2005DänemarkEuropa

Kroer & Hoteller: Königliche Kro-Partie

1283 befahl König Erik Klipping, dass an allen Fährstationen entlang der Königswege jeweils ein „Kro“ entstehen sollen: lauschige Landgasthöfe an den schönsten Stellen des Landes. 55 von ihnen gehören dem Dachverband „Kroer & Hoteller“ an – und sorgen dafür, das Dänemark-Reisende heute nicht nur traumhaft schlafen und schlemmen, sondern auch sparen können.

„Für alle Reisenden, deren Notdurft und Bequemlicht“ zitiert Christie’s Sønder Hostrup Kro in schwarzer Schrift das Edikt von Christian V., der im März 1695 erstmals verbindliche Regeln für Herbergen und Wirtschaften aufstellte, und heißt Reisende wie Einheimische willkommen.

Doch Christie’s war stets mehr als ein Landgasthof mitten in der südjütländischen Provinz, wie historische Fotografien an der Fassade erzählen. Als Kaufmannsladen mit Gasthof, Landhandel und Landwirtschaft war der Krug das Herz des kleinen Dorfes Sønder Hostrup.

Zeitweise war der Gastwirt auch Bahnhofsvorsteher und der Krug Bahnstation der beschaulichen Bimmelbahn Æ Kringelbahn, die um 1898 zwischen Grasten und Apenrade verkehrte.

Christie’s Srd. Hostrup Kro . Foto: Hilke Maunder

1920 übernahmen Marie und Johann Christensen den Landhandel samt Gastwirtschaft, und noch immer gehört die Hälfte des Betriebes dem Esbjerger Transportunternehmer Hans Christensen, der auf dem Kro geboren und getauft wurde.

Die andere Hälfte ist im Besitz von Helle und Simon Taulbjerg-Martin aus Apenrade. Unter ihrer Führung hat sich der einst einfache, „hyggelige“ Kro in ein komfortables Viersternehotel mit 18 hellen, modernen Zimmern im historischen Hauptgebäude gewandelt. Begehrt sind vor allem Christie’s sechs Luxuszimmer mit eigenem Hamam (türkischem Dampfbad) oder Jacuzzi.

Das Reich von Küchenchef Klaus Graens (43) liegt auf einer Anhöhe hinter dem Gasthof: ein Kräutergarten, der eher den Namen Park verdient. Artischocken, Spinat, Erbsen, Bohnen, Thymian, Zwiebeln, Knoblauch & Co. – sämtliches Gemüse der jahreszeitlich wechselnden Gourmetmenüs reift hier heran.

Christie’s Srd. Hostrup Kro: das Restaurant. Foto: Hilke Maunder

Lachs und Hering, Aal und Forelle werden im eigenen Ofen geräuchert, Fleisch, Wild und Geflügel von ausgesuchten Betrieben erstanden. Auf der Käseplatte ergänzen sich französische und dänische Klassiker. Für intime Firmen- oder Familienfeiern öffnet Christie’s seinen Weinkeller und kreiert im Kerzenschein Köstlichkeiten: Lachs mit Brioche und Kräutercreme, Kalbsfilet mit Wachtel und Frühlingsgemüse sowie Desserts zum Träumen.

Die Weinkarte mit rund 40 soliden Klassikern ergänzen exotische Tropfen. Noch ein Digestif beim flackernden Kaminfeuer, und dann ins Bett – die Treppe hinauf oder die Straße hinüber. Dort hat Christie’ in einem kleinen Park ein Hoteldorf mit zehn Hütten für Rad- und Motorradtouristen angelegt.

Und fehlt das eigene Gefährt, gibt es bei Christie’s nicht nur Leihräder, sondern mit einer nostalgischen Suzuki auch ein Leih-Motorrad – „ als einziger Kro im Königreich“, so Wirtin Dorte Bjerrum stolz.

Tyrstrup Kro bei Christiansfeld. Foto: Hilke Maunder

50 Kilometer nördlich erhebt sich bei Christiansfeld ein Ensemble roter Gebäude unter dicken Reetdächern aus den grünen Feldern und verströmt jene typisch dänische Gemütlichkeit, die man nur 900 Meter von der Autobahn E 45 entfernt nicht vermutet: der Tyrstrup Kro – ein Idyll abseits von Attraktionen, von Trubel und Hektik.

Was tut man hier? Schlemmen, schlafen, spazieren gehen, speisen, schauen, schlemmen…. – kurzum, sich für einen Tag, ein Wochenende oder länger richtig verwöhnen lassen.

Tyrstrup Kro bei Christiansfeld. Foto: Hilke Maunder

Eine Auszeit vom Alltag nehmen, Urlaub ohne Freizeitstress genießen – und lockt dann doch die Abwechslung, sind Golfplatz und Badestrand nicht weit entfernt.

Zur Oase wird Tyrstrup Kro auch durch die Ausstattung und Größe der Zimmer, die sich unter dem dicken Reetdach des Hotelneubaus von 1998 verstecken: zwölf behagliche Landhauszimmer im traditionellen Stil sowie acht Luxussuiten mit Whirlpool. Schmuckstück des Gourmet-Restaurants „Jägerstube“ ist ein Meißener Kachelofen von 1890.

Tyrstrup Kro: die Gaststube zum Garten. Foto: Hilke Maunder

Gemütlich wie Großmutters gute Stube ist die Spanske Stue. In hellen Beige- und Weißtönen gehalten ist die Wienerstuen, eine der sieben Gesellschaftsräume für Konferenzen und Feste von zehn bis 150 Personen.

1987 übernahmen Annette und Torben Schultz das Viersternehaus und revolutionierten die Küche: Die kräftige dänische Traditionskost begegnete der Nouvelle Cuisine und flirtete mit „Fusion“-Einflüssen. Das Resultat: spannungsreiche Gabelhappen mit Lachs und Rind, Perlhuhn und Hummer.

Stolz der gut sortierten Weinkarte ist die seltene Sammlung edler alter Weine – wo sonst lässt sich die Magnumflasche des Premier Crus Classés Château Cheval Blanc von 1982 aus dem Weinbaugebiet Saint Emilion (9.750 DKK/1.310,39 Euro) oder der 1966er Château Petrus aus Pomerol (8.900 DKK/1.196,15 Euro) genießen?

Norsminde Kro: seit 1693 ein Gassthof! Foto: Hilke Maunder

Seit 1693 gibt es den Norsminde Kro an der Mündung des Norsminde Fjords in den Kattegat. Sein Wirt war früher für den Brückenzoll zuständig. Geschäftstüchtig versah er die langen Tische der Schankstube mit einem Loch, setzte eine Schublade darunter – und sammelte darin das Geld zum Überqueren der Brücke ein.

Søren Pedersen schmunzelt, wenn er Anekdoten aus der farbigen Vergangenheit des 300 Jahre alten, königlich privilegierten Gasthof erzählt, den er im Jahr 2004 übernommen hat und seitdem umfassend renoviert. Vom Metier Chefkoch, begann Pedersen mit den Speiseräumen.

Unterstützt von der dänischen Mode- und Interior-Designerin Karen Kjaergaard, entstanden eine Brasserie mit Bar, Café und Sommerterrasse am Kai des Jachthafens sowie ein Gourmetrestaurant mit 20 Plätzen, das mit wöchentlich wechselnden Menüs zu den besten Slow-Food-Tempeln des Königreichs gehört.

Norsminde Kro: die Brasserie. Foto: Hilke Maunder

Spitze ist auch die Weinkarte mit 512 Posten. Die 30 Zimmer des Kro verteilen sich auf vier Kategorien, von nordisch-hellen Luxussuiten mit Himmelbetten über geräumige Familienzimmern bis hin zu einfachen Einzel- und Doppelzimmern.

Ein Kaleidoskop nostalgischer Stile ist der idyllische Laasby Kro westlich von Aarhus, den Niels Poulsen (60) mit seiner Frau Lena (59) und Tochter Eva (30) führt. „Und unserem Hund Molly“, ergänzt der rührige Gastwirt, der neben dem Kro noch einen Bus- und Limousinen-Service für Ausflugsfahrten zum Himmelberg, ins Legoland und zu anderen Zielen der Umgebung betreibt, das Veranstaltungsprogramm des Familienbetriebs zusammenstellt, die Werbetrommel rührt und dafür sorgt, dass das ganze Jahr hindurch das Leben im Kro pulsiert.

Laasby Kro bei Aarhus. Foto: Hilke Maunder

Wer nicht als Urlaubs-, Konferenz- oder Speisegast kommt oder hier sein Kreuzchen auf dem Wahlzettel macht, schwooft, tanzt, singt und swingt. Von Januar bis Dezember vibrieren die Gesellschaftsräume jedes Wochenende mit Show, Tanz und Live-Musik: Schlager, Country, Pop mit Stars wie Sølvsteen, der dänischen Antwort auf Tom Jones, der norwegischen Sängerin Heide Hauge und der Coverband Me & My Shadows.

Die niedrigen Gaststuben des Kros sind Unikate im Ambiente: Ruhig und edel präsentiert sich die Oldemoorstue (Urgroßmutterstube), weinrote Samttapete mit Goldprägung schmückt die Wände der Bedstemorsstue (Großmutterstube). Vor dem Tresen der Skaenkestue sind die Holztische blank gescheuert. In der einstigen Kuskestuen feierte ein dänisches Staatsoberhaupt seinen 70. Geburtstag: der ehemalige Ministerpräsident Poul Schlüter.

Laasby Kro. Frokost-Teller mit Hering, Schinken und Roast Beef auf Schwarzbrot. Foto: Hilke Maunder

Die Küche im Laasby Kro ist grundehrlich: solide Hausmannskost mit regionalen Wurzeln, wie einst mit Butter und Sahne dicht an den Töpfen zubereitet. Ein Mittagsklassiker ist der Frokost-Teller mit Smørrebrød aus Hering, Roastbeef, Schweinebraten und Lachs.

Zu den 53 Zimmern im Hauptgebäude, das derzeit eine neue Rezeption erhält, gesellt sich vor der weiß getünchten Kirche von Laasby ein Kleinod: Æ’Bindstouw, eine gemütliche Kate für acht Personen mit zwei Antik-Suiten und einladendem Garten.

Aalbaek Gl. Kro, Terrasse und Gästezimmer. Foto: Hilke Maunder

Der Aalbaek Gl. Kro auf dem Weg nach Skagen war selbst schon H.C. Andersen ein Begriff. „Hit kommer man og her blir man. Dette er selve reisemålet“ schrieb der Märchendichter nach einem Mittagsmahl begeistert ins Gästebuch.

Der gemütliche alte Gasthof (1818) mit völlig neu erbautem Westflügel ist der nördlichste Standort des Verbandes Kroer & Hoteller. Nach umfassender Renovierung bietet das strahlend weiße Badehotel 51 Doppelzimmer, die bei Bedarf als Einzel- oder Dreibettzimmer genutzt werden können.

21 der Zimmer sind Nichtrauchern vorbehalten; auch im Restaurant wurde ein Bereich für Nichtraucher reserviert. Einzigartig ist das opulente Frühstücksbüffet. Viele Zutaten stammen aus Bio-Anbau – mit ein Grund, warum das Haus von Wirtin Ulla Mosich mit dem Umweltzertifikat „Der grüne Schlüssel“ ausgezeichnet wurde.

Aalbaek Gl. Kro, Gaststube. Foto: Hilke Maunder

Christie’s, Tyrstrup, Norsminde, Laasby und Aalbaek: fünf Beispiele für die Vielfalt für „Dansk Kroferie“, dessen Wahrzeichen – ein roter Hahn auf weißem Grund – 55 ansprechende Unterkünfte signalisiert: historische Kros und neue Häuser mit allen Vorzügen eines modernen Hotels.

Neben Dansk Kroferie gehören zwei weitere Ketten zum Dachverband Dansk Kroer & Hoteller. Die „City Hotels sind mit elf Häusern in dänischen Städten vertreten. Viele bieten Gesellschafts- und Konferenzräume. Die 23 Häuser der „Classic Hotels“ verbinden gekonnt Komfort und Gemütlichkeit in Stadt und Land.

Alle 4.000 Zimmer der 89 Unterkünfte lassen sich bequem im Internet unter www.krohotel.dk buchen. Mit den ebenfalls online buchbaren „Kroschecks“ wird nicht nur die Reiseplanung kinderleicht, sondern auch kräftig gespart: Rund zehn Prozent Rabatt bringen die Gutscheine, die in allen Häusern einheitlich günstige Preise und hohen Standard garantieren.

Der Norre Vissing Kro. Foto: Hilke Maunder

So kostet eine Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer mit einem „Kro- und Hotelscheck“ 95 Euro für zwei Personen, für eine Familie mit einem Kind 108 Euro, mit zwei Kindern 122 Euro. Noch günstiger ist der „Superscheck“: Wer zu bestimmten Zeiten mindestens zwei zusammenhängende Nächte im gleichen Hotel oder Gasthof bleibt, zahlt zu zweit 69 Euro, mit einem Kind 82 Euro, mit zwei Kindern 96 Euro.

Attraktiv sind auch die Wochenendangebote, die zahlreiche Kros für ihre Gäste schnüren – Golfpakete, Gourmetpauschalen oder Kochkurse wie im Christie’s, das seine Gäste auffordert: Sei einmal Sternekoch!

Dieser Beitrag war eine Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark, wurde am 12. Mai 2005 versandt und von zahlreichen deutschsprachigen Medien veröffentlicht.

Der Henne Kirkeby Kro. Foto: Hilke Maunder

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Baedeker Dänemark

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Christoph Schumann kennt Dänemark wie seine Westentasche. Seit Jahrzehnte bereist der Skandinavienspezialist das kleine Königreich. Und hat mit dem Baedeker „Dänemark“ einen Führer verfasst, der kompetent wie unterhaltsam Reise-Inspirationen mit detaillierten Infos zu Sehenswerten und Außergewöhnlichen, Klassikern und Kleinoden verbindet.

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