2007EuropaSchweden

Nimis: Skulpturenstreit am Kullaberg

Mit riesigen Wurzeln klammern sich die Buchen am Steilhang fest, Moos bewachsen blockieren Granitfelsen den Weg, fast transparent leuchten weiße Pilze an regennassen Rinden: Schroff, wild und urtümlich ist der Kullaberg im Südwesten von Schonen. Doch die Wanderer, die vom Himmelstorp Hof aus dem gelben N folgen, lockt nicht die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes, sondern die Kunst.

1980 begann Lars Endel Roger Vilks (61) hier am abgelegenen Steinstrand von Håle Stenar, der die Nordwestküste der Kullaberg-Halbinsel säumt, mit dem Bau von „Nimis“ (lat. „zu viel“). Zwei Jahre lang hämmerte und nagelte der Künstler aus Helsingborg aus Treibholz, Wurzeln und alten Ästen seine riesige Interpretation einer Ritterburg ungestört zusammen, bis der Landeigentümer den Bau entdeckte, die Behörden reagierten und ein langwieriger Streit seinen Anfang nahm.

Gerichtsverhandlungen, Bußgelder und Forderungen, Nimis sofort zu entfernen, konnten den streitbaren Kunstprofessor nicht bewegen, den Bau zu beenden; Vandalismus, Feuer oder Motorsägen-Attacken seine Stadtutopie am Strand nicht zerstören.

Schwedens größte Land Art

Mit Nimis schuf Vilks das wohl prominenteste Beispiel schwedischer Land-Art. Diese Landschaftskunst, die Ende der 1960er-Jahre in den USA aufkam, birgt bis heute eine explizit gesellschaftskritische Komponente. Um zu verhindern, dass Kunst zum Konsumgut oder Spekulationsobjekt wird, entstehen die Projekte der Land-Art-Künstler an abgelegenen Orten und in einer solchen Größe, dass sie in keinem Museum, in keiner Galerie ausgestellt werden können.

Wenn jemand die Kunstwerke sehen wollte, dann musste er sich auf eine innere und äußere Reise begeben und die Skulptur direkt in der Landschaft unter freiem Himmel bei Wind und Wetter mit all seinen Sinnen erleben.

Die Besucher, die den steilen Hang hinabklettern, interessiert nur wenig die Theorie, die Nimis transzendiert. Für sie ist das Kunstwerk Kult – und mit mehr als 30.000 Besuchern pro Jahr eines der bekanntesten und meistbesuchten Ausflugsziele der südschwedischen Provinz Skåne.

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