2003AsienJordanien

Schlamm, Salz & Sauerstoff: Wellness am Toten Meer

Aus aller Welt kommen sie hierher, um Haut, Knochen, Gelenke und die Seele zu heilen: Das Tote Meer ist ein Jungbrunnen des Lebens. 400 Meter unter dem Meeresspiegel treiben Badende auf der Wasseroberfläche des Binnensees, lesen entspannt Zeitung – und tanken dabei Haut und Körper mit einem Energiemix auf, der einzigartig ist.

Mehr als 40 Milliarden Tonnen Mineralien sind im Toten Meer gelöst. Sein Magnesium wirkt antiallergisch und verzögert die Hautalterung. Kalzium verbessert die Blutzirkulation und kräftigt Knochen und Nägel. Brom entspannt die Muskeln, Kalium reguliert die Hautfeuchtigkeit, Schwefel entgiftet und stärkt das Gewebe.

Der hohe Salzgehalt von 28,5 Prozent – acht Mal wo viel wie der Atlantik – macht den Körper schwerelos, die Gelenke wieder beweglich und lindert Hautkrankheiten wie Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis. Darüber hinaus enthält das Tote Meer 50 Mal so viel Brom wie jedes andere Meer der Welt – das ist gut für die Nerven und trägt zur Entspannung von Körper und Seele bei.

Nicht nur im Wasser, auch an Land wird man wieder fit. Die pollenarme Luft, vollgepackt mit reinstem Sauerstoff, lässt Allergiker aufatmen. 360 Tage im Jahr knallt die Sonne vom Himmel. Doch selbst stundenlanges Sonnenbaden ist völlig ungefährlich: Der Dunstschleier, der durch die hohe Verdunstung stets über dem See schwebt, filtert die schädlichen kurzwelligen UVB-Strahlen heraus.

So gelangen nur langwellige UVA-Strahlen zu den Kieselstränden am See hinunter. Am tiefsten Punkt der Erde kommt der Körper in Hochstimmung. Tagtäglich produziert er Adrenalin, Cortison und Endorphine – lauter Glücksstoffe und Schmerzkiller.

Wen wundert es da, dass Wellness und Beauty am Toten Meer boomen. Auf israelischer Seite hat sich im hochmodernen Bade- und Kurort En Boqeq, dessen Name auf eine Heilquelle zurückgeht, die Zimmerkapazität binnen vier Jahren auf 3200 verdreifacht. Ruhiger, entspannter und stilvoller geht es auf jordanischer Seite zu.

Das Mövenpick Dead Sea Resort & Spa, 1998 eröffnet, gleicht einer kleinen arabischen Stadt. In der Lobby des Hauptgebäudes, das die Fünfsterneanlage von der Straße abriegelt, plätschert ein Wasserfall. Er ergießt sich in einen Bach, der sich durch ein Tal blühender Gärten schlängelt, bis er die zentrale Plaza mit mehreren Restaurants und Shops erreicht.

Zwei Gassen mit Häusern aus hellem Lehm, verschachtelt und voller Balkone und Balustraden, Treppen und Tore, säumen seinen Lauf: 359 idyllische Unterkünfte, abgeschieden und ruhig. Hier und da blüht Oleander in Tonkübeln vor der Tür.

Tagsüber wirkt die 70.000 Quadratmeter große Anlage ein wenig verwaist. Denn die Gäste machen hier vor allem eines: ausruhen. Das Badetuch in der Hand, wandern sie zu den Liegestühlen der künstlich angelegten Salzlagune oder den Klippenweg hinab zum gesunden Nass und kraxeln lachend über salzverkrustete Steine ins Wasser. Nur wenige wählen den sicheren Steg.

Als erstes überrascht die Wärme, dann die ölige Konsistenz des Wassers. Schwimmen ist schwierig – zu stark ist der Auftrieb. Jeder Schritt wird zum Balanceakt. So ist Müßiggang angesagt, sanftes Treiben auf dem Wasser. Die Augen schließen, schweben, träumen, entspannen.

Das ist auch das Anliegen eines arabisch inspirierten Bau hoch auf den Klippen der Felsenküste. Dort, wo das Mövenpick Resort ans Meer grenzt, liegt eine der größten Wellness-Oasen im Nahen Osten: das 6.000 Quadratmeter große Zara Spa. Mehr als 60 Kurleistungen, Heilbehandlungen und Gesundheitsprogramme für Körper, Geist und Seele bieten Tanya und Allan Wheway hier an: Schlammpackungen mit Seesalz, Kräutern oder Anti-Cellulite-Ölen, Salzpeeling, Schwimmen im Thermarium und salzigem Hydropool – sowie ein wahres Menü an Massagen.

Mal wird der Körper bei einer Hammam Seifen-Massage traditionell arabisch, dann wieder schwedisch, Punkt für Punkt oder mit Shiatsu bearbeitet, vibriert, unter Wasser bestrahlt – oder nur die Füße nach Kneipp geknetet. Am frühen Abend ist der Whirlpool auf der Terrasse des Spas bis auf den letzen Platz besetzt – für viele Gäste ist er der schönste Schau-Platz beim Sonnenuntergang.

Ebenfalls auf Beauty und Wellness setzt das Jordan Valley Marriott Resort, das im Sommer 2002 eröffnete. Auch an diese Fünfsterneanlage mit 233 Zimmern und 18 Suiten ist ein Heilbad angeschlossen. Hier sorgen fünf Bereich für Wassertherapie, acht Massage- und Kosmetikareale, zwei Dampfbäder, Saunen und Schlammsaunen so Salzwasserbäder und drei Whirlpools für Entspannung und Wohlbefinden.

Im Schönheitssalon – für Männer und Frauen – findet das Wellnessprogramm seinen krönenden Abschluss. Zahlreiche Kosmetika, die hier verwendet werden, haben regionale Wurzeln: Badesalze, Shampoos, Seifen, Gesichtsmasken und Hautcremes – gewonnen aus dem Wasser und Schlamm des Toten Meeres.

Als Nummer drei zog das Hotel Ishtar der Kempinski-Gruppe an die Nordostküste. 2006 zunächst als Boutique-Resort mit luxuriösen Villen inmitten eines schön angelegten Gartens mit Lagunen, Wasserfällen und acht Swimmingpools, 2007 folgte das imposante Haupthaus mit 201 Zimmern sowie das 10.000 qm große Ananantara-Spa.

Während in den drei Nobelherbergen eher gesunde Gäste die Ferien verbringen sollen, heißt das Dead Sea Spa Hotel bewusst auch Kranke willkommen. Der Grund: Zur Anlage des Viersternehotels gehört das Dead Sea Spa Medical Center, eine modern ausgestattete Fachklinik für Gelenkbeschwerden und Hautkrankheiten.

Das medizinische Zentrum verfügt neben dermatologischen Behandlungsräumen unter anderem über Einrichtungen für Mikrowellen- und Ultraschalltherapie, Krankengymnastik, Massagen und Schlammpackungen. Deutsch sprechende Fachärzte kümmern sich sieben Tage die Woche um ihre Patienten.

Wer sich nicht nur bei Wellness verwöhnen möchte oder faul am Pool liegen will, kann schon in nächster Nähe auf den Spuren einer Jahrtausende alten Kultur wandeln. Nur wenige Kilometer nordöstlich des Toten Meeres liegt bei Bethany beyond Jordan die einstige Wirkungsstätte von Johannes dem Täufer.

In dem weit verstreuten archäologischen Areal wurden bereits gut erhaltene Taufbecken, zahlreiche Kirchenfundamente und ausgezeichnet erhaltene farbige Mosaike freigelegt. Die Hauptstadt Amman, der Mosesberg Nebo und die Ruinen der Nabatäerstadt Petra sind beliebte Ziele bei Tagesausflügen.

Auch im Tal der schwefelhaltigen Quellen: diese Moschee

Aktivere zieht es ins südlich gelegene Mujib Biosphere Reserve. Wandernd und schwimmend kämpfen sie sich sechs Stunden lang durch die steilen Schluchten des Wadi Mujib Canyons, kühlen sich unter einem Wasserfall ab und kehren auf dem Rundweg zum Toten Meer zurück.

Eine zweite Tour führt nördlich den Zarqa Mai’in River hinauf. Das Ziel: die Schwefel-Quellen von Hammamat Ma’in. 109 Quellen, manche bis zu 62 Grad Celsius heiß, sprudeln über riesige Felsblöcke, bilden kleine Pools, stürzen als Wasserfälle senkrecht oder ins Kaskaden die steile Schlucht hinab.

In einigen Becken stehen kleine Bänke aus Stein: Kraftvoll prasseln die Fluten auf die Schultern, massieren Rücken und Nacken. Schon die Römer genossen die heilende Wirkung der Thermalquellen. Heute bildet hier ein einziges Hotel den „Kurort“.

Dieser Beitrag ist 2003 im Handelsblatt erschienen. 

Baden im Wasserfall vonHammamat Ma’in

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