2004DänemarkEuropa

Djursland: Kinderferien bei Hai und Bär

Djursland ist Jütlands „Nase“: eine kompakte Halbinsel am Kattegat, die auf kleinstem Raum alles besitzt, was abwechslungsreiche Familienferien garantiert: Ferienhäuser jeden Standards, kinderfreundliche Sandstrände und vielfältige Erlebnisse für Groß und Klein.

„Und wenn das Glas bricht?“ So ganz geheuer ist Lara der Tunnel im Kattegatcenter von Grenå nicht: Nur sechs Zentimeter Glas trennen das kleine Mädchen von den Giganten der Meere, die über ihr im Haifischbecken schwimmen: drei Meter lange Sandtigerhaie und riesige Rochen – hautnah. Erst, als die Dreijährige einen Taucher im Wasser entdeckt, weicht die Anspannung.

Der Mann in Neopren füttert die Großfische und greift dann zum Mikro: Anschaulich erzählt er den Kindern, wie Haie leben und jagen, und beantwortet ihre Fragen. Noch näher ran geht’s zwei Mal täglich im Oceanarium-Becken. Nach einer kurzen Einweisung können Urlauber ab zwölf Jahren hier bei geführten Tauchgängen mit Dorsch, Steinbutt, Meeraal und Köhler das Wasser teilen. Die Leihgebühr für die Ausrüstung ist Preis enthalten.

Am Hafen von Grenå. Foto: Hilke Maunder

Seit Mai 1993 präsentiert das Kattegatcentret die Welt unter Wasser als multimediales Erlebnis für alle Sinne. So vermittelt eine Spezialbrille im 3D-Film zum Leben im tropischen Meer das Gefühl, sich auf dem Meeresboden zwischen Korallen und farbenprächtigen Fischen zu bewegen. Im Anfassbecken lassen sich Rochen und Stör, Seesterne und Krebse berühren.

Die Science-Ausstellung lädt ein, mit Wellen, Strömung und Schleusen zu experimentieren. „Sally“ und andere Seehunde tummeln sich in der Lagune und zeigen bei der täglichen Fütterung um 12 Uhr kleine Kunststücke.

Scandinavisk Dyrepark: Im Damwild-Gehege sind Füttern und Streicheln erlaubt! Foto: Hilke Maunder

Von Bären und Kaninchen

Deutlich mutiger ist Lara im Skandinavisk Dyrepark. Immer wieder läuft sie den Bärensteg entlang und beobachtet fasziniert, wie zwei junge Bären im See miteinander kämpfen. Kein Glas, kein Zaun, trennen das Mädchen von den brauen Gesellen im Bärenpark. Vom Steg im Wolfspark entdeckt Lara die Verstecke der Wölfe – und blickt direkt einer Wolfsmutter in die Augen.

Südamerika in Djursland – im Ebeltoft-Zoo mit Lamas und Alapaka-Schafen. Foto: Hilke Maunder

Polarfüchse und Rotwild leben auf offenen Wiesen, Elche, Füchse und Rehe im offenen Wald. 300 Tiere und Vögel aus 20 nordischen Arten haben im 30 Hektar großen, privaten Tierpark ihre Heimat. Geduldig lässt sich das Damwild von Lara streicheln.

Action und Exoten verbindet Ree Park – Ebeltoft Safari. Auf dem Rücken von Åke, dem Kamel, hat Lara den besten Überblick über die 120 Tierarten, die der private Zoo aus den vier Kontinenten Afrika, Asien, Europa und Südamerika zeigt.

Gerade startet eine Jeep-Safari zu den großen Tieren der Savanne. Wenige Schritte vom Spielplatz entfernt präsentiert Falkner Hans die Flugkünste der bengalischen Ohreule Oliver und des Adlerweibchens Karen.

Ebeltoft Zoo: Falkner Hans präsentierte auch einen Bussard. Foto: Hilke Maunder

Im Kinderzoo streicheln Steppkes Zicklein und Kaninchen. Überall im Gelände tummeln sich Kapuzineräffchen. Was im Randers Fjords kreucht und fleucht, lässt sich im Fjordcentret Voer Faergested mit Aquascope und Kanu am und auf dem Wasser entdecken. In der Hauptsaison können Besucher dienstags bis freitags beim Einholen der Netze mithelfen.

Ein rund 100 Jahre alter Lokschuppen beherbergt das Djurslands Jernbane Museum. 2000 Exponate aus der Eisenbahngeschichte sind hier ausgestellt – persönliche Gegenstände von Reisenden ebenso wie das Kontor eines Stationsvorstehers aus Urgroßmutters Zeiten.

Am alten Bahnhof in Allingåbro darf Lara selbst ihr Gefährt zur Reise in die Vergangenheit auswählen: mit einer Draisine 27 Kilometer lang auf einstigen Eisenbahnschienen entlang ruckeln, im Oldtimerbus aus den 50-er Jahren kutschieren, mit dem Bummelzug zum Regenwald von Randers Regnskov fahren oder die Kinder-Minibahn steuern.

Am Abend lädt das Eisenbahnmuseum stilgerecht zur Nacht: mit einem Bett im Schlafwagen. In offenen Waggons ruckelt und rattert im kleinen Ort Stenvad die Schmalspurbahn „Törvegrisen“ 2,5 Kilometer lang zum Stenvad Mosebrugscenter. Das Erlebnismuseum im Moor, ein Beschäftigungsprojekt der Kommune Nørre Djurs, zeigt anschaulich, wie um 1914 Torf gewonnen und Torfbriketts hergestellt wurden – im „Kindermoor“ für den Nachwuchs zum Ausprobieren.

Ebeltoft: Fregatte Jylland, mit 61 m der größte Holzsegler der Welt. Hier:die Schiffsschraube, die zum Segeln hochgezogen werden konnte. Foto: Hilke Maunder

So wie dort lädt Djursland an vielen Orten zur Reise in die Vergangenheit. Nur Kanonendonner und Pulverdampf fehlen auf der Fregatte „Jylland“ – und natürlich der Seegang, denn das längste Holzschiff der Welt liegt in Ebeltoft im Trockendock und lässt sich in Kielhöhe von allen Seiten anschauen.

Auf dem Mannschaftsdeck schliefen 400 Mann. Wie sie einst in den Hängematten lagen, zu acht an der „Back“, den Holztischen, tafelten oder die 30 Kanonen auf dem Batteriedeck luden, zeigen 23 Figuren.

Auch der Königssalon, den die königliche Familie auf ihren Schiffsreisen bewohnte, wurde restauriert. Abends ziehen schwarz gekleidete Männer mit Schlagstock und Leuchte durch die Kopfsteingassen der Kleinstadt Ebeltoft.

Die Adelgade von Ebeltoft. Foto: Hilke Maunder

Nachtwächter in traditioneller Tracht. Während sie im 18. Jahrhundert stündlich die Straßen der Stadt patrouillierten und singend verkündeten, was die Uhr geschlagen hat, bildet ihre abendliche Runde heute den wohl stimmungsvollsten Abschluss eines Sommertages. Auch in der Vorweihnachtszeit ertönt der Gesang der Nachtwächter in den alten Gassen.

Det gamle Rådhus (Altes Rathaus) in der Adelgade von Ebeltoft. Foto: Hilke Maunder

Bei den „Abenteuernächten“ auf Clausholm Slot erhellt nur flackernder Kerzenschein die Gänge, Säle und Gemächer des Barockschlosses. Jedes Jahr im Juli erwachen hier, sobald es dunkel ist, Geister, Gespenster und andere übernatürliche Wesen. Auch die Tochter der Großkanzlers Conrad Graf Reventlow, Königin Anne Sophie, soll im Schloss umhergehen… Die Abenteuernächte enden mit einem Festfeuerwerk kurz vor Mitternacht.

DK/Djursland/Gammel Estrup: Herrensitz Gl. Estrup.

Wie unterschiedlich die Lebenswelten von Adel und Bauerntum einst waren, zeigen zwei Museen auf Gammel Estrup. Das Herrensitzmuseum präsentiert die Blütezeit des Adels während mehr als 600 Jahren; das Landwirtschaftsmuseum die weltgrößte Sammlung von Landwirtschaftsmaschinen.

In der Plantage wachsen fast vergessene dänische Apfelsorten, auf den Weiden grasen alte Haustierrassen von Ziegen, Schafen, Hühnern und Kühen. Von April bis September lockt Gammel Estrup fast jedes Wochenende mit Festen und Veranstaltungen – vom Kammermusikfestival und Wettbewerb im Pflügen bis zum Schafs- und Honigtag oder Erntefest.

Die Parkanlage des Herrensitzes Gammel Estrup. Foto: Hilke Maunder

Plötzlich wird Lara aufgeregt. Sie hat das Djurs Sommerland entdeckt, Dänemarks größten Familienpark mit mehr als 60 Attraktionen – rasante wie die Achterbahn Thors Hammer, die mit Tempo 60 über Berg und Tal saust, und das Rafting auf dem Rio Grande – aber auch ruhige wie eine Partie Minigolf. Die Kleinsten fühlen sich in der Märchenwelt „Lilleputland“ wohl. Immer wieder dreht Lara eine Runde im neuen „Karlos ballongynge“-Karussell.

Auch eine richtige „Märchentante“ gibt es in Djursland: Benedicte Riis, besser bekannt als „Tante Andante“. In ihrem Haus am alten Festplatz von Ebeltoft zu Füßen der Marien-Mühle lädt die 51-jährige Musikpädagogin kleine wie auch ältere Kinder ein, ihrer Fantasie beim Malen, Musizieren oder Verkleiden freien Lauf zu lassen.

Brandungsangler am Strand von Boeslum. Foto: Hilke Maunder

Das schönste Ferienvergnügen findet Lara jedoch bereits wenige Schritte vom Ferienhaus entfernt: weiße Sandstrände und flache Fluten. An vielen Stränden weht die blaue EU-Umweltflagge als Zeichen für sauberes Wasser und gute Einrichtungen wie Toiletten und Duschen. Kormorane und Seeschwalben gleiten über das Meer.

In hohen Watstiefeln stehen Angler in der Brandung auf der Jagd nach Makrelen.Lara läuft die Küste entlang, sammelt Steine und lässt sie über das Wasser hüpfen. Dann verteilt sie ihre Kleidung im Sand und planscht in der Ostsee. Jetzt kann nicht einmal mehr die Aussicht auf ein Eis die Kleine aus dem Wasser locken.

Djursland: Boerslum-Strand – ein Naturstrand mit feinstem Ostseesand und Fischerbooten. Im Hintergrund: die Insel Hjelm. Foto: Hilke Maunder

Djursland: die Infos

Tiere erleben

Kattegatcentret

Faergevej 4
DK – 8500 Grenå
Tel. +45 86 32 52 00
www.kattegatcentret.dk

Skandinavisk Dyrepark

Nødagervej 67 B
DK – 8560 Kolind
Tel. +45 86 39 13 33
www.skandinaviskdyrepark.dk

Reepark-Ebeltoft Safari

Stubbe Søvej 15
DK – 8400 Ebeltoft
Tel. +45 86 33 61 50
www.reepark.dk

Fjordcentret

Voer Faergevej 123
DK – 8950 Ørsted
Tel. +45 86 48 96 85
www.fjordcentret.dk

Die Adelgade von Ebeltoft. Foto: Hilke Maunder

Ausflüge in die Vergangenheit

Jyllands Herregårdsmuseum (Jütlands Herrensitzmuseum)

Gammel Estrup
DK – 8963 Auning
Tel. +45 86 48 30 01
www.gammelestrup.dk

Det Grønne Museum

Randersvej 4
DK – 8963 Auning
Tel. +45 86 48 34 44
https://detgroennemuseum.dk

Clausholm Slot

Clausholmvej 308
Voldum
DK – 8370 Hadsten
Tel. +45 86 49 16 55
www.clausholm.dk

Fregatte Jylland

Strandvejen 4
DK – 8400 Ebeltoft
Tel. +45 86 34 10 99
www.fregatten-jylland.dk

Rundgang mit dem Nachtwächter

DK – 8400 Ebeltoft
19. Juni bis 14. August jeweils 20, 21 und 22 Uhr vom alten Rathaus

Djurslands Jernbanemuseum

Museumsvej 2
DK – 8550 Ryomgård
Tel. +45 86 39 59 11
www.djbm.dk

Djursland for fuld Damp (Djursland unter Volldampf)

Hovedgad 4
DK – 8961 Allingåbro
Tel. +45 86 48 04 44
www.dffd.dk

Stenvad Mosebrugscenter

Stendyssevej 14
DK – 8586 Ørum Djurs
Tel. +45 87 79 32 20
Fax +45 87 79 32 23
www.stenvadmosebrugscenter.dk

Restaurant Hvide Kok (Weißer Hahn) von Drammelstrup. Foto: Hilke Maunder

Das reinste Vergnügen

Djurs Sommerland

Randersvej 17
DK – 8581 Nimtofte
Tel. +45 86 39 84 00
www.djurssommerland.dk

Tante Andantes Hus

Festpladsen
Nørrealle’ 4
DK – 8400 Ebeltoft
Tel. +45 70 20 03 03

Tourist-Info

Destination Djursland

Stabrandvej 51
DK – 8560 Kolind
www.visitdjursland.com

Dieser Beitrag wurde im Mai 2004 als Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst und u.a. vom Onlinemagazin Schwarzaufweiss.de veröffentlicht. 

Die Ruine von Kalo Slot an der Südküste von Djursland. Foto: Hilke Maunder

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