Moskau: Wiedererwachte Weltmetropole

Moskau vibriert. Seit Perestroika und Glasnost bricht auch das Stadtbild um – tagtäglich verändert die russische Metropole ihr Gesicht. Doch der Rote Platz ist noch immer die Mitte Russlands, und die Zwiebeltürme der Basiliuskathedrale leuchten wie seit Jahrhunderten in der Sonne.

Mythos von Moskau: der Rote Platz

Der Rote Platz ist für die Russen ein mystischer Ort, Wahrzeichen des Riesenreiches und Geschichtsbuch des Landes. Im Mittelalter wurden auf dem Krasnaja Ploschtschad Pelze aus Sibirien und Gewürze aus Zentralasien gehandelt, Volksfeste gefeiert, später Staatsfeinde wie der Bauernführer Stenka Rasin oder der Kosaken-Rebell Pugatschow gevierteilt, geköpft oder anders öffentlich hingerichtet und zu Sowjetzeiten stundenlange Militärparaden abgehalten. Heute lichten Photographen Touristen zwischen zwei lächelnden Doubles ab: links Iwan der Schreckliche, rechts Lenin. Vor dem Lenin-Mausoleum sind die Warteschlangen verschwunden, und selbst das Rauchen ist auf dem 700 mal 130 Meter großen Areal nicht mehr verboten.

Moskau: Lenin-Mausoleum
Moskau: das Lenin-Mausoleum

Der Rote Platz war auch immer ein Ort der Kirchen. Zeitweise hieß er sogar Dreifaltigkeitsplatz nach einer Kirche, die einst dort stand. Mitte des 16. Jahrhunderts ließ Iwan der Schreckliche als Zeichen seiner Siege gegen die Tartaren Moskaus Wahrzeichen errichten: die Basilius-Kathedrale. Gelb-grün und rot-weiß leuchten die verschieden hohen Kuppeln in der Sonne, mal gedreht, mal gestreift, mal wie geschuppt sind die Dächer des Konglomerats aus Kapellen, Loggien, Galerien und Türmen.

Seit Jahrhunderten ist der Kreml Symbol der Macht Russlands, im 12. Jahrhundert als Befestigungsanlage mitten in der Stadt errichtet, von Napoleon zerstört und nach 1812 wieder neu aufgebaut. Neben der Residenz des russischen Präsidenten und Regierungsgebäuden beherbergt der Kreml mehrere Paläste, Kathedralen und Museen, den riesigen Sitzungssaal der KPdSU-Parteitage sowie die größte Glocke und schwerste Kanone der Welt – beide kamen jedoch nie zum Einsatz.

oskau: Roter Platz, Basilius-Kathedrale
Moskau: Roter Platz mit der Basilius-Kathedrale

Moskau: bis heute “Staat im Staate”

Für die Russen ist Moskau bis heute ein „Staat im Staate“. 70 Prozent der Finanzen fließen durch die Metropole; gern werden Geld und Einfluss öffentlich gezeigt. 8,5 Millionen Einwohner leben hier nach offiziellen Angaben, tatsächlich wohl eher 12,5 Millionen. Selbst im gestrengen Sowjetstaat war es nie klar, wie viele Einwohner Moskau tatsächlich hat. Die Metro allein befördert auf ihren elf Linien mit 161 Stationen jeden Tag zehn Millionen Moskauer und Gäste.

Seit zehn Jahren unterzieht sich Moskau einer gigantischen Großrenovierung. Alles, was unter Denkmalschutz steht, wird saniert: 2.326 Gebäude und Denkmäler – Moskau zu entdecken, heißt: Sightseeing der Superlative. Doch die Gangart ist gemütlich, fast südländisch. Straßencafés haben ihre Tische nach draußen gestellt, gelassen schlendern Passanten über den Alten Arbat, die älteste Fußgängerzone des Landes.

Auf der Moskwa, die sich in Schleifen durch die Stadt schlängelt, gleiten Ausflugsboote an der Südmauer des Kreml entlang. Einige schippern bis zum Sessellift, der in wenigen Minuten zur schönsten Aussichtsplattform der Stadt schwebt: Von den 80 Meter hohen Sperlingsbergen reicht der Blick bei klaren Sicht vom stalinistischem Prunkbau der Lomonossow-Universität und dem Olympiastadion bis zu den Kreml-Türmen.

Moskau: Info

Einreise

Visumspflicht. Für 35 Euro vorab bei der russischen Auslandsvertretung besorgen.

Botschaft der Russischen Förderation: Unter den Linden 63-65, 10117 Berlin, Tel. 030/2 29 11 10 – 29, Fax 030/2 29 93 97, www.russische-botschaft.de

Auskunft

Russisches Fremdenverkehrsamt, Dudenstraße 78, 10965 Berlin, Tel. 030/78 60 00 40, Fax 030/78 60 00 41, www.russlandinfo.de

Dieser Beitrag ist am 24. Dezember 2006 in der Berliner Morgenpost erschienen. 

Moskau: Roter Platz, Basilius-Kathedrale
RUSS/Moskau: Roter Platz, Basilius-Kathedrale

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