2014AsienMacao

Macao, Hongkongs schrille Schwester

Als Las Vegas des Ostens lockt es Glücksspieler, als Welterbe alljährlich 28 Millionen Touristen aus aller Welt: Macau, Boomtown am Mündungsdelta des Perlflusses.
442 Jahre lang war Macao, das sich heute Macau schreibt, portugiesische Kolonie, seit 1999 ist das Inseltrio für 50 Jahre Sonderverwaltungszone der VR China, ehe es – wie Hongkong – an China zurückfällt. Lusitanisches Erbe, chinesischer Alltag und eine unbändige Liebe für alles, was ausgefallen ist: Macau vibriert rund um die Uhr!

Unbedingt ansehen

Wo die Portugiesen um 1517 angeblich als erstes gelandet sind, steigt der Duft von Räucherstäbchen und Räucherspiralen in den Himmel: Möge die Meeresgöttin, die im A-Ma-Tempel bis heute innig verehrt wird, Glück und Wohlstand bringen. Wer die Klangschalen zum Schwingen bringen will, wirft eine Spende in die aufgestellte Box.

Fromme Wümsche, aufgehängt im A-Ma-Tempel

Wahrzeichen des historischen Stadtzentrums, das seit 2005  als „herausragendes Beispiel für ein erfolgreiches Neben- und Miteinander östlicher und westlicher Kulturen“ zum Welterbe gehört, ist die barocke Fassade der Pauluskirche am Ende einer imposanten Freitreppe.

Mit Rolltreppen geht’s hinauf zum Macau Museum, das im Innern die Kolonialgeschichte mit nachgestellten Räumen und Straßenzügen inszeniert – von seiner Terrasse mit den Resten des Fortaleza do Monte (16. Jh.) reicht der Blick vom Perlfluss bis zu den Inseln Taipa und Coloane im südchinesischen Meer.

Ebenfalls ein toller Aussichtspunkt: Fort Guia – hinauf zur Minifestung samt Leuchtturm und Kapelle schwebt eine Seilbahn! Abends ist der 63 m hohen Hügel der Penha-Kirche der perfekte Ort, um die glitzernden Fassaden der Stadtkasinos aufs Bild zu bannen.

Im Portugiesen-Viertel Lilau geht’s durch das kreisrunde Mondtor zum Mandarin-Haus, der Stadtresidenz des chinesischen Kaufmanns Zheng Guanying (1842-1921). Wie reiche Portugiesen ab 1921 in Macau lebten, verrät das Taipa Houses Museum.

Statt Sightseeing jetzt Shopping? Der rote Ziegelbau des Red Market ist eine kulinarische Schatzkammer mit Seegurken und 1000-jährigen Eiern. Achtung: Maccanesen lieben alles topfrisch – Geflügel, Fisch und Fleisch wird vor den Augen des Käufers geschlachtet! Das gilt auch für die Meeresküche, die die Inselfischer von Coloane servieren. Statt handgeschriebener Menüs verraten Bassins und Aquarien, was gerade auf der Karte steht: Wie wär’s mit Qualle? Oder Königskrabbe?

Wer es schafft, nach einer Kasinonacht früh aus den Feder zu springen, erlebt im Lou Lim Leok Garden China-Fitness open air: Fächer- und Schwertertanz unter uralten Banyanbäumen. Und stärkt sich danach im Macao Tea Culture House bei einer typisch chinesischen Teezeremonie für den Tag!

Besondere Kicks

Im Zockerparadies Macau – in China ist sonst überall das Glücksspiel verboten! – setzen die 35 Kasinos mit 30 Milliarden USD sechsmal so viel um wie Las Vegas. Weltgrößte Spielhölle ist das Kasino des Venetian am Cotai Strip mit 800 Tischen. Gespiel wird Baccara – Roulette und einarmige Banditen sind in Asien wenig beliebt. Wer gewonnen hat, geht in der Resort-Mall in 240 Luxusläden shoppen – auf dem Canale Grande schmettern Gondoliere „O sole mio!“

Das Grand Lisboa von Macao – Zockertreff und Schlemmerparadies in XXL

Die nahe City of Dreams inszeniert im House of Dancing Water eine spektakuläre Wassershow. Ältestes Kasino ist das Hotel Lisboa, zu dem sich 2006 das 260 m hohe Grand Lisboa gesellte – mitten zwischen den Spielern tanzen die Go-Go-Girls des Crazy Paris Cabarets! Auch ein echter Adrenalinkick: der 338 m hohe Macau Tower. Mutige stürzen sich am Seil in die Tiefe, skywalken in 233 m Höhe rund um den Turm oder klettern auf Leitern hoch zur Spitze.

Skywalk auf dem Fernsehturm – auch ein Kick in Macao

Essen und trinken

Mit 2 x 3 Sterne und einer lobenden Erwähnung ist das Grand Lisboa im Michelin 2014 die Gourmet-Adresse in Macau. Unter der Kuppel des Dôme begeistert der Pariser Starkoch Joël Robuchon mit Haifischflossen und Seeohren Genießer. The 8 serviert die köstlichsten Dim Sums Südostasiens, einen Stock tiefer der Noodle & Congee Corner mit mehr als zwei Meter langen Yi Gen Mian-Nudeln – nicht ganz einfach zu essen mit Stäbchen!

African Chicken ist der kulinarisches Aushängeschild der „macanese cuisine“, der Fusion-Küche von Macau – im Espaço Lisboa (8 Rua das Gaivotas, Coloane Island West) ist das Curry-Huhn unter dem Kokosmantel topzart! Für ihren Traditionsnachtisch pilgern die Maccanesen zu Lord Stow’s – die einfache Backstube macht die besten Egg Tarts, Blätterteig-Küchlein mit cremiger Vanillefüllung.

 

Egg Tarts sind Kult in Macao

Dazu trinken die Chinesen traditionell Tee aus kleinen Schalen, in denen über den bunte Blüten schweben – kräftigen, köstlichen Kaffee aus Blue Mountain- und Timor-Bohnen brüht das MacTim, das der Deutsche Harald Brüning, Gründer und Chefredakteur der MacauPOST DAILY, gegründet hat, nachdem sein Lieblingscafé schloss.

Das Zimmer des Sofitel-Hotels am Perlfluss.

Übernachten

Dem Gigantismus und Prunk der Mega-Resorts setzt das Sofitel Macau At Ponte 16 am Innenhafen des alten Macau französisch-dezenten Fünfsterneschick entgegen. Gratis dazu gibt’s allabendlich Augenkino, wenn das funkelnde Lichterspiel der Kasinos beginnt und der Perlfluss im Sonnengold glüht. Die pittorekse Pousada de São Tiago ist ein luxuriöses Kleinod mit 24 Zimmer im Kolonialstil. Ost und West flirten geschmackvoll in den 20 Zimmern der Pousada di Mong-Há  – Hotel und Restaurant sind Ausbildungsstätten des Institute of Tourism Studies.

Macao bei Nacht funkelt und glitzert in vielen Farben

Dieser Beitrag ist 2014 in „Food and Travel“ erschienen. 

 

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