Kopenhagen ganz hyggelig

„Alles in Kopenhagen ist Taverne und Vergnügungslokal“, notierte einst Theodor Fontane. Fürchterlich falsch lag der deutsche Dichter nicht: Die dänische Hauptstadt liebt es „hyggelig“ – gemütlich.

Traditionsreich und modern, groß und doch klein, geprägt von südlichem Flair und junger Lebenslust – dieser Mix macht Kopenhagen zu einer munteren Metropole, die sich herrlich zu Fuß entdecken lässt. Oder auf einem der rund 2.000 kostenlosen Bycyklen, kostenlosen Cityrädern, die von April bis November im Innenstadtbereich gegen 20 DKK Pfand an 110 Stellplätzen entliehen werden können.

Freies Ein- und Aussteigen erlaubt der „Havnebus“, der alle 30 Minuten Kopenhagens neue Wasserfront entlang schippert. Die 45 Kilometer lange Küstenlinie der Stadt, bis vor kurzem ein unerschlossenes Areal alter Fabrikgebäude, bedeckt mit Kränen und Containern, befindet sich mitten im Umbruch, ist Terrain für Trends, bietet Freiraum für Visionen, Bauflächen für Büros, ausgefallene Museen und neue Hotels.

Die Oper von Kopenhagen am Hafenkanal. Foto: Hilke Maunder

Innovativ und imposant dominieren neue Wahrzeichen die Skyline: das Opernhaus (Operaen) von Dänemarks Stararchitekt Henning Larsen und der glänzende Glas-Kubus der Königlichen Bibliothek, vom Volksmund »Schwarzer Diamant« genannt.

Verwandelt hat sich auch Kopenhagens altes Rotlichtviertel Vesterbro. Cafés, Kneipen und Boutiquen haben die Straßenzüge der Gründerzeit erobert, wo der Mythos vom einstigen Schmuddelsex längst Kopenhagens junge Szene lockt. Ebenfalls ein angesagter Multi-Kulti-Kiez mit Antiquitätenshops und ausgefallenen Geschäften ist Nørrebro mit seiner Schaubrennerei „Bryhus“.

Wer länger bleibt, sollte Ausflüge nach Seeland und ins nahe Schweden einplanen. Roskilde lockt mit Domkirche und Wikingerschiffshallen. Einblicke in die Geschichte der ältesten Monarchie der Welt gewähren Dänemarks schönstes Renaissanceschloss, Frederiksborg Slot bei Hillerød, und das „Hamlet-Schloss“ Kronborg Slot in Helsingør. Louisiana ist ein Mekka für moderne Kunst; Malmö Kopenhagens kleine, quicklebendige Schwester auf der schwedischen Seite des Øresunds, über den sich kühn die Øresundbrücke schwingt.

Christianshavn: Abendstimmung am Kanal – richtig hyggelig! Foto: Hilke Maunder

Kopenhagen ganz hyggelig: erleben!

Shopping auf dem „Strich“

Der 1962 eingeweihte Strøget, ein „Strich“ aus fünf Gassen und idyllischen Plätzen, bildet die angeblich älteste und längste Fußgängerzone der Welt. Edelster Abschnitt ist der Amagertorv mit der Silberschmiede Georg Jensen, der Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen, den Holmegaard Glaswerken und dem Hi-Fi-Showroom von Bang & Olufsen.

Etablierte dänische Designer haben sich in der Kronprinsengade niedergelassen, neu ausgebildeter Nachwuchs eröffnet in der Elmegade bevorzugt sein erstes Geschäft. Die Flagship-Stores internationaler Designer wie Chanel, Gucci, Donna Karan, Kenzo, Vuitton oder Versace säumen die Østergade.

Shopping ganz hyggelig: Am Kongens Nytorv endet der Strøget. Foto: Hilke Maunder
Am Kongens Nytorv endet der Strøget. Foto: Hilke Maunder

Weltreise im Warenhaus

Kopenhagens Traditionskaufhäuser sind Konsumtempel von Weltklasse. Das Illum ist eines der nobelsten Kaufhäuser Skandinaviens, das Magasin du Nord das größte Warenhaus des Nordens – und beide konkurrieren um den Ruf, die exquisiteste Einkaufsstätte der Stadt zu sein. Bestes dänisches Design für alle Lebensbereiche bietet Illums Bolighus auf vier Etagen – Teppiche und Textilien, Möbel und Mode, Glas und Geschirr sowie stilvolle Accessoires.
• Illum, Østergade 52, www.illum.dk
• Magasin du Nord, Kongens Nytorv 13, www.magasin.dk
• Illums Bolighus, Amagertorv 10, www.illumsbolighus.com

100 % Design

Der dänische Designhersteller Normann Copenhagen wurde 1999 von Jan Andersen und Poul Madsen gegründet und arbeitet mit den talentiertesten Industriedesignern der Gegenwart zusammen. Das Ziel: hochwertige, funktionelle und pfiffige Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu schaffen, die den Alltag verschönern – wie das knallgelbe Küchensieb, das nach Gebrauch einfach flach zusammen geschoben wird.
• Normann Copenhagen , Showroom: Trianglen, Østerbrogade 70, www.normann-copenhagen.com

Hyggelig für Auge und Gaumen: Smørrebrød. Foto: Hilke Maunder
Hyggelig für Auge und Gaumen: Smørrebrød. Foto: Hilke Maunder

Brote in Höchstform

Dänischer Mittagsklassiker ist das Smørrebrød, das Oskar Davidsen 1888 erfand und heute von Urenkelin Ida und Sohn Oskar in 250 verschiedenen Kreationen angeboten wird – vom preiswerten Basisbrot mit kaltem Braten zu 50 DKK bis zum Luxushappen für 120 DKK.

Die Smørrebrød-Karte, die mit 140 cm Länge Eingang in das Guinness Book of World Records fand, verrät, dass viele berühmte Zeitgenossen hier ihr Smørrebrød genossen haben – und hatten sie einen Favoriten unter den vielen Variationen, wurde er prompt nach ihnen benannt.

: „Victor Borge“ ist ein elegantes Schnittchen mit rohem Lachs, Krabben, Seehasenrogen und Limetten, „Uffe Ellemann Jensen“ ein Leckerbissen für Frikadellen-Fans.
• Restaurant Ida Davidsen, Store Kongensgade 70, Tel. 33 91 35 55, Mo. – Fr. 10 – 16 Uhr, www.idadavidsen.dk

Das NOMA in Kopenhagen. Foto: Ditte Isager/Visit Denmark (Pressebild)
Das NOMA in Kopenhagen. Foto: Ditte Isager/Visit Denmark (Pressebild)

Nordische Hochgenüsse

Als Hochburg der neuen nordischen Küche gilt das NOMA, das unter der Leitung von Chef de Cuisine und Mitinhaber René Redzepi 2005 einen Michelinstern erhielt. Ihn unterstützt der dänische Koch des Jahres 2005, Torsten Vildgaard.  Gemeinsam komponieren sie raffinierte Gerichte aus typisch skandinavischen, bis dato aber nahezu unbekannten Produkten: Tang aus Island, Tiefseekrabben von den Färöer-Inseln, Moschusfleisch aus Grönland, Farn aus dänischen Buchenwäldern und Waldsauerklee aus Schweden. Ein Gedicht ist der in Honigwein (Met) pochierte Hummer mit Blumenkresse und karamellisiertem Topinambur.
• NOMA, Strandgade 93, Tel. 32 8337 10, Mo. – Fr. 12 – 14, Mo. – Sa, 18 – 24 Uhr, www.noma.dk

Lichtblicke im Untergrund

Ein Kleinod unter Kopenhagens mehr als 60 Museen versteckt sich im Søndermarken-Park von Frederiksberg, einer eigenständigen Kommune mitten in Kopenhagen: das Museum für moderne Glaskunst in drei Zisternen aus dem 19. Jahrhundert, düster, feucht und konstant neun Grad Celsius kalt – ein unwirtlicher Ort, magisch verwandelt von John Aage Sørensen, der die zerbrechlichen Kunstwerke spektakulär ins richtige Licht gesetzt hat.
• Museet for Moderne Glaskunst, Roskildevej 32, Do, Fr. 14 – 18 Uhr, Sa., So. 11 – 17 Uhr, www.cisternerne.dk

Hyggelig & maritim: Nyhavn. Foto: Hilke Maunder
Hyggelig & maritim: Nyhavn. Foto: Hilke Maunder

Hafen-Flair und frischer Hummer

Ein angesagtes Ausgehviertel von Mittag bis Mitternacht ist Nyhavn. Im Stichkanal, unter König Frederik III. 1671-73 als Hafenerweiterung geschaffen, dümpeln wuchtige Holzkähne mit eingeholten Segeln neben restaurierten Dampfschiffen. Eingedeckte Tische von einfach bis edel bedecken das Kopfsteinpflaster des Kais und bilden den „längsten Esstisch Kopenhagens“.

Wer keinen Platz ergattern kann, hockt auf den Pollern, Pølser oder Hotdog in der Hand. Wenig weiter legen offene Barkassen der DFDS Canal Tours ab und gleiten an den bunten Hafenhäusern vorbei, die den Märchendichter Hans-Christian Andersen so begeisterten, dass er gleich dreimal dort einzog: in Nr.12, 20 und 67.

Hygellig und modern: das Schauspielhaus und die Oper. Foto: Hilke Maunder
Ikonen der neuen Hafenfront: das Schauspielhaus und die Oper. Foto: Hilke Maunder

Großstadt-Koje im Hafenspeicher

Ein mehr als 200 Jahre alter Kornspeicher am Hafen beherbergt heute eines der stimmungsvollsten Hotels Kopenhagens. Dicke Holzbalken flirten mit modernem Design, Schiffsmodelle mit stilvollen Leuchten. Alle Zimmer sind elegant-rustikale Unikate, stets eingerichtet mit edlem Teak.

Aus dem Hotelzimmer schweift der Blick über den Hafen, in dem alte Segelschiffe vertäut sind, hin zum Schloss Amalienborg. Gabelhappen für Gourmets serviert das Feinschmeckerrestaurant „Salt“.
• Copenhagen Admiral Hotel, Toldbodgade 24-28, Tel. 33 74 14 14, www.admiralhotel.dk

 Traditions-Treff

Eng, gemütlich, proppenvoll und völlig verräuchert: Hviids Vinstue am Kongens Nytorv ist seit 1723 der In-Treff von Einheimischen und Gästen, um sich vom Shopping oder Sightseeing mit einem Glas Øl oder einem hausgemachten Gløgg zu stärken – der hochprozentige Glühwein mit Mandeln, Rosinen und mehr gilt als bester der Stadt.
• Hviids Vinstue, Kongens Nytorv 19, tgl. ab 10 Uhr, www.hviidsvinstue.dk

Royaler Pomp: die WachablösungSchloss Amalienborg. Foto: Hilke Maunder
Royaler Pomp: die WachablösungSchloss Amalienborg. Foto: Hilke Maunder

Königlicher Pomp

Flattert rot-weiß der dänische Banner „Danebrog“ im Wind, ist Königin Margrethe II. daheim – und Schlag zwölf zelebriert die Königliche Leibgarde vor Schloss Amalienborg eine große Wachablösung mit Fahnenschmuck und viel Musik.
• Amalienborg Slot, Amalienborg Slotsplads 3, Tel. 33 12 21 86

Park der Poesie

Trotz neuzeitlicher Zugeständnisse und Spielgeräte ist der 1843 eröffnete Tivoli im Herzen der Hauptstadt bis heute ein Park der Poesie, herrlich altmodisch und romantisch. Am Abend verzaubern 110.718 Lämpchen in allen Farben und Formen das Gelände.

Still dreht das Riesenrad von 1843 kleine Runden, saust die Achterbahn von 1914 durch enge Kurven, unterhalten Harlekin und Columbine auf der Pantomime-Bühne, laden 38 Restaurants zu „Frokost“ (Lunch) oder „Middag“ (Dinner). Fester Bestandteil der vielfältigen Veranstaltungsprogramm sind die häufig kostenlosen
• Tivoli, Vesterbrogade 3, Tel. 33 15 10 01, www.tivoli.dk, Mitte Apr. – Ende Sept. tgl. 11 – 23 Uhr, Do., Sa. Bis 24 Uhr, Fr. bis 1 Uhr. Weihnachtstivoli: Mitte Nov. – Ende Dez.

Hyggelig: der Tanz im Tivoli. Foto: Hilke Maunder
Aus dem Musikpavillon erklingt Jazz – und der Tivoli tanzt. Foto: Hilke Maunder

Sehnsuchtsblick

Beliebtestes Nationalsymbol der Dänen und weltbekanntes Wahrzeichen ihrer Hauptstadt ist „Den lille Havfrue“, die Kleine Meerjungfrau. Seit 1913 blickt die nur 1.35 m große Bronzenixe aus dem Märchen von Hans Christian Andersen, die sich vergeblich für ihren geliebten Menschenprinzen opferte, von einem vom Meer umspülten Fels vor dem Langelinie-Kai sehnsüchtig über das Meer.

Gute Gefühle

Das Kurbadet im Vandkulturhuset DGI-Byen wärmt seine Besucher mit einer indianischen Schwitzhütte so richtig durch, sorgt mit Algenbädern und Ganzkörperschlammpackungen für samtweiche Haut und vertreibt mit traditionell chinesischer Shiatsu-Massage jegliche Anspannung und Erschöpfung.
• Kurbadet, Tietgensgade 65, Tel. 33 29 80 00, www.dgi-byen.dk, tgl. ab 10 Uhr

Dieser Beitrag wurde im Juni 2003  für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst und von zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt. 2004 erschien der Beitrag in dieser Form in nordic friends, dem Kundenmagazin der Nordea. 

Hyggelig in Reet: die kleine Kate von Klampenborg. Foto: Hilke Maunder
Im Kopenhagener Stadtteil Klampenborg steht diese nostalgische Kate. Foto: Hilke Maunder

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Baedeker Kopenhagen 2018Baedeker Kopenhagen

Hyggelig und unkonventionell, Nostalgie und Avantgarde: In Kopenhagen verbinden sich die Gegensätze zu einer so lebenswerten Mischung, dass man am liebsten gleich dort leben möchte.

Wo ihr besondere Momente und unvergessliche Eindrücke erleben könnt, verrät „mein“ Baedeker „Kopenhagen“, den ich gemeinsam mit Dr. Madeleine Reincke, Redakteurin im Verlag, verfasst habe.

Von Klassikern wie Nyhavn, Strøget und Tivoli bis hin zu neuen Trendvierteln wie Vesterbro, Islands Bryggge und Holmen findet ihr Inspiration und Infos für erlebnisreiche Tage in der dänischen Hauptstadt

Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

Baedeker Dänemark

Baedeker Dänemark 2018

Christoph Schumann kennt Dänemark wie seine Westentasche. Seit Jahrzehnte bereist der Skandinavienspezialist das kleine Königkreich. Und hat mit dem Baedeker „Dänemark“ einen Führer verfasst, der kompetent wie unterhaltsam Reise-Inspirationen mit detaillierten Infos zu Sehenswerten und Außergewöhnlichen, Klassikern und Kleinoden verbindet.

Entschleunigt am Nyhavn von Kopenhagen, erlebt Action und Abenteuer im Legoland in von Billund, erobert das Watt beim Wandern, entdeckt die Welt des Märchendichters Hans Christian Andersen und erlebt hautnah, warum in Dänemark die glücklichsten Menschen der Welt leben! Wer mag, kann den Band hier* online bestellen.

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