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Åre, Hemsedal & Levi: Skandinaviens Ski-Juwele

Längst begeistert Skandinavien nicht nur Langläufer, sondern auch Alpinfans: Hier gibt es viel Platz auf den Piste, perfekten Service am Lift und meterhohen Pulverschnee von November bis Mai. Hochburgen des nordischen Skitrubels sind Åre in Schweden, Hemsedal in Norwegen und Levi in Finnland.

Im gebirgigen Grenzgebiet zu Norwegen liegt das größte Skigebiet Skandinaviens, das hierzulande noch nahezu unbekannt ist: das mittelschwedische Åre (sprich: Oohre), Gastgeber der alpinen Weltmeisterschaften 2007. Meterdick hat der Schnee den Gipfel im Griff, umhüllt Bergstation und Höhenrestaurant wie ein eiserner Panzer. In der klaren Luft haben die Schneeflocken riesige Kristalle gebildet, die filigran in der Sonne glitzern. Eine leichte Brise treibt feinen Schneestaub über die Kuppe des Åreskutan, mit 1.420 Metern Höhe Hausberg des schwedischen „Davos“.

Auf der Piste oberhalb des Hotels Fjällgaarden.

Von der Bergstation der einzigen Kabinenbahn Skandinaviens erschließen 40 Lifte 100 Abfahrten in vier Teilgebieten, die nach den Ortschaften der Talstationen benannt sind: Åre Björnen, Tegefjäll, Duved und Åre Village, mit 23 roten und sechs schwarzen Pisten Tummelplatz der ambitionierten Skifahrer. Für die alpinen Weltmeisterschaften 2007 wurde bei den Olympialiften eine weitere schwarze Piste gebaut: die Damenabfahrt für die Wettbewerbe im Slalom und Super-G. Vom lebendigen Dorfzentrum Åre Torget zieht sich seit 1910 alle 20 Minuten die Åre Bergbana am Stahlseil zum Hotel Fjällgarden empor, das 1910 mitten im Skizirkus eröffnete – und heute, durchgestylt im erdig-dunklen Zeitgeist der minimalistischen Moderne, ein angesagter Treffpunkt ist.

Im Foyer checken Wintersportler an kostenlosen Internet-Terminals ihre E-Mails; am Kamin stehen gemütliche Sessel zum Aufwärmen bereit. Die Funktionäre und Sportler wohnen während der Weltcup-Wettbewerbe im Holiday Club, der seit November 2004 das Seeufer dominiert. Die Ferienstadt mit Mehrzweckhalle, Konferenzsälen, Erlebnisbad und Saunapark ist in ihren enormen Ausmaßen sichtbarstes Zeichen der neuen Zeit, mit der Åre in die erste Liga europäischer Wintersportorte aufsteigen will.

Hemsedal: Mittagspicknick in der Sonne mit Blick auf das Tal von Hemsedal.

Schwingen in Skandinaviens Alpen

Große Pläne hegt auch Hemsedal. Mit seinem „Mountain Concept Plan“ will das norwegische Skidorf auf halbem Weg zwischen Oslo und Bergen bis zum Jahr 2015 zur Nummer eins in Skandinavien werden und Skigebieten in den Alpen und Amerika Konkurrenz machen. In den nächsten zwölf Jahren soll die Bettenzahl in Ferienwohnungen, Hütten und Hotels von 6.000 auf 11.000 nahezu verdoppelt werden, die Zahl der Pistenkilometer von derzeit 42 auf 75 Kilometer wachsen. Dazu soll, räumlich getrennt vom heutigen Ort, ein neues, autofreies Skidorf entstehen und der so genannte „Gummiwald“ an der Rückseite des Røgjin in das bisherige Skigebiet integriert werden.

Hinter dem 150 Millionen Euro teuren Ausbau steht die Aktiengesellschaft Skistar, die Hemsedal seit März 2000 im Portfolio führt. 2003 genehmigte die Gemeinde die Entwürfe der kanadischen Planer „Ecosign“ – Hemsedal erhielt als erstes Skigebiet Skandinaviens einen Masterplan. 1961 ging der erste Skilift in Hemsedal in Betrieb. Heute erschließen 22 Lifte 49 Pisten – 21 grüne, zehn blaue, neun rote und sieben schwarze – und unzählige Abfahrten im Gelände. Die Lifte in Hemsedal sind für skandinavische Verhältnisse recht komfortabel. Fünf der zehn Aufstiegsanlagen sind Sessellifte, vier davon Expresslifte. Hinauf zum 1.497 Meter hohen Totten führt der höchstgelegene Sessellift Skandinaviens.

Hinab durch die baumlose Weite gleitet eine grüne Panoramapiste. Sie eröffnet immer wieder neue Aussichten über die tief verschneite Fjelllandschaft, ein endloses, weich gekupptes Weiß, nur hier und da durchzogen von den Spuren der Langläufer. Auch am Hamaren (1.444 Meter) überziehen einfache Pisten die oberen, baumfreien Hänge. Doch sobald die ersten Krüppelkiefer auftauchen, wird das Gelände schwieriger und steiler. An der Mittelstation beginnen fünf eisglatte, schattige Schneisen für Cracks, die von Ost nach West steiler werden. Weniger Wagemutige finden eine rote Piste, die zum Schwingen verführt. Einsteiger bringt die längste Piste des Skigebiets, die vier Kilometer lange grüne Turistløypa, sicher zurück ins Tal.

Blick vom Totten (1.497 Meter) auf Totten-Schlepplift und Fjellgebiet.

Einfach bis mittelschwer sind auch die beiden langen Abfahrten vom Røgjin (1.370 Meter) mit direktem Anschluss an die beiden Ski-In/Ski-Out-Ferienanlagen Skarsnuten und Vesletøjen. Sämtliche Skihänge von Hemsedal liegen im Norden oder Nordosten. Die Schneequalität ist dadurch sehr gut, die Saison länger als in anderen Skigebieten Skandinaviens: Sie beginnt im November und endet erst am 4. Mai.

Fjell im Farbenrausch

Schneemangel ist auch im finnischen Sirrka ein Fremdwort. Bereits am Ende Oktober verwandelt die ersten Flocken das in den 1980er-Jahren noch völlig unbekannte Dorf 170 km nördlich des Polarkreises in den größten finnischen Wintersportort: Levi. Ausgelöst wurde der Boom durch die Öffnung des nahen Flughafens Kittilä – das einstige Flugfeld der Militärs ist heute im Winter der zweitgeschäftigster Airport des Landes. An den Wochenenden bringen täglich 14 Jets Winterurlauber nach Lappland. In der Kälte knirscht der Schnee unter den Ski.

Pulvertrockene Flocken bedecken die 45 Pisten von grün (sehr leicht) bis schwarz (schwer), liegen zentimeterdick auf den windzerzausten Ästen der Krüppelkiefern. 19 Lifte bieten schnelle Aufstiegshilfen, Wartezeiten sind unbekannt. Zum Gipfel des 531 m hohen Levi-Fjells saust Finnlands einzige Gondel. Zurück zur Talstation führt eine schwarze Piste, auf der die Ski-Elite seit drei Jahren zu Europa-Cup und Welt-Cup-Rennen antritt. Vor allem die Weltcup-Piste am Westhang hat es in sich: 52 Gefälle sind selbst in den kanadischen Rockies nicht zu finden.

Levi: unberührte Winterlandschaft.

Seichte, geschützte Familienabfahrten säumen den Südhang; lang gezogene Tempoabfahrten finden sich am den Osthang. Die Pisten am Nordhang führen direkt zurück ins Herz von Levi, wo bereits am Nachmittag der „After Ski“ mit Live-Konzerten bekannter Pop-, Rock- und Tangokünstlern beginnt. Und auch in Hemsedal und Åre fließt jetzt das Bier zu den Beats in den Bars.

Doch zum Winterurlaub in Skandinaviens Skijuwelen gehören nicht nur Pistenvergnügen und abendlicher Partyspaß, sondern auch urige Holzhütten-Feriendörfer im tief verschneiten Wald – und zahlreiche Aktivitäten ohne Ski. Dick vermummt in Thermoanzügen, geschützt mit Helm und Handschuhen, sausen die Gäste mit Motor oder Rentierschlitten durch den Schnee; andere ziehen mit Husky-Gespannen durch die winterliche Wildnis. Der Fahrtwind beißt im Gesicht, die Kälte kriecht in die Knochen. Doch dann taucht auf einer Lichtung eine Lappen-Kote auf.

Rund um das offene Feuer sind auf Holzbänken Felle ausgelegt. Im Kessel köchelt eine heiße Suppe mit geräuchertem Rentierfleisch; in handgeschnitzten Holztassen mit zwei Grifflöchern dampft Kaffee, auf einem Tablett liegen Zimtschnecken. Draußen bringt eine einzigartiges Zwielicht das Land zum Leuchten: erst Golden, dann Pink und Türkis tanzen die Farben am Firmament, bis zwei schmale Streifen in Orange und Grün das dunkle Land trennen. Und während droben tausende Sterne und Nordlichter zum Greifen nah funkeln, haben Åre, Hemsedal und Levi längst die Lichter angeknipst und locken mit Flutlicht-Fun auf Pisten und Loipen bis spät in die Nacht. Skandinaviens Ski-Juwele strahlen 24/7!

Hemsedal: „Afterski“ in der Skistua

Skandinaviens Ski-Juwele: Info

Auskunft

Åre

VisitSweden GmbH, Stortorget 2-4, SE-831 30 Östersund, Schweden, Fax: +46-63 128 137, Info-Hotline: 069-2222 3496 (Ortstarif), www.visitsweden.com

Hemsedal

Innovation Norway (Norwegisches Fremdenverkehrsamt), Postfach 11 33 17, 
20433 Hamburg, Tel. 0180 5 00 15 48, www.visitnorway.com

Levi

Finnische Zentrale für Tourismus, 60325 Frankfurt/M., Tel. (069) 50 07 01 57, E-Mail: finnland.info@mek.fi, Internet: www.visitfinland.de

Dieser Beitrag ist in „nordic friends“, dem Kundenmagazin von Nordea, erschienen.

Dämmerung am Levi-Fjäll

 

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