2014AsienChina

Hongkongs Inselperlen

Tschüs, Hektik und Alltag. Raus aus der Stadt heißt in Hongkong: rauf auf die Fähre. 260 Inselträume und das Welterbe Macau locken im Archipel. Mit Pfahlbauten und Glitzerwelten, Glücksspiel und Festivals, Aussichtsgipfeln und Strandperlen.

Es ist eine andere Welt. Mit jedem Wellenschlag weicht die Hektik, schrumpft die glitzernde Skyline von Kowloon und Central zum Postkartenmotiv, entschwinden die Hochhausschluchten von Hongkong im Dunst. Auf den Outlying Islands im Südchinesischen Meer zeigt die Megacity ihr anderes, unbekannteres Gesicht: dörflich, grün, fast autofrei. Ein wenig der Zeit entrückt und voller Genuss. Ein Archipel aus 260 Eilanden mit grünen Bergen, einsamen Buchten und weiten Stränden, über die wilde Büffel zwischen den Sonnenanbetern umher trotten.

Zu den entlegensten und einsamsten Eilanden schippern „kaido“, kleine Wassertaxis. Die drei Hauptinseln Lantau, Lamma und Cheung Chau laufen von früh bis spät Großfähren an, auf denen sich morgens und abends die Pendler drängen.

Schwebend zum Big Buddha

Wer das andere Hongkong entdecken will, fängt am besten mit Lantau an, setzt sich an der MTR-Endstation Tung Cheung in die Ngong-Ping-360-Seilbahn und schwebt sechs Kilometer lang über lichten Bergwald und die einzigeTeeplantage der Insel zum größten sitzenden Buddha der Welt. 34 Meter hoch thront der 250-Tonnen-Koloss beim Po-Lin-Kloster auf einer Lotusblüte aus Beton und blickt, ganz untypisch, gen Norden nach Beijing.

Vielleicht, um die Machthaber im Auge zu behalten… waren doch 1924 Hunderte von Mönchen, Nonnen und Intellektuelle vor den Kommunisten auf die unzugängliche Insel geflüchtet, die die Briten damals als Lebrastation nutzten. Und Piraten 800 Jahre lang als Basis für den lukrativen Salzschmuggel. Die alten Salzpfannen sind heute fast völlig verschwunden, doch Tai O hat seinen Charme bewahrt. Im kleinen Hafen dümpeln alte Holzboote, über der Wasserkante schweben Stelzenhäuser. Mahjong-Steine klacken, Hunde dösen im Sonnenlicht.

Eine Waffelkugel in der Hand, pilgern Ausflügler zum Yeung Hau-Tempel (1699), wo sie eine Räucherkerze entzünden, die Götter um Beistand bitten und an den Griffen der Bronzeschale reiben. Beginnt das Wasser zu schwingen, wird es ein guter Tag… Böse Geister kommen nicht in den Tempel hinein. Dafür sorgen hintereinander versetzte Eingangstüren. Denn die Chinesen sind überzeugt: Körperlose Wesen können nicht auf plötzliche Veränderungen reagieren. So rennen sie frontal gegen die Wand.

Viel früher als die Touristen sind die Dorfbewohner auf den Beinen. In der Morgendämmerung laufen sie zum Markt und begutachten in Plastikbassins den Fang der Nacht. Gekauft wird nur, was zappelt oder zuckt – sonst ist es nicht frisch genug.  Der Duft von Trockenfisch erfüllt die Luft. Besonders intensiv riecht es bei Seven Chung. Er fermentiert auf seinem Flachdach frisch eingesalzene Garnelen, bis sie einen dicken, Brei bilden, den er getrocknet und in Scheiben geschnitten für wenig Geld verkauft. Die Schwimmblasen, die wenig weiter von der Decke baumeln, sind indes eine teure Delikatesse, das Kilo für 1.800 Euro.

Im Süden von Lantau verstecken sich die längsten Sandstrände der Sonderverwaltungszone Hongkong – Bade- und Angelparadiese wie Cheung Sha oder Tonk Fuk, ein wilder, Strand. Seinen Spülsaum schmücken bizarr geformte, schwarze Steine, über denen tropenbunte Schmetterlinge flattern. 260 Arten gibt es auf Lantau – Weltrekord!

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