2004DänemarkEuropa

Knuthenborg: Afrika an der Ostsee

Auge in Auge mit Giraffe, Nashorn, Zebra oder Tiger – dafür muss der Tierfreund nicht ins tiefste Afrika, sondern ins nahe Lolland reisen. In Knuthenborg, Europas größtem Guts- und Tierpark, lassen sich auf der dänischen Ostseeinsel exotische Tiere hautnah erleben.

Eine 7.5 Kilometer lange und mehr als zwei Meter hohe Gutsmauer rund um das Schlösschen Knuthenborg umgibt den Safaripark, den jährlich mehr als 300.000 Menschen besuchen. Einlass gewähren einzig zwei Tore. Auf das schmiedeeiserne Bandholmtor, benannt nach der benachbarten Hafenstadt, führt eine Lindenallee zu. Dahinter grasen, nur wenige Meter vom Ostseestrand, Kamele.

Von Süden her führt hinter dem Maglemertor eine Allee aus neu gepflanzten 400 Eichen zu einer Wiese. Neugierig stecken Lamas ihren Kopf durch die geöffneten Autofenster. Wuschelige Zwergesel reiben ihr Fell an der Karosserie, lecken über den Außenspiegel.

Die Kinder im Auto lachen, verlieren die Scheu, wollen aussteigen. Erst zaghaft, dann immer mutiger streicheln sie die Schafe und Ziegen. Wenige Meter weiter hält eine Radgruppe an, um die zahmen Zwergzebus auf‘s Bild zu bannen.

Von beiden Toren führt der direkte Weg zum Zentrum des 628 Hektar großen Parks: der afrikanischen Savanne mit Säbelantilopen und Straußen, Gnus und Giraffen, Perlhühnern, Zebras und Wasserbüffeln. Als Lehnsgraf Eggert Christoffer Knuth 1864 den englischen Architekten E. Milner beauftragte, diesen Park anzulegen, konnte er sich in seinen wildesten Fantasien keine exotischen Tiere darin vorstellen. Exotisch waren lediglich die Bäume und Gewächse – er ließ sie aus den entlegensten Ecken der Welt nach Knuthenborg bringen.

Von Anfang an war der Park für die Öffentlichkeit geöffnet – doch die Tierwelt, die es zu bestaunen gab, beschränkte sich auf Hirsche, Kühe und Schafe. Erst 1969 kamen die ersten Antilopen, Zebras und Strauße per Schiff via Bremen aus Kenia nach Knuthenborg. Heute leben im Park rund 1.400 Tiere von mehr als 50 Arten.

Stolz des Savannengebietes, das nur im Auto besucht werden darf, sind vier junge weiße Nashörner. Mit diesen beiden Weibchen und Männchen beteiligt sich Knuthenborg am European Endangered Species Programme (EEP), einem innereuropäischen Zuchtprogramm zwischen autorisierten zoologischen Gärten und Parks.

Der Safaripark trägt so dazu bei, die bedrohten Tiere vor der Ausrottung zu schützen. Im nördlichen und zentralen Afrika leben nur noch 15 Exemplare. In Südafrika konnte mit großem finanziellen Aufwand ein Bestand von 12.000 Tieren wieder aufgebaut werden.

Seit Jahren bereits wird auf Knuthenborg erfolgreich die Straußenart Emu gezüchtet. 2003 kamen eine vom Aussterben bedrohte Känguru-Art hinzu – das „Rothalsige Wallaby“. Für die mittelgroßen Kängurus wurde an der Schlossruine ein neuer Lebensraum geschaffen.

Gleich daneben liegt der Kindergarten der Kitze, ein Streichelzoo für kleine Ziegen. Passendes Futter gibt es aus dem Automaten. Auch die fleckigen Knapstrup-Ponies und ihre Fohlen sind am Försterhof immer für Streicheleinheiten zu haben.

Im Tigerwald gelten strengste Sicherheitsvorkehrungen. Da die Wagen immer nur einzeln in das meterhoch eingezäunte Gehege gelassen werden, kann an besonders betriebsamen Tagen zu Wartezeiten bis zu einer Stunde kommen. Für Hunde und Katzen sowie Wagen mit Soft Tops oder Dachaufbauten ist der Tigerwald tabu.

Kinder dürfen nicht alleine auf der Rückbank sitzen. Im Gehege sorgt das gelbe Auto der Parkaufsicht für zusätzliche Sicherheit. Langsam, nur zehn Kilometer schnell, folgt das Fahrzeug einem vorgeschriebenen Rundkurs. Auf einem Fels döst ein sibirischer Tiger in der Sonne.

Plötzlich springt die Wildkatze auf, verschwindet im Unterholz, kehrt mit einem Nagetier im Maul zurück. Knapp einen Meter vom Autofenster wird das Opfer verzehrt. So nah einem Tiger zu sein – prachtvoll, aber auch furchteinflößend.

Entspannte Heiterkeit herrscht am Affenwald. 170 Paviane leben hier wie in der Heimat in einer Großfamilie, mit einem alten Männchen als Oberhaupt. Mt einer Affenbahn geht es mitten durch das lebendige Treiben.

Die Lieblinge der Gräfin Charlotte Knuth, heute mit ihrem Mann Adam Knuth in zehnter Generation die Herren von Knuthenborg, sind jedoch die Vögel. 600 farbenfrohe, exotische Vögel der verschiedensten Arten und Größen zwitschern und tirilieren unter dem Reetdach der 21 geräumigen Volieren – vom majestätisch ruhigen Ara bis zu den kleinen, quirligen Finken.

Ebenfalls hier zu finden sind die seltenen Seidenperückenaffen. Auch „Lisztaffen“ genannt, sind sie ebenfalls Teil des European Endangered Species (EEP)-Programms für bedrohte Tierarten.

Spazierwege führen von hier zum Schwanensee. Schmiedeeiserne Skulpturen schmücken die Uferwiesen. Im Frühling entfaltet der 100-jährige Rhododendronwald ein wahres Farbenfeuerwerk.

Mitten im See liegen die beiden Schwestern-Inseln mit einem botanischen Garten. Gemütlich um das Ufer geht es im offenen Kutschen, gezogen von spanischen Eseln. Kleine Kinder können auf Ponies eine geführte Reittour genießen.

Nach der Safari lockt das Småland-Spieleparadies. Eine kohlebeheizte Dampflok im Mini-Format schnauft mit ihren großen und kleinen Passagieren durch die dänische Südsee von Lolland und Falster im Maßstab 1.1000. Während Vater und Tochter mit lenkbaren Flusspferden über die Ostsee schippert, navigiert der Sohn an einem abgetrennten Areal ferngesteuerte Modellboote.

Der Spielplatz lädt zum Toben: mit einem Kletterturm, aus dem man unmöglich herausfallen kann, Hüpfburg, Tarzan-Tau, dem Kreisel „Snurretoppen“ und einem Karussell. Und weil sich beim Spielen schnell der Hunger meldet, liegt der Safarigrill gleich nebenan, wie auch der Safarikiosk mit großet Auswahl. Wer indes ein Hauch von Afrika ins eigene Heim holen möchte, findet passende Andenken im Zambesi-Shop am Vogelparadies.

Dieser Beitrag wurde für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst, am 13. April 2004  versandt und und zahlreichen deutschsprachigen Medien abgedruckt.

Zu Knuthenborg gehört ein Streichelzoo für Kinder mit handzahmen Ziegen. Foto: Hilke Maunder

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