2014DeutschlandSchleswig-Holstein

Holsteinische Schweiz: Stille Seen und große Kultur

200 Seen zwischen sanften Hügeln: Der Naturpark Holsteinische Schweiz ist eine Landschaft voller Romantik, die sich am schönsten zu Fuß, per Rad oder im Boot erleben lässt. Naturfreunde folgen verschwiegenen Pfaden, Musikfans pilgern zu Festspielen von Weltruf, Kinder und Familien genießen ganz entspannt Ferien ohne Sightseeingstress, aber voller Erlebnissen.

„Die Fischerei ist eine Familienkrankheit“, sagt Sabine Schwarten und streicht sich eine blonde Strähne aus dem Haar. Kühl ist es, leichter Nebel liegt über dem See. 80 bis 100 Reusen leert die resolute Fünfzigjährige jeden Tag in der Saison.

Aale, Hechte, Barsche und Zander gehören zum Fang, den sie aus dem Großen und Kleinen Eutiner See und dem Silbersdorfer See holt. Sabine ist die einzige Frau in einer Männerdomäne: Sie ist Schleswig-Holsteins einzige Fischwirtsmeisterin.

Neben der Reusen- und Zugfischerei betreibt Sabine Schwarten von April bis Mitte Mai sowie im Oktober und November noch die Satzfischerei. Dann rollen große Lastwagen vor ihr Fischerhäuschen am Großen Eutiner See und holten die vorbestellten Lebendfische ab, um sie in eigenen Gewässern wieder einzusetzen.

Der Beruf liegt in ihr in den Genen. Ihre Familie ist seit mehr 800 Jahren in der Fischerei aktiv. Was die Fischwirtsmeisterin immer wieder aufs Neue am Beruf begeistert, ist neben dem Kontakt mit den Menschen, ihren Kunden, die Begegnung mit der Natur.

Bei ihren Fahrten über die Seen kreisen Seeadler über ihrem Kopf. Beim Ausnehmen des Fangs schaut ein Graureiher zu, dann betteln Haubentaucher nach Futter.

Morgens, wenn die geschäftige Welt noch schläft, sind die Seen ein Paradies im Urzustand. Eine amphibische Idylle, geformt von der letzten Eiszeit. Mit sanft gewellten Endmoränen, lichtdurchfluteten Buchenwäldern und mehr als 200 Seen, glasklar und erfrischend.

Ein Eldorado für Wanderer, Radfahrer und Wassersportler, die mit schnittigen Jachten über die Wasserflächen gleiten oder im Kanu verwunschene Winkel entdecken, in denen Schildkröten brüten, Frösche quaken und Reiher stolz durchs Wasser staken.

Doch… was huscht da über den Grund? Ein Kember Krebs. Und damit ein Eindringling, ein Bioinvasor. Seine Heimat ist Amerika. Der US-Flusskrebs sieht dem deutschen Edelkrebs zwar ähnlich, hat aber einen entscheidenden Vorteil.

Er ist gegen den Erreger der Krebspest resistent, die den deutschen Krebs ausgerottet haben. Kurzerhand hatten Fischer daher einst seinen US-Vetter ausgesetzt. Heute darf dies nicht mehr geschehen, ist nur noch das Aussetzen einheimischer Arten gestattet.

Sabine Schwarten lebt in Eutin, der Rosenstadt am Kleinen und Großen Eutiner See. Unter den kunstsinnigen Oldenburger Herzögen Friedrich August (1750 – 1785) und Peter Friedrich Ludwig (1785 – 1829) erlebte die Kleinstadt eine kulturelle Blüte, die Goethe von Eutin begeistert als Weimar des Nordens schwärmen ließ.

Nicht ganz unschuldig war daran war ein Mann, der „Goethe in der Campagna“ auf die Leinwand gebannt hatte: sein Freund Friedrich Wilhelm Tischbein, der Johann Heinrich Voss nach Eutin gefolgt war, wo jener an der Gelehrtenschule unterrichtete.

1806 kam Tischbein nach Eutin, arbeitete am Hof, malte Szenen aus der Odyssee und der Ilias und verbrachte seine letzten Lebenstags bis zum Tod 1829 in der Zweiseenstadt, deren Motto heute heißt: „Auf zu neuen Ufern“.

Dieser Slogan vereint die Anstrengungen, die Eutin als Ausrichterin der Landesgartenschau 2016 unternimmt. Viele Millionen Euro nimmt die Stadt in die Hand, um Bahnhof, Seepark, Seescharwald und Stadtbucht mit dem alten Haus des Gastes aufzupeppen und „blühende Landschaften“ zu schaffen, die 600.000 Besucher nach Eutin locken sollen.

Große Kunst an ungewöhnlichen Orten

Umgebaut und aufgewertet werden auch das Festspielareal mit der Freilichtbühne, wo seit 1951 jeden Sommer große Opern open-air erklingen. Die Traditionsbühne im Eutiner Schlosspark gehört seit Jahren auch zu den Spielstätten des Schleswig-Holstein-Musikfestivals (SHMF).

Von Justus Frantz 1986 ins Leben gerufen, ist es heute mit rund 130 Konzerten an 77 Spielstätten in sieben Wochen das größte Klassikfestival der Welt. Das Geheimnis seines Erfolges? Musiziert wird nicht nur in den Schlössern, Scheunen, Ställen und schönsten Kirchen Schleswig-Holsteins, sondern auch an ungewöhnlichen Orten.

Werfen, Flugzeughangar und alte Industriehallen bildeten bereits die Kulisse, vor der Weltstars wie Geigerin Anne-Sophie Mutter, der Mezzosopranistin Magdalena Kozena oder die Cellistin Sol Gabetta auftreten, aber auch noch weitgehend unbekannte Künstler wie Aytac Dogan ihr Debüt gaben.

Doch nicht nur die Spielstätten sind ungewöhnlich. Gern werden auch Hörgewohnheiten des Publikums gegen den Strich gebürstet, erklingen nicht nur Bestseller der Klassik, sondern auch Klänge, die überraschen und irritieren.

Neuerungen hat auch Christian Kuhnt angekündigt, der im Oktober 2013 die Intendanz des Musikfestivals übernahmt. Neben dem jährlich wechselnden Länderschwerpunkt und einer Komponisten-Retrospektive wird es ab 2014 in jedem Jahr ein Interpretenporträt und einen Bereich mit nicht-klassischer Musik geben.

Zu den beliebtesten Veranstaltungen des SHMF gehören die Musikfeste auf dem Lande, wie sie alljährlich auch auf Gut Stocksee gefeiert werden, einer Perle unter den prachtvollen Herrenhäuser Ostholsteins, deren Ambiente und Gastlichkeit auch bei anderen Events zu erleben ist.

Während der Obsternte serviert die alte Hamburger Reederfamilie Baur, der das Gut seit 1926 gehört, unter Jahrhunderte alten Bäumen im Kaffeegarten und in der Gutscheune hausgemachte Torten und Kuchen, und fast fühlt man sich in den Kinoerfolg des Herbstes 2013 versetzt, der in der Holsteinischen Schweiz gedreht wurde: Der Geschmack von Apfelkernen.

Anfang Juni gibt’s beim „Park und Garden Country Fair“ die Requisiten für eigene Gartenträume, am ersten und dritten Advent wunderschönes Kunsthandwerk bei den 120 Ausstellern eines gemütlichen Weihnachtsmarktes, zu dem die Besucher von weit her pilgern.

Advent auf Gut Stockseehof gehört zur Holsteinischen Schweiz wie die Schuster zu Preetz. 780 von ihnen waren um 1850 in Preetz tätig und verliehen ihr den Ruf einer Schusterstadt. Berühmt wurde einer von ihnen, der rund 100 Jahre später seine Werkstatt in der Langen Brückstraße hatte: Albert Bünn (1924 – 2006).

Für die Kicker vom HSV erfand er Ende der 1950er-Jahren einen ganz besonderen Fußballballstiefel – mit Stollen, die je nach Bedarf ein- und ausgedreht werden konnten. Seine Erfindung machte Furore. Bünn selbst aber ging leer aus. Ihm fehlten die Mittel für die Weltpatente. Doch mit Stollenschuhen wurde schon bald in Malente gekickt.

1974 bereitete sich die deutsche Nationalmannschaft an der Verbandsportschule erstmals auf die Fußballweltmeisterschaft 1974 vor – und holte den Meistertitel. Nach dem Sieg blieben die Kicker Malente treu, kamen, trainierten, siegten. 1990 wurden sie erneut Weltmeister und der „Geist von Malente“ legendär.

1994 reiste die Mannschaft mit Berti Voigts zum letzten Mal nach Malente. Seitdem hat es für die deutschen Kicker nie mehr zu einem Weltmeistertitel gereicht. Bis 2006.

Tipp:  Alles fürs Picknick

Die Holsteinische Schweiz ist ein Paradies für ein Picknick. Klare Seen, blühende Wiesen, lichte Wälder, da bekommt man Lust, ganz genüsslich draußen zu tafeln.

Einfacher geht dies mit einem ganz besonderen Rucksack, den es bei zwölf Picknick-Partnern gibt, die das Behältnis für die Gäste mit allem befüllen, was man fürs Schlemmen in der Natur braucht. Die Grundausstattung der Rucksäcke ist stets identisch: wärmeisoliertes Haupt- und Flaschenfach, Teller, Gläser, Flaschenöffner, Salz & Pfeffer, Picknick-Decke und Service-Päckchen mit Sonnenschutz, Notfall-Pflaster, Atemfrisch und Müllbeutel.

Den Unterschied macht die kulinarische Füllung aus. Fürs Familienpicknick am Dieksee packt der Wyndham Garten Käse-Schinken-Sandwiches, Kuchen, Obst, Eier, Saftschorle und Spielsachen wie Frisbee oder Malstifte hinein. Regional und rustikal befüllt ihn Haus Schwanensee in Bosau. Omas Mischbrot fehlt dortebenso wenig wie deftig-zarter Holsteiner Schinken.

Neue Kraft bei Kanutouren gibt der Seeblick-Picknickrucksack; maßgeschneidert für Romantiker ist das Schlossgarten-Picknick, zu dem auch eine Flasche Sekt gehört.
www.holsteinischeschweiz.de/picknick-holsteinischeschweiz

Neugierig, mehr von der Ostsee Schleswig-Holsteins zu entdecken? Dann lest weiter im…

DMBA-Ostsee-Schleswig-HolsteinDuMont-Bildatlas Ostseeküste Schleswig-Hostein

Deutschland hat viele reizvolle Landschaften. Eine besonders schöne versteckt sich im hohen Norden. Wer Sonne und Meerluft genießen möchte, wer Gefallen findet an endlosen Stränden und hübschen Promenaden, und wem auch gelegentlich schlechtes Wetter nichts ausmacht, der hier an der Ostsee genau richtig aufgehoben.

An Regentagen kommt keine Langeweile auf, denn auch die Städte haben viel zu bieten: interessante Museen, schöne Lokale, Flair und historische Bauten – allein in Lübeck stehen mehr als 3000 Bürgerhäuser. Die Altstadt ist Weltkulturerbe.

Die Bilder der Fotografin Sabine Lubenow zeigen faszinierende Panoramen und ungewöhnliche Nahaufnahmen. Ich gebe in sechs Kapitel, gegliedert nach regionalen Gesichtspunkten, einen Überblick über die maritime Region. Zu jedem Kapitel gehören Hintergrundreportagen, Aktivtipps und Specials, die aktuelle und interessante Themen aufgreifen. Wer mag, kann mein Werk hier* online bestellen.

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