2004DänemarkEuropa

Mit dem Postschiff durch den Nakskov-Fjord

Im Naturpark Nakskov Fjord lädt Torben Rasmussen Urlauber ein, ihn bei seiner tagtäglichen Arbeit zu begleiten: als Postbote. Während der kauzige Kapitän Briefe, Pakete und bestellte Waren verteilt, können die Gäste drei Stunden lang die stille Schönheit des inselreichsten Fjords Dänemarks erleben.

Torben Rasmussen kneift die Augen zusammen. In der schmalen Fahrrinne des Hafens muss der 57-Jährige genauestens Kurs halten. Nur wenige Meter außerhalb des Tonnenstrichs, sprich der Fahrwasser-Tonnen, watscheln Höckerschwäne durch die flachen Fluten. Steuerbord überragt der Turm der Nikolaikirche die Altstadt. Backbord gleiten erst wuchtige Kaispeicher, dann das russische U-Boot U 359 vorbei.

Das stählerne Ungetüm der „Whiskey-Klasse V“, so die offizielle NATO-Bezeichnung, erinnert heute multimedial an die Zeit des Kalten Krieges. Das 76 Meter lange und mehr als 1.000 Tonnen schwere Patrouillenboot kontrollierte mit 58 Mann Besatzung bis 1989 in bis zu 300 Meter Tiefe die Meere – bestückt mit zehn Torpedos, die Atomsprengköpfe trugen.

In den beiden Trockendocks der Nakskover Schiffswerft warten die ausgemusterten DSB-Fähren „Karl Carstens“ und die kleinere „Holger Danske“ auf eine ungewisse Zukunft. Das Werftgelände hingegen, auf der von 1916 bis 1986 mehr als 230 Schiffe, 200 Meter lang und bis zu 30 Meter breit, gebaut wurden, hat den Sprung in die Zukunft geschafft: als Industriepark für innovative Technologien.

Für die Arbeiter der Werft wurde 1920 gegenüber auf der Landspitze Traelleholm die Gartenstadt Rosnaes angelegt. Die Direktoren, Ingenieure und leitenden Angestellten sicherten sich für ihre Villen die schönsten Grundstücke entlang der Förde. In der Mühlenbucht ragen Mastspitzen hinter den Deichen empor. Mit dem Aushub des Segelhafens, in den 1940er-Jahren in einem Flachwassergebiet aufgeschüttet, entstand ein beliebtes Ausflugsziel der Nakskover: die Halbinsel Hestehovedet, der „Pferdekopf“.

Mit Händen, die von Jahren harte Arbeit zeugen, packt Torben das Ruder, dreht nach Norden ab und steuert die „alte Rinne“ an, die Schmelzwasser der letzten Eiszeit acht bis zehn Meter tief eingrub.

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