Broken Hill: Outback ganz einfach

Australien ist nicht nur Sydney, Ayers Rock und Great Barrier Riff. Wer das echte, unverfälschte Outback erleben will, wird rund um die Bergbaustadt Broken Hill mit unvergesslichen Eindrücken belohnt.

Stopp. Die Reifen rutschen auf dem Schotter. Fast hätte Jason Cox mit seinem Geländewagen einen Bearded Lizard überfahren. Als der 40-jährige Guide aussteigt, stellt die Echse ihren gezackten Kragen auf, faucht, zeigt ihre Zähne. Schwarz leuchtet die Zunge im gleißenden Licht.

Unterwegs im „Accessible Outback“, dem Hinterland der Bergbaustadt Broken Hill. „Never never“ nennen die Australier dieses Niemandsland im Nordwesten von New South Wales, diesen weißen Fleck auf der touristischen Landkarte.

1.200 Kilometer bis Sydney, 520 Kilometer bis Adelaide, 200 Kilometer bis Wilcannia. Und kommt einmal ein Dorf – mit Post, Pub, Tankstelle und Krämer – steht auf dem Ortsschild: Olary. Population: sechs Einwohner.

Eine wirkliche Stadt ist nur Broken Hill. Als Gründer gilt der deutschstämmige Grenzreiter Charles Rasp, der 1883 auf einer Felsnase, die er als „broken hill“ bezeichnete, über einen Silberklumpen gestolpert war. „The Hill“ erwies sich rasch als größtes Silber-, Blei- und Zinkvorkommen der Welt.

Broken Hill, die Silberstadt des Outbacks. Foto: Hilke Maunder
Broken Hill, die Silberstadt des Outbacks. Foto: Hilke Maunder

Unter Tage in der Silver City

Im Jahr 1900 holten fast 10.000 Bergleute aus 16 Minen 500.000 Tonnen Erz aus dem Boden – pro Mann knapp 50 Tonnen. „Heute fördern 400 Männer in der letzten operierenden Mine rund 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr,“ sagt Richard Murphy. 37 Jahre stemmte er mit seinem Kumpel das Erz aus dem Fels, ehe er arbeitslos wurde und jetzt, 59-jährig, Touristen durch das Besucherbergwerk Delprat’s Underground Mine führt. Für die modernen Minenarbeiter hat Murphy nur Verachtung übrig. „Die sitzen in klimatisierten Fahrzeugen, hören Musik und bedienen ein paar Knöpfe – das sind doch „Hollywood Miners“, keine Männern wie wir.“ Unter dem blauen Hemd spannen sich stolz seine Muskeln.

Outback erleben: Delprat's Underground Mine. Foto: Hilke Maunder
Murphy bei einer Frührung durh Delprat’s Underground Mine. Foto: Hilke Maunder

Delprat’s Mine liegt mitten auf der Line of Lode, einer sieben Kilometer langen Abraumhalde, die seit mehr als 100 Jahren die Stadt teilt. Auf ihrem höchsten Punkt erinnert das Miners Memorial an verunglückte Bergleute. Das benachbarte Besucherzentrum gilt als trendiger Treff für Gourmets: Hier serviert das Broken Earth Cafe  kulinarische Köstlichkeiten, die kreativ die Küchen der Welt mit regionalen Wurzeln kombinieren.

Breite Panoramafenster eröffnen neue Aussichten auf die Bergbaustadt, die angesichts schrumpfender Erzvorräte den Tourismus als neue Einnahmequelle entdeckt hat. So erschließt mittlerweile ein Heritage Trail das Bergbauerbe, hat der Schweizer Fritz Angst einen historischen Pub jüngst in das Art Deco-Juwel The Royal Exchange Hotel  verwandelt. Die Royal Flying Doctors und die School of the Air laden zu Führungen, mehr als 30 Galerien zum Entdecken der Kunstszene.

Verlassenes Bergbau-Erbe im Outback: der Thomson Shaft von Broken Hill. Foto: Hilke Maunder
Verlassenes Bergbau-Erbe im Outback: der Thomson Shaft von Broken Hill. Foto: Hilke Maunder

Inspirationsquelle Outback

Mehr als 30 Kreative haben sich hier niedergelassen, angelockt von dem einmaligen Licht und der unglaublichen Klarheit des Himmels. Kevin „Bushy“ White setzt gemahlene Mineralien zu Genrebildern zusammen; Pro Hart, einer der bekanntesten Künstler Australiens, kreierte mit einer Ameise aus Stahl ein Symbol für die Schufterei im Stollen. Peter Andrew Anderson gestaltete auf 12 mal 100 Metern die Umgebung von Broken Hill als „Big Picture“. Authentische Kunst der Aborigines zeigt das Selbsthilfeprojekt Thankakali Aboriginal Art Centre.

Indigene Outback-Kunst: Irene Kemp vor der Thankali Aboriginal Gallery mit einem ihrer Werke
Irene Kemp vor der Thankali Aboriginal Gallery mit einem ihrer Werke

1993 lud Broken Hill zum Bildhauersymposium, zahlte Flug und Unterkunft und ließ zwölf Künstler im Outback arbeiten. Ihre Werke bilden heute den Living Desert Sculpture Site. Von Ocker bis Tiefrot leuchten die Sandsteinskulpturen im Licht der untergehenden Sonne. Staubig-grüne Salzbüsche, stachelige Akazien und 300 Jahre alte Eukalyptusbäume bedecken die Ebene. Kamele grasen in einem ausgetrockneten Creek. Krähen hocken neben Känguru-Kadavern am Straßenrand. Auf einem abgestorbenen Baum hat ein Adler seinen Horst gebaut. Schotter staubt auf der Straße nach Silverton.

Kunst im Outback: der Living Desert & Sculptures Site von Broken Hill. Foto: Hilke Maunder
Kunst im Outback: der Living Desert & Sculptures Site von Broken Hill. Foto: Hilke Maunder

Kulisse für Kultfilme

Die Geisterstadt, um 1885 Boomtown der Goldgräber, ist eine beliebte Kulisse für Kinofilme: „A Town like Alice“ und „Priscilla Queen of the Desert“ wurden hier gedreht. Vor dem Silverton Hotel steht verlassen der schwarze Bolide aus „Mad Max 2“.

„Das Outback ist mehr ein Gefühl als ein Ort“, sagt Jason Cox, 36-jähriger Guide der Broken Hill’s Outback Tours, und startet zur einer Tour durch das Hinterland von Broken Hill.

Drehort im Outback: das Silverton Hotel und Bolide aus "Mad Max". Foto: Hilke Maunder
Drehort im Outback: das Silverton Hotel und Bolide aus “Mad Max”. Foto: Hilke Maunder

Als nach 255 Kilometern gen Nordosten das weite Buschland hügeliger wird, erhebt sich ein verwittertes Ortsschild in der flimmernden Luft: Welcome to White Cliffs. Zwischen vier Hügeln bedecken 50.000 helle, weiße Krater den Boden – das größte Opalfeld Australiens.

Wie man in dieser unwirtlichen Gegend lebt, zeigt Jock Goldsmith, ein verschrobener Kauz von 58 Jahren. Wortgewaltig wandert er durch sein Dugout, seine verzweigte Höhlenwohnung in Turley‘s Hill, philosophiert, nuschelt und verschluckt, dass es selbst für Einheimische schwierig ist, ihn zu verstehen. Drinnen herrschen konstant 22 Grad, draußen lassen seine Geranien trotz regelmäßigen Gießens bei 40 Grad im Schatten ihre Köpfe hängen.

White Cliffs: Opal-Abbau. Foto: Hilke Maunder
White Cliffs: Opal-Abbau. Foto: Hilke Maunder

Prähistorische Hände der Aborigines

Überraschend grün inmitten der ausgedörrten Bynguano Range ist der 140.000 Hektar große Mutawintji National Park. Eigenartige Felsformationen umgeben das alte Lager der Aborigines. Hell heben sich unter vier Felsüberhängen große und kleine Handzeichnungen der Ureinwohner vom roten Gestein ab. Der Wanderweg durch den Homestead Creek endet an vor zerklüfteten Felsen. Dunkel und kühl verstecken sich die Wasserlöcher, tief genug für ein Bad, vor der Hitze in Felsnischen.

Handzeich(nung)en der Aborigines im Mutawinji-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder
Handzeich(nung)en der Aborigines im Mutawintji-Nationalpark. Foto: Hilke Maunder

Wem nach einem richtigen Bad ist, muss zu den Menindee Lakes fahren. Sieben natürliche und zwei künstlich angelegte Seen, über Kanäle mit dem Darling River verbunden, bilden eine Seenplatte, deren Oberfläche bei optimalen Verhältnissen sieben Mal größer ist als Sydney Harbour. 197 verschiedene Vogelarten – Fischadler, Pelikane, Enten und Reiher – tummeln sich auf den flachen Fluten, waten zwischen abgestorbenen Baumstümpfen und Schilf und rasten auf den Stränden. Jason holt seine Angel, Klappstuhl und Kühlbox aus dem Wagen.

„Hier kann man die Hektik völlig vergessen. So nah ist man der Natur selten“, sagt er, schenkt etwas Tee aus der Thermoskanne in die Tasse, und lässt seine Schnur weit über den See gleiten. Nur das raue, laute Lachen der weiß gefiederten Kookaburras unterbricht die Stille.

Dieser Beitrag ist am 26./27. September 2003 im Wochenendjournal vom Handelsblatt erschienen. 

Outback-Fauna: Pelikane auf dem Lake Menindee. Foto: Hilke Maunder
Pelikane auf dem Lake Menindee. Foto: Hilke Maunder

 

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Kunth: die schönsten Reiseziele Australien / NeuseelandModerne Metropolen wie Sydney und Melbourne, Wildnis und Weite wie das legendäre Outback, Naturwunder wie Uluru und Great Barrier Reef, das größte lebende Korallenriff der Erde: Die Vielfalt der faszinierenden Reisemöglichkeiten zeigt mein Bildlexikon Die schönsten Reiseziele Australien / Neuseeland / Ozeanien* aus dem Kunth-Verlag.

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Unterwegs in Australien„Unterwegs in“ nennt der Kunth-Verlag seine Reihe, deren Werke Bildband, Reiseführer und Atlas vereinen. Australien ist mein Werk. Es eine opulente Reiseenzyklopädie, die umfassende Orientierung und kompaktes Wissen bietet.

Der bilderreiche und informative Hauptteil ist nach Regionen bzw. nach Reiserouten gegliedert und beschreibt die schönsten Plätze, die ihr gesehen haben müsst. Von mir stammt der Band Unterwegs in Australien*. Wer mag, kann ihn hier* direkt bestellen.

Im Hamburger Silberfuchs-Verlag erschien meine klingende Zeitreise durch die Kulturgeschichte Australiens. Beim Zuhören folgt ihr den Legenden der Ureinwohner und den Spuren der weißen Siedler. Ihr entdeckt unter den Felsen von Kakadu eine Freiluftgalerie der Vorzeit, erlebt in Port Arthur als Strafgefangene die Hölle auf Erden, grabt in Victoria nach Gold und begegnet in den australischen Alpen dem Wegelagerer und Volkshelden Ned Kelly.

Andreas Fröhlich  von den Drei ??? erzählt die Kulturgeschichte Australiens spannend wie einen Krimi. 2010 wurde er als  „Bester Interpret“ mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet.

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