2010AustralienVictoria

Melbourne per Rad: City Cycling mit Murray

Melbourne entdeckt die Radfahrer. Seit Sommer 2010 gibt es in der Hauptstadt Victorias Australiens erstes öffentliches Stadtradsystem – und das weltweit erste mit Helmpflicht für Radfahrer. Zu den Rad-Pionieren gehört auch Murray Johnson. Auf seinen Real Melbourne Bike Tours zeigt er vier Stunden lang Melbourne so, wie Einheimische die Stadt kennen und lieben – seit 2011 auf Wunsch sogar mit e-Bikes.

Von der Zeitung zum Rad

Murray Johnson, Journalist und Fotograf, der einst in den Wolkenkratzern arbeitete, die seinen Laden am Ufer des Yarra überragen, braucht jetzt keine Zeitung mehr, um zu zeigen, was er an Melbourne liebt – und welche Kleinode, welche Vielfalt und spannungsreiche Geschichte die Millionenmetropole birgt.

Am Nordufer des Yarra River

Die Ursprünge von Melbourne

Seine Tour startet dort, wo die Ursprünge der Stadt liegen: am Yarra River. Wo der 242 km lange Fluss in den Pazifik mündet, hatten 1835 John Batman und John Pascoe Fawkner von den örtlichen Wurundjeri-Aborigines 240.000 Hektar Land gepachtet, mit Scheren, Decken, Jacken und Hemden bezahlt, und damit die Wurzeln zur Gründung von Melbourne gelegt, das 1851 Hauptstadt von Victoria wurde – und 1901 bis 1927 sogar Australiens Hauptstadt war.

Murray Johnson mit Radler-Gruppe an den Federation Bells

Ein wenig Stolz schwingt mit, als Murray dies vor den Federation Bells erzählt, die 2001 anlässlich der 100-Jahr-Feier des Australischen Bundes im ebenfalls neu angelegten Park Birrarung Marr aufgestellt wurden. Die Installation aus 39 umgedrehten Glocken, entworfen von Anton Hasell und Neil McLachlan in Zusammenarbeit mit Swaney Draper Architects, spielt nicht nur sieben Melodien australischer Komponisten, sondern ist selbst ein interaktives Instrument, auf dem Zuhörer eigene Kompositionen hören können – dank der Website http://federationbells.com.au.

Southbank mit Eureka Tower und Nadel vom Victoria Arts Centre sowie CBD (r.)

Die Lifestyle-Viertel der City

Vorbei am Melbourne Cricket Ground (MCG), wo 1956 die Olympischen Sommerspiele ausgetragen wurden und regelmäßige die Spiele der Australian Football League (AFL) das Stadium zum Beben bringen, radelt Murray durch die Fitzroy Gartens hin zu zwei trendigen Vierteln, die besondern Besucher aus Europa lieben: Collingwood und Fitzroy.

Die bunten Fassaden der Gertrude Street

An der Ecke von Smith Street und Gertrude Street bremst er und zeigt auf ein Strichmännchen-Logo: In der unscheinbaren Nähstube, in der heute noch die Taschen ein persönliches Design erhalten können, hatten die ehemaligen Kurierfahrer David Roper und Will Miller und ihr Freund Stuart Crumpler ab 1991 robuste Arbeitstaschen fertigen lassen, die schon bald als Crumpler Bags die Welt eroberten.

An der Gertrude Street: die Wiege von „Crumbler“ – hier wird die Kulttasche aus Melbourne individuell gestaltet.

Um die Ecke betreibt ein passionierter Laienkoch Melbournes bestsortierten Kochbuchladen, wenige Schritte weiter locken ein Kostümverleih mit den besten Hollywoodkreationen, gegenüber werden alternative Biofasern zu trendigen Textilien verarbeitet, erklingen südamerikanische Panflöten, riecht es nach Moschus und Patschouli.

Ein Mekka für alle, die gerne naschen: „Monsieur Truffe“ an der Smith Street

Mikrokosmos der Kreativen

Zwischen Smith, Gertrude, Brunswick und Johnson Street blüht die Subkultur, ist Melbourne ein Mikrokosmos der Eigenmarken und Schaufenster von Kreativen und anderen Künstlern, die auf dem Rose Street Market ihr Forum gefunden haben.

In dem hippen Viertel gibt es Thai-Küchen, Sushi-Bars, Gyros-Tempel, schummrige Weinbars, rockige Pinten, trendige Restaurants mit innovativer australischer Küche, Boutiquen von schräg bis schrill, edel bis Avantgarde, Lesben, Schwule, Lebenskünstler.

Gertrude Street

Hinter Fassaden in Himmelblau, Knallorange, Sonnengelb, Lila und Schwarz sitzt die Cyber-Generation gemütlich mit den letzten Fans von Flower Power bei Caffè Latte, Mojito oder VB, Victoria Bitter. „Better“, korrigiert Murray mit einem Lächeln.

Victoria Bitter, kurz VB genannt

Melbournes Coffee Culture

„Coffee Time!“ Mit diesen Worten der 53-Jährige die kleine Gruppe, wieder in die Pedale zu treten – und in einen anderen Melbourner Mikrokosmos weiter zu radeln: Carlton mit seiner Lygon Street, der Via Veneto der Antipoden. Zu Brunetti!

Am Tresen bestellt Murray eine Auswahl kleiner Kuchen, die binnen Sekunden Tausende Kilometer nach Italien überbrücken, und Kaffeekreationen, die leider genauso schnell wieder jeden Träumer zurück auf australischen Boden holen – mag Murrray auch noch so sehr schwärmen: Brunettis braune Bohnen sind schwach und fad. Schwärzer, stärker und zudem stylischer sind die Kaffees der Bar in den Laneways.

Street Art an der Gertrude Street

Als echter Melburnian ist Murray nicht nur ein bekennender “Coffee Junkie“, sonder auch ein echter „Foody“, ganz verrückt nach gutem Essen, komponiert aus den frischesten Zutaten der Region, der Buschküche der Aborigines und den Einflüssen der Einwanderer aus aller Welt.

Größter Schlemmermarkt der Südhalbkugel

Sein nächstes Ziel ist daher ein Paradies für Feinschmecker und Freizeitköche – der 1878 eröffnete Queen Victoria Market. Auf dem größten Markt der südlichen Hemisphäre können Neugierige nicht nur Kängurufleisch kaufen, sondern auch das Heimweh mit einer German Bratwurst stillen.

Beim Queen Victoria Market

Melbournes neue Waterfront

So gestärkt, macht Murray noch einen schnellen Schlenker in die Docklands. Auf dem ehemalige Werft- und Hafengebiet hinter der Southern Cross Station, das durch die immer größer werdenden Containerschiffe bereits in den 1960-er Jahren zur Industriewüste wurde, errichtet Melbourne bis 2030 auf 200 Hektar seine Stadtvision für das 21. Jahrhundert: nachhaltiges Wohnen, Arbeiten und (Er-) Leben direkt am Wasser. Das Konzept scheint aufzugehen – besonders jedoch für Touristen.

Blick von den Docklands zum CBD

Melburnians indes reagieren verhalten, wenn man sie auf das neue Stadtviertel anspricht. Und so tritt auch Murray ungewohnt flott in die Pedale, saust über die geschwungene Webb-Bridge und folgt dem Yarra bis zur Southbank-Promenade.

Die Webb Bridge und neue Wohnbauten des Victoria Harbour der Docklands

Der Minigarten auf dem Wasser

Dort verrät  er sein letztes „hidden gem“, sein letztes verstecktes Juwel: einen Mini-Garten, komponiert aus Stoffsäckchen, die bepflanzt an einer Pier über den Fluten des Yarra schweben. Denn auch dort, wo scheinbar Beton dominiert, hat Melbourne ein grünes Herz.

Dieser Beitrag ist in meinem ehemaligen Blog „Walkabout Australien“ erschienen, der Ende 2017 in Reiseschreibe.de aufging.

Minigarten an der Southbank-Promenade von Melbourne

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