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Southwest National Park: beim Goldbauch-Sittich

Es war eine recht windige, wackelige Angelegenheit, doch der luftige Ausflug hatte sich gelohnt: Erst aus der Vogelperspektive wurde mir so richtig bewusst, wie einfach, entlegen und sprichwörtlich wild der Southwest National Park im Südwesten von Tasmaniens tatsächlich ist. Wie kaum eine andere Region hat Under Down Under seine einzigartige Urnatur bewahrt. 19 Nationalparks schützen die einzigartige Flora, Fauna und Geografie der Insel; ein Fünftel des Landes sind UNESCO-Weltnaturerbe.

Tasmaniens Südwesten gehört bis heute zu den letzten echten Wildnissen der Welt. Zu den wenigen, die sich in die morastige Tundralandschaft wagen und den stürmischen Roaring Forties trotzen, gehören Wanderer und Vogelforscher – denn hier lebt der einer der seltensten Vögel der Welt: der Goldbauch-Sittich (Neopherma chrysogaster).

Der rund 20 cm große Vogel, von dem nur noch rund 1.500 – 2.000 Exemplare in freier Wildbahn leben, hält als Unterart einer Papageienfamilie auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere einen Spitzenplatz – neben dem Panda und dem Sibirischem Tiger. Schuld am Rückgang der Population ist die Bedrohung seines angestammten Lebensraumes.

Die Salzmarschen an der Südküste Australiens wurden in den letzten 200 Jahren zu 80 Prozent zerstört. Sein Rückzugsgebiet ist heute der Southwest National Park, der rund ein Fünftel Tasmaniens einnimmt und damit etwa so groß wie Irland. Erreichbar ist er nur per Schiff, per Flieger ab Hobart – oder zu Fuß. Der  84 km lange South Coast Track von Melaleuca nach Cockle Creek ist jedoch auch für erfahrene Hiker eine echte Herausforderung.

Rund um die Landepiste in Melaleuca sind zwei Schutzhütten für Wanderer und Reste einer aufgelassenen Zinnmine einzige Zeugnisse der Zivilisation. Ringsherum wurde rund ein Dutzend Nistkästen für die Goldbauch-Sittiche von der tasmanischen Nationalparkbehörde aufgehängt.

Während sich die seltenen Vögel rar machen, ist der Wind allgegenwärtig. Er zieht durch die Täler bei Bathurst Harbour, bläst über die Bergspitzen der Arthur Range und fegt über die karge, morastige Tundra. „Roaring Forties“ nennt ihn Brandt Hill, wirft den Außenbordmotor an und startet mit seiner Gruppe zu einem Wildlife Cruise, einer rund halbstündige Bootsfahrt auf dem Melaleuca River mit Erklärungen zur Geschichte und Natur der Region.

Dann hebt die Cessna wieder ab, nimmt die Tagestouristen zurück nach Hobart, und im Umkreis von 100 km gibt es jetzt exakt nur noch drei Menschen: mich und zwei Frauen vom Festland, die ebenfalls durch die Wildnis streifen wollen. Sie zieht es nach Cockle Creek, mich zum Lake Pedder, der gegen den Willen von Umwelt- und Naturschützer zur Energiegewinnung aus Wasserkraft in dem viel größeren, künstlich geschaffenen New Lake Pedder sprichwörtlich versank.

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