2014AsienTürkei

Der perfekte Trip: Türkei

Die Türkei gehört zu den faszinierendsten Reisezielen im Mittelmeerraum. Wo kann man sich schon antike Kulturschätze anschauen, eine orientalisch-trendige Mega-City besuchen und durch bizarre Naturschönheiten reiten?

Istanbul

Die Stadt mit den 1000 Facetten

Um es gleich vorweg zu sagen: Istanbul ist kein Relax-Ort! In der 14-Millionen-­Metropole mit ihrer jahrtausendealten Geschichte, der bezaubernden Silhouette aus Minaretten und prachtvollen Palästen, den unzähligen Shops, Basaren, Restaurants und Clubs gibt es so viel zu entdecken, dass ein Wochenende kaum ausreicht. Stürzen wir uns also gleich hinein ins Getümmel.

Das orientalische Lebensgefühl saugt man am besten bei einem Bummel durch das chaotische Basarviertel auf (Eingang zum Beispiel am Beyazit-Tor). In dem überdachten Markt im Herzen der Altstadt drängen sich über 20.000 Läden, Werkstätten und Kaffeehäuser in einem kilometerlangen Labyrinth aus verwinkelten Gassen.

Wer die aufdringlichen Ramsch-­Verkäufer am Eingang abgeschüttelt hat, taucht ein in eine andere Welt. Umgeben von Samowaren, Kupfertellern, Teppichen, Stoffen und Gewürzsäcken, prall gefüllt mit Paprika und Kreuzkümmel, bieten Händler hier Tee trinkend ihre Waren an. Wichtig: Feilschen ist Pflicht!

Wer aus dem Gewusel wieder herausfindet, bahnt sich den Weg durch die chronisch verstopften Straßen zu Istanbuls größten Sehenswürdigkeiten im Nachbarviertel Sultanahmet: die im Jahr 537 errichtete Hagia Sophia, die gewaltige Kathedrale des einst christlichen Byzanz, und die 1616 als moslemischer Gegen­entwurf von Sultan Ahmed gebaute Blaue Moschee. B

eide unbedingt von innen ansehen: Die von außen ein wenig klobig wirkende Hagia Sophia beeindruckt mit einem überwältigenden Kuppelbau (30 Meter Durchmesser!) und die Blaue Moschee mit einem prachtvollen, mit Zehntausenden leuchtend blauen Iznik-­Fliesen ausgekleideten Gebetssaal.

Wenn abends der Ruf des Muezzin aus den Lautsprechern ertönt, sucht man ein stilvolles Hamam (türkisches Bad) auf und lässt sich seine müden Sightseeing-Glieder von einem kräftigen Bademeister lockern. Im Dampfraum ist man in der Wärme bald halb eingedöst und weich wie Knete, bevor der Tellak einen einseift  und durchwalkt.

Im Cagaloglu und im Cemberlitas entspannt man in historischem Ambiente. In aller Frische schlendert man am nächsten Morgen zum Boots-Pier (Bogaz Iskelesi, an der Galata-Brücke) und bucht eine Fahrt auf dem Bosporus. Neben Frachtern schippert man die Meerenge an prachtvollen Villenvierteln, Palästen und Wolkenkratzern entlang bis hinauf ins asiatische Anadolu Kavagi (Fahrpläne unter ido.com.tr/en).

Bevor die Reise weitergeht, steht natürlich noch das ausgelassene Nachtleben von Istanbul an. Rund um die Istiklal Caddesi, die vom berühmten Taksim-Platz bis zum Tünel-Platz im internationalen Stadtteil Beyoglu führt, reihen sich Hunderte Bars, Clubs und Restaurants aneinander. Nobler geht es etwas nördlich im Viertel Nisantasi zu. Den letzten Traumblick auf die nächtliche Mega-City genießt man dann in einer der angesagten Roof-Top-Bars (siehe

WEITERE INFOS

  • Der Eintritt zur Blauen Moschee ist frei; sie schließt jedoch 5x tgl. für eine halbe Stunde zu Gebetszeiten (Übersicht auf namazvakti.com). Ab Herbst 2013 sollen Touristen für den Besuch Roben mit Reissverschluss erhalten, um die geistliche Atmosphare des Gotteshauses zu bewahren. Das Hagia Sophia-Museum (10 €; muze.gov.tr/hagiasophia) ist Di. – So. von 9 – 19 Uhr geöffnet.

RESTAURANTTIPP

  • Bar, Restaurant und Lounge birgt der Glaskubus von „360 Istanbul“ auf dem Dach – die Altstadt liegt Ihnen zu Füßen! Am Wochenende füllt sich mit Nachtschwärmern, die zu Elektro-Pop vom Plattenteller hotten (Gerichte ab 14 €; 360istanbul.com).

ÜBERNACHTUNGSTIPP

Pera Palace Hotel

Als der Pera Palace 1895 eröffnete, nächtigten in der Nobelherberge am Goldenen Horn die Gäste des Orient Express – Istanbul war Endstation der legendären Bahnfahrt. Ernest Hemingway, Pierre Loti und Greta Garbo logierten im Grand Hotel; in Zimmer 41 ließ sich Agatha Christie zum Kult-Krimi „Mord im Orient-Express“ inspirieren.

Atatürk kam 1917 – dem Staatsgründer ist heute im Hotel ein kleines Museum gewidmet. Nach umfangreicher Renovierung hat sich zum Glanz vergangener Epochen der Komfort von heute gesellt – mit kostenlosem WLAN und Multifunktions-Marmorbad mit Regendusche und Schwallstrahl (ab 280 €; perapalace.com). 

Ayvalik

Relaxen an der Ägäisküste

In den Restaurants, die Ayvalıks Küste säumen, werden an lauen Abenden Meze und balık (Fisch) mit dem Anisschnaps Raki runtergespült. Der Brauch ist so beliebt, dass er sogar ein ägäisches Sprichwort geprägt hat: ‘Raki, balık, Ayvalık’ – was uns etwas über den Lauf des Lebens in der traditionsreichen kleinen Hafenstadt verrät. Hier haben Sanierung und Gentrifizierung noch nicht die Altstadt verändert. Fast zeitlos erscheinen Szenen, die ihr hier beobachten könnt.

Durch die gepflasterte Altstadtgasse rumpelt gemütlich ein Eselskarren, vor den Hauseingängen sitzen ältere Männer bei einem Glas Raki und werfen Backgammon-Steine. In dem kleinen Fischerstädtchen Ayvalik an der Ägäis verläuft das Leben noch wunderbar entspannt. Genau der richtige Ort, um sich vom Großstadtrummel Istanbuls eine Pause zu gönnen.

Tipp: Die gelassene Atmosphäre bei einem Spaziergang durch die alten Gassen um die Safa Caddesi genießen und anschließend für den nächsten Tag einen kleinen Aktiv-Ausflug ins Meer organisieren. Ayvalik gilt nämlich auch als hervorragender Spot für Taucher und Kite-Surfer. Unter Wasser reizen hübsche Korallen­riffe um die 24 vorgelagerten Inseln. Kiter sausen mit dem Wind durch die weitläu­figen Flachwasserreviere, die auch für Anfänger bestens geeignet sind.

Nachdem man reichlich Seeluft getankt hat, relaxt man beim Sonnenuntergang direkt am Meer in einem der fabelhaften Fischrestaurants. Am besten schmeckt es an der Hafenpromenade oder am Kai von Alibey (Cunda). Die nahe Insel erreicht man mit dem Auto über einen Damm. Unbedingt probieren: gegrillten Çupra und vorweg Papalina – winzige, sardellen­ähnliche Fische, in Olivenöl und Knoblauch gebraten (vorher Preise erfragen!).

Übrigens: Ayvalik war lange Zeit fest in griechischer Hand, woran die vielen pastellfarbenen, klassizistischen Häuser noch heute erinnern. Infolge des griechisch-türkischen Krieges mussten die 3000 griechischen Einwohner 1923 jedoch ihre Heimat mit den Moslems von der nahen Insel Lesbos tauschen.

WEITERE INFOS

Dieser Beitrag ist im Lonely Planet Traveler 4/2014 erschienen. 

Autoren: James Bainbridge ist Autor des Lonely Planet „Türkei“ und schreibt für den britischen Guardian und The Times. Die freie Journalistin Hilke Maunder reiste mit InterRail 1976 erstmals in die Türkei und ist noch immer fasziniert von Vielfalt und Wandel im Vielvölkerstaat.

Bearbeitung: Olaf Heise.

 

 

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