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Skåne: Schwedens dänische Seiten

Was die Eiszeit vor mehr als 8.000 Jahren auseinander riss, ist seit Sommer 2000 durch die Öresundbrücke wieder vereint: Dänemark und Schonen, das bis 1658 zum dänischen Königreich gehörte. Die schnelle Verbindung zwischen Kopenhagen und Malmö schuf ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl: Wir, die Öresundregion.

Auf einer Tagestour lässt sich bequem ein bisschen Schweden schnuppern, dänisches Erbe entdecken, Kunst, Kultur und Natur des nahen Nachbarn genießen. Die Brückenpassage über den Öresund beginnt überraschend: mit einem fast vier Kilometer langen Tunnel, dessen tiefster Punkt 13 Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Malmö: Blick vom Västrahamn auf die Öresundbrücke
Malmö: Blick vom Västrahamn auf die Öresundbrücke

Über dem Tunnel spielt sich der Hauptteil des Schiffsverkehrs ab, befinden sich die Jets m Landeanflug auf Kobenhagens Flughafen Kastrup. Doch dann folgen neun Kilometer zwischen Himmel und Meer.

Windräder drehen sich vor der Küste im Wasser, mächtige Granitfelsen werden von den Fluten umspült. Eine Insel taucht am Horizont auf. 65 Meter hoch über der Fahrrinne Flintrännan schwebt die Brücke zwischen 204 Meter hohen Pylonen, gehalten von 85 Zentimeter dicken Stahlseilen.

Der Verkehr rollt über zwei Stockwerke – unten die Züge, oben die Autos. Wer die Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern einhält, ist in neun Minuten an der für mehr als 10.000 Fahrzeuge ausgelegten Mautstelle Lernacken, dem Tor zu Schonen.

Schonen: Winter an der schwedischen Südspitze. Foto: Hilke Maunder
Winter an der schwedischen Südspitze. Foto: Hilke Maunder

Die Südspitze Schwedens, in der Landessprache Skåne genannt, gehörte bis 1658 zu Dänemark. 1,1 Millionen Menschen leben hier. Schroffe Felsen und Klippen prägen die Westküste, 300 Kilometer Sandstrände den Süden und Osten. Das Innere präsentiert sich als hügeliges Acker- und Weideland mit Buchenwäldern und wenigen Seen.

Auf Aktive warten 900 Kilometer Wanderwege, 800 Kilometer Radrouten sowie 58 Golfplätze. 300 Kirchen und 240 Burgen, Herrenhäuser und Schlösser erinnern an die dänische Zeit. Ein guten Überblick gibt eine kostenlose Karte, die ein Automat auf dem Rastplatz Skånegarden auf Knopfdruck kostenlos auswirft.

Malmö: am Gustav Adolf Torg
Malmö: am Gustav Adolf Torg

Sonntags kennen die Dänen nur ein Ziel: Malmö. In der drittgrößten Stadt Schwedens sind die Geschäfte sieben Tage die Woche geöffnet. Erholung vom Einkaufsstress bietet der kleine Platz Lilla Torg mit seinen Cafés und Restaurants. Er liegt mitten im Gamla Staden, dem alten Zentrum der Stadt, mit seinem neogotischen Rathaus, dem Jugendstil-Juwel Lejonet-Apotheke und der Festung Malmöhus.

Malmö: Historische Garde am Malmöhuis
Malmö: Historische Garde am Malmöhuis

Das älteste Renaissanceschloss Schwedens ist heute Sitz der städtischen Museen. In einem Buchenwald am Stadtrand versteckt sich Torups Slott, einer des besterhaltenen mittelalterlichen Schlössern des Nordens.

Auch die Geschichte des idyllischen Borgeby Slott 20 Kilometer nördlich von Malmö geht bis geht bis ins frühe Mittelalter zurück. Eine kleine Gedenkausstellung erinnert an den exzentrischen Maler und Dichter Ernst Norlind.

Vor der Zitadelle von Landskrona angeln Männer. In leuchtend rotem Ochsenblut ragt sie in den Himmel, umgeben von prallgelben Offizierswohnungen und Wirtschaftsgebäuden. Als Schonen an Schweden fielt, wurde die Wasserfestung des dänischen König Christian III. (1549-1559) mit Wällen, Bastionen und Wallgräben ausgebaut.

Auf den Festungswällen der Zitadelle liegen die ältesten Schrebergärten Schwedens – Landskrona besitzt daher auch das einzige Schrebergartenmuseum des Landes.

Im kleinen Hafen starten Hochsee-Angeltouren und Ausflugsfahrten zur Insel Ven, die sich mit ihrer Steilküste hoch über den Sund erhebt. Von der Anhöhe bei Barsebäck erscheint die Insel des Astronomen Tycho Brahe zum Greifen nah.

Wer im Barsebäck Golf & Country Club abschlägt, erhält die atemberaubende Aussicht gratis dazu. Der 18-Platz zählt zu den bekannten Anlagen des Landes. Alle zwei Jahre werden hier die Scandinavian Masters und die Compaq Open der Frauen gespielt. Für 2004 hat sich Clubchef Gösta Carlsson die Austragung des Solheim Cup gesichert, Gegenstück zum Rhyder Cup.

Schonen. Direkt am Bahnhof von Malmö beginnen Rundfahrten auf dem Wasser. Foto: Hilke Maunder
Direkt am Bahnhof von Malmö beginnen Rundfahrten auf dem Wasser. Foto: Hilke Maunder

Mit 90 Golfplätzen im Umkreis von 90 Minuten besitzt die Öresundregion die höchste Golfdichte Europas. 58 davon liegen in Schonen. Warum, verrät das Golfmuseum in Landskrona: Sie sind hier länger bespielbar als im übrigen Schweden, da der Frühling eher einsetzt und der Herbst später beginnt.

Kleine Fischerdörfer säumen die schmale Küstenstraße. In Borstahusen und Ålabodarna scheint die Zeit stillzustehen. Råå besaß im 17. Jahrhundert eine der größten Fischereiflotten Schwedens. Auch hier säumen bunte Holzhäuser die engen Kopfsteingassen, führen alle Wege zum Wasser.

Ein ganz besonderes Nass sprudelt kurz vor Helsingborg aus der Erde: das Mineralwasser Ramlösa. Im historischen Heilwasserpavillon lädt die alkalische Quelle zur Trinkkur. Das alte Kurhotel im Park, eines der größten Holzbauten Skandinaviens, dient heute als Konferenzhotel, die alten Gästehäuser als private Wohnungen.

Schonen: Blick auf Helsingborg von der Fähre aus. Foto: Hilke Maunder
Blick auf Helsingborg von der Fähre aus. Foto: Hilke Maunder

Wegen ihrer strategischen Lage an der schmalsten Stelle des Öresunds ist Helsingborg häufig in Schusslinie geraten. Sechsmal eroberten die Schweden die heute 118.500 Einwohner zählende Stadt – nur, um sie gleich wieder an die Dänen zu verlieren.

Wehrhaftes Wahrzeichen der betriebsamen Fähr- und Industriestadt ist der Kärnan, ein 600 Jahre alter Wachturm mit 4,5 Meter dicken Wänden und einer imposanten Terrassentreppe.

Vom Leben im alten Schonen erzählt Schwedens größtes Freilichtmuseum Fredriksdal. In Sofiero ist das kleine Schloss mit dem großen Park nicht nur bei Gartenfreunden, sondern auch bei Gourmets eine erste Adresse: Das Schlossrestaurant gehört zu den Top15-Lokalen des Landes.

Shopaholics zieht es nach Väla. Sieben Kilometer vor den Toren der Stadt lockt Skandinaviens größtes Einkaufszentrum mit 3.300 kostenlosen Parkplätzen, 104 Geschäften sowie neun Restaurants und Coffee Shops.

Nördlich von Helsingborg beginnt die Heimat der Kunsthandwerker. Nirgendwo sonst in Schweden haben sich so viele Künstler niedergelassen wie am Öresund – wohl, weil das Wetter deutlich milder, das Licht sehr stimmungsvoll ist.

Eine kulturelle Brücke schlägt die „Kulturbro“. Ziel der im Jahr 2000 gegründeten Biennale ist es, über Ländergrenzen hinweg nach neuen künstlerischen Wegen und Ausdrucksformen zu suchen. Von September bis Dezember präsentiert sie Theater und Tanz, Ausstellungen und Konzerte.

Malmö: Holzschuhmacher am Lilla Torg
Malmö: Holzschuhmacher am Lilla Torg

Jedes Jahr zu Ostern öffnen Südschwedens Künstler ihre Ateliers und zeigen Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Silberschmuck, Web- und Töpferarbeiten. Den Auftakt macht Schloss Krapperup. Höganäs ist Schwedens Keramikzentrum.

Hier lädt die ehemalige Salzglashütte und Keramikbrennerei Höganäs Boda Nova, Skandinaviens größter Steinguthersteller, zum Besuch seiner Ausstellung. Die schlichten braunen Krüge, Schalen, Teekannen und Becher mit Salzlasur gibt es günstig beim Fabrikverkauf.

Schonen, Mölle, Hafenort am Kullen (Kullaberg)
Mölle, Hafenort am Kullen (Kullaberg). Foto: Hilke Maunder

Mölle war zur Jahrhundertwende eine bekannte Sommerfrische. In jenen Tagen fuhrt ein Direktwaggon aus Berlin hierher. Heute locken vor allem die größte Modelleisenbahn Europas – und zahlreiche Restaurants.

Eine Mautstraße führt zum Naturschutzgebiet Kullaberg. Sind die ersten zwölf Prozent Steigung überwunden, geht es durch Laubwald und vorbei an Hirschgehege zum Gasthof Kullagården. Gleich daneben lädt der älteste Golfplatz Schwedens zum Parcours über 18 Loch.

Schonen: Das Kullens Fyrs am Kullaberg. Foto: Hilke Maunder
Das Kullens Fyrs am Kullaberg. Foto: Hilke Maunder

Wer Zeit und Lust hat, wandert nach Osten zum Kullens fyr, mit 88 Metern das höchstgelegene Leuchtfeuer des Nordens. Mehr als 80 Meter fallen die roten Gneisfelsen senkrecht ins Meer. In der Brandungszone haben die Wellen bizarre Grotten und Schluchten ins den Stein gewaschen.

Vom höchsten Gipfel des Gebietes, dem fast 188 Meter hohen Håkull, zeigt sich das schwedische Kap Horn in seiner ganzen Vielfalt: hier Hochmoore und Heide, dort Laub- und Nadelwald, Wacholder, Weiden und Wiesen.

Schonen: Nimis: Land-Art am Kullen. Foto: Hilke Maunder
Nimis: Land-Art am Kullen. Foto: Hilke Maunder

Nur vom Meer aus zu sehen sind „Nimis“ und Arx“, die Wahrzeichen des „Freistaats Ladonia“. Seit 1980 baut der schwedische Künstler Lars Vilks an diesen riesigen Konstrukten aus Treibgut, Steinen und Beton. Von der verbotenen Kunst führt ein Wanderwegs zu einem berühmten Café: Im „Flickorna Lundgren“ bei Arild war einst König Gustav VI. Adolf jeden Sommer zu Gast.

Schonen: unterwegs mit unserem Guide. Foto: Hilke Maunder
Schonen: unterwegs mit unserem Guide. Foto: Hilke Maunder

International berühmt wurde der Kullen jedoch durch einen kleinen Jungen. Einmal im Jahr, so erzählt die schwedische Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf in ihrer „Wundersamen Reise des Nils Holgersson“, versammeln sich die Kraniche zu ihrem großen Tanz auf dem Kulllaberg und veranstalten mit den Tieren einen Spielmannstag. Alljährlich im Frühjahr wird dieses Märchen wieder Wirklichkeit.

Dieser Beitrag im Februar 2003 als Auftragsarbeit für den Reportagedienst von Visit Denmark verfasst und von zahlreichen deutschsprachigen Zeitschriften veröffentlicht.

Schonen: Das Café an der schwedischen Südspitze bei Smyggehamn. Foto: Hilke Maunder
Das Café an der schwedischen Südspitze bei Smyggehamn. Foto: Hilke Maunder

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