, traditionell überlieferten Techniken, pflanzlichen Ingredienzen.

Sportlichere Entspannung bietet ein dichtes Netz an Wanderwegen durch Reisterrassen, Regenwälder und die vulkanische Bergwelt des Mount Agung (3.142 Meter) im Innern. In Einklang mit diesem Ambiente stehen die Unterkünfte in landestypischer Architektur, der zuvorkommende Service und eine Küche, die mit west-östliche Kompositionen den Gaumen kitzelt.

Natur-Spa bei Banjar: die heiligen heißen Quellen von Air Panas

Bei Pemuteran liegt das neueste Paradies für Erholungssuchende. Ein Tor aus hellem Sandstein, üppig mit balinesischer Steinmetzkunst verziert, öffnet den Blick in einen tropischen Garten. Leise plätschern Wasserspiele. Beim Bau des Parwathi-Spa wurde bewusst die Architektur königlichen Wasserpalästen nachempfunden. Wasser und Erde als Orte der Entspannung und Inspiration – diese Prinzip prägt das Matahari Beach Resort an der Nordküste Balis.

Sukha- und Sthira- Massagen reflektieren die ewigen kosmischen Gegensätze, deren Einflüssen jeder Mensch unterworfen ist: entspannend und revitalisierend, zart und kräftig, weiblich und männlich, Yin und Yang. Oberstes Ziel ist der Ausgleich, Gleichklang, Harmonie. “Sukha” entspannt den Geist, versetzt mit kaum spürbaren Berührungen in den Zustand tiefster Ruhe und Ausgeglichenheit. “Sthira” baut Stress und Anspannung ab und stärkt so Körper und Geist.

Matahari Beach Resort: die Mitarbeiterinnen des Parwathi Spa tragen traditionelle Kleidung

Mit rhythmischen Berührungen wird das Gleichgewicht der Energien im Körper hergestellt. “Relax. Entspannen Sie sich. Atmen Sie tief aus.” Nicht nur Luft holen, sondern Atem erleben. Ausatmen, während zwei Hände den Brustkorb auf die Liege pressen, loslassen. Sekunden in Stille. Von den Schultern her räumen gleichmäßig streichende Bewegungen Energieblockaden fort.

Vier Hände gleiten parallel auf und ab, drücken Nervosität und Anspannung zu beiden Seiten aus dem Rücken heraus. Simultan ziehen die beiden Masseurinnen jeden einzelnen Finger lang, rollen mit ihren feinen Fingern am Nacken entlang, die Beine hinab, bis zu den Fußspitzen.

Eine Stunden lang streichen ihre Hände am ganzen Körper entlang, heben die Grenze zwischen Körper und Geist auf. Schwerelos, leicht scheinen die schweren Knochen, leicht und frei die Gedanken, losgelöst von allem, unterwegs zwischen Emotion, Erinnerung, Entspannung. Tiefe Ruhe, gepaart mit glasklarer, fast überdeutlicher Wahrnehmung jedes Atmens, jeder Berührung, der kaum hörbaren Gamelan-Klänge im Hintergrund. Die Seele träumt.

Vor jeder Anwendung im Parwathi Spa steht ein Fußbad.

Bei der Synchronmassage verschmelzen die Bewegungen zu einem großen Fluss, der den Stress “fortschwemmt”, den Körper mit Wärme durchflutet. Anders als bei westlichen Massagen, wird der Körper bei einer traditionellen Bali-Massage gestreckt und gedehnt, und nicht durchgeknetet. Nur gelegentlich halten die fließenden Bewegungen inne, drücken kräftig auf kleine Energiezentren zwischen Scheitel und Sohle: auf der Stirn, in der Handinnenfläche, unter den Achsel, am Steiß, am Knie, am Knöchel.

Die Stimulierung dieser Druckpunkte wirkt auf die Meridiane und regt, ähnlich wie Akupressur, den Energiefluss im Körper an. Lähmungen, Fieber, Kopfschmerzen, selbst epileptische Anfälle kann diese sanfte Massage heilen oder lindern.

Die Essenzen der Massageöle werden aus Pflanzen gewonnen, die im Lande wachsen: Sandelholz und Zitronengras, Ylang-Ylang und Ingwer, Lotus und Lavendel. Einige Ölmischungen sind speziellen Körperbereichen vorbehalten. Behandelt wird in solo oder paarweise mit Partner, in intimen Separees, geräumigen Suiten – oder open air, mit Aussicht auf das Meer.

Das Pita Maha Resort & Spa verstekt sich im Grünen.

In Ubud, der Stadt der Künstler, öffnet sich der Blick vom Spa des Pita Maha Resort & Spa  auf eine steile Schlucht. Tief unten im Tal rauscht der Oos-River, ringsherum umhüllt ein Regenwald mit Palmen, Bougainvillea und baumhohen Weihnachtssternen das hölzerne Himmelbett. Im Four Seasons Resort Jimbaran Beach, das seinen Wellness-Bereich kürzlich auf 1.000 Quadratmeter erweiterte, prasseln “rain shower” von der Decke, Regenschauer simultan zur Massage.

Heimische Gewürze liefern die Grundlage für den Bali Body Scrub. Zu Pulver gerieben, soll ein Peeling mit Tamarinwurzel die Haut verjüngen; der Mix aus Ingwer, Nelken und Muskat als “Boreh” die Muskeln lockern und den Blutkreislauf antreiben. Ebenso exotisch: die Body-Packung aus frischen Bananenblättern.

Pita Maha Resort & Spa: der Quellwasserpool.

Eine Massage auf Bali ist nicht in 20 Minuten vorbei. Zwei bis drei Stunden Zeit sollte man sich nehmen. Wer das traditionelle Hochzeitsritual bucht, wird acht Stunden lang verwöhnt. Ebenfalls mehrere Stunden dauert das traditionelle “Mandi Lulur”, für viele der Höhepunkt balinesischer Massagekunst. Kräftig wird der Körper mit Kräutern abgerubbelt. Das entgiftet und belebt.

Die Haut prickelt, pulsiert, glüht von der Reibungswärme. Eine  Ganzkörperpackung aus Joghurt kühlt – und korrigiert den ph-Wert der Haut. Als rituelle Reinigung folgt das balinesische Blütenbad; mit 37 Grad genau auf die Körpertemperatur des Menschen abgestimmt. Frisch gepresster Kräutersaft stärkt von innen für das, was folgt: eine Gesichtsmassage, so unmerklich sanft, dass man entschlummert.

Großzügig & Infinity am Rand: der Quellwasserpool.

An der Küste ergänzt die Heilkraft des Meeres die ganzheitlichen Anwendungen. Das “Ocean Ritual” beginnt mit einer Öl-Massage, gefolgt von einem Meersalz-Peeling. So gesäubert, ist der Körper aufnahmebereit für eine hellgrüne Paste, die Zentimeter dick die Haut bedeckt. Diese Packung, die erst im warmen Licht der Sonne ihre gesundheitsfördernde Wirkung voll entfalten kann, besteht aus Seealgen.

Grün und groß, oder klein und rot, werden die Algen rund um die Insel Nusa Lembongan in knietiefen Wasser angebaut. Nach einem Monat werden die jungen Triebe geerntet und auf Matten aus Palmenwedeln drei Tage lang in der Sonne getrocknet.

Auf dem Massagedeck des Nusa Lembongan Resort, hoch oben in die Klippen der Küste gebaut,  zerstößt eine feingliedrige Masseurin die fahlen Pflanzen geschickt und schnell zu feinstem Pulver, mengt grobes Meersalz darunter, dann ein wenig Öl. Diese Algenpackung soll den Körper entschlacken, rheumatische Schmerzen lindern und das Gewebe straffen. Meeresalgen sind in ihrer Zusammensetzung der menschlichen Zelle sehr ähnlich.

Sie speichern die Mineralstoffe und Spurenelemente, die im Meer enthalten sind. Sobald Wärme einwirkt, geben sie diese Wirkstoffe ab, “füttern” das Gewebe, ziehen überschüssiges Wasser ab und machen die Haut weich wie in Kindertagen.

Doch auch auf Bali beginnt die Entspannung des Körpers mit der Kontrolle des Geistes: mit Yoga am Morgen, Meditation zur Massage, Musik. Seit altersher wird das Wissen um die Wege zum Wohlbefinden von Generation zu Generation weiter vererbt und praktiziert. Von Geburt an werden Kinder von ihren Müttern massiert.

Noch bevor die Kleinen in die Schule kommen, lernen sie, mit gezielten Griffen sich selbst und andere von Schmerzen oder Spannungen zu befreien. Massage ist Alltag, allgegenwärtig. Auch, wenn keine Kurse besucht, keine Ausbildung nach westlichem Anspruch abgelegt wurde, bringt auf Bali selbst der Verkäufer, der mit “free massage” nicht nur in Kuta Kunden in seinen Shop locken will, erstaunliche Grundkenntnisse mit.

In den Spas wurde fernöstliches Wissen längst mit westlichen Methoden vertieft. Heiler aus Australien und Schamanen aus Amerika wurden als Trainer geladen; Kurse und Crash-Seminare machten manch balinesischen Masseur mit westlicher Badekultur bekannt.

Auf Bali wird Wellness zur Weltreise ins Wohlbefinden. Nur hier gibt es das “Mandara”. Diese Massage vereint sechs verschiedene Therapien. Chinesische Akkupressur, indisches Ayurveda, Thai-Massagen, hawaiianisches Lomi Lomi –  das gesamte Wellness-Wissen des Pazifik, eingebunden in die Tradition Balis: einfach paradiesisch.

IND/Bali/Ubud: Pita Maha Resort, Wellness-Ingredienzien

Wellness mit Blüten: Infos

REISEZIEL

Bali, die “Insel der Götter”, liegt vor der Ostküste Javas. Das 5.800Quadratmeter große Eiland zählt den wichtigsten und meist besuchtesten Feriengebieten Indonesiens. Ausgedehnte Reisterrassen prägen das bergige Landesinnere. Höchster Gipfel ist der Agung (3.142 Meter). Die schönsten Badestrände liegen bei Kuta, Sanur, auf den Inseln Nusa Dua und Nusa Lembongan sowie an der Nordküste. Die hinduistische Kultur durchdringt Alltag und Kultur; ist mit mehr als 10.000 Straßenaltären und Tempeln allgegenwärtig.

ANREISE

Garuda Indonesia fliegt dreimal wöchentlich in rund 14 Stunden  nach Denpasar, davon zweimal nonstop, einmal mit rund einstündigem Zwischenstopp in Bangkok. Tickets in der Economy Class gibt es ab 1399 DM, in der Premium Economy mit Business-Sitzen und Basis-Service ab 2309 DM. Zweihundert Mark günstiger sind die Flüge mit Royal Brunei Airlines. Im Oktober 2000 eröffnete ein Flugfeld bei Pemuteran an der Nordküste. Seitdem kann – als Alternative zur dreistündigen Transfer per Bus – ein 40-minütiger Shuttle mit kleinen Cessnas gebucht werden. Verschiedene Reiseveranstalter bieten Komplettpakete an.

EINREISE

Bei einem Aufenthalt bis zu 60 Tagen genügt ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist.

UNTERKUNFT

Der Mindestaufenthalt in den meisten Wellness-Hotels mit Spa beträgt drei Nächte. Die Übernachtungspreise reichen von 70 DM pro Person im einfachen Doppelzimmer ohne Klimaanlage bis zu mehr als 1000 DM für eine Suite im luxuriösen Fünfsterne-Resort. Eintägige Wellness-Arrangements kosten zwischen 220 und 450 DM, eine einstündige Ganzkörpermassage gibt es im Spa ab 80 DM, am Strand ab 50 DM.

GESUNDHEIT

Es sind keine Impfungen erforderlich. Mückenschutz und Sonnencreme mit mindestens LSF 15 gehören unbedingt ins Gepäck. Übliche Medikamente gegen Kopfschmerz, Durchfall o.ä sind den zahlreichen Apotheken vor Ort erhältlich, Kondome hingegen kaum.

WÄHRUNG

Zahlungsmittel ist die Indonesische Rupie. 1 DM = ca. 3.600 Rupien. Euroschecks werden nicht akzeptiert, gängige Kreditkarten nahezu überall.

ZEITUNTERSCHIED

Im Winter: Mitteleuropäische Zeit plus sieben Stunden.

SPRACHE

Amtssprache ist Bahasa Indonesia; gesprochen werden rund 200 verschiedene regionaler Dialekte. Englisch ist als Handels- und Geschäftssprache weit verbreitet.

REISEZEIT UND KLIMA

Auf Bali ist das ganze Jahr Saison. Die Trockenzeit dauert von März bis November, die Regenzeit von Dezember bis Februar. Das Klima ist tropisch mit Tagestemperaturen von 22 Grad (morgens) bis 35 Grad (mittags) bei hoher Luftfeuchtigkeit.

INFORMATIONEN

Das offizielle Indonesische Verkehrsamt in Frankfurt wurde aufgelöst. Informationen erteilen jetzt die Indonesische Botschaft.

Dieser Beitrag lief über den Ticker des gms-Themendienstes der dpa und wurde von zahlreichen Tageszeitungen veröffentlicht. Spiegel Online publizierte den Artikel aktualisiert 3. Juni 2002

Pure Romantik: Jimbaran Beach

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